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8TH DARK WAVE FESTIVAL

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Ort: Bielefeld - Movie

Datum: 16.05.2015

Mitte Mai war es wieder soweit: Das mittlerweile 8. Dark Wave Festival fand im ehemaligen Kino am Bielefelder Bahnhof statt. Das Konzept dieser Veranstaltung ist so einfach wie genial. Man nehme als Headliner eine in der Szene bekannte Größe und dazu werden Newcomer eingeladen. Da kann man nix falsch machen, denn beim Headliner weiß man ungefähr was einen erwartet. Die Überraschung des Abends liegt immer beim Support und hier bin ich bei den vergangenen Festivals nie enttäuscht worden. So sollte es auch an diesem Abend werden.

Pünktlich um 20 Uhr betraten die mittlerweile zum Duo angewachsenen ROSI aus Bielefeld die Bühne und eröffneten mit Indie/ Coldwave Sound den Abend. Mastermind und Sänger Rosi verstärkte sich mit Mirco von MINDSLIDE an der Gitarre und etwas nervös begannen die beiden ihr Set. Aber nervös brauchten ROSI nicht sein. Noch dazu waren es zu diesem Zeitpunkt leider kaum mehr als 20 Leute in der Halle und die standen so weit weg von der Stage, dass sie von dort aus gar nicht zu sehen waren. Unbeeindruckt davon spielten sie sich durch ihr knapp 20 minütiges Set, wobei Rosi teilweise in sich gekehrt die Songs vortrug, während Mirco mit der Gitarre verhalten über die Bühne wirbelte. Wenn ich die Musik von den beiden beschreiben müsste, würde ich sie so zwischen alten CURE, BAUHAUS, SISTERS und etwas JOY DIVISION einordnen, nur moderner. Zum Abschluss ihres Gigs gab es fürs Publikum noch ein paar Rosen, die ROSI richtig weit werfen mussten, damit sie auch die Empfänger erreichen konnten. Ich hoffe, dass es von den Jungs in Zukunft noch mehr zu hören gibt. Als Merchandise hatten sie witzigerweise eine Kassette in einem tollen Schuber dabei, natürlich zusätzlich mit einem Downloadcode.

Setlist ROSI (ohne Gewähr)
Intro
Film
Tier
Kirmes
Kaffee
Zustand

Nach einer ganz kurzen Umbaupause enterte das interessante Projekt EGOAMP die Stage und wurden ganz kurz mit Soundproblemen begleitet. Die allerdings sofort beseitigt wurden, so dass das Duo mit seinen 80er New Wave, Synthpop und EBM Sound sofort in die Vollen gehen konnte. Schon die Kostümierung der beiden Protagonisten zeigte das Faible für deutsche expressionistischen Filme der 20er Jahre bzw. Stummfilme in dieser Zeit allgemein, das schon auf dem Album „Welcome To The Cabinet“ zu Gehör gebracht wurde. Das Cover dieses Longplayers ziert eine bearbeitete Version des Filmplakats von „Das Cabinet des Dr. Caligari“ und so ist es auch kein Wunder, dass einige Songs aus diesem Album diesen Film thematisieren. So schafften es „Lady And The Tramp”, “The Carnival”, “The Cabinet” und auch “EGOmanic Maniacs” vom 2011er Werk in die Setlist des Duos, die aber mit „Neonshein“ auch einen aktuelleren Song präsentierten. Um das Publikum, das sich in der Zwischenzeit mehr als verdoppelt hatte, mit in das Geschehen einzubeziehen, warf Sänger Asmodi Caligari einige bunte Knicklichter und Luftballons in deren Richtung. Auch hier standen die anwesenden Leute immer noch am anderen Ende der Halle und schauten sich das Treiben von EGOAMP aus sicherer Entfernung an. Nach einer halben Stunde verabschiedeten sich Asmodi und René Castle von der Bühne und ich bin der Meinung, ihre humorvolle Show hätte durchaus etwas mehr Akzeptanz verdient.

Setlist EGOAMP (ohne Gewähr)
Battle Of The Worlds (Live Intro)
Lady And The Tramp
1/0
Iron And Steel
The Carnival
Neonshein
Jajaja
The Cabinet
EGOmanic Maniacs

Jeder, der um die 40 Jahre alt ist und sich in der Dark Wave Szene bewegt, wird mit Sicherheit den THE ETERNAL AFFLICT Klassiker „San Diego“ kennen. Seit mehr als 25 Jahren veröffentlichen die Essener in unregelmäßigen Abständen Alben, wobei das `92er Werk „Trauma Rouge“ das wohl bekannteste ist. Nach einigen Unstimmigkeiten innerhalb der Band gab es auch eine längere Ruhepause, aber das kommt in fast jeder Combo vor. Zum Glück haben sie sich wieder zusammengefunden und so gab es für die Fans den typischen TEA Sound aus Electro, Wave und Gothic am heutigen Abend zu hören. Im letzten Jahr begann die Veröffentlichung einer Trilogie, bestehend aus der EP „Perish!“, dem Album „Birth Life Death“ und mit „… And Inbetween Love?“ einer weiteren EP. Kein Wunder also, dass ein Großteil der ca. 75 minütigen Setlist mit Songs aus diesen drei Veröffentlichungen gefüllt war. Aber Cyan, Winus und Per haben natürlich auch die älteren Sachen wie „We Libanon You“ und „Trauma Rouge“ vom gleichnamigen oben schon erwähnten Longplayer im Gepäck, wobei doch auffällt, dass einige wegweisende Alben der Band völlig ignoriert wurden. Trotzdem haben die vorgetragenen Songs genügend Aussagekraft, die Fronter Cyan gefühlvoll, aber auch ins Micro schreiend vorträgt. Er lebt die Songs auf der Bühne, das nimmt man ihm ohne weiteres ab. Da stört es auch nicht, dass neben ihm ein Notenständer steht, auf dem er seine Texte platziert hat. Das ist nichts Neues, das machen andere Künstler genauso. Während das anwesende Publikum immer noch den riesigen Sicherheitsabstand zur Bühne wahrte, passierte kurz nach der Hälfte des Gigs etwas ganz merkwürdiges. Die ersten Gäste für den nachfolgenden Discobetrieb betraten die Halle und fingen an, vor der Bühne zu den Klängen von TEA zu tanzen. Es waren keine Waver, Gruftis oder EBMler sondern ganz normale Discobesucher, die mit ziemlicher Sicherheit noch nie was von den Jungs oben auf der Bühne gehört hatten. Erst als Winus und Cyan ihre Zugabe mit den Worten ankündigten: „Da fehlt doch noch einer!“ fingen auch die anderen Konzertbesucher an zu tanzen. „San Diego“ ist und bleibt ein Tanzflächenfüller.

Setlist (ohne Gewähr)
Spiel Mir Das Lied Vom Tod – Intro
Godless
Eternal
Birth Life Death
Trauma Rouge
We Libanon You
24 Hours
Eve – The Painmachine
Revolucion
Red Violett Flowers
Crash Course – Babylon
Perish!
Agony, I Like
Million Shades Of Grey
Visions

San Diego
Spiel Mir Das Lied Vom Tod – Mundharmonika – Outro

Das 8TH DARK WAVE FESTIVAL war meiner Meinung nach eine außergewöhnlich merkwürdige Veranstaltung. Das lag aber nicht an den aufspielenden Bands, im Gegenteil – die gaben auf der Bühne ihr Bestes. Es lag eher am Publikum. Es kann doch nicht sein, dass die Leute erst beim allerletzten Song aufwachen und anfangen zu tanzen und zuvor den ganzen Abend im Hintergrund verbringen. Ich hatte auch mit etwas mit mehr Zuspruch gerechnet, aber möglicherweise hatte es auch mit dem 2. Liga Aufstieg von Arminia Bielefeld zu tun, deren Fans zu Tausenden zur gleichen Zeit ein paar hundert Meter weiter ihre Helden feierten. Vielleicht hatten es sich einige dann doch anders überlegt und lieber den Fußball vorgezogen.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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