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AMPHI FESTIVAL 2006 – TAG 1

Ort: Köln - Tanzbrunnen

Datum: 22.07.2006

Nach dem Wave Gotik Treffen stand nun der nächste große Festival-Meilenstein für alle schwarzen Seelen vor der Tür: Das vom Orkus präsentierte Amphi in seiner 2ten Auflage. Dabei schien die Bezeichnung eigentlich gar nicht mehr so passend für die Veranstaltung, sollte sie eben (aus organisatorischen Gründen) nicht mehr in Gelsenkirchens wunderschönem Amphi-Theater stattfinden. Aber deshalb gleich den Namen wechseln? Tanzbrunnen-Festival? Viel wichtiger ist doch der Geist, der mit diesem Open Air verbunden wird, womit man hier durchaus an eine (zugegebenermaßen noch recht kurzlebige) Tradition anknüpfen kann. Zumindest der Sinn für außergewöhnliche Locations war erhalten geblieben, ist doch das Kölner Tanzbrunnengelände alles andere als ordinär zu nennen. Der 1928 entstandene Kultur- und Freizeitpark in der Nähe der Kölnarena/ Messehallen bietet mit seinen 30.000 qm Platz für bis zu 12.500 Zuschauer. Insbesondere das Sternwellenzelt inmitten des eigentlichen Brunnens kann beeindrucken, welches für die Dauer eines Wochenendes zum XtraX-Fashion-Laufsteg mutierte. Aber auch die eigentümlichen Dachkonstruktionen vor der Hauptbühne, fast wie überdimensionale Pilze aus einer Alice in Wonderland-Parallelwelt, konnten faszinieren. Ganz nebenbei boten sie natürlich auch Sonnenschutz, aber zum Wetter kommen wir später noch…

Zunächst einmal musste sich das Terrorkommando den Weg zum Hotel erarbeiten. Wer konnte denn ahnen, dass es einen Unterschied zwischen der Mülheimer und der Deutz-Mülheimer Straße gibt? Und so ließen wir etwa eine halbe Stunde auf der Straße liegen, da es aber gerade anfing, sich abzuregnen, konnten wir damit gut leben. In nur 10 Minuten fiel die Temperatur um ebenso viele Grade, was sich schlussendlich noch als Glücksfall für das Amphi herausstellen sollte, vor allem weil es nicht mehr so eklig schwül war. Apropos Glücksfall: Gleich 2 Unwetter-Warnungen hatte es für den Samstag Nachmittag gegeben und beide verschonten das feierwillige Volk knapp, konnte es ein besseres Omen für das Wochenende geben? Erst einmal hieß es aber „sich einreihen und auf die Bändchenausgabe warten“. Zwar artete dies nicht wie im Vorjahr zu einer Endlos-Orgie aus, dennoch trat ein gewisses Déjà-vu-Gefühl ein, ein belgisches Déjà-vu, um genau zu sein. Denn wie im Vorjahr machten THIS MORN’ OMINA den Opener und wie bei der Erstauflage verpassten wir sie visuell (mal abgesehen von unserem Foto-Grafen). Allerdings konnte man anhand des kräftigen Beifalls erkennen, dass sie 2006 nicht vor einem Vakuum musizierten, zudem hatten wir sie noch als Support der SUICIDE COMMANDO-Tour in guter Erinnerung.

Auf dem Gelände angekommen wurden zunächst mal die wesentlichen Einrichtungen gescannt: Die Getränkebuden! Hier konnte man vornehmlich originale 0.5 Liter Flaschen abgreifen (Cola, Fanta, etc.), allerdings ohne Pfand und für den einigermaßen annehmbaren Preis von 3,50 Euro. Da das lästige Zurückgeben entfiel, wurde der Abfall vornehmlich da entsorgt, wo man gerade stand, was vielleicht auch nicht ganz im Sinne des Erfinders war, es gab aber immer noch ordentlich viel Platz zum Sitzen. Wobei einem das ganze Wochenende die überaus gemütlichen Amphi-Tribünen ein wenig fehlten, wo man sich bei den individuell weniger relevanten Acts hätte zurückziehen können. In Anbetracht von kleineren Terrassen und aufgestellten Bänken aber ein zu vernachlässigendes Manko. Nun aber war es Zeit für den ersten livehaftigen Act auf der Mainstage, die sogenannte Second Stage befand sich inhouse und sollte erst am Abend aktiviert werden. Zeit für den Electro Gothic von CEPHALGY!

Auf der Bühne befanden sich nun 3 Herren (Sänger Jörg plus 2 Keyboarder), die mit ihrem uniformierten Auftreten – Rotes Hemd, schwarze Krawatten – schon mal ein gewisses Stilbewusstsein demonstrierten. Optisch noch anziehender wirkte allerdings die gute Stella, welche vereinzelt hinter einer Art Parawan performte und diesen mit ihren langen Klauen langsam aber sicher zerstörte. Dazu präsentierten die Deutschen eine halbe Stunde lang Songs ihrer beiden Alben „Finde deinen Dämon“ („Vater“, „Teil mit mir die Einsamkeit“) sowie „Engel sterben nie“ („Zum Abschied“ und der Titeltrack als Rausschmeißer), die insbesondere Fans von BLUTENGEL ansprechen sollten. Die Zuschauer-Reaktionen waren für diesen frühen Zeitpunkt schon recht beachtlich, was sich im Laufe des Wochenendes aber natürlich noch weiter steigern sollte. Auffällig die präsentierte Stilvielfalt AUF und VOR der Bühne, Shirts von TOMTE bis DEATH, Electro Lurche neben Mittelalter Freaks, jung und alt friedlich miteinander feiernd. Die Security dürfte wohl ein extrem geruhsames Weekend verbracht haben. Zwar war der Himmel zu diesem Zeitpunkt noch etwas bedeckt, aber aufgrund der Vortage hatten einige (Damen) nur das nötigste an Klamotten eingepackt, um auf die schweren Koffer zu verzichten… sehr zum Wohl der männlichen Augenpaare versteht sich, obwohl man der einen oder anderen bauchfreien Gotin einen mahnenden Stilberater gewünscht hätte. Das ist halt Individualmode!

Sehr individuell sendet auch die WELLE:ERDBALL, und das seit vielen Jahren. Ebenso wie THIS MORN’ OMINA und die nachfolgenden UNHEILIG war man auch 2005 schon dabei, ohne irgendwelche Abnutzungserscheinungen. Wo Honey, Alf und die beiden „Pettiköter“ (nicht despektierlich gemeint!) Plastiqe/ Frl. Venus auftauchen, herrscht im allgemeinen nach wenigen Minuten gute Laune. Nicht einmal der einzige kleine Regenguss des gesamten Festivals konnte die Performance trüben, es ist aber immer wieder witzig anzusehen, wie gestandene Damen ob ein paar Wassertropfen in Panik ausbrechen. Viele Grüße an dieser Stelle auch an die Hermaphrodite in Korsage, die ihren Schirm nach dem Guss über mir ausschüttelte… Die Welle wird am ersten September ihr neues Werk „Chaos Total“ veröffentlichen, von dem es bereits Kostproben in Form von „Der Telegraph“ und „Das Souvenir“ (ein reinrassiger Boogie-Song!) auf die Ohren gab. Dazu natürlich „Standards“ wie „Arbeit adelt!“ (Blechtrommel), „Mensch aus Glas“ (Konsumtafeln), „Tanzpalast 2000“ oder „Wir wollen keine Menschen sein“. Wie üblich wurde dem C64 gehuldigt, von dem ein Exemplar im Publikum landete, dazu kamen auch die W:E-Luftballons zum Einsatz, die gerüchteweise zum Teil mit 50 Euro-Scheinen gefüllt gewesen sein sollen. Kann ich leider nicht bestätigen, ich stand zu weit hinten… Leider wurde auf das „Nackte Frau im Sarg Gimmick“ verzichtet, was beispielsweise in Herford zu „Nur tote Frauen sind schön“ zum Einsatz kam. Alles eine Frage der Zeit, wie bei so vielen der nachfolgenden Formationen, die gerne gewollt hätten aber nicht durften. Der Zeitplan musste nämlich exakt eingehalten werden, da um Punkt 22 Uhr kein Outdoor-„Lärm“ mehr ertönen durfte. Sahen die jeweiligen Zugabenrufer sicher anders, aber der Fairness halber der einzig gangbare Weg. Anregung fürs nächste Jahr: 1, 2 Truppen weniger aufbieten und den anderen etwas mehr Spielraum lassen. Die extrem kurzen Umbaupausen darf man aber gerne beibehalten. Jedenfalls verabschiedeten sich die welligen Vier, nicht ohne noch mal auf die Unterschriftenaktion für den Tierschutzbund hinzuweisen. Entsprechende Pages im Netz beweisen, dass den Niedersachsen dieses Thema wirklich am Herzen liegt, dafür Respekt von meiner Seite.

Zeit für „unheilige“ 40 Minuten, Zeit für den Grafen plus Begleitmannschaft. Auch nach dem x-ten Konzerterlebnis meinerseits freue ich mich noch immer auf den glatzköpfigen „Lebemann“ mit seinen natürlich wirkenden Kollegen Henning (Keys) und Licky (Gitarre, heuer ohne Kopfschmuck). Als Backdrop drapierte man wieder ein paar Kerzen und den altbekannten Uhren-Vorhang, schon konnte es losgehen mit dem kraftvollen Electro Rock des Trios. Im Grunde kann man hier nichts Neues über die Performance berichten, Herr Graf sprang wieder wie aufgezogen auf die Bühne, um sich dann gestenreich in seine eigenen Kompositionen zu verlieben, quasi mit ihnen zu verschmelzen. Die Begeisterung der Schwarzgewandeten stieg noch einmal an, die „Quittung“ für unermüdliches Touren und Fannähe. Aufgrund der nur kurzen Zeit konnte natürlich nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem Repertoire geboten werden, so etwa die kraftvollen „Ich will alles“, „Auf zum Mond“, „Freiheit“ und „Die Maschine“, aber natürlich auch das überaus gefühlvolle „Astronaut“, ab dem der Sänger nur noch in seinem typischen weißen Hemd da stand (plus Unterhemd, um hier mal für die ganz wichtigen Infos zu sorgen…). Die Ansagen kann ich zwar mittlerweile auswendig, sie verfehlten ihre Wirkung aber keineswegs. Um den Leuten das Gefühl einer Zugabe zu geben, war schon nach 6 Titeln Schluss, so dass sich UNHEILIG unter lautem Beifall noch ein 2tes Mal nach oben begeben konnten, um den Klassiker „Sage ja!“ und die persönliche Ballade „Mein Stern“ darzubieten. Hierzu wurden wieder die bereits von der letzten Tour bekannten Wunderkerzen im Publikum verteilt. Trotz des hellen Lichtes ein schöner Anblick! Wer sich daran nicht satt sehen kann, wird schon bald auf der Orkus Festival Tour 2 die Gelegenheit dazu bekommen, dem Grafen wieder ins virile Gesicht zu blicken. In diesem Zusammenhang sei kurz auf die Neuauflage einer bereits im Vorjahr sehr nervigen Angelegenheit hingewiesen… der Pausenbeschallung! „Durfte“ man 2005 noch einer ausgewählten Reihe immer wieder kehrender SPV-Tracks seine Ohren schenken, wiederholte sich das Schauspiel doch tatsächlich heuer wieder. Man konnte „wählen“ zwischen einem völlig unpassenden Hörspiel, Werbung für die bereits angesprochene Orkus Herbst Tour und mehreren Dependent Spots, die mit ihren Pseudo-Frage-Antwort-Spielchen doch recht penetrant aus den Boxen kamen. Nichts dagegen, wenn man Werbezeit verkauft, doch sollte man dann genug Material für 2 Tage vorliegen haben. Na ja, irgendwo muss es ja auch fürs Amphi 3 noch Raum für Verbesserungen geben…

Nun wurde das erste Mal an diesem Tag ein Drumset auf die Bühne geschoben – es sollte also rockiger werden. Die 69 EYES gaben sich die Ehre und stürmten nach einem Intro in altbekannten Skelett-Oberteilen und viel Leder die Bühne, um mit „Devil“ gleich teuflisch gut loszulegen. Die hartgesottenen Fans hießen die Finnen mit ihrer Landesflagge willkommen und auch der Rest des Publikums ging sofort frenetisch mit, als es mit „Devioso“ weiterging. So war die Sorge von Sänger Jyrki eher rhetorischer Natur, die deutschen Fans könnten das Quintett nach längerer Bühnenabstinenz vergessen haben. Mit den Worten: „Wir haben EUCH nicht vergessen“ leitete man „Feel Berlin“ vom 2004er Erfolgsalbum „Devils“ ein und pflügte sich anschließend durch altbekannte Hits. „The chair“ durfte da genauso wenig fehlen wie die Ehrerbietung an die SISTERS „Sisters of charity“. Das Publikum zeigte sich begeistert von der Liedauswahl und bedurfte keiner großen Animation, um ordentlich mitzugehen. Jyrki zeigte sich beim „Dance d’amour“ einmal mehr als großer Poser und auch Drummer Jussi war zu etlichen kleinen Späßchen aufgelegt – That’s rock ’n’ roll! Da waren die Jungs begeistert, dass ihnen auch auf einer (O-Ton) „Gothic-Veranstaltung“ zahlreiche Pommesgabeln entgegen gestreckt wurden. Nach 9 Titeln und 40 Minuten Spielzeit verabschiedeten sich die Helsinki Vampires mit „Lost Boys“ (der Soundtrack des gleichnamigen Films wurde auch als Intro/ Outro genutzt) und ließen ihre Fans mit Zugabe-Rufen zurück.
(cs)

Mit SUBWAY TO SALLY war dann bereits der Co-Headliner am Start, jede andere Bezeichnung für die Band würde sich verbieten bei ihrem Bekanntheitsgrad. Als völliger Widerspruch zur brutzelnden Sonne startete man mit „Schneekanonen“ zur „Schneekönigin“ durch, was einen leicht bizarren Eindruck hinterließ. Doch schon mit den Pyros bei „Feuerland“ passte man sich dann wieder den realen Temperaturen an, und auch die Stimmung näherte sich dem Siedepunkt. Nicht zuletzt dank der engagierten Leistung der Musiker um den redseligen Eric Fish, eben so wie man es von den Sallys gewöhnt ist. Die Setlist war im Prinzip eine abgespeckte Version der letzten regulären (elektrischen) Tour, denn mehr als 50 Minuten hatten auch die Deutschen „Mittelalter Metaller“ nicht zur Verfügung. Die nutzte man für Titel wie „Eisblumen“ (den Fans gewidmet, von daher holte man auch einen weiblichen Zuschauer auf die Bühne), „Kleid aus Rosen“ (inkl. Erics Feuerspuck-Einlage) oder „Falscher Heiland“, wo der charismatische Sänger auf den eskalierenden Konflikt im Nahen Osten einging. Ein wenig Politik darf in diesem Umfeld auch gerne mal sein, man lebt ja nicht auf einer (schwarzen) Insel. Im Vordergrund stand aber die Party, bei der erstmals auch ein Crowdsurfer gesichtet wurde. Um eine kurze Atempause von Brechern wie dem „Knochenschiff“ zu gewinnen, wurde mit „Minne“ auch ein Akustik-Stück präsentiert, analog zur „Nackt“-Gastspielreise im Frühjahr. Zu dieser sollen ja bald auch noch CD plus DVD folgen, für den Genuss daheim. Heute folgte nur noch die Zugabe, natürlich das obligatorische/ lauthals geforderte „Julia und die Räuber“. Nicht zu vergessen natürlich auch der „Schrei“ aus vielen tausend Kehlen. Denn an die 8000 Karten wurden insgesamt verkauft, also eine weitere Steigerung in der Festivalhistorie. Ich aber hetzte nun zur Second Stage, die glücklicherweise gleich um die Ecke lag, denn dort sollte ein ganz besonderes Höllengerät zum Einsatz kommen.

Zunächst aber sah ich erst mal… gar nichts! Denn der Wechsel von hellstem Tageslicht zur stockdunklen Halle kam einem visuellen Schock gleich. Menschen tasteten sich durch die Gegend, was für die bereits akklimatisierten Anwesenden sicher putzig aussah. Natürlich auch eine gute Gelegenheit, mit dem anderen Geschlecht Kontakt aufzunehmen. Doch jetzt sollte es um das Berliner Duo LOLA ANGST gehen, für mich der erste richtig „schräge“ Programmpunkt des Tages. LOLA ANGST, das sind Alexandar Goldmann und Reiner Schirner (Ex BLIND PASSENGERS), die an einer umgebauten Kirchenorgel, eben der Lola, musizieren. Jeder Ton wird live direkt erzeugt, was der Darbietung einen ruppigen Charme verleiht. Da dampfen die Orgelpfeifen, wenn die beiden Herren zu beiden Seiten sitzend ihre „Geliebte“ „malträtieren“. Als weiteres visuelles Schmankerl wurden Lieder wie „Children of the Dark“, „The Council of Love“ oder das DM-Cover “Something to do” beizeiten auch von 2 Ballerinas tänzerisch begleitet. Eigentümlich aber unterhaltsam, was wohl auch die zahlreichen Anwesenden so sahen, welche von Alexandar ein ums andere Mal in die Pflicht genommen wurden. Leider konnten wir aufgrund des nahenden Headliners auf der Main nicht alles mitnehmen, aber ein Besuch bei einer potenziellen Konzertreise von LOLA ANGST sei hiermit unbedingt empfohlen.

Nun also VNV NATION, noch immer bei Tageslicht und noch immer ziemlich angesagt, was man anhand der zahlreichen Band-Shirts auf dem Gelände bereits hatte feststellen können. Etwas vor der geplanten Zeit von 21 Uhr starteten Ronan, Mark Jackson hinten am Schlagwerk sowie die beiden Keyboarder (hinten links der tourerprobte Vasi von FROZEN PLASMA!) mit ihrer treibenden Electro Musik durch. Eröffnet wurde musikalisch mit „Chrome“, technisch aber leider mit einer arg übersteuerten Stimme. Dass Herr Harris kein begnadeter Sänger ist, wissen die meisten, aber mit diesem Sound tat es gar in den Ohren weh. Glücklicherweise reagierten die verantwortlichen Herren und siehe da: Auch die Vocals an sich wurden immer selbstsicherer, am Ende eine sehr solide Leistung des sympathischen Fronters, der immer wieder die Crowd mit Sprüchen anheizte, meist sogar in gutem Deutsch vorgetragen. Viele Synthetik Freaks setzten jetzt ihre Körper in Bewegung, was zu den unterschiedlichsten aber meist sehr launigen Tanzstilen führte. Wer kann auch still stehen bleiben bei Hymnen wie „Darkangel“, „Entropy“, „Epicentre“ oder „Carbon“? Um die Wirkung der Tracks noch zu unterstreichen, wurden erstmals an diesem Tage auch Projektionen eingesetzt, wie man sie von VNV gewohnt ist. Als Zugaben kamen u.a. noch „Further“ und „Beloved“ zum Zuge, was schlussendlich zu einer Spielzeit von gut 60 Minuten führte. Hätte gerne mehr sein können, ging aber aus bekannten Gründen nicht. Von daher forderte Ronan alle Tanzwilligen dazu auf, nun in die Halle zu wechseln, um mit seinem „Kumpel“ LaPlegua den COMBICHRIST zu machen. Zwar sollten draußen noch 2 Lesungen folgen – Christian von Aster und „Erbe“ Oswald Henke, der tagsüber ständig über den Platz tigerte –, wir aber machten uns schnellstmöglich auf, um inmitten der zu erwartenden Combicritter noch einen guten Platz zu ergattern.

Wieder im Dunkel angekommen stellten wir fest, dass da noch irgendwelche „Verrückten“ auf der fast stock-dunklen Bühne musizierten. Das mussten CALMANDO QUAL sein, ihres Zeichens Japaner und Vertreter der Visual Kei-Richtung. Nun sagt das ja noch nicht allzu viel über den Klang der Musik aus, die ich mal als theatralischen Horror Metal bezeichnen möchte. Auch die Bandmitglieder waren dementsprechend kostümiert. In den ersten Reihen gingen einige „Manga-Mädchen“ steil, was dazu führte, dass die seltsame Truppe gleich 2 Zugaben zelebrierte. Derweil schoben von hinten die Electro Jünger nach, die nicht unbedingt alle einen Asien-Fetisch vor sich her trugen. Es wurde zwar voll, aber zum Glück nicht so drückend wie erwartet, von daher konnte man den kleinen Umbau recht gemütlich überbrücken. Viel braucht es ja auch nicht für eine COMBICHRIST Show. Im Vergleich zu früheren Konzertbegegnungen mit Andys lärmigem Seitenprojekt wurde auf Projektionen verzichtet, dafür gab es nunmehr gleich 2 Herren an den Reglern. Alle drei waren einheitlich in Kriegsbemalung angetreten, so weit man das bei dem Nebel und dem fehlenden Licht ausmachen konnte. Teilweise musste man sich den Standort des norwegischen Herren denken, der agil wie eine Raubkatze auf dem Sprung die Stage beackerte. In dem Saal gab es nun kein Halten mehr: Die vorderen Reihen rasteten fast komplett aus, darunter erwartungsgemäß auch ein nicht geringer Anteil nett anzusehender Cyber Damen. Zur Setlist gehörten die groovigen Brecher „Blut Royale“, „Enjoy the Abuse“ sowie „This S*it Will Fcuk You Up“, es wurde aber mit „Electrohead“ auch ein taufrischer neuer Song präsentiert (im September soll ja ein neues Album erscheinen), der sofort angenommen wurde. Auch CC hätten gerne ein wenig länger „gegroovt“, aber der enge Zeitplan ließ kaum mehr Zeit, als noch ein Getränk vom Publikum zu fordern und mit einem letzten Titel den ebenso schweißtreibenden wie superfetten Auftritt abzuschließen. Mit DAS Highlight am ersten Tag, aber noch lange nicht das Ende!

Zum Abschluss des Konzertabends erwartete uns noch der Auftritt von DIARY OF DREAMS. Trotz inzwischen subtropischer Temperaturen im Theater fanden sich gegen Mitternacht genügend Zuschauer ein, um das Rund gut zu füllen. Die Konzertstätte lag wie gehabt in völligem Dunkel, auf der Bühne waberte Nebel, als die ersten Klänge von „Rumours About Angels“ anhoben. Doch nun wurde es Zeit für eine großartige Lichtshow, die die Bühne abwechselnd in weißes, rotes, blaues, grünes oder lilafarbenes Licht tauchte oder graphische Muster wie z.B. weiße Dreiecke ins Dunkle zauberte. Im Mittelpunkt immer Sänger und Mastermind Adrian Hates, der in der ersten Hälfte des Konzertes es irgendwie schaffte, immer so zu stehen, dass er zusätzlich zum Nebel die Sicht auf die Bühne verdeckte, so dass ich nur rätseln konnte, ob DIARY OF DREAMS auch wohl einen Drummer dabei hatten und wenn ja, wer da die Felle bearbeitete. Irgendwann habe ich aber feststellen dürfen, dass Beam wieder für den Rhythmus verantwortlich war. An den Keys agierte mit Torben Wendt von DIORAMA ebenfalls kein Unbekannter. Mit Songs wie „Chemicals“, „Menschfeind“, „Traumtänzer“, End-giftet“ und „Butterfly:Dance“ stieg die Stimmung ebenso wie die Raumtemperatur von Lied zu Lied, und viel zu schnell war nach dem Empfinden des gesamten Auditoriums einmal wieder ein überaus gelungenes Konzert beendet. Leider gab es auch von DIARY OF DREAMS aufgrund des bereits erwähnten straffen Zeitmanagements keine Zugabe, aber immerhin kam das Quartett noch einmal auf die Bühne und verabschiedete sich unter tosendem Applaus von seinen Fans.
(ump)

Jetzt hieß es aber erst einmal frische Luft schnappen, schließlich sollte im Theater noch bis um fünf eine After-Show-Party mit verschiedenen DJs starten. Also fix für ein Viertelstündchen in die laue Sommernacht, wo die letzten Buden gerade ihre Läden schlossen und dann zurück zur Musik. Den Anfang machte das RETROSIC-DJ-Set mit erwartungsgemäß harter Elektronik. Spätestens bei „This S*it Will Fcuk You Up“ von COMBICRIST war auf der Tanzfläche die Hölle los. Zwar waren gerade mal zwei Stunden vergangen, seit an gleicher Stelle der Song live performt wurde, aber offensichtlich hatte die feierwütige Meute lange noch nicht genug. Mit DJ Elvis (The Memphis) ging es eine Stunde später etwas „gemächlicher“ zu. Los ging’s mit VNV NATION, stilistisch bewegte man sich weiterhin in Richtung COVENANT oder auch SUICIDE COMMANDO. In jedem Fall blieb gerade mal Zeit, die Flüssigkeitsverluste auszugleichen, ansonsten war ganz klar Tanzen angesagt. Kurz vor drei setzte mit dem neuen DJ Mike K. (EOD/Eisenlager) ein kleiner Massenexodus ein, was aber wohl weniger an der Musik lag als an dem Umstand, dass um 3.00 Uhr der letzte Shuttlebus zum Zeltplatz ging. Auch für mich war es an der Zeit, mich auf den Weg ins Hotel zu machen, stand mir doch noch ein interessanter und heißer zweiter Festivaltag bevor.
(ump)

Copyright Fotos: Torsten Hellge ausser DIARY OF DREAMS (Claudia Schöne)

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