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AMPHI FESTIVAL 2007 – TAG 2

Ort: Köln - Tanzbrunnen

Datum: 22.07.2007

Auch Terrorverlag Mitarbeiter sind lernfähig, von daher reisten wir an diesem Amphi-Sonntag entweder früher an oder waren sofort in Köln abgestiegen, das Ergebnis war das Gleiche: Schon kurz nach 12 Uhr enterten wir das Gelände, auf dem schon einige Gothics flanierten und überlegten, welche der überteuerten Speisen denn wohl ihr Mittagsmahl würde. Jedenfalls schien die Sonne wieder in hellsten Farben und der heutige musikalische Festschmaus konnte beginnen.

Zunächst setzte es sich fort, dass Honey die Acts der Hauptbühne in immer neuen modischen Gewändern ankündigte. Zu den englischen Old Schoolern PORTION CONTROL wusste er zu sagen, dass diese einige der heute bekanntesten Electro Acts mit beeinflusst haben und von daher ein Auftritt zur Mittagszeit fast etwas ehrenrührig erscheinen musste. 1980 gegründet und kurzfristig als SOLAR ENEMY weitergeführt lag das Projekt lange still, um vor einigen Jahren reanimiert zu werden. Aktuell sind sie u.a. bei einigen FRONTLINE ASSEMBLY-Gigs als Support dabei und am heutigen Tag eben auch als Opener auf dem Amphi. John Whybrew und Sänger Dean Piavanni performten 30 Minuten inbrünstig ihren analogen Elektrosound, der für viele EBM-Bands der ersten Generation Vorbild war. Die sechs Songs stellten einen guten musikalischen Querschnitt ihres Schaffens dar, untermalt von assoziativen Videoanimationen, die genauso wenig ihre britische Herkunft verleugneten, wie Deans Outfit und Haarschnitt. Bei der älteren Elektrofraktion kam der Sound gut an, die Hellektro- und COMBICHRIST-Jünger fragten sich derweil wohl eher, was das für alte Säcke da auf der Bühne waren und auch Dean sah gelegentlich so aus, als ob er sich fragte: „Was mach ich hier und warum bin ich nicht in einem Pub?“.
(MS)

Nach englischem Oldschool-Electro war die Zeit für Mittelalterrock gekommen. Wer schon mal ein „Mittelalterlich Spectaculum“ besucht hat, könnte auch schon das Vergnügen mit dem „Totentanz“ (so die deutsche Übersetzung des Bandnamens) gemacht haben. Aber auch die Einzelkonzerte der acht Musiker erfreuen sich großer Beliebtheit bei Mittelalter-Fans und so war trotz der spätmittäglichen Stunde schon einiges los vor der Außenbühne, als das Schalmeien-Intro erschall. Den Anfang machte das „Salz der Erde“ von der 2005er-VÖ „Des Königs Henker“ – von Müdigkeit weder beim Publikum noch bei der wilden Horde auf der Stage eine Spur. Genauso euphorisch wurde mein Favorit „Falsche Freunde“ abgefeiert, dem El Silbador ein Sackpfeifen-Solo hinzufügen durfte. Als kleinen Vorgeschmack auf das neue Album „Aus der Asche“, welches Ende August erscheinen soll, präsentierten die rockenden Gesellen ihren „Spielmannsschwur“. Wieder ein recht flottes Stück, das heftig beklatscht wurde. Gleiches galt auch für „Tritt ein“, bei dem sich die Sackpfeifen und Dudelsäcke so richtig austoben konnten und schnelle und langsame Passagen wechselten. Belohnt wurde die Darbietung mit tosendem Applaus, dann erhielt auch schon bei „Keines Herren Knecht“ Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein Gelegenheit, sein Können am Dudelsack allein unter Beweis zu stellen. Mit „Dunkler Engel“ sollte bereits der letzte Song folgen, bei dem es einen kleinen Zwischenfall gab. Sänger Alea schien Kreislaufprobleme zu haben und ging plötzlich zu Boden, berappelte sich jedoch ziemlich schnell wieder. Mit dem Gesang wollte es aber erst nicht so recht klappen, ihm saß doch wohl ein bisschen der Schreck in den Gliedern und auch seine Kollegen machten einen etwas besorgten Eindruck. Der Stimmung am Tanzbrunnen tat dies keinen Abbruch, man feierte das Lied ausgiebig und forderte lautstark Nachschlag, den SALTATIO MORTIS in Form von „Licht und Schatten“ auch gaben, nachdem Drummer Lasterbalk seinem Namen gerecht wurde und Aleas Formschwäche auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückführte und die Zuhörer aufforderte, ein lautes „Schweinskram“ hören zu lassen. So war der mittelalterlich-ausgelassene Spuk bereits nach einer halben Stunde vorüber, doch sollte uns diese dunkle Zeit später noch mal begegnen.
(ump)

Setlist SALTATIO MORTIS
Intro
Salz der Erde
Falsche Freunde
Spielmannsschwur
Tritt ein
Keines Herren Knecht
Dunkler Engel

Licht und Schatten

Ab in die dunkle Halle, in der das musikalische Programm heute unter dem Schwerpunktbegriff „Gothic“ lief. Was darunter alles zu verstehen ist, zeigte bereits der Opener KATZENJAMMER KABARETT, der trotz deutschen Namens 2000 in Frankreich gegründet worden war und eine Art „Avantgarde Cabaret Electronic Death Rock“ fabriziert. Besonderes Augenmerk lag auf der kurzhaarigen (und etwas katzenartigen) Sängerin „Mary Komplikated“, die genau denselbigen Eindruck hinterließ. Verzückt tanzte sie umher und gab den Stücken der 2006 erschienen LP eine sehr eigenwillige Gesangsnote, während die Herren um sie herum musizierten. Etwas entgeistert stellte sie alsbald fest, dass ihre „Pants“ herunter zu rutschen drohten, ob es noch dazu kam, kann hier wegen Bühnenwechsels nicht mehr geklärt werden.
(TK)

Draußen war nämlich eine live eher selten gesehene Formation an der Reihe, die zumindest ich bisher nur vage von Platte kannte. HEIMATAERDE aus Deutschland schreiben sich nicht nur recht kurios, auch der Sound, eine Art Mittelalter Electro, hört sich beizeiten so an. So werden die aggressiven Beats mit Dudelsack und Flöte unterlegt, zu hören u.a. auf den bisherigen 2 Vollzeitalben „Kadavergehorsam“ und „Gotteskrieger“. Doch das alles konnte uns nicht auf die bevorstehende Show vorbereiten, die zunächst von 2 in Kettenhemden auftretenden Rittern eingeleitet wurde. Der eine verblieb relativ vermummt hinter seinem Tasteninstrument, während der andere auch mal beherzt zur Flöte griff. Doch der eigentliche Bandkopf „Ashlar von Megalon“ (kurz „Ash“ genannt) fehlte ja noch, was sich sehr bald ändern sollte. Zusammen mit 2 Knappen, die nur optisch zum Schauspiel beitrugen (mit Fahnen und Kriegsgerät) schritt er in die Manege und das Publikum war doch recht begeistert ob der interessanten Darbietung. Ash verfügt als Fronter über das gewisse Etwas, die Massen zu faszinieren, oben drauf kamen noch Songs wie „Gib mir“, „Wiedergaenger“ oder „Lebloser Körper“, die alle einen recht morbiden Anstrich besaßen. Kein Wunder, dass später noch ein Bluttrunk gereicht wurde, von den spitzen Vampirzähnen sehnlichst erwartet. Neben den vielen bekannten Namen eine frische Performance, die ein Festival eben auch braucht, will es nicht in Routine ersticken.
(TK)

Dass die nun folgende EMILIE AUTUMN bereits über eine große Fanbase verfügt, wurde schnell deutlich, als Heerscharen (vor allem weiblicher) Fans ins Dunkel der anliegenden Halle strömten. Die Dame hat ja auch eine interessante Vita vorzuweisen: Eigene Mode- & Duftlinie, Autorin, Kollaborationen mit Billy Corgan und Courtney Love, Support der DRESDEN DOLLS und und und. Heute hatte sie 3 weitere Ladys mitgebracht, die allgemein auf den Namen BLOODY CRUMPETS hören. Ihren Stil bezeichnet sie selbst als „Victoriandustrial“, noch interessanter sind aber Bühnenshow und Outfits, die irgendwo zwischen den schon erwähnten DRESDEN DOLLS, Barbiepuppen und Marie Antoinette angesiedelt sind. Alles schön plüschig aber doch mit einer unterschwellig abgründigen Note. Da wurde ein armer Teddybär aufgehängt (der als „Suffer, the Bear“ übrigens zur Band gehört), Tee ausgeschenkt, mit einer (Stoff-)Ratte gespielt… Die Dame zur Rechten trippelte gar eine ganze Weile in Ballettschuhen auf und ab. Kein Wunder, dass bei diesen Motiven Großalarm im Fotograben herrschte. Musikalisch nicht soooo weit weg von den vorherigen Katzenkindern wird auch hier wieder theatralischer Gothic mit etwas Electro und Geigenklängen kombiniert und ergibt so tatsächlich ein interessantes Gebräu. Von EMILIE AUTUMN wird sicher noch zu hören sein.
(TK)

Ein Heimspiel absolvierten daraufhin die Kölner KRYPTERIA, die besonders mit ihrer hübschen Sängerin Ji-Chin Cho und deren koreanischen Wurzeln optische Pluspunkte sammeln konnten. Die agile Dame, die nach Ansicht des WELLE:ERDBALL-Sängers Honey die schönste Dame des ganzen Festivals war, hatte sich ganz in Lack und Leder gekleidet und legte gleich stimmgewaltig los. Nun ist Symphonic Metal nicht unbedingt mein absolutes Steckenpferd und wenn es zu bombastisch und opernhaft wird, muss ich ehrlich gesagt passen. Heute ließen sich Songs wie „Time To Bring The Pain“, „Scream“, Somebody Save Me“ und „I Can’t Breathe“ ganz ordentlich an, während es für meinen Geschmack Titel wie „The Promise” oder „Sweet Revenge” ein wenig mit pompösem Sound und Diva-Gesang übertrieben. Immerhin hat’s aber schon fürs Wacken Open Air gereicht und auch als Support für SUBWAY TO SALLY und DEEP PURPLE waren die drei Herren mit ihrer Fronterin bereits unterwegs. Heuer hatte das Quartett sich übrigens noch Live-Unterstützung von Benny Richter an den Tasten geholt, alles in allem schien auch das Amphi-Publikum zumindest mit dem Anblick auf der Bühne sehr zufrieden gewesen zu sein.
(ump)

Eigentlich hätte der Aufmarsch der Exzentriker in Halle Zwo nun ungehindert weitergehen können, doch leider verzögerte sich der Auftritt von FETISCH:MENSCH um einige Minuten, was im Folgenden dazu führte, dass der Terrorverlag a) auf Oswald Henke verzichtete und b) die letzten 4 Bands an beiden Auftrittstätten quasi gleichzeitig loslegten. Nicht schön für uns Fotographen und auch die Zuschauer hatten ihre liebe Mühe, sich für den richtigen „Wanderweg“ zu entscheiden. Also verblieben wir an der Hauptbühne, wo sich zur Nachmittagszeit ein richtig großer Name angesagt hatte.

Die Engländer MESH, im Kern bestehend aus Mark Hockings und Richard Silverthorn, gehören nun schon zu den Größeren im Synthie Pop Zirkus, von daher waren die angesetzten 40 Minuten eigentlich viel zu wenig, um all die bekannten Hits zu präsentieren. Die Insulaner machten das Beste draus und verdichteten ihre Setlist zu lauter Hochkarätern. Zu nennen wären hier beispielsweise “Leave you nothing”, “Testify”, “From this height”, die bald erscheinende Single “My Hands are tied” (wird als Doppel A-Auskopplung zusammen mit „Petrified“ veröffentlicht) oder „Crash“. Hier fiel mittendrin die komplette Elektronik aus, doch MESH bewiesen, dass man auch mit Schlagzeug und Gesang „Electro“ fabrizieren kann. Besonderer Augenmerk lag natürlich noch auf dem relativ neuen Live Keyboarder Geoff Pinckney, der seine Sache sehr engagiert durchzog und optisch fast wie Richards Bruder rüberkommt. Mark hingegen trug natürlich wieder seine geliebte Wollmütze, die er wohl auch in der Savanne nicht abnehmen würde. Eins ist jedenfalls klar: Auf MESH ist live immer Verlass, die Herren kann man für ein Festival quasi blind buchen.
(TK)

Was man von DOWN BELOW so noch nicht wissen konnte, denn die Gothic Rock/ Pop Truppe aus Sachsen-Anhalt dürfte noch nicht jedermann begegnet sein. Um die Jungs gibt es ja momentan sowohl einen Hype als auch eine gewisse Biographie-Verdunkelung, verschweigt man doch das Debüt Album bei Rabazco („Silent Wings: Eternity“) und die frühen Jahre der Formation, wo man beispielsweise schon mal einen Gig mit DARA PAIN bei den Burgnächten ablieferte. Manch einem mag auch der Name CRYPTIC CARNAGE noch geläufig sein, unter diesem Namen firmierte man nämlich, bevor man sich der dunkel-düsteren Szene anschloss. Und die hat augenscheinlich angebissen, es war zwar etwas leerer als noch bei Amerikas Emilie aber dennoch sehr ordentlich gefüllt. Und man muss sagen, dass die 4 ostdeutschen Herren, die an diesem frühen Abend noch von Henning Verlage (UNHEILIG) an den Keys unterstützt wurden, insbesondere optisch einiges her machen. Sänger Neo-Scope weiß seinen Charme spielen zu lassen, ein wichtiger Faktor heutzutage. Die Musik gibt sich relativ glatt im Spannungsfeld von angegothtem Rock/ Pop mit leichten Finnland-Anklängen, dabei präsentierte man ausschließlich Stücke des just erschienenen Werks „Sinfony 23“. Doch schnell ging es wieder nach draußen, denn dort wartete ein weiterer „Verrückter“ im positiven Sinne auf seine Fans.
(TK)

Setlist DOWN BELOW (ohne Gewähr)
Sinfony 23
From The Highest Point
Private Soul Security
Lovely Places
Down Below
Heal
Runaway
On My Way
Dark Queen
Angel

Voller Spannung wurden Alexander Kaschte und SAMSAS TRAUM erwartet. Die Band gibt es nun immerhin auch schon seit elf Jahren und wird ab September mit neuem Schlagzeuger (Adrian Erlandsson – AT THE GATES, ex-CRADLE OF FILTH), erstmals mit Bass und natürlich einem neuen Album auf Tour sein. Der Auftritt beim Amphi sollte einer der letzten in der alten Besetzung sein und bereits der doch eher ruhige Opener „Tineoidea“ wurde nicht zuletzt wegen Daniel Schröders Saxofonspiel frenetisch bejubelt. Auch das folgende „Einer gegen alle“ wurde von Kaschte als Song zum Warmwerden angekündigt, nachdem er darum gebeten hatte, die beiden Keyboarder Acid Loverboy und Psycho666 zu begrüßen (der eine durfte ja unlängst noch für die Argentinier PUNTO OMEGA in die Tasten greifen). Tatsächlich ging’s hier schon ordentlich in die Vollen. Heftige Gitarrenriffs trafen auf hämmernde Beats, die auch bei „Für immer“ zu hören waren, jedoch dominierte das Sax den Song wieder deutlicher. In flottem Tempo ging’s mit „Bis an das Ende der Zeit“ weiter, der Titel findet sich im übrigen auch auf dem SAW II-Soundtrack und kam in Köln ausgesprochen gut an. Ebenso gut wie das Merch-T-Shirt, das Alexander in die Menge warf und dem noch weitere folgen sollten. „Endstation Eden“ kann als gelungener Test für die Textsicherheit der Fans durchgehen, die sich auch bei „Stromausfall im Herzspital“ an der kompromisslosen Sprache Kaschtes erfreuen konnten. „Die Zärtlichkeit der Verdammten“ musste ohne die Handpuppe Trullala auskommen, die hatte im vergangenen Herbst ein betrunkener Besucher eines Konzertes in Berlin zum Geburtstag geschenkt bekommen (oder so ähnlich…). Es ging auch ohne, dann reihten sich auch schon „K.Haos-Prinz und Wind-Prinzessin in den temporeichen Reigen ein. Beim letzten High-Speed-Song „Ein Fötus wie Du“ brachte Alexander Kaschte seinen Unmut über die kurze Spielzeit von gerade mal geplanten 40 Minuten zum Ausdruck und rief zur Beschwerde bei der Festivalleitung auf. In der Tat wäre es schön gewesen, wenn die einzelnen Künstler generell mehr Zeit für ihre Darbietung gehabt hätten. Außerdem wäre es sicherlich schlau gewesen, am Freitag auch zu erklären, warum FRONT 242 pünktlich um 22.00 Uhr mit ihrem Gig durch sein mussten (um 22.00 Uhr ist absoluter Zapfenstreich am Tanzbrunnen und Überschreitungen des Zeitlimits kosten richtig Geld). Nach einer kurzen Bandvorstellung verabschiedeten sich SAMSAS TRAUM, erhielten aber doch noch die Möglichkeit, die zahlreichen Zugabewünsche mit „Kugel im Gesicht“ zu erfüllen. So wurden es immerhin 45 Minuten…
(ump)

Setlist SAMSAS TRAUM
Tineoidea
Einer gegen alle
Für immer
Bis an das Ende der Zeit
Endstation Eden
Stromausfall im Herzspital
Die Zärtlichkeit der Verdammten
K. Haos-Prinz und Wind-Prinzessin
Ein Fötus wie Du

Kugel im Gesicht

Auf die zeitgleich musizierenden UNTOTEN verzichteten wir schweren Herzens, denn eine Electro Legende vom Schlage FRONTLINE ASSEMBLYs lässt man nicht einfach ungeküsst stehen, wenn sie zum Date einlädt. Die Herren um Urgestein Bill Leeb, der bereits gegen Mittag äußerst fannah zahlreiche Foto-/ Autogrammwünsche erfüllt hatte, touren derzeit durch die Lande und waren ja auch bereits 2006 auf dem M’era Luna aktiv. Seitdem ist das Zusammenspiel deutlich tighter geworden, hier war richtig Dampf unter dem Kessel, der von den organischen Drums Adrian Whites angetrieben wurde. Dazu an den Keytürmen inklusive Tarnnetz Jeremy Inkel mit Sonnenbrille links und Chris Peterson etwas in sich gekehrter rechts. Zudem kam die Gitarre von J-rod (alies Jared Slingerland) wiederholt zum Einsatz. Der Meister zeigte sich lauffreudig, nahm aber auch dann und wann Platz hinter einem Keyboard hinten links, um dem Sound die richtige Note zu verleihen. Wizigerweise kündigte sich der Herr selbst in deutsch als Dieter Bohlen an, wohl schon eine Art Running Gag, in Stuttgart hatte er sich noch als VNV NATION „ausgegeben“. Die Setlist entsprach in etwa der von den Headlinern-Konzerten, wenngleich auch hier 40 Minuten Spielzeit als viel zu kurz angesehen werden müssen. So knallten Stücke wie „Millennium“ ohne Unterlass und alle electro-affinen Herrschaften dürften voll auf ihre Kosten gekommen sein.
(TK)

Für die anderen, sowie für alle Damen stand nun ein schmackhaftes norwegisches Menü in der Halle bevor. ZEROMANCER hatten sich nach ihrem letzten, recht alternative rocklastigen Album „ZZYZX“ eine Weile rar gemacht, um wieder Kraft zu tanken, wie es so schön heißt. In der Zwischenzeit hatte man sogar SEIGMAN wieder ins Leben gerufen, die Kapelle, mit der sozusagen alles begonnen hatte. Doch nun hat man dem Vernehmen nach ein neues 10-Track Demo im Gepäck und ein Album mit dem Arbeitstitel „Sinners International“ soll noch dieses Jahr erscheinen. Die Herren um Beau Alex Møklebust sind erkennbar auch ein wenig gealtert, doch Männer reifen ja bekanntlich wie guter Wein. So wurde natürlich der nackte/ durchtrainierte Oberkörper des Skandinaviers genauso bejubelt wie bei früheren Gastspielen. Dazu präsentierte sich die Saitenfraktion um Kim Ljung und Dan Heide spielfreudig wie eh und je. Interessanterweise spielte man nicht einen einzigen Titel des schweraussprechlichen dritten Albums, dafür griff man auf Songs der beiden Frühwerke zurück, die in der schwarzen Szene sicher auch mehr Renomée besitzen. Wer kennt nicht Tracks wie „Need you like a Drug“, „Clone your Lover“ oder „Doctor Online“? Aber auch die 3 brandneuen Kompositionen – „Doppelganger I love you“, „I’m yours to lose“ und „Imaginary Friends” machten Appetit auf mehr. „Leider“ ging es nun schnell wieder nach draußen zu den Quasi Co-Headlinern SUBWAY TO SALLY, die ebenfalls ins rechte Licht gesetzt werden wollten.
(TK)

Setlist ZEROMANCER (ohne Gewähr)
Need you like a Drug
Chrome Bitch
Doppelganger I love you
Imaginary Friends
Cupola
Clone your Lover
Stop
I’m yours to lose
Doctor Online
Fade to black

Mittelalter – die Dritte: Zwar hören es die Berliner nur bedingt gern, wenn sie in die Mittelalterrock-Ecke gepackt werden, doch zumindest am Rande gehören sie hier noch hin, wenngleich die Band selbst immer an ihre Folk-Vergangenheit erinnert. Und auch in Köln versammelten sich am Bühnenrand auffällig viele Herrschaften in Schottenröcken und mit Trinkhörnern bewaffnet, um ihren Helden nahe zu sein. Die gaben erst einmal „Das Rätsel II“ auf, welches den Fans natürlich längst ein Begriff ist und problemlos mitgesungen werden konnte. Dies gilt umso mehr für den Klassiker „Kleid aus Rosen“ von der 2001 erschienenen „Herzblut“. Der Song darf auf keiner Mittelalterparty und schon gar nicht auf einem SUBWAY TO SALLY-Konzert fehlen! Sänger Eric Fish hatte sogar einen Strauß roter Rosen dabei, den er im Publikum verteilte, wobei die letzte Rose Frau Schmitt graziös zwischen ihre Zähne nahm, während sie ihre Geige bearbeitete. Zur „Henkersbraut“ setzte vor der Stage bereits ein wildes Gehüpfe ein und auch auf der Bühne war man kräftig in Aktion. Wie Eric verriet, kam die Band gerade aus New York vom Mastering des neuen Albums „Bastard“, das im Oktober erscheinen wird, Hörproben gab es leider an diesem Sonntag aber noch nicht. Stattdessen war „Der Hofnarr“ angesagt, welcher von „Sieben“ abgelöst wurde. Offensichtlich waren viele der Anwesenden auch auf der „Nord Nord Ost-Tour“, das Abzählprozedere zu diesem Stück klappte auf jeden Fall hervorragend. Bei „Eisblumen“ fanden sich plötzlich A- und B-Hörnchen auf der Bühne wieder, die lustigen Kerlchen lieferten eine kurze Verbrüderungsszene mit den SUBWAYs und verschwanden dann per Stage Diving wieder in der Menge (Für alle Interessierten: Gerüchteweise sind sie in Halle/ Westfalen zuhause!). Mit dem gitarrendominierten, harten „Feuerland“ kam zum zweiten Mal Feuer ins Spiel. War es zu Beginn nur ein harmloses Funkensprühen, wurden die Flammen langsam größer, was bei „Mephisto“ dann mit zwei mobilen Flammenwerfern zu kuscheliger Wärme und züngelnden Flammen, die fast bis an die Überdachung reichten, führte. Als a capella-Stück begann „Ohne Liebe“, bei dem das Publikum die Rhythmusgruppe vermittels Klatschen bildete, endete dann mit dem Einsatz einer dreihalsigen Gitarre, bevor Flöten und Geigen den Sound übernahmen. Dies taten sie auch nicht lange, nach einer lauten Explosion gab’s noch mal ein ordentliches Gitarrengebretter, dann sollte auch für SUBWAY TO SALLY schon der letzte Song „Carrickfergus“ kommen. Vorher entschuldigte sich Eric noch, dass die Autogrammstunde ausfallen musste, es gab wohl gesundheitliche Probleme innerhalb der Kapelle – es war von Krankenhaus die Rede – und versprach, dass sie in einer halben Stunde für ihre Fans da seien. Vorher gab’s noch einen Glitterregen und als Zugabe natürlich das unvermeintliche „Julia und die Räuber“, das bereits in der Umbaupause aus vielen Kehlen zu hören gewesen war. Die Berliner hatten ihr Publikum mal wieder fest im Griff und der Ort, an dem die improvisierte Autogrammstunde stattfinden sollte, füllte sich zusehends, so dass wir eine neue Position bezogen.
(ump)

Setlist SUBWAY TO SALLY
Das Rätsel II
Kleid aus Rosen
Henkersbraut
Der Hofnarr
Sieben
Eisblumen
Feuerland
Mephisto
Ohne Liebe
Carrickfergus

Julia und die Räuber

Als Indoor Headliner konnte das Amphi 2007 mit einem echten Sahnebonbon glänzen, denn die DREADFUL SHADOWS, die eigentlich im Jahre 2000 das Zeitliche gesegnet hatten, luden zu einem Sonderkonzert ein. KEIN Reunion-Gig, wie auf der Homepage ausdrücklich betont wird, man wolle lediglich Jüngere in den Genuss der alten Hits kommen lassen. So oder so wurden die Berliner um die beiden ZERAPHINEn Friedrich und Selbig sehnlichst von vielen Fans erwartet. Nach ein paar Verzögerungen startete man gar etwas später durch als APOP auf der Hauptbühne. In der letzten bekannten Besetzung (Neben den beiden bereits Genannten noch André Feller – Gitarre, Jens Riediger – Bass und Ron Thiele – Drums) plus weiblicher Backgroundsängerin legte man beschwingt mit Stücken wie „New Day“ oder „Drowning Sun“ los, welche die meisten Anwesenden im Schlaf mitsingen konnten. Von der reinen Bühnenaction ist der Unterschied hin zu der aktuellen „Inkarnation“ ZERAPHINE nicht besonders groß, kein Wunder, denn Sven pflegt halt seinen typischen, elegischen Gesangsstil. Schlussendlich verließ ich diesen geschichtsträchtigen Ort dennoch nach ein paar Liedern, um die abendliche Stimmung rund um APOPTYGMA BERZERK im Freien einzufangen, von daher kann ich die genaue Einhaltung der Setlist nicht bestätigen, die ja auch ein TANITA TIKARAM Cover als Zugabe in Planung hatte. Demnächst dann mehr DREADFUL SHADOWS auf der kleinen Deutschland Tour im Herbst.
(TK)

Setlist DREADFUL SHADOWS (ohne Gewähr)
Intro/ Futility
New Day
Drowning Sun
Dead can wait
A Sea of Tears
Dusk
Chains
Burning the Shrouds
Desolated Home
Craving
The Figures of Disguise
True Faith
Beyond the Maze

Condemnation
Twist in my Sobriety

Langsam neigte sich das diesjährige Amphi seinem Ende zu, doch noch standen APOPTYGMA BERZERK aus, die in Köln ihr einziges Konzert in Deutschland in diesem Jahr spielen wollten. Für den Anfang ging’s zurück ins Jahr 2000, um mit „Starsign“ von der „Welcome To The Earth“-Scheibe für die richtige Betriebstemperatur zu sorgen. Spätestens mit „You Keep Me From Breaking Apart“, das bekanntermaßen auf „You And Me Against The World“ erschienen ist, war diese auch erreicht und es wurde eifrig getanzt und mitgesungen. Weiterer Oldschool-APOP folgte mit „Deep Red“, wozu die Stage passender Weise in rotes Licht getaucht wurde, um mit „In This Together“ wieder in der jüngeren Vergangenheit anzukommen. Ganz weit zurück ging’s mit „Burning Heretic“ von 1992; ist inzwischen auch schon 18 Jahren her, dass Stephan L. Groth APOPTYGMA BERZERK aus der Wiege gehoben hat. Mit „Shine On“ stand ein HOUSE OF LOVE-Cover auf dem Programm, das ebenso begeistert abgefeiert wurde wie „Until The End of The World“. Bei den Lichtgewittern zu „Nonstop Violence“ gab es endgültig kein Halten mehr und die Stimmung brachte beinahe das Wasser im Tanzbrunnen zum Brodeln. „Love Never Dies“ verwandelte die Bühne in eine blau-weiße Nebellandschaft, so dass der bombastische Sound praktisch aus dem Nichts zu kommen schien. Für den letzten Song „Mourn“ kamen die beiden MESH-Herren mit auf die Bühne, machte ja auch Sinn, da es von diesem Titel auch einen entsprechenden Remix gibt. Unerbittlich waren die Zeiger auf 22 Uhr vorgerückt und eine Stunde APOP-Querbeet wie im Fluge vergangen. Die Norweger dürften noch mal fast alle Festivalbesucher zusammengeführt haben, ihr Mix aus Alternative Rock, Synthie- und Future Pop schafft es zu verbinden und geht direkt in die Beine, wie eindrucksvoll zu sehen war.
(ump)

Setlist APOPTYGMA BERZERK
Intro
Starsign
You Keep Me From Breaking Apart
Deep Red
In This Together
Burning Heretic
Eclipse
Shine On
Until The End of The World
Nonstop Violence
Love Never Dies
Mourn (mit MESH)

Ein versöhnliches Ende, wozu neben dem gelungenen APOPTYGMA BERZERK-Gig auch die vorgelagerten erklärenden Worte von Honey gehörten. Der arme Kerl, dessen Stimme sich immer mehr verabschiedete, hatte noch mal seinen Dank an alle Beteiligten und die Besucher des Festivals gerichtet und auf die unglückselige Deadline um 22.00 Uhr hingewiesen. So gern, wie wir alle sicher noch länger APOPTYGMA BERZERK und vor allem am Vortag FRONT 242 gehört hätten, die mit ihrem 45 Minuten-Auftritt wirklich gestraft waren, so wenig Handhabe hat ein Veranstalter, wenn er nicht die teuren Strafgelder zahlen will. Allerdings sollten die Spielzeiten fürs nächste Jahr tatsächlich überprüft werden, selbst eine (geplante) Stunde lässt man eine gestandene Musikgröße nicht spielen. Außerdem bedürfen die Anfangszeiten zwischen den beiden Bühnen einer etwas feineren Abstimmung, dann steht im nächsten Jahr einer gelungenen Fortsetzung des Amphis am schön gelegenen Tanzbrunnen nichts im Wege. Vielleicht hier und dort mal ein Dixi und das Angebot an Speisen und Getränken hinsichtlich Auswahl und Preis modifizieren (was sicher einfacher gesagt als getan ist), dann wird es nur noch zufriedene Gesichter geben, wie das etwa von BLACKMAIL Shouter Aydo, den wir hier wahrlich nicht erwartet hätten. Wir sind nach einem etwas beschwerlichen und zähen Anfahrtsweg auf jeden Fall zügig und mit vielen Erinnerungen an ein schönes Festivalwochenende wieder zuhause angekommen.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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