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AGAINST ME! – CRAZY ARM – THREE CHORD SOCIETY

Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 16.11.2011

Was ist bloß mit Münsters Punkrockern los? Nachdem ich in der Woche zuvor schon mit Erschrecken feststellen musste, dass die Punkrockhelden meiner Jugend NO USE FOR A NAME auf der kleinen Clubstage des Skaters Palace spielen mussten (dort aber immerhin ein super Konzert hinlegten) fuhr ich mit verhaltenen Erwartungen am letzten Mittwoch zum ebenfalls im Skaters Palace stattfindenden Konzert von AGAINST ME! Bloß nicht schon wieder enttäuscht werden, das hatten AGAINST ME! schließlich schon 2010 erledigt, als sie mit „White crosses“ zunächst eine der (für mich) besten und meistgehörten CDs 2010 veröffentlichten und dann kurzfristig als Support der DONOTS in der Halle Münsterland im Dezember ausfielen. Eine erste Erleichterung setzte ein, als ich bemerkte, dass zum einen das Konzert dieses Mal stattfinden und AGAINST ME zudem in der großen Halle spielen sollten. Also alles in Ordnung? Nun ja, wo blieben die Münsteraner Punkrocker? Pünktlichkeit in einer Studentenstadt zu erwarten, wäre vielleicht etwas zu viel verlangt.

So mussten dann THREE CHORD SOCIETY vor einigen wenigen Zuschauern um 20 Uhr auf die Bühne steigen. Schade eigentlich, denn was die (Pop-)Punker aus Bad Segeberg in den kommenden 30 Minuten zum Besten gaben, war durchaus sehens- und vor allen Dingen hörenswert! Seit 2003 ist die Band bereits aktiv und schaffte es durch das Touren mit Bands wie den DONOTS oder dem ALKALINE TRIO sich eine kleine Fangemeinde zu erspielen. Diese stand dann immerhin in Form einiger Anhänger ziemlich allein in der ersten Reihe, während sich der Rest der nun langsam eintrudelnden Zuschauer sich noch etwas im Hintergrund hielt. Dabei war die Band sogar trotz einer Verletzung des Gitarristen angereist, der allen Warnungen der Ärzte zum Trotz auftrat und im Sitzen das Konzert spielte (ein Trend, den bereits die BEATSTEAKS in der letzten Woche bei ihrem Konzert in Osnabrück initiierten). Allen, die sich nun ärgern, THREE CHORD SOCIETY verpasst zu haben, sei die neu erschienende CD „Sanguinity“ ans Herz gelegt, auch wenn dies selbstredend kein Ersatz für eine Live-Show ist.

Mit guter Live-Musik ging es dann auch munter mit den aus Plymouth stammenden Briten CRAZY ARM weiter. Immerhin hatte sich der Skaters Palace ein kleines bißchen mehr gefüllt und die große Lücke zwischen Publikum und Bühne wurde halbwegs geschlossen. CRAZY ARM hatten ihr Set indes ein wenig geteilt, sie begannen turbulent und schnell mit überwiegend älteren und schnelleren Punkrock-Songs und gaben schonmal ordentlich Gas. Etwa gegen Mitte des Auftritts kamen Sängerin Vicky Butterfield und Keyboarder/ Geiger Patrick James Pearson hinzu. Beide sind seit der 2011 erschienenden CD „Union city breath“ in der Band und helfen, die musikalischen Folk Anteile in der Musik zu stärken und die Songs abwechslungsreicher zu gestalten. Live funktionierte das Ganze an diesem Abend wunderbar.

Knapp über halb voll dürfte die Halle dann zu Beginn der Show von AGAINST ME! gewesen sein. Das war angesichts der Größe des Skaters Palace sicherlich in Ordnung, tat der Stimmung auf jeden Fall keinen Abbruch, da sich nun alle Gäste vor der Bühne versammelt hatten, um sich allesamt einmal ordentlich musikalisch durchprügeln zu lassen. Denn nichts anderes als eine akustische Tracht Prügel war das, was Tom Gabel und seinen Mannen da veranstalteten. Die aus dem sonnigen Florida stammende Band trat an diesem Abend gehörig aufs Gaspedal und machte erst einmal überhaupt keine Anstalten, langsamer oder ruhiger zu werden. Konnte man in mancher Rezension zu „White crosses“ noch lesen, die Songs seien zu glatt, die Produktion zu geschliffen, live gab es an diesem Abend auf jeden Fall keinen Unterschied zu älteren Liedern. Gleich als vierten Titel schmetterte man die Hymne „I was a teenage anarchist“ ins Publikum, welche sofort lauthals mitgegröhlt wurde. Es folgte Song auf Song, ohne Pause, ohne Ansage, ohne Zeit, Luft zu holen. Während die Instrumente noch den einen Track ausklingen liessen, starteten Schlagzeug oder Bass bereits den nächsten. Die unten stehende Setlist abzudrucken, war auch nur möglich, da sie gut lesbar am Bühnenboden prangte, sonst wäre die Band selbst wahrscheinlich an ihrem eigenen Tempo gescheitert (man möge dem Rezensenten an dieser Stelle die beiden Lücken bei der Zugabe verzeihen, die standen nicht mehr auf drauf).

So machte das Konzert einfach nur riesigen Spaß. Und plötzlich, als man fast nicht mehr damit gerechnet hätte (es muss ungefähr nach dem 14. oder 15. Song gewesen sein) gab es dann doch noch eine Ansage, bezeichnenderweise mit den Worten „I don´t have much to say“. Man bedankte sich artig bei seinen Fans und bretterte weiter. Seine Worte machten vielleicht auf die fehlenden Ansagen bezogen durchaus Sinn, inhaltlich packte Tom Gabel seine Messages einfach in die Songtexte und da gab es natürlich jede Menge Sprechendes. Nach ca. 70 kurzweiligen Minuten war der Spuk dann erst einmal vorbei, doch nach nur kurzer Pause kamen AGAINST ME! zurück auf die Bühne, um nochmal „schnell“ 4 Songs nachzulegen. Trotz fehlender Ansagen und Pausen hatten man jedoch nie das Gefühl, die Show sei nur eben schnell heruntergespielt. Ganz im Gegenteil, die Band schien mit Herzblut dabei und hatte sichtbar Spaß am eigenen Soundrausch. Ganz großes Kino!

Setlist AGAINST ME!
I still love you Julie
Cliché Guevara
White people für peace
I was a teenage anarchist
Don´t lose touch
White crosses
Russian spies
Violence
New wave
Walking is still honest
Pints of guinness make you strong
Americans abroad
High pressure low
You like like I need a drink
Turn those clapping hands into angry balled fists
T.S.R.
Slurring the rhythms
Borne on the FM waves
Thrash unreal
Sink, Florida, sink

Miami
???
???
We laught at danger (and break all the rules)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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