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AMORPHIS – SWALLOW THE SUN – INSOMNIUM

Ort: Saarbrücken - Roxy

Datum: 20.11.2007

Wenn sich ein solch fettes Finnenpaket auf Tour begibt, darf man sich das auf keinen Fall entgehen lassen. Das dachten wohl auch außer mir noch knapp 200 andere, so dass das Roxy an diesem Abend wirklich ordentlich gefüllt war. Besonders beachtlich für ein Konzert, das unter der Woche stattfand und andere Bands in letzter Zeit eher vor 50 denn vor 200 Nasen spielen mussten.

Den finnischen Abend eröffneten die Melodeather INSOMNIUM, die sich bereits im Jahr zuvor in Saarbrücken schon mal die Ehre gegeben hatten, damals auf Tour mit SATYRICON. Man merkte klar, dass die Jungs hier um einiges besser ins Billing passten, als beim letzten Mal, denn hier konnten INSOMNIUM auf ganzer Linie überzeugen und hatten wohl auch ein wenig an ihrer Bühnenpräsenz gefeilt. All diejenigen, die die Herren noch nicht in Deutschland gesehen hatten, wurden gleich überrascht, als Sänger Niilo Sevänen nicht nur die üblichen Floskeln wie „Danke“ und „Hallo“ auf Deutsch präsentierte, sondern gleich die kompletten Ansagen in beinah fehlerlosem Deutsch vortrug. Tadellos war auch die Setlist, die INSOMNIUM an diesem Abend im Gepäck hatten, eine Mischung aus älterem und neuerem Material, wie „The Elder“ vom ersten Album, was bei keinem Gig fehlen darf oder „The Day It All Came Down“ von ihrer zweiten Scheibe „Since The Day It All Came Down“. Der Schwerpunkt lag aber eindeutig auf ihrem aktuellen Album „Above The Weeping World“. Keyboarder Aleksi Munter von SWALLOW THE SUN schob eine Doppelschicht, denn ihn konnte man bei einigen Songs hinter dem entsprechenden Gerät erblicken. Das einzige, was einem diesen Gig ein wenig vermieste, war der nicht gerade optimale Sound, welcher aber im Roxy leider des Öfteren nicht das Gelbe vom Ei ist. Aber dennoch, alles in allem ein toller Gig, bei dem die Leute schon ordentlich mitgingen, was gerade bei den Vorbands ja immer so eine Sache ist.

Setlist INSOMNIUM
The Gale
Mortal Share
Drawn To Black
The Killjoy
The Elder
Last Statement
The Day It All Came Down
Devoid Of Carning

Danach wurden dann ganz andere, doomige Töne angeschlagen. Das Publikum wurde merklich ruhiger, was aber nicht heißen soll, dass die allermeisten die Show nicht genossen hätten. Wie Aleksi kurz vor der Show noch zu mir meinte: „Some people told us, there’s not enough action on stage, what should we do? Start jumping around like crazy?“ – genau, es würde nicht zur Musik passen. Für mich war es in diesem Jahr bereits der 4. STS Gig und nach zwei verdammt kurzen Auftritten von knapp 25 Minuten in Wacken und beim Summerbreeze, sollte dieser mit 50 Minuten endlich wieder einer mit angemessener Länge sein. Man stieg mit dem gleichnamigen Song zum neuen Album „Hope“ ein und ging dann zu „Descending Winters“ vom 2005er Album „Ghosts Of Loss“ über. Und nein, im Gegensatz zu INSOMNIUM war hier recht wenig Gerede zwischen den Songs, die Kommunikation mit dem Publikum war eher spärlich, aber einen Doom Fan stört das nicht sonderlich, da viele rund um mich herum, ebenso wie Sänger Mikko eh in einer Doomwelt versunken waren. Intensiv und mitreißend, so könnte man den Gig der Deathdoomer wohl am besten beschreiben und auf dieser Tour konnten sie sich, nach den kurzen Auftritten auf Sommerfestivals, endlich in angemessenem Rahmen präsentieren. Wer die Alben nicht kannte und eher auf die Musik der anderen Formationen stand, hat den Gig aufgrund der ruhigeren Töne vielleicht als langweilig empfunden, alle anderen dürften sie aber überzeugt haben. Zumal die meisten in der Band,wie Gitarrist Juha später noch verlauten ließ, dank fieser Erkältung, die man sich in Spanien eingefangen hatte, eh nicht komplett fit waren, was man ihnen aber nicht wirklich angemerkt hat. Daumen hoch!

Setlist SWALLOW THE SUN
Hope
Descending Winters
Don’t Fall Asleep
Morning Never Came
These Hours Of Despair
Out Of This Gloomy Light
The Ship
Swallow

Ein letzter Umbau und schon kamen AMORPHIS, die von allen bereits heiß erwartet wurden, auf die Bühne. Wer meckert, dass sie nicht mehr wie früher klingen, sollte sich einfach mal die Setlist vor Augen halten, die an diesem Abend gespielt worden ist. Ausgewogener geht’s doch wirklich nicht mehr. Und als weiteren Pluspunkt haben die Finnen mit Tomi Joutsen einen Sänger an Bord, der altes wie neues Material absolut überzeugend vortragen kann. Was will man also mehr? Mit „Sign From The North Side“ war ein Song von 1992 vom Album „The Karelian Isthmus“ ebenso enthalten wie neuere Sachen „Towards And Against“ von der aktuellen Scheibe „The Silent Waters“. Doppelauftritte waren an diesem Abend angesagt und so kam SWALLOW THE SUN Fronter Mikko Kotamäki zu „Drowned Maid“ („Tales From The Thousand Lakes“) auf die Bühne und growlte sich zusammen mit Tomi die Seele aus dem Leib. Definitiv eines der Highlights und die Finnen sollten darüber nachdenken, auch in Zukunft einmal eine Kollaboration dieser Art zu machen, die beiden Stimmen passten meiner Meinung nach perfekt zusammen. Weiter ging’s mit „Her Alone“, „Against Widows“ und für AMORPHIS war es offenbar ein leichtes, die Menge bei Laune zu halten. Mitgesungen und geklatscht wurde auch ohne Aufforderung. Ja, die Finnen hatten Saarbrücken an diesem Abend wirklich in der Hand.
Nach einem derart überzeugenden Gig, bei dem auch einige Zweifler und Verschmäher der neueren Werke zugeben mussten, dass der Auftritt doch „ganz ordentlich“ war, kamen die Finnen natürlich für eine Zugabe, bestehend aus drei weiteren Liedern zurück auf die Bühne. Wie auch zuvor, gut gemischt, was Neues „Towards And Against“, ein bisschen älter „House of Sleep“ und was Altes „Black Winter Day“, auf welches sehr viele begierig gewartet hatten.

Setlist AMORPHIS
Two Moons
Servant
The Smoke
On Rich and Poor
DrownedMaid (with Mikko)
Her Alone
Against Widows
Silent Waters
Sign from the North Side
Alone
My Kantele
The Castaway

Towards and Against
House of Sleep
Black Winter Day

Insgesamt ein rundum gelungenes Package, bei dem es nur gerechtfertigt war, dass der Laden an diesem Abend so ordentlich gefüllt war. Beide Daumen hoch und wer sich dieses finnische Trio noch nicht live angesehen hat, sollte die Chance auf dieser Tour, wenn irgendwie möglich, auf jeden Fall wahrnehmen!

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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