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ALIEN SEX FIEND – DEXY CORP

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 23.09.2010

An diesem sommerlichen Herbstanfang gab sich die Gothic Legende ALIEN SEX FIEND nach langer Abstinenz in Bielefeld die Ehre, um ihr neues Album „Death Trip“ zu promoten. Ganze 18 Jahre ist es her, dass ich meinem ersten und bis dato letzten Auftritt der Briten beiwohnen durfte. Irgendwie hatte ich sie in den letzten 15 Jahren aus den Augen verloren und ich freute mich sehr, dass sie 4 Termine in Deutschland spielen sollten. Das einzige, was ich im Vorfeld mitbekommen hatte, war, dass sie beim diesjährigen WGT ein vielumjubeltes Comeback gefeiert hatten. Das mit dem Comeback stimmt so aber auch nicht, denn Mr. und Mrs. Fiend haben in den vergangenen Jahren einige Alben produziert, nur ist es mir – einigen anderen vielleicht auch – gar nicht aufgefallen. Das letzte Werk, das ich von den beiden erstanden habe, war der Computersoundtrack „Inferno“ aus dem Jahr 1994. Ich glaube, sie waren sogar eine der ersten Bands, die Musik für ein Spiel beisteuerten. Ich konnte damit allerdings überhaupt nichts anfangen und habe das Teil wieder verscherbelt.

Zunächst aber galt es die Vorband zu „überstehen“. Nicht wir mussten die Vorband überstehen, nein DEXY CORP mussten das ostwestfälische Publikum erdulden. Wie fast immer bei einem Support, den kaum einer kennt, wird vom gemeinen Ostwestfalen ein Sicherheitsabstand von 3 Metern zur Bühne geschaffen. Kann ja was passieren, z.B. dass der Funke der Band aufs Publikum überspringt. Nein das soll er nicht, wir schauen uns das erstmal in Ruhe an. Die französischen Industrial Rocker mühten sich redlich, aber mehr als Anstandsapplaus war nicht drin. Da half es auch nicht, das Shouter Krank_ die paar Meter überbrückte und mit dem Micro und einer Stablampe bewaffnet Kontakt zum ignoranten Publikum aufnahm. Nur hier und da waren nach Ende ihres Sets vereinzelt Zugaberufe zu hören, aber so nachhaltig wirkte das auch nicht, um die vier noch einmal auf die Stage zu locken. Und siehe da, jetzt machten sich doch noch die ersten auf den Weg nach vorne, um bei ASF in der ersten Reihe zu stehen. Mir persönlich haben DEXY CORP sehr gut gefallen und ich wünsche viel Erfolg mit dem Ende Oktober auf dem deutschen Label Black Rain erscheinenden Album „Uchronopolis“.

Nach einer kurzen Umbaupause, die Geräte standen ja schon da – nur die Maschinen von Mrs. Fiend mussten noch angeschlossen werden und die Box mit den Disketten (!!!) wurde auf dem Laufwerk platziert – ging die Invasion der Aliens los. Mrs. Fiend nahm hinter den Synthies ihren Platz ein und der Gitarrist ging zur anderen Seite der Bühne. Etwas gemächlich schlenderte Mr. Fiend zu den Klängen des Klassikers „I Walk The Line“ in die Mitte der Stage und er sah mit seiner Glatze und der weißen Schminke im Gesicht, umhüllt von waberndem Nebel, aus, als wäre er gerade dem Murnau Film „Nosferatu“ entsprungen. Das sehr gut gefüllte Forum empfing das Trio euphorisch und begann sofort, die Band abzufeiern. Absolut kein Vergleich zum Geschehen bei der Vorband, haben die Fans ihre Kräfte schonen wollen? Gleich beim zweiten Stück „One way ticket to Venus“ gab es Probleme am Arbeitsplatz von Mrs. Fiend. Nik überspielte die kurze Pause und sang ein bisschen: „Mrs. Fiiiiend, Mrs Fiiiend …“ Nebenbei nippte er immer wieder an seinem Becher und die obligatorische Zigarette ist ja mittlerweile von der Bühne auch nicht mehr wegzudenken. Weiter ging’s wie eine Best of … Show durchs Programm, es folgte ein Klassiker nach dem anderen und auch die Bühnendekoration hat mittlerweile fast 20 Jahre auf dem Buckel. Zur Tradition scheint es bei „Now I´m feeling zombiefied“ geworden zu sein, die bereitstehende Mülltonne zu plündern und es war immer wieder nett anzusehen, wie Mr. Fiend die Plastikschädel, Knochen und Ratten ins Publikum warf. Dabei fällt auf, dass er sich im Laufe der Jahre (oder ist es gar ein angeborenes Talent?) schauspielerisches Können angeeignet hat. Mal trottete er wie ein Zombie über die Bühne oder saß traurig und Gedankenversunken auf der Mülltonne, um im nächsten Moment wieder ins Micro zu schreien. Vom aktuellen Album scheint es nur „Dance of the dead“ auf die Setlist geschafft zu haben. Kein Wunder bei der Menge an Titeln, die die Fiends in den letzten fast 30 Jahren veröffentlicht haben, angefangen mit der ersten Single „Ignore the machine“, welche den Endspurt in Bielefeld einläutete. Und der hatte es in sich, denn mit „Hurricane fighter plane“, “ Tarot“ und „R.I.P.“ gab’s die nächsten Hits aus dem Hause ASF und damit auch das Ende des regulären Sets. Zur geforderten Zugabe ließen sich die Briten etwas Zeit, denn erstens musste Mr. Fiend bestimmt noch eine rauchen und zum zweiten auch ein neues Outfit anlegen, er verließ die Stage ja oben ohne. Also Zylinder auf und ein Jacket umgeworfen und weiter ging die Party. Auch Mrs. Fiend schnappte sich ihre Gitarre und griff in die Saiten, um zum Abschluss „Boneshaker Baby“ zu performen. Artig verabschiedeten sich die drei beim Publikum und entließen diese in die noch laue Nacht.

Eine knapp 2stündige, richtig gute Show mit einem sehr gut aufgelegten Ehepaar Wade – so der bürgerliche Name der Fiends – ging zu Ende und da kann man getrost über die oben schon angesprochenen Probleme an den Synthis hinwegsehen. Gehört eben dazu und kaum jemanden hat es gestört. Wenn man bedenkt, wie alt die Geräte sein mögen, die Engländer benutzen sie ja schon seit Urzeiten. Selbst Nik nahm’s mit Humor und munterte seine Frau immer wieder auf. Er scheint auch sonst sehr humorvoll zu sein, denn neben der Bühne holte sich der Gute vom Roadie sein (eigentlich kostenloses) Getränk und eine Zigarette und steckte ihm schmunzelnd Geld zu – schien so als wäre es eine Pfundnote. Ich hätte noch gerne „New Christian Music“ , „Wild Woman“ , „Lips Can`t Go“ und vielleicht einige Sachen von der „Open Head Surgery“ gehört, aber ich kam auch schon so auf meine Kosten. Auch wenn es so scheint, als wäre es nicht so richtig abgegangen auf der Bühne, muss man bedenken, dass die Protagonisten auch ein kleines bisschen älter geworden sind. Und keiner kann erwarten, dass sich Nik auf den Boden schmeißt und die Rampensau gibt, das kauft ihm keiner mehr ab. Das überlassen wir IGGY POP, der kann auch transparente Hosen tragen… Bis zum nächsten mal mit Familie Fiend.

Setlist ALIEN SEX FIEND (ohne Gewähr)
I walk the line
One way ticket toVenus
In & out of my mind
Gotta have it
Dead & Buried
Now i´m feeling zombiefied
Bun-Ho !
Manic Depression
Dance of the dead
Ignore the machine
Hurricane fighter plane
Tarot
R.I.P.

Bastard
Boneshaker Baby

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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