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ALPHAVILLE

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 14.10.2011

Eine Abordnung des Terrorverlags machte sich an diesem Abend auf den Weg in den Bielefelder Ringlokschuppen, um den 80er Ikonen von ALPHAVILLE auf dem zweiten Teil ihrer „Catching Rays on Giant“-Tour ihre Aufwartung zu machen. Wie zu erwarten, bewegte sich das Publikum so um die Ü40 Grenze, sieht man mal von der Schreiberin und vereinzelten Kindern ab, die sich in der Menge tummelten. Obwohl Menge vielleicht zuviel gesagt wäre. Die kleine Halle des RLS war zwar ganz ordentlich gefüllt, ein paar mehr Zuschauer hätten es aber gerne noch sein dürfen. Was vielleicht auch daran lag, dass ROXETTE zeitgleich im Gerry Weber-Stadion spielten.

Fast pünktlich um kurz nach 20 Uhr ging es dann aber auch los. Konnte man nur hoffen, dass der Schlagzeuger nicht an Höhenangst leidet, enterte Mastermind Marian Gold in schlichtem Schwarz als letzter die Bühne und man startete direkt mit „Golden Feeling“. In der ersten Reihe hatte sich offensichtlich der ALPHAVILLE-Fanclub eingefunden, denn von dort wurde lauthals gekreischt und gejubelt, während der Rest sich noch etwas zurückhielt. Weiter ging es mit „Call me“, der zugleich auch der erste Song des aktuellen Albums an diesem Abend war und dem noch einige weitere folgen sollten. Zuerst ging es mit „Dance with me“ aber wieder zurück in die 80er. Man sah, dass Herr Gold ziemlich guter Stimmung war und von seiner Schüchternheit, die man in einigen seiner Interviews beobachten kann, war absolut nichts zu merken. Die gute Stimmung und Marians Energie übertrugen sich so langsam auch aufs Publikum und nach und nach konnte man die ersten tanzenden Zuschauer sehen, ganz zu schweigen von dem überschwänglichen Applaus den die Band nach jedem Titel kassierte. Es folgten „Gravitation Breakdown“ und zu meiner Überraschung recht früh in der Setlist „Big in Japan“. Neben „Forever Young“ wohl DAS Aushängeschild von ALPHAVILLE. Um dem ganzen einen etwas neuen Anstrich zu geben, spielte man eine sehr gitarrenlastige Version, die mir ausgesprochen gut gefiel. Immerhin konnte man sich inzwischen wieder an den Originaltext halten, auf dem ersten Teil der Tour hatte man sich kurz nach der Erdbebenkatastrophe in Japan dazu entschlossen, einen völlig neuen Text zu singen. Dann gab es eine kurze Pause für Marian, in der er sich seines Jacketts entledigte und den Schweiß abtupfen konnte und damit erstmal einen ganzen Abschnitt mit neuen Titeln einleitete. Den Beginn machte „Heaven on earth“, bei dem es zunächst etwas ruhiger zuging, dicht gefolgt von „Call me down“, das hauptsächlich vom langjährigen Bandmitglied Martin Lister gesungen wurde und ausgesprochen gut gefiel. Für die Nerds unter den Zuschauern gab es dazu noch eine Projektion von binären Zahlen auf den Leinwänden. Mein Favorit auf „Catching Rays on Giant“ ist definitiv „I die for you today“, zugleich auch die erste Singleauskopplung, mit dem es jetzt weiter gehen sollte. Der Song hat einfach einen fies eingängigen Refrain und schafft es, den Sound der 80er perfekt in die Neuzeit zu transportieren, ohne altmodisch zu klingen. Zu „Song for no one (but myself)“ gab Marian noch mal alles und das pittoreske Video zu dem Titel als Projektion stellte auch mich zufrieden, wobei der Track nicht unbedingt meinen Nerv trifft. Dann war aber erstmal Schluss mit neuen Titeln und man bewegte sich wieder weiter zurück in der Zeit. Zunächst gab es „Monkey in the moon“ aus dem Jahre 2005 auf die Ohren, um dann mit „Jetset“ nachzulegen. Mit „Iron John“ spielte man dann einen Titel, den man bisher ( zumindest vor der „Catching Rays on Giant“-Tour) noch nie live gespielt hatte. Dazu wurde Marian ein Bier serviert, denn wie er anmerkte, klänge das ganze ja ein bisschen wie ein irisches Sauflied. Also Bier auf Ex und los ging es. Damit war man dann auch schon fast am Ende und haute mit meinem ALPHAVILLE Lieblingslied „Sounds like a melody“ und dem von mir zutiefst verabscheuten (lange Geschichte) „Forever Young“ noch mal die Klassiker raus.

Natürlich konnte das noch nicht alles gewesen sein, und so begab sich die Band nach lauten Zugaberufen erneut auf die Bühne, um „Seeds“ in der deutschen Version „Leben ohne Ende“ zu performen. Für mich, die diesen Titel nicht kannte, mal ganz spannend ALPHAVILLE in ihrer Muttersprache singen zu hören. Direkt daran schloss sich dann noch „Apollo“ an, bevor man mit den beiden neuen Titeln „End of the world“ und dem ruhigen „The deep“ das Konzert abrundete. Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Auftritt, dem man den Spaß der Band absolut angemerkt hat und auch die restlichen Zuschauer schienen begeistert gewesen sein. So konnten wir uns, obwohl der Abend noch früh war, zufrieden auf den Heimweg machen.

Setlist ALPHAVILLE
Golden feeling
Call me
Dance with me
Gravitation breakdown
Big in Japan
Heaven on earth
Call me down
I die for you today
Song for no one (but myself)
Monkey in the moon
Jetset
Iron John
A victory of love
Sounds like a melody
Forever young

Leben ohne Ende
Apollo

End of the world
The Deep

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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