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ALL THAT REMAINS – TIMES OF GRACE

Ort: Bochum - Matrix

Datum: 15.06.2011

Tja, es hätte so nett werden können… das Wetter spielt temperaturbedingt mit, man kommt sehr gut auf der Autobahn durch, hört bei Anfahrt nochmal die Hits der zu erwartenden Bands und schickt ein Stoßgebet gen Himmel, es möge die Unsitte, vor den Headlinern doch noch eine Handvoll (meist unbekannter) Supports zu platzieren, heute bitte einen Bogen um die Matrix machen…

Jenes vorweg: Beten hilft! Mit einem letzten Dutzend ebenfalls partylaunigen Gleichgesinnten den Einlass erfolgreich zum auf den Karten aufgedruckten Show-Beginn passiert und einem lärmt auf den letzten Stufen vor Hallen-Eintritt der erste Song der ersten Band entgegen… und höre da: man erkennt sofort TIMES OF GRACE mit Musik ihres bärenstarken Debüts. Zügig im hinteren Drittel der Kellergewölbe/ Tunnelteilstück-Katakombe, welche den „Konzertsaal“ der Matrix darstellt, positioniert um der erhofft tollen Darbietung beizuwohnen… aber man kriegt schon beim ersten Song die akustische Ohrfeige. Sound geht voll in Ordnung, druckvoll aber nicht zu laut (hatte man in Bochum leider zu oft auch anders). Aber leider scheint der gute Herr Sänger es auf den vorherigen Dates der laufenden Tour übertrieben zu haben: selten einen so abgesungenen Barden gehört die letzten Monate. Sofort ab Song Eins wird gepresst und gepumpt und meist erfolglos versucht, die schönen Klargesänge des Albums zu reproduzieren. Geröhre/ Geschreie geht noch, aber es schmerzte echt, dem Guten beim Versemmeln der meisten Refrains („Hymn of a Broken Man“, „Where the Spirit leads me“) zuzuschauen. Und die machen eigentlich den Charme des tollen Debüts aus für mich. Die meisten Melodien übernimmt dann lieber gleich Herr Adam (auch bei KILLSWITCH E.). Jener ist eh mit seiner One-Man-Show das Highlight des Auftritts: wie auch bei KSE ist der Gute recht angetrunken, voll im Kasper-Modus, macht lustige Bodybuilding-Spielchen, ruft 100mal „Prost!“ oder verarscht den ALL THAT REMAINS-Sänger und seine kurze Statur… hehe. Sehr lustig. Was man abschließend vom Gesamteindruck nicht behaupten kann dank minderqualitativer Vocalperformance. Bei der nächsten Tour mal ein wenig auf sein „Instrument“ achten! Danke! Den meisten der knapp 200 Gäste scheint es aber mehr oder weniger egal zu sein, die Band wird (verdienterweise, der Gig ist ja auch tight und energetisch bis auf genannten Umstand) gut abgefeiert, man macht die vielen Mitklatsch-Spielchen mit und singt lauthals die Refrains mit. Somit kurzweilige 40 Minuten.

Dann folgt in der Umbaupause mal wieder ungläubiges Kopfschütteln beim Anblick von Preisen wie 20€ für ein Bandshirt und man registriert wohlwollend kaum Kaufinteresse Seitens der Besucher. So nicht! Die knapp 20 Minuten verfliegen bei einem alkoholfreien Weizen recht zügig und Punkt 21 Uhr ertönt ein schlimmer KISS-Song als Einmarsch-Musik für ALL THAT REMAINS, die dann sofort die nebelverhangen Bühne mit derbem Sound für sich vereinnahmen… Und auch hier sofort ein Stirnrunzeln, das Wort „Deja-Vu“ schreit im Kopf: mit dem Gesang stimmt doch was nicht! Auch hier regiert gequältes Schreien. Damn. Sänger Phil klärt dann auch recht früh über seine Erkältung auf, spult aber in meinen Ohren trotz allem noch ein ganz zufriedenstellendes Programm ab. Und auch wenn er einige der melodischen Sachen recht schief intoniert, so versucht er es wenigstens und hat meist Erfolg damit. „Chiron“ kommt recht früh im Set, auf der Bühne herrscht geteilte Geschäftigkeit: Phil und Solo-Gitarrist Oli wuseln bangend und animierend, die anderen beiden (allen voran die gelangweilte Bassistin) schreiten von einer Seite auf die andere oder stehen auf ihr Griffbrett glotzend rum. Passt irgendwie nicht, homogen ist anders. Dafür passen Sound und Songs einigermaßen: man präsentiert, soweit das die eingeschränkte Spielzeit zulässt, den feierwilligen Jüngern vor der Bühne einen mehr oder weniger repräsentativen Querschnitt durch Altes und Neues, erntet auch durchwegs positive Resonanzen für die routiniert wirkende Performance und verabschiedet sich dann auch nach 60 Minuten pünktlich recht schmucklos nach dem Hit-Doppel „Two Weeks“ und (natürlich) „This Calling“.

22 Uhr… man wird in den lauen Abend entlassen und ein zwiespältiger Eindruck bleibt. Beiden Bands, besonders die Sänger (der eine wohl selbstverschuldet, der andere eher nicht) blieben unter ihren Möglichkeiten, obwohl es nicht wirklich was zu meckern gab. Denn die meisten fühlten sich scheinbar gut unterhalten, und das zählt. Somit noch knapp in die Ablage „Gut“ und fertig.

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