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ALLERSEELEN – LUX INTERNA – CAWATANA

Ort: Oberhausen - Burg Vondern

Datum: 31.07.2004

An diesem sommerlich warmen Samstag Abend machte sich die Delegation des Terrorverlags auf, um einer ganz besonderen Veranstaltung ihre Aufwartung zu machen. Der Forsite-Verlag für europäische Frühgeschichte, Mythologie & Esoterik hatte zum Mitternachtsberg-Fest eingeladen (in Anlehnung an einen bekannten Song…) und wir nahmen diese Einladung gerne an. Und es sollte ein besonderer Abend werden, was nicht nur mit der Location zu tun hatte. Schauplatz des „neo-folkigen“ Spektakels sollte der Burghof der Burg Vondern zu Oberhausen sein, ein mehr als passender Rahmen also. Wie lange die Burg – ein bedeutender spätgotischer Profanbau – schon existiert, ist unbekannt. Immerhin deuten einige Fakten auf das 13.Jahrhundert hin, wobei das Gemäuer noch vor wenigen Jahren fast zur Ruine verfallen war. Bis 1995 konnte es dann mit Hilfe des Bundes und des Landes wieder restauriert werden.

Um ca. 19 45 Uhr erreichten wir die anliegende Strasse und wurden bereits dort Zeugen eines massiven Polizeiaufgebots. Massiv vor allem in Anbetracht der doch recht kleinen Schar an Zuschauern, wohlwollend geschätzt mögen es vielleicht an die 100 gewesen sein. Wie üblich bei derartigen Veranstaltungen hatte es in den Medien vorher eine pauschale Verurteilung der beteiligten Bands bzw. der Veranstalter gegeben, ohne dass man sich vernünftig mit dem Thema auseinandergesetzt hätte. Sicherlich gibt es gerade im Genre „Neo Folk“ einige dubiose Musikanten und die zugrunde liegenden Ideologien sind nicht immer kritikfrei, dennoch muss es in Deutschland möglich sein, sich selbst ein Urteil bilden zu können. Wobei ich offen volksverhetzende Kapellen natürlich von diesem Liberalismus ausschließen möchte, aber von denen hatte sich auch keine angesagt. Jedenfalls wird jeder, der uns kennt, unsere einwandfreie politische Gesinnung bestätigen, was uns aber niemals daran hindern wird, uns selbst ein Bild zu machen. Mehr muss hier nicht gesagt werden. Jedenfalls hatte es wohl Ärger mit dem Burgbesitzer gegeben, dem das Konzert ursprünglich als Privatveranstaltung verkauft worden sein soll. Dazu kamen Beschuldigungen linker Gruppierungen, dass hier rechter Polemik eine Plattform geboten werden sollte. Ergebnis des Vorspiels: Sämtliche Anfahrtswege waren von Ordnungskräften umstellt, das Ordnungsamt hatte eine Abordnung entsandt (und zusätzlich das Veranstaltungs-Ende auf unübliche 22 Uhr festgelegt) und der Burghof blieb reichlich leer. Ob nun Zuschauer in Scharen erschienen wären, wenn alles vorab ruhig geblieben wäre, sei mal dahingestellt, jedenfalls gab es natürlich weder Ausschreitungen noch sonst irgendwelche Abartigkeiten. Die meisten Anwesenden waren eh Metaller und Grufties, nur ganz wenige schlugen hier etwas aus der Art. Es gab einen Getränkestand und einen den ganzen Abend recht arbeitslosen Grillmeister, der sich an Bratwürsten und Steaks versuchte, das ganze funktionierte mit dem bekannten Wertmarken-System. Was es leider nicht gab: Tonträger-Stände, denn das war vom Ordnungsamt ebenfalls untersagt worden. Doch nun zur Musik!

CAWATANA aus Ungarn konnten mit ihrer Debüt-CD „Struggle for Wisdom“ (erschienen beim Eislicht-Verlag) einige wohlwollende Kritiken einfahren, noch besser kam ihre Live-Show auf dem WGT 2003 an. Allerdings unterschied sich das heutige Line Up beträchtlich vom Leipziger Gig. Während dort noch von einem großen Musiker-Aufgebot mit allerlei Instrumenten die Rede war, trat man heuer in Trio-Stärke auf. Ein Sänger, ein Mann an der Akustik-Gitarre, sowie ein weiterer am elektrischen Bass bildeten das Fundament für den eingängigen, in meinen Ohren aber nicht sonderlich spektakulären Neo Folk. Eine wohlklingende Männerstimme, die hauptsächlich in englischer Sprache kleine Weisen vortrug, wurde von sanften Gitarrenakkorden ergänzt, ein wenig Lagerfeuerromantik kam auf. Allerdings war schon nach wenigen kurzen Stücken Schluss, einmal wechselte auch der Sängerposten. Mit einem kurzen „Sorry“ verabschiedete man sich, worauf sich die Entschuldigung bezog, konnte man nur erahnen. Wahrscheinlich lag es am späten Beginn und der Sperrstunde, dass man nicht so musizieren konnte, wie man wollte.

Danach kamen die Amerikaner LUX INTERNA zum Zuge, die mit „Ignis Mutat Res“ (Ebenfalls Eislicht) gerade eine sehr gelungene CD vorgelegt haben. Die Musiker hatten sich bereits vorher unter den Zuschauern blicken lassen, was man allgemein den ganzen Abend so beobachten konnte. Man unterstützte sich gegenseitig. Auf der Bühne agierte man zu dritt, Bandgründer Joshua Levy I. Gentzke übernahm den Löwenanteil am Gesang und er benahm sich auch wie ein solcher. Leidenschaftlich intonierte er Stücke vom aktuellen Release genauso wie je zwei vom Debüt „Truth and beauty and all their severity” und der nachfolgenden „Absence and Plenum“-VÖ, so dass er am Ende fast schweißgebadet war. Dieser Mann lebt seine Musik! Dazu bediente ein Kollege die Keyboards, während die sehr ansehnliche Kathryn C. Gentzke zunächst am Schlagwerk für die Percussion sorgte. Bei manchen Stücken übernahm sie dann die Vokalarbeit und das mit einer wirklich herausragenden Stimme, währen Joshua sich derweil mit dem Rücken zum Publikum austobte. Besonders sei auf die Rilke-Adaption „Lange musst du leiden“ hingewiesen, deren Beginn in deutscher Sprache erfolgte. Eine sehr gelungene und kraftvolle Performance, welche auch fast alle Anwesenden nach vor an die Bühne lockte, die übrigens unterhalb einer der Türme eingerichtet worden war. Beim letzten Song „Season Apart“ wurde dann sogar der Regler für die kleine Lightshow entdeckt, welche dann beim Headliner kultiviert werden sollte.

Setlist LUX INTERNA
Intro
The Parting Song
The Hidden Fields
Flowers under Glass
Fire Flowers in the Valley
Secret Heart of the World
Lange mußt du leiden
Horizon
A Season apart

Und der war ALLERSEELEN aus Österreich, sicherlich die kontroverseste Formation am heutigen Abend. Projektkopf Gerhard alias „Kadmon“ war in der Vergangenheit schon mit ein paar nicht ganz korrekten politischen Statements aufgefallen, hier und heute aber zählte die Musik. Diese wurde dargebracht von Kadmon plus einem Bassisten und 2 optisch ähnlichen „Martial Drummers“ im Hintergrund. Besonders der langhaarige Saitenkünstler Jörg (DER BLUTHARSCH etc.), welcher dem Stoner Rock-Bereich entsprungen sein könnte, überzeugte mit variablem Bass-Spiel, wobei er das Instrument eher wie eine Gitarre anschlug. Das ganze kam dementsprechend tieftönend und drückend aus den Boxen. In Verbindung mit den Synthies vom Band, die mal Big Band und mal Techno-Feeling aufkommen ließen, und dem monotonen deutschen Sprechgesang kam ein recht eigentümlicher und interessanter Sound zustande. Ich würde diese Live-Darbietung mal ganz vorsichtig unter der Rubrik LAIBACH meets DOOM meets Chaos bezeichnen. In dem Zusammenhang sicher besonders interessant das DAF-Cover „Als wärs das letzte Mal“! Ebenfalls spannend: „Flamme“, welches von der „Serpiente de Luna, Serpiente de Sol“-CD der Spanier O PARADIS stammt, und wo Gerhard als Gast zu mediterranen Klängen Nietzsche rezitiert. Jedenfalls ganz schön experimentierfreudig, weiterhin gefielen mir der „Feuersalamander“, „Steingeburt“ von der aktuellen MCD „Pedra“ und das abschließende „Wir rufen deine Wölfe“. Dieses Stück hat eine besondere Geschichte: Kadmon hatte befreundete Bands und Projekte wie DER FEUERKREINER, BLOOD AXIS oder eben auch CAWATANA eingeladen, ein und denselben Text musikalisch frei zu verarbeiten. „Wir rufen deine Wölfe“ stammt ursprünglich vom 1990 verstorbenen deutschen Dichter Friedrich Hielscher, den man zu den „Nietzscheanern“ zählt und den Untergang des westlichen Kapitalismus thematisierte, sicherlich ein diskussionswürdiger Zeitgenosse. Eigentlich wollten Gerhard und Friends noch 2 weiterer Lieder zum besten geben, aber die 22 Uhr-Marke war bereits überschritten und ein freundlicher Ordnungshüter erinnerte den Veranstalter an die zu erwartende Strafe bei Nichteinhaltung. So verschwanden die Österreicher etwas abrupt von der Bühne, auf der sie aber durchaus eine interessante Visitenkarte abgegeben haben.

Setlist ALLERSEELEN
Mit fester Hand
Feuersalamander
Venedig
Krieger aus Stein
Flamme
Steingeburt
Löwin
Kamerad/ Tanzt die Orange
Als wärs das letzte Mal
Knistern
Wir rufen deine Wölfe

22 15 Uhr waren wir schon wieder auf dem Weg nach hause, ein unkonventioneller Abend hatte sein Ende gefunden, mit 3 Formationen, die im Rahmen des Möglichen ihr Bestes gegeben haben. Jeder neutrale Beobachter wird zum Tagesausklang seinen Frieden mit dem Mitternachtsberg-Fest 2004 gemacht haben und falls es die finanziellen Mittel der Veranstalter zulassen, hätte ich im nächsten Jahr nichts gegen eine Wiederholung.

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