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ALANIS MORISSETTE – LIAM GERNER

Ort: Hamburg - CCH-Saal 2

Datum: 09.07.2008

Wenn man eines bitte beim Lesen dieser Zeilen nicht erwarten möge, so sei es Objektivität! ALANIS MORISSETTE gehört seit ihrem 1995er Album „Jagged little pill“ zu den von mir meist geschätzten Musikerinnen. Umso erfreuter war ich, dass sie mit ihrem neuen Album „Flavors of Entanglement“ nun nach jahrelanger Abstinenz wieder einen Abstecher nach Deutschland machte und den ursprünglich nur einen Termin in Frankfurt um vier Zusatzkonzerte erweiterte.

Das vorletzte dieser Konzerte fand dann am 9. Juli in Hamburg im Congress-Saal statt. Ich war ebenso erstaunt wie enttäuscht, dass das Konzert vom 3000 Personen fassenden Saal 1 des Congress-Zentrums in den nur halb so großen Saal 2 verlegt wurde und dieser nicht einmal komplett ausverkauft war. Das mag eventuell an den nicht gerade günstigen Ticketpreisen gelegen haben, die allerdings beim momentanen Preisniveau von Konzertveranstaltungen nicht sonderlich aus dem Rahmen fielen. Für viele Besucher hieß es wegen des Saaltausches dann zunächst Schlange, stehen um ihre Platzkarten umbuchen zu lassen.

Beginn des Konzertes sollte 20.00 Uhr sein und gegen 20.15 Uhr betrat dann auch LIAM GERNER die Bühne, im halbgefüllten Saal und unter höflichem Applaus. Ob viele der Gäste noch mit dem Tausch ihrer Karten zu tun hatten, im Foyer etwas trinken wollten oder schlicht kein Interesse an einer Vorband hatten, sei einmal dahingestellt. Im Laufe des Auftrittes füllte sich der Saal dann doch recht fix und auch der Applaus wurde von Song zu Song mehr. Der Australier war bereits im März diesen Jahres als Support von Amy McDonald auf deren Deutschland-Konzerten tätig. Wenngleich während der Präsentation noch merkliche Unruhe herrschte, erledigte Liam seine Sache souverän und spielte in Singer/ Songwriter Manier nur mit Gitarre seine mal langsamen und mal mitreißenderen Stücke und konnte vor allen Dingen mit seiner variablen, angenehmen Stimme überzeugen. Ganz nebenbei entpuppte er sich dann zwischen den Songs auch noch als ziemlich guter Entertainer, wusste das Publikum mit einigen Brocken deutsch zu amüsieren und entschuldigte sich auch gleich dafür, nicht besser deutsch sprechen zu können, er brauche wohl mal eine deutsche Freundin, um seine Sprachkenntnisse aufzubessern. Er verblüffte dann mit Kenntnissen über „die schöne Stadt Hamburg mit mehr als 1500 Millionären“ und widmete das dann folgende Lied „Millionaire or not“ gleich all denen, die keine Millionäre sind, also: So ziemlich allen Anwesenden. Auch sein JACKSON BROWN Cover konnte vollends überzeugen und unter Hinweis auf seine im September 2008 erscheinende neue CD bedankte sich LIAM GERNER und verließ nach 7 Songs und einer halben Stunde Spielzeit die Bühne.

Was nun folgte, war eine völlig unerklärlich lange (Umbau-)pause. Umzubauen gab es eigentlich so gar nichts mehr, da die Bühne bereits komplett für den Auftritt von ALANIS MORISSETTE hergerichtet war, im Hintergrund prangte seit Beginn ein Bachbanner mit gefalteten Händen und einer weißen Friedenstaube und die 45 Minuten, in denen schlicht nichts passierte, dienten weder dazu, die Spannung zu steigern, noch mochte angesichts der Sitzplätze so etwas wie Stimmung aufkommen und es gab lediglich nach einiger Zeit zaghafte Versuche, die Kanadierin mit Klatschen hervorzulocken.

Um 21.30 Uhr war es dann aber endlich so weit. Der Saal verdunkelte sich, die Bühne wurde komplett in violettes Licht getaucht und unter Nebelschwaden kam die Band auf die Bühne und man hörte lediglich ALANIS’ Stimme aus dem Off ein Intro von „Moratorium“ singen. Dann erklangen die ersten Töne von „Uninvited“ – ALANIS kam zu Stroboskoplicht und unter großem Jubel des Publikums auf die Bühne gesprungen und konnte von der ersten Minute an das Publikum mitreißen. Beim folgenden „All I really want“ spielte sie die für das Lied typischen Mundharmonika und die ersten Besucher hielt es bereits jetzt nicht mehr auf den Sitzen. Gerade bei dem rockigen Anfang waren Sitzplätze irgendwie komplett überflüssig, ja sogar störend und die Band setzte mit „8 easy Steps“ dann gleich noch einen drauf und ließ keine Pause entstehen. ALANIS, nun an der Gitarre sprang, bangte und poste mit dem Rest der Band um die Wette. Wunderbar auch die Livepräsenz und Spielfreude der Musiker mit anzusehen, die sichtbar nicht einfach nur ALANIS begleiteten, sondern als „echte“ Band miteinander und mit dem Publikum agierten und dabei zudem wirklich gute und versierte Musiker sind bzw. waren. Im Folgenden wechselten sich dann die rockigen Songs mit ganz ruhigen Momenten ab und ergänzten sich wunderbar zu einer Setlist, die nicht viele Wünsche offen ließ. Beim nun folgenden „Not as we“ wurde es ganz still und die große Stimme der kleinen Frau, die nicht nur wie eine Verrückte über die Bühne springen, sondern auch kerzengerade und unter voller Körperspannung beinahe andächtig ins Mikro singen kann, kam vollends zur Wirkung und sorgte beim Publikum für Gänsehautstimmung. Als dann die Band nach „Citizen“ auch noch „Head over feet“ im Repertoire hatte, riss es erneut viele Zuschauer von den Sitzen, nahezu der halbe Saal stand nun und die ersten Gäste verließen die Plätze und tanzten sich durch die Gänge Richtung Bühne. Und immer wieder der Wechsel, und zwar äußerst gelungen, zwischen tanzbaren Titeln und ruhigen Passagen, als dann mit „That particular Time“ wieder bei den ersten Tönen großer Applaus losbrach und danach beinahe andächtig gelauscht wurde. Zwischen den Liedern stellte ALANIS nach und nach alle Musiker der Band vor, die völlig zurecht, jeder einzelne, mit großen Applaus beklatscht wurden. „TPT“ wechselte dann in einen Schlagzeugbeat, der vom Publikum kollektiv mitgeklatscht wurde und direkt in „Hand in my Pocket“ überging. Danach kündigte ALANIS bereits den letzten Song an und wieder erklang „Moratorium“ diesmal komplett und mit einer grandiosen Gesangsleistung der Künstlerin, die nicht unerheblichen Anteil daran hatte, dass die Atmosphäre geradezu hypnotisch fesselnd wurde und die optisch dann die Wirkung verstärkte, indem sie sich immer schneller zum Stroboskop mit weit ausgebreiteten Armen drehend einfach gehen ließ. Dann ging sie plötzlich von der Bühne, gefolgt von Gitarrist, Bassist, dann auch dem Schlagzeuger, dem Keyboarder und zuletzt dem noch allein verbleibenden Gitarristen.

Das Publikum stand zu diesem Zeitpunkt beinahe komplett und fordert lautstark Zugaben. ALANIS ließ sich nicht lange bitten und kam zurück, um nur begleitet von zwei Akustikgitarren eine phantastische Gänsehautversion von „Versions of Violence“ vorzutragen. Als dann der Rest der Band zurück auf die Bühne kam und ALANIS „This Song is for you“ ins Publikum rief, fühlten sich ALLE angesprochen (zumindest der männliche Teil des Publikums (Anm. des Redakteurs: dabei war der Song nur für MICH!)) und einer rief dann lauthals „Alanis, marry me“. Ein weiteres Mal gingen die Musiker von der Bühne, aber so früh wollte das Publikum noch nicht nach hause und forderte wiederholt und umso lauter weitere Zugaben. Erneut kam die Band zurück und als dann die ersten Klänge des Überhits „Ironic“ ertönten, gab es kein Halten mehr und die erste Strophe des Songs sang das Publikum textsicher und lauthals alleine bevor dann mit „Traffic Jam“ die mit Abstand geilste in der Popgeschichte ins Mikro gehauchte Textstelle erklang. Ein allerletztes Mitsingen gab es dann bei „Thank you“, dem logischen Abschluss-Song nach dem ALANIS Kusshände ins Publikum werfend die Bühne endgültig verließ. Noch einmal verbeugte sich die Band Arm in Arm unter großen Jubel und viel zu schnell gingen dann die Lichter und die Musik an und zerstörten ein bisschen die nachklingende Atmosphäre eines großartigen Konzertabends. Zwar mag das Fernsehen uns des Öfteren belügen, in einem hat es jedoch unbestreitbar Recht: ALANIS ist Gott!

Setlist ALANIS MORISSETTE
Moratorium-Intro
Uninvited
All I really want
8 easy steps
Not as we
Citizen
Head over feet
Unprodigal daughter
That particular time
Hand in my pocket
Moratorium
You oughta know
Tapes

Versions of violence
You learn

Ironic
Thank you

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