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ALPHAVILLE – KLEE – AULETTA (EUROCITYFEST 2009)

Ort: Münster - Domplatz

Datum: 23.05.2009

An sich bin ich ja kein Freund von großen Menschenansammlungen, insbesondere auf Stadtfesten, aber bei diesen illustren Gästen, welche sich am heutigen Abend in Münster die Ehre geben sollten, konnte man mal eine Ausnahme machen. Immerhin standen AULETTA aus Mainz, KLEE und als spezielles Bonbon ALPHAVILLE auf dem Plan. So machten wir uns nach Beendigung des spannenden Fußballkrimis in der ersten Bundesliga bei schönstem Sommerwetter auf den Weg in die Stadt mit der wahrscheinlich höchsten Fahrraddichte Deutschlands. Und dort drängten sich in den Gassen schon die Menschenmassen in alle Richtungen und auch wir verloren kurzzeitig die Orientierung, fanden dann aber noch rechtzeitig zum Auftritt der vier jungen Herren aus Mainz den Weg zur Hauptbühne.

Nachdem mit dem Fotopass alles reibungslos geklappt hatte und der mitgereiste Fotograf in den Graben gehechtet war, konnte es dann auch mit feinstem Indie Rock von AULETTA losgehen. Benannt hat man sich übrigens nach einem kleinen Örtchen in Italien. Eröffnet wurde dieser frühe Samstagabend dann mit „Schlagt Alarm“ vom im Juni erscheinenden Debütalbum „Pöbelei und Poesie“. Und auch die restlichen Stücke sollten natürlich von eben jenem Silberling stammen. Besonders „Meine Stadt“ und „Im Westen“ erinnerten mich an die Briten von FRANZ FERDINAND und auch vom Style her hatte man sich anscheinend an der englischen Indie Mode orientiert. Vermutlich wäre man auch in den 60ern des letzten Jahrhunderts damit nicht weiter aufgefallen. Es kommt halt alles irgendwann wieder. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich aber leider noch nicht allzu viele Menschen auf den Domplatz verirrt oder hielten sich noch im Hintergrund auf, was Sänger Alex natürlich bemerkte und prompt mit einem Spruch quittierte, der eine kleine Portion Ironie nicht verbergen konnte. Ihre eigene, nicht unbedingt vor Energie sprühende Bühnenshow entschuldigte man damit, dass man noch etwas müde sei, weil man zu spät losgefahren sei und dann im Bus geschlafen habe. Machte aber nichts, denn einem Großteil des weiblichen Publikums schien zu gefallen, was es da sah und hörte. Es folgten dann noch das energetische „Schrei und Tanz“, die erste Singleauskopplung „Ein Engel kein König“, welches übrigens unter dem Namen „Walhalla“ schon auf der EP „Heimatmelodien“ erschienen ist und der Titeltrack des Debütlbums, bevor nach gut 45 Minuten der erste Auftritt des Abends zu Ende ging. Wir deckten uns dann erstmal mit Essen und Getränken ein, denn bis zum nächsten Auftritt war es immerhin noch eine gute Dreiviertelstunde und der Abend versprach noch lang zu werden.

Inzwischen hatte sich schon eine recht beachtliche Menschenmenge vor der Bühne eingefunden, denn anscheinend war nicht nur ich auf den Auftritt von Suzie und ihren Mannen gespannt. Mit schicker neuer Kurzhaarfrisur (der wahr gewordene feuchte Traum meines mitgereisten Fotografen) und überdimensionaler Brille betrat die Dame samt Band dann auch pünktlich um 20.30 Uhr die Stage vor dem Münsteraner Dom und legte nach einer knappen Begrüßung direkt mit meinem Lieblingslied „Die Stadt“ vom 2006er Album „Zwischen Himmel und Erde“ los. Weiter ging es mit dem Titelsong des aktuellen Albums und dem älteren „2 Fragen“. Immerhin hatte man gute eineinhalb Stunden Spielzeit zur Verfügung und konnte sich somit einmal quer durch die Bandhistorie spielen. Suzie poste derweil wie wild in ihrem durchaus eleganten schwarzen Kleid und hatte damit das Publikum direkt auf ihrer Seite, welches textsicher und feierwütig war. Weiter ging es mit den wunderschönen Titeln „Tausendfach“ und „2 Herzen“, bevor sie uns vor „Weine nicht“ anbot, unser Taschentuch zu sein. Zu „Weil es Liebe ist“ folgte dann die erste Showeinlage mit Publikumsbeteiligung, wurde dieses doch durch einen Mittelgang zum Mischpult in zwei Hälften geteilt. Und um diesen Weg zu überwinden, sollten sich dann alle die an dem Mittelgang standen die Hände reichen. Kitsch deluxe, aber so schön. Daraufhin verließ Suzie dann aber kurz die Bühne, um durch den Fotograben in den Backstagebereich zu verschwinden, nur um sich kurz danach wieder zu ihren Jungs zu gesellen. Weiter ging es mit „Für alle die“, bei dem die Zuschauer richtig mitgingen und „7 Schritte“, bevor dann bei „Lichtstrahl“ die dritte Showeinlage folgte. Passend zum Titel hatte sich Suzie nämlich mit zwei Taschenlampen bewaffnet, mit denen sie in die bereits eingetretene Dunkelheit leuchtete. Abgeschlossen wurde das ganze dann mit einem epileptikerunfreundlichen Strobogewitter. Das nun folgende „Standard Kompakt“ zählt auch zu meinen Lieblingsliedern und so freute ich mich natürlich umso mehr als eben dieses angestimmt wurde, denn mit großen Schritten näherten wir uns dem Ende dieses wunderschönen Auftritts, der vielleicht mein erstes aber sicher nicht mein letztes KLEE Konzert gewesen sein wird. Nach dem nachdenklich stimmenden „Solang du lebst“ setzte Frau Kerstgens zum ersten Mal an diesem Abend ihre Brille ab, was ihr doch ein wesentlich angenehmeres Aussehen bescherte. Bei „Die Königin“ gab es dann ein weiteres Special in Form einer kurzen „I was made for loving you“-Einlage, die man sich kurzerhand von KISS ausgeliehen hatte. Nach „Nicht immer aber jetzt“ und einer recht langen und umständlichen Erklärung, wieso der VfL Wolfsburg quasi Germanys next Topmodel ist, folgte dann aber auch schon der letzte Song des offiziellen Sets und das konnte natürlich kein anderer als „Gold“ sein, inklusive Goldregen zum Abschluss. Doch die Zuschauer forderten natürlich sofort eine Zugabe und diese ließ in Form von „Wunschfrei“ und „Über mir die Sterne“, von Suzie mit einer riesigen Wunderkerze intoniert, nicht lange auf sich warten. Danach bedankte man sich noch artig bei allen und ließ somit ein zufriedenes Publikum zurück, inklusive der beiden Terrorverleger.

Setlist KLEE
Die Stadt
Berge versetzen
2 Fragen
Tausendfach
2 Herzen
Ich lass ein Licht an für dich
Weine nicht
Weil es Liebe ist
Für alle die
7 Schritte
Lichtstrahl
Standard Kompakt
Solang du lebst
Die Königin
Nicht immer aber jetzt
Gold

Wunschfrei
Über mir die Sterne

Der nun folgende Auftritt schrie natürlich geradezu nach der Überschrift „Rückkehr des verlorenen Sohnes“, wenngleich Marian Gold das Licht der Welt in Herford erblickt hat. Der in Ehren gealterte Musiker dürfte mit seinen damaligen Kollegen für die einzigen Welthits „made in Münster“ verantwortlich sein, was natürlich eine hohe Anziehungskraft auf die Besucher des Eurocityfests ausübte. Dass man allerdings nach Ausübung der Fotoaktivitäten kein Bein mehr auf den Boden bekommen und nur noch Fetzen der Bühnenshow von ganz weit hinten mitbekommen würde, hatte ich nicht erwartet. Marian und seine 3 Mitmusiker (der britische Keyboarder Martin Lister, David Goodes an der Gitarre sowie der brandneue Schlagwerker Jakob Kiersch aus Berlin) freute es sichtlich, vor so einer riesigen Menge aufzutreten. Handwerklich und gesanglich top, anders hatte ich es auch nicht erwartet nach meinen bisherigen 2 Live Begegnungen mit den Kult-Elektronikern. Wenn auch die meisten Zuschauer „nur“ die großen 80er Hits gekannt haben dürften, so ist es kein Geheimnis, dass Herr Gold bis heute unter dem Namen ALPHAVILLE veröffentlicht und 2009 auch ein neues Werk (Arbeitstitel: „Catching Rays on Giant“) erscheinen soll. Die Setlist vereinte geschickt Klassiker mit etwas unbekannteren Titeln, exemplarisch seien hier genannt: „Dance with me“, „Sounds like a Melody“, „Victory of Love“, „Flame“ und „Sweet Dreams“. Teilweise deutlich rockiger interpretiert als auf den zugehörigen Studioalben. Der ganz große Entertainer wird Hartwig Schierbaum (so sein bürgerlicher Name) nicht mehr, vor allem im Vergleich zur bezaubernden KLEE-Suzie, doch seine Stimme übt noch immer dieselbe Faszination aus wie vor einem halben Jahrhundert, als ich das erste Mal „Big in Japan“ auf einer nächtlichen Autofahrt zu Gehör bekam. Was mir an diesem Samstag Abend leider nicht mehr vergönnt war, denn der einsetzende „Summer Rain“ und der gnadenlos überfüllte Domplatz sorgten dafür, dass wir mit vielen schönen Erinnerungen den Heimweg antraten. Dass „BIJ“ und natürlich auch „Forever Young“ noch auf dem musikalischen Zettel gestanden haben dürften, steht wohl außer Frage.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer Samstag in meiner „alten“ Studentenheimat mit 3 Bands, die alle auf ihre Art und Weise überzeugen konnten, wenngleich sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Insbesondere KLEE und ALPHAVILLE sorgten fast erwartungsgemäß für magische Momente!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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