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AGNOSTIC FRONT – SWORN ENEMY – ALL SHALL PERISH – WARBRINGER – LAST MILE

Ort: Hamburg - Markthalle

Datum: 03.08.2008

Ein weiterer Sonntagabend, ein weiteres halbes Festival-Line-Up. Dieses Mal Old-School versus New-School mit Unterstützung der Wahnsinns-Youth-Thrasher WARBRINGER!

Den Opener machten die Dänen LAST MILE um Ex-HATESPHERE/ BARCODE Gitarrenschrubber Jakob Bredahl, verstärkt durch Drummer Michael Sørensen (ebenfalls BARCODE), Shouter Laurits Medom (ex-AS WE FIGHT) und dem Bassisten Lennart Egon Hansen. Deren Debüt-CD wird am 25.08. via „Demons Run Amok“ in die Läden kommen. Wegen kleinerer Schwierigkeiten beim Einlass, konnte ich nur die letzten beiden Songs begutachten und diese ließen mich etwas unberührt zurück. Recht einfallsloser Fliegenfänger-Hardcore, gelangweilt heruntergespielt. Kann aber auch nur an dem recht frühen Slot und an den bis zum jetzigen Zeitpunkt (pünktlich um 19:00 Uhr wurde der Offkick ausgeführt) wenigen Zuschauern gelegen haben, aber auch die Songs auf der MySpace-Seite reißen keine Bäume aus…

Also gleich weiter mit den Thrashern 2.0 von WARBRINGER. Die Kalifornische Heilsarmee um Tom Araya-Offspring John Kevill stand auf recht einsamem Posten bei einem Hardcore-lastigen Line-Up, machte aber dennoch keine Gefangenen und ließen keine Zweifel aufkommen, dass die Century Media-Jungspunde Chef im Thrash-Revival-Ring sind! Förmlich schüchtern schlurften die noch Wacken-Benommenen auf die große Bühne der Markthalle und wirkten dort fast verloren… aber nachdem die ersten Riffs verschossen worden waren, standen dort oben vier veritable Headbanger (Neu-Drummer Nic Ritter nicht mitgezählt, der aber ebenfalls einen guten Job erledigte!), die ein Riff nach dem Anderen in die perplexe Menge feuerten. Diese war sichtlich überfordert ob der Realness dieser jungen Thrasher. Nix Crossover, Hardcore oder sonstiges Core-Gedöns: Einfach pfeilschneller Metal, sincere vorgetragen im Old-School-Outfit und passenden Ansagen. Gitarrist John Laux hatte zwar mit einem Wackelkontakt im Gitarrenkabel zu kämpfen (Funkübertragung ist für Pussies!), ansonsten boten die Jungs ein eindrucksvolles Set, mit viel Headbanging, Augenverdrehen und „Grab-your-balls-Gestik“ (hier kann John Kevill es ebenfalls schon mit den Großen aufnehmen). So macht die Chose richtig Spaß und einige Zuschauer lächelten in sich hinein und moshten andächtig mit. Einige neu gewonnene Fans (Wacken lag ihnen zu Füßen und so verkauften sie ihr gesamtes Tourkontingent an Shirts gleich am ersten Tag!) stürmten zum Ende des Sets vor die Bühne, wo sie enttäuscht feststellen mussten, dass der Auftritt kurz vor dem Ende war (war ja auch noch recht früh am Abend). Diese durften sich später am Merch-Stand über intensive Betreuung der sympathischen Amis freuen. Immer gerne wieder! Und zuhause erst mal wieder SACRED REICH aufgelegt!

Von den Grind-Deathern ALL SHALL PERISH waren mir ebenfalls nur letzten beiden Tracks vergönnt, da ich unterhalb der Markthalle mit WARBRINGER-Frontmann John ein verschwitzes Interview führte… Das, was ich zu sehen bekam, überzeugte aber selbst in der kurzen Zeit. Front-Sau Hernan Hermida hatte das Publikum fest in seiner Hand und kam äußerst sympathisch herüber. Gitarrist Chris Storey lächelte zwar nicht und wirkte etwas gelangweilt, führte dafür aber seine schönste Dean-Gitarre aus… Und eine Band, die mit stilsicheren S.O.D. und CANNIBAL CORPSE Shirts beleibt ist, kann per se nicht wirklich schlecht sein. Aber unvermeidliche Metal-Core-Tendenzen waren trotzdem im Band-Sound auszumachen… Nichtsdestotrotz ein amtlicher Arschtritt mit fetten Breakdowns und technischen Sperenzien, das im September erscheinende neue Album „Awaken the dreamers“ wird mehr Aufschluss geben!

Nun sollten einige alte Bekannte folgen, spielten SWORN ENEMY doch schon auf der letzten Persistence-Tour gemeinsam mit AGNOSTIC FRONT auf. Die New Yorker Hardcore-Metal-Fraktion um den immens charismatischen Sal Lococo spielten an diesem Abend aber ein ungemein tighteres Set, als noch im letzen Dezember. Der damals noch frische Drummer „J-Rad“ spielt mittlerweile natürlich um einiges druckvoller, als noch beim letzten Auftritt, aber auch die Rhythmus-Fraktion war um einiges besser aufgelegt und machte lupenreine Stimmung auf der Bühne… Vor der Bühne kamen sich New Schooler und Old-Schooler mit ihren verschiedenen Dance-Moves in die Quere, nur ein Beweis für das Crossover-Potential des NY-Powerhouse. Auch der Nachwuchs (weiblich und lange noch nicht Führerscheinalter) ist mittlerweile angelernt… Trotzdem herrschte vor der Bühne nicht soviel Alarm wie noch bei ALL SHALL PERISH. SWORN ENEMY sind immer noch mehr Geheimtipp als Co-Headliner. Eine kleine, feine Clubshow mit der räudig-sympathischen Bande wäre sicherlich eine sehr anregende Sache. Aber auch so boten die Jungs ein lupenreines Set und Melodien für Millionen (bei „We hate“ stand natürlich der Mob wieder einmal Kopf).

AGNOSTIC FRONT ließen sich etwas Zeit und bereits fertig montierte Setlisten wurde wieder entfernt und, um einige Tracks beraubt, anschließend wieder angebracht. War da eine Band etwa am ersten Abend der Tour bereits enttäuscht und wollte nur ein Pflichtprogramm bieten? Mensch, die halbe Metal-Welt befand sich gerade auf dem Rückweg aus dem beschaulichen Wacken und Sonntagskonzerte sind erfahrungsgemäß meist schlecht besucht, dafür war die Markthalle wirklich gut aber natürlich immer noch überschaubar gefüllt. Jedenfalls taperten die Mannen um Hardcore-Legende Vinnie Stigma und Madame Roger Miret zum altbekannten „This is Sparta!“ – Intro andächtig auf die Bühne, um ein kleines, aber dennoch feines Set herunterzuspulen. Vinnie Stigma traute sich selten nach vorne auf die Bühne, torkelte meist vor und zurück, befand sich aber meist direkt vorm Schlagzeug. Zwischendurch grinste der gute Mann ein wenig und ließ ein wenig Freude durchscheinen, aber er wirkte, ebenso wie der Rest der Band, etwas gebremst. Roger Miret war stimmlich gut drauf, ließ aber auch jegliche Fannähe vermissen. Ein oder zweimal fand das Mikro doch seinen Weg ins Publikum, das immer zwischen Austicken und Beobachten schwankte (Bei „Gotta Go“ gab es beispielsweise wie immer kein Halten mehr und der größte Moshpit des Abends wurde zelebriert. Aber auch „Warriors“ und „For my family“ vom letzten Tonträger wurden gut abgefeiert). Jedenfalls konnte Miret doch diverse Circle-Pits anzetteln. Am meisten Alarm bot Basser Mike Gallo auf der Bühne, der sich intensiv, aber ebenfalls grimmig dreinschauend durch sein Set arbeitete. Trotzdem war nach gefühlten 30 Minuten Schluss und sofort nach Verlassen der Bühne erklang „Time to say good-bye“. Keine Chance für eine Zugabe. Ob das jetzt enttäuschend war, muss jeder für sich selbst entscheiden, aber für meine Begriffe war auch nicht viel mehr drin. Hat aber trotzdem irgendwie mehr Spaß gemacht, als noch beim letzten Auftritt im Docks. Selbst Fans aus Sao Paulo waren vor Ort und filmten andächtig mit.

Wieder einmal ein wertiges Line-Up, zu einem fairen Kurs präsentiert. Aber dieser Hang zur Halbtages-Veranstaltung lässt wenig Spielraum für intensive Konzerterlebnisse, die im Zuschauer lange nachhallen, da immer nur ein Quasi-Best-Of heruntergenudelt wird. Wo sind die zweistündigen Konzerterlebnisse hin, die einen, ob der Intensität, erschlagen zurückließen? Anscheinend kann man die heutige Generation nur noch mit solchen Veranstaltungen locken… und natürlich spielen hauptsächlich wirtschaftliche Entscheidungen eine Hauptrolle… Trotzdem schade drum.

Copyright Fotos: Michael Päben

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