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ALICE COOPER – BENEDICTUM

Ort: Osnabrück - Halle Gartlage

Datum: 13.07.2008

Andere gehen mit 60 in Rente, doch das ist wohl nix für Mr. Vincent Damon Furnier aka ALICE COOPER, der in diesem Jahr neben besagtem 60. Geburtstag auch sein 40. Bühnenjubiläum und die bald erscheinende 25. Studio-LP feiern kann. Stattdessen gondelt der agile Golfer (Handicap 4!) durch die Weltgeschichte und machte mit seiner „Psycho Drama“-Tour auch Halt in der Osnabrücker Halle Gartlage. Wie die Kennzeichen auf dem Parkplatz verrieten, waren die Fans weit gereist: Nicht wenige Holländer waren vertreten, aber auch diverse Autos von Rhein und Ruhr und auch aus der Hannoveraner Richtung hatte es so manchen zum einzigen Deutschland-Gig an die Schlachthofstraße verschlagen. Ein Blick in die gut gefüllte Viehauktionshalle offenbarte eine Zuschauerschaft vom Grundschul- bis zum Rentenalter, wobei ganz klar ein Ü40-Überschuss zu verzeichnen war.

Ob das der Grund war, dass der Support BENEDICTUM die Menge nicht so richtig in Stimmung bringen konnte, möchte ich aber eher bezweifeln. Die aus San Diego stammende Power-/ Progressive Metal Band war einfach nicht besonders spannend. Die Herren um die dralle Fronterin Veronica Freeman knüppelten mit „Two Steps To The Sun“ von ihrem 2006er Debüt „Uncreation“ heftig los, aber so richtig vom Hocker reißen wollte das niemanden. Das änderte sich auch bei Songs der aktuellen Scheibe „Seasons of Tragedy“ nicht. Hier und da wurde in den vorderen Reihen zu „Burn It Out“ oder auch „Bare Bones“ mitgeklatscht, überwiegend stand das Publikum dem Geschehen auf der Bühne jedoch eher abwartend und distanziert gegenüber, da half auch das hallige Gegrowle von Miss Freeman bei „Ashes To Ashes“ wenig. Nach 40 Minuten hatte der Spuk ein Ende, wir wollen dahingestellt lassen, ob das finale Klatschen nun eher freundlich oder doch mehr erleichtert war. Vielleicht mussten die Anwesenden auch einfach ihre Kräfte schonen, die Luft in der betagten Halle war nämlich wahrlich nicht die beste, woran die zahlreichen Raucher nicht ganz unschuldig waren.

Setlist BENEDICTUM
Two Steps To The Sun
Burn It Out
Bare Bones
Benedictum
Ashes To Ashes
Misogyny
Shell Shock
Beast In The Field

Dabei herrschte selbstverständlich Rauchverbot, auf das ein Crewmitglied im Namen von ALICE COOPER kurz vor dessen Auftritt auch noch mal ausdrücklich hinwies. Seit 26 Jahren ist der Schockrocker der ersten Stunde runter von sämtlichen Drogen und fühlt sich nach eigenem Bekunden körperlich besser als in jungen Jahren. Überhaupt entspricht sein Lebenswandel abseits des Rampenlichts so gar keinen Rockstar-Klischees: Seit 32 Jahren verheiratet, regelmäßiger Kirchgänger und Vater dreier Kinder, wobei die älteste Tochter Calico seit 2000 selbst Teil von Papas Shows ist. Und die sollte um 21.35 Uhr mit einem lautstarken Intro und einem Schattenspiel hinter dem großen Backdrop starten. Während vorn eine Art Flammeninferno nebst ALICE COOPER-Schriftzug zu sehen war, rangen hinter dem Vorhang zwei Personen miteinander. Neben der hübschen Calico war’s der werte Herr Vater, angetan mit schwarzem Zylinder, Gehrock und Spazierstock, der mit „Hot Tonight“ gleich die Devise des Abends ausgab. Das Töchterchen blieb fesch drapiert im weißen Hosenanzug zu Füßen der Schießbude liegen, während ALICE COOPER mit gewohnt „dezentem“ Augen-Make Up über die Stage fegte, sich schon bald seines Mantels entledigte und zu einer opulenten Lightshow einen Querschnitt seines bisherigen Schaffens darbot. Im Hintergrund beobachteten zwei riesige, fett geschminkte Augen auf einem weißen Backdrop das düstere Treiben, zu dem das Publikum bereits ab No More Mr. Nice Guy“ lauthals mitsang. Beim ruhigen Start von „I’m Eighteen“ griff ALICE zur Mundharmonika, bevor er mit einer Krücke die Kollegen auf der Bühne drangsalierte. Keri Kelli (Gitarre), Jason Hook (Gitarre), Chuck Garric (Bass) und Eric Singer (KISS) an den Drums ließen sich auf diese Weise zumindest zu einem ersten ausgiebigen Instrumentalpart bewegen, von denen es auch noch einige geben sollte, schließlich musste sich der Meister noch ein paar Mal umziehen. Gleiches galt für den 27-jährigen Nachwuchs, der zu „Is It My Body?“ auf einer Bahre liegend seinen nächsten Auftritt hatte. Was den Body von Mr. COOPER angeht, muss man schon anerkennen, dass sich der Herr erstaunlich gut gehalten hat und unter der Schminke scheint sich auch das Gesicht aus einige Meter Entfernung kaum verändert zu haben. Beim flotten „Dirty Diamonds“ gab’s vom Gastgeber des Abends sogar Geschenke in Form von Perlenketten, die reißenden Absatz unter den Fans fanden, bevor sich die Bühne leerte und lediglich eine akustische Gitarre übrig blieb, zu deren Begleitung ALICE COOPER „Desperado“ in Mantel und Hut zum Besten gab. Bei „Halo of Flies“ eilte Calico erneut über die Bühne, diesmal im roten Fummel nebst Fächer, wurde aber alsbald von Daddy verjagt, so dass die Begleitband Gelegenheit für ein tolles Drumsolo hatte. Keri und Jason positionierten sich mit weiterem Drumequipment rechts und links von Schlagzeuger Eric, während Chuck in Front für die tiefen Töne sorgte. Begleitet wurde dieses minutenlange Soundgewitter von heftig zuckenden Lichtblitzen und natürlich dem begeisterten Applaus des Auditoriums.

Das folgende „Welcome To My Nightmare“ wurde von wabernden Nebelschwaden und Donnergrollen angekündigt, dann trat ALICE COOPER im roten Hemd, mit totenkopfverzierter Hose und in einem Gehrock mit Spinnenwebenzeichnungen auf dem Revers wieder in Erscheinung. Mit dabei allerlei Gestalten, die wohl seinen Albträumen entsprungen waren. Daran angelehnt war auch die weibliche Puppe, mit der er zu „Cold Ethyl“ ein Tänzchen wagte. Ihre Beweglichkeit durfte Calico wenig später bei „Only Women Bleed“ erfolgreich unter Beweis stellen. Der alte Herr sang dazu im Sitzen und läutete so den Rockopernteil ein. Die Geschichte, welche sich auf der Stage entspann, hatte nämlich durchaus was Musicalmäßiges. Die Darsteller legten viel Wert auf Theatralik und jeder hatte eine genau definierte Rolle zu spielen, allerdings schockieren gepfählte Babys und Enthauptungsszenen anno 2008 nicht mehr so sehr wie in den frühen Siebzigern. Amüsant war es jedoch allemal, ALICE COOPER in einer Zwangsjacke agieren zu sehen und die Guillotine hatte wahrlich imposante Ausmaße. Im Anschluss durfte auch mal Bassist Chuck ans Mikro, der mit einer wunderbar versoffenen Stimme „I Love The Dead“ gestand. Zum finalen „School’s Out“ war dann auch sein Chef nicht mehr kopflos und konnte die Schülerhymne, die natürlich auch mich durch die Schulzeit begleitet hat, selbst durch die Halle jagen. Diesmal im weißen Outfit, schickte er riesige, mit Konfetti gefüllte Luftballons auf die Reise, die er auf ihrem Weg zurück zur Bühne mit seinem Spazierstock platzen ließ. Auf diese Weise endete um 23.00 Uhr der reguläre Teil, dem natürlich noch eine Zugabe folgte.

Den Anfang machte „Billion Dollar Babies“ – hier zeigte sich ALICE wieder spendabel und verteilte auf einem Degen aufgespießte Dollarscheine an seine Fans, bevor „Poison“ dafür sorgte, dass auch auf den Rängen die Leute aufstanden und den Song abfeierten, mit dem COOPER 1989 sein Comeback glückte. Mir schien, dass der Titel von den Anwesenden am meisten abgefeiert wurde, lag vielleicht aber auch daran, dass der überwiegende Teil auch genau in die entsprechende Altersgruppe gehörte. Fehlte noch „Elected“, für das sich der alte Zausel in eine Stars ’N’ Stripes-Lederjacke schwang und eine US-Flagge an seiner Uniformmütze befestigte. Dazu trieben sich Gummi-Fratzen, die wohl amerikanische Politiker darstellen sollten auf der Stage rum, um von Fans abgelöst zu werden, die Wahlkampfplakate hochhielten. Zum Schluss noch die Bandvorstellung, dann wurden die ca. 2.000 zufriedenen Fans nach 100 Minuten klassischen Bombast-Hard-Rock und morbiden Geschichtchen um 23.15 Uhr in die kühle Sommernacht entlassen.

Erstaunlich, dass NICHT EIN Song des am 25.07.2008 kommenden Albums „Along Cames A Spider“ gespielt wurde. Aber vermutlich passen die nicht in die sorgfältig einstudierte Choreografie und die Bühnenshow. Wer sich der Live-Qualitäten dieser Nummern versichern möchte, muss bis zum November warten, dass beehrt ALICE COOPER good old Gemany erneut für mehrere Auftritte.

Setlist ALICE COOPER
Hot Tonight
No More Mr. Nice Guy
Under My Wheels
I’m Eighteen
Is It My Body?
Woman of Mass Distruction
Lost In America
Feed My Frankenstein
Be My Lover
Dirty Diamonds
Muscle of Love
Desperado
Halo of Flies
Drum Solo
Welcome to My Nightmare
Cold Ethyl
Only Women Bleed
Steven
Dead Babies
Ballad of Dwight Fry
I Love The Dead
School’s Out

Billion Dollar Baby
Poison
Elected

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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