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ADEPT – HER BRIGHT SKIES – ADMIRALS ARMS

Ort: Osnabrück - Bastard Club

Datum: 05.02.2010

ADMIRALS ARMS

Für das Vorspiel zeigen sich die Pariser ADMIRALS ARMS verantwortlich, welche sich erst einmal ihrerseits vor dem Start um 20 Uhr mit großzügigen Schlücken aus einer Jägermeisterflasche in Stimmung brachten. Das Gebräu startet dann scheinbar entsprechend explosionsartig den Motor der Mathcore-Maschine, welcher mit dem Opener „Dawn of the new age“ aufheult und von da an das Vehikel losdonnern lässt wie einen Querschläger aus einer 45er. Frontschreier Hendrick vertont das Eröffnungsstück auch ohne das Feature von BRING ME THE HORIZON-Röhre Oliver Sykes ausdrucksstark, lässt sich dafür aber auch gut und gerne von Bassist Matthew stimmtechnisch unterstützen. Vor allem beim folgenden „Ideal means nothing“ setzt letzterer mit seinem nöligen Organ Akzente und erinnert live dabei ein wenig an COMECLOSER. Mit seinen Kollegen von der Instrumentenfraktion lässt er das sperrige Songwriting, soweit man das sagen kann, sauber und sogar relativ angenehm erklingen – ein Umstand, den ich bei diesem Genre in einem recht kleinen Club mit entsprechender Soundanlage wie diesem so nicht erwartet habe – und mich doch positiv überrascht. Vor allem der melancholische ALEXISONFIRE-mäßige Part mit dem klaren Solo gefällt an dieser Stelle, ebenso das anschließende „Thirteen out of tune trumpets“. Die rockig grundierte Komposition ringt dann auch den leider nur in relativ geringer Zahl anwesenden Ticketzahlern etwas Bewegung ab, jedoch erfolgen die ersten Tanzeinlagen von den Tourkumpanen: „It’s our last show here in Germany on this tour, so let’s celebrate with this motherfuckers, ADEPT and HER BRIGHT SKIES!“ Was Hendrick an dieser Stelle einfordert, setzt er dann seinerseits um, zieht seine Bahnen durch den Bühnenvorraum und sucht sich ab und an jemanden zum „anschreien“. Doch auch auf der Bühne ist natürlich was los, und so dreht man mit zunehmender Spielzeit immer mehr auf. Das gekonnte Posing wird gerne mal um ein energisches rhythmisches Stampfen erweitert – Matthew geht sogar soweit, dass er den Hals seines Basses senkrecht im Takt auf einen Koffer rammt. Und während die Anwesenden brav (mit)klatschen, stellt man mit dem beiläufigen, kontextlosen Ausruf „Busen!“ noch stolz grundlegende Kenntnisse der einheimischen Sprache unter Beweis. Während man auf der Stage also ordentlich abgeht, bleibt nicht aus, dass man auch des Öfteren mal einen Mikrofon-Ständer oder Teile des Schlagzeugs umreißt. Vielleicht ist es aber auch einfach nur nicht der erste Jägermeister gewesen, den man sich an diesem Abend zu Beginn gegönnt hat. Durch das vereinzelte Spucken in den Publikumsbereich kristallisiert sich ebenfalls heraus, dass neben „ADMIRALS ARMS“ auch „Animals Arms“ ein passender Name für die Franzosen wäre (Zitat: Tina), so fühlt man sich nämlich nicht nur hier an Lamas erinnert, sondern dank Matthews affengleicher Kletteraktion auf den Boxenturm auch an andere Tiere. Direkt unter der Decke angekommen zockt dieser dann aus ungefähr 2,50m Höhe noch souverän unter Applaus und staunenden Augen weiter, ehe man nach dem knallenden „Scissors“ mit dem großartigen „Exposures“ nach 20 energiegeladenen Minuten ein gelungenes Ende findet. Ein bisschen NORMA JEAN, ein bisschen Chaos, dafür aber ganz viel Unterhaltung von einem guten Einheizer bei eisigen Temperaturen!

Setlist ADMIRALS ARMS
Dawn of the new age
Ideal means nothing
Thirteen out of tune trumpets
Untitled
The Path
Scissors
Exposure

HER BRIGHT SKIES

Dass es um 20:55 Uhr musikalisch in eine ganz andere Richtung gehen soll, merkt man direkt an dem trancigen und sehr, sehr coolen Intro von HER BRIGHT SKIES. Die „Schräge-Pony-Träger“ legen zwar ähnliche Energie und Glaubwürdigkeit an den Tag, liefern dabei aber wesentlich gradlinigeres Songwriting in Form von ziemlich standardisiertem Emocore ab. Dieser fesselt aber dennoch direkt beim ersten Stück „Sold Our Souls (To Rock & Roll)“ durch das melodiegetränkte Riffing und die angenehmen Stimme im Wechsel mit gekonnten Shouts von Sänger Johan, so dass SILVERSTEIN & Co. nicht allzu fern scheinen. Zu fern sind dem Fronter dann allerdings die Fans, die man erst einmal weiter nach vorne bittet, wobei sich vor allem die Mädels nicht lange bitten lassen. Ihnen widmet man dann das zweite Klangwerk „Little Miss Obvious”. Zwischen 50 und 60 Leuten dürften sich zu diesem Zeitpunkt im Bastard Club eingefunden haben – ob es jetzt an der teilweise immer noch herrschenden Glätte oder vielleicht an der Bestreikung der öffentlichen Verkehrsmittel liegt, darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Den Grund bei der musikalischen Darbietung zu suchen, lasse ich da mal nicht gelten, zumindest nicht von jemanden, der Stücke wie „„Roses“ oder „Burn All The Small Towns“ kennt. Auch live definitiv Ohrwurmfutter und ebenso wie der Rest von den fünf Schweden absolut authentisch und sauber umgesetzt. Den Mitsing-Refrain intoniert man dann auch bereitwillig gemeinsam mit Kollegen und textsicheren Anhängern. Glücklicherweise bessert sich der Sound dann mit zunehmender Auftrittsdauer, so dass man die anfangs zu leisen Backing Vocals dann doch noch gut vernehmen kann. Den Rezipienten gefällt es augen- und ohrenscheinlich gut, was Johan dazu veranlasst, Deutschland zu loben, da man hier schon immer gute Shows gespielt habe und es immer wieder schön fände, hier spielen zu dürfen. Klar, wenn man die Leute so im Griff hat, wundert das nicht. Doch dass es dazu kommt, verdanken die Jungs neben ihrem Können und ihrer sympathischen Ausstrahlung vor allem ihrem starken Liedgut, was sie zwischenzeitlich immer mal wieder mit coolen elektronischen Einspielern anreichern. So wundert es auch nicht, dass man der Aufforderung „I want you all to jump when I count to four“ ohne zu zögern nach kommt – beide Seiten haben hier sichtlich Spaß. Wo man auch grad so schön am springen ist, kommt Johan dann auch mal eben von der Bühne gedivet. Mitten drin im munteren Treiben dann auch immer wieder die Kollegen von ADEPT und ADMIRALS ARMS, die sich den Spaß nicht entgehen lassen. Wie gut die Chemie zwischen den Truppen ist, zeigt sich ebenfalls daran, dass man auf der Bühne brav die Shirts der jeweils anderen trägt: „We want to thank everyone who is involved in this tour, especially our brothers ADEPT and ADMIRALS ARMS!“ HER BRIGHT SKIES-Shirtträger dürfen jedenfalls stolz auf ihre Jungs an diesem Abend sein, die nach „Stargazer/ Icebreaker“ um 21:25 Uhr zum Abschluss den Mitgröhl-Hit „Woh oh, woh oh oh (I know)“ anstimmen und so einen durchweg positiven Eindruck hinterlassen.

Setlist HER BRIGHT SKIES
Sold Our Souls (To Rock & Roll)
Little Miss Obvious
Burn All The Small Towns
Killing Me
Roses
Stargazer/ Icebreaker
Woh oh, woh oh oh (I know)

ADEPT

Um Zehn vor Zehn ist dann die Zeit für den Headliner gekommen. Zu den Klängen eines klassischen Intros betritt die zweite Schwedentruppe an diesem Abend die Bühne und schmettert, nachdem jenes Intro (von entsprechenden Armbewegung begleitet) noch in einen coolen Hip Hop-Beat umschlägt, mit „Sound the alarm“ ohne weitere Umwege los. „What the fuck is up, Osnabrüüück!?!“. Das Liedgut der Debüt-LP „Another year of desaster“, mit der meine Anlage wohl irgendwann noch einmal beerdigt wird, soll also den Soundtrack für einen schwungvollen Abschluss der „The Toughest Kids“-Tour 2010 in Deutschland stellen – und schon bei der ersten Komposition ist klar, dass das auch gelingt. Noch während der Umbaupause hat unter anderem ADMIRALS ARMS-Sänger Hendrick die ADEPT-Instrumente mit haufenweise Stickern der französischen Combo bestückt, was aber zumindest spielerisch keinen Schaden zur Folge hat. Sauber und druckvoll scheppern die donnernden Drums und das fricklige Riffing aus den Boxen und machen so sehr wohl Gefangene. Gefangen im Wohlgefallen setzt dann noch Frontwüterich Robert mit ein und steuert sein meisterhaftes Organ zum famosen Opener bei. Nach seiner meisterhaften Arbeit am Mikro auf dem Album ist natürlich vor allem spannend, wie er den Wechselgesang gestalten kann, zumal er sich ja auch auf Konserve gerne mal selber doppelt. Doch die Tourstrapazen und die Bühnenraserei fordern zu diesem Zeitpunkt (dem vorletzten Gig der Tour) schon etwas ihren Tribut, so dass sich der gute Robert, wenn er die Wahl hat, doch lieber auf seine Shouts konzentriert als auf den Cleangesang. Trotz seiner relativ kleinen Körpergröße ist der Mann aber dennoch ein ganz Großer! So präsentiert er die Klangwerke durchaus interessant auf eine noch aggressivere Variante, wobei die schneidigen Hooks sowie Drive und Groove dabei durch die versierte Instrumentengarde absolut nicht zu kurz kommen. Besonders die spitzen Leads kommen live extrem gut. Wie Wölfe wütet man über die Bühne, so dass das folgende „Caution! Boys night out“ natürlich passt wie die Faust in den Pit! „Like werewolves thirsting for blood, me and my boys are craving -„you have to turn up the sound!“ and celebrate this night!” ist also absolut Programm. Auch mit “The business of living” bieten die Skandinavier einfach Post-Hardcore mit Screamo-Anleihen vom Feinsten, die angestopten Shouts im EMMURE-Style dürfen da natürlich live ebenso wenig fehlen wie die zahlreichen Singalong-Gelegenheiten, die oft angenommen, jedoch auch ein manches mal ausgelassen werden. Lieber scheint sich die dann doch noch zumindest ein wenig angewachsene Menge austoben zu wollen und feiert sich und die Band mit wilden Moshorgien. “Beer on a Friday is almost like a beer on Saturday” weiß Robert und versucht dann die gut hochgekochte Stimmung etwas abflachen zu lassen: „I want to slow you down a bit with the next song – there are too many pits.“ Wie viel Ironie in diesen Worten steckt, zeigt nicht nur sein schelmisches Grinsen dabei, sondern vor allem die Tatsache, dass es sich bei besagtem Stück um „Grow up Peter Pan“ handelt und so die Leute erst recht in Bewegung versetzt. „Germany is the best country to play“ nutzt man dann als Rechtfertigung für eine weitere Feiereinladung mit dem Titel „Let’s celebrate gorgeous“ inklusive des wohl besten Pits des Abends und dem coolen Sprachgesangs-Part. Sichtlich zufrieden kündigt Robert dann zum Abschluss noch etwas großes an: „The next song is an IRON MAIDEN cover! Yeah! It’s… NOT!“ Sprach es, und stimmt stattdessen die Hitsingle „Shark! Shark! Shark!“ an – was den meisten im Auditorium an dieser Stelle wohl eh besser gefällt. Um 22:15 verlassen ADEPT dann den Schauplatz und kehren nach Zugabe-Forderungen auch dann nicht mehr zurück, als sich ein Fan das noch angeschlossene Mikro schnappt und sich darüber einen weiteren Titel wünscht. Sehr Schade.

Setlist ADEPT
Sound the alarm
Caution! Boys night out
The business of living
Grow up Peter Pan
An era of treachery
Let’s celebrate gorgeous
Shark! Shark! Shark!

Trotz dieses Umstandes und der geringen Besucherzahl war es aber musikalisch gesehen ein durchaus gelungener Abend. Ein abwechslungsreiches Package mit guten Leistungen und viel Spaß und Unterhaltung wurde geboten. Einzig der schnelle ADEPT-Abgang zieht mein Fazit etwas hinunter, da man aber ankündigte, schon bald wieder zurück zu kommen, kann man mich ja dann bei der Gelegenheit noch zufriedener berichten lassen. Ich werde da sein – und ich denke der an diesem Abend anwesende Kern ebenfalls. Dann aber bitte im ausverkauften Haus!

Copyright Fotos: Tina Hintze

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