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AMPHI FESTIVAL 2008 – TAG 1

Ort: Köln - Tanzbrunnen

Datum: 19.07.2008

Kaum war das BLACKFIELD vorbei, stand bei uns auch schon das nächste Festival auf dem Programm, das entgegen seinem Namen NICHT (mehr) im Amphitheater zu Gelsenkirchen stattfand. Also hieß es mal wieder früh aufstehen am Samstag und dann ging es auch schon auf die Autobahn Richtung Köln zum vierten AMPHI FESTIVAL, welches dieses Jahr zum ersten Mal ausverkauft war. Bei 14 Grad im Regen fuhren wir los, kamen bei 20 Grad und Sonnenschein an und dank der guten Zeitplanung und den ausreichenden, stark verbesserten Parkmöglichkeiten waren wir sogar pünktlich vor Ort. Nur hatten wir die Menge an Presseleuten und VIPs nicht eingeplant, die noch ihr Bändchen abholen mussten und auch die Tatsache, dass eventuell noch andere Zuschauer das Festival besuchen würden, hatten wir anscheinend verdrängt. So reihten wir uns dann artig in die jeweilige Reihe ein und verpassten so mal eben den Goth-rockigen Opener MINA HARKER (Orkus Newcomer 2008) auf der Mainstage und auch bei NOISUF-X (mit Andreas von XOTOX und Francesco von [:SITD:] als Gästen) im Theater konnten wir nur auf die Schnelle vorbeischauen, hatte sich doch davor schon eine recht lange Schlange gebildet, was sich auch im Laufe des Tages nicht mehr ändern sollte.
(Death Angel)

CINDERELLA EFFECT

So war die erste offizielle Band des Tages dann für uns CINDERELLA EFFECT, das Solo-Projekt von Constance Rudert, ihres Zeichens Co-Sängerin bei BLUTENGEL. Und die hat sich etwas ganz besonderes einfallen lassen, hat sie doch verschiedene Szenehits gecovert und ihnen dabei gleich auch noch ein völlig neues Gewand verpasst. Frau Rudert betrat dann mit ihren beiden Kolleginnen Coralie Thomas (eine studierte Sopranistin) und Katja Gutowski die Bühne und zur musikalischen Unterstützung hatte man sich noch eine Geigerin mit ins Boot geholt. Gestartet wurde mit „Clone your lover“ von ZEROMANCER, was durchaus ganz witzig war, denn direkt im Anschluss von CINDERELLA EFFECT stand ja der Auftritt der Norweger selbst auf dem Plan. Weiter ging es mit „Wenn die Liebe ein Engel ist“, ein eigenes Stück der Band und „Zombie“ im Original von den CRANBERRIES. Mit „Timekiller“ von PROJEKT PITCHFORK wurde dann ein Stück gespielt, welches an diesem Wochenende noch öfter zu hören sein sollte, denn sowohl PP selber als auch die Headliner des Sonntags, AND ONE, hatten den Titel auf der Setlist. Dann verging man sich noch an „Summer Wine“ im Original von NANCY SINATRA und LEE HAZLEWOOD und vor kurzem von VILLE VALO und NATALIA AVELON wiederentdeckt. Vor dem letzten Song des Sets leistete sich Constance dann noch einen kleinen Versprecher und kündigte VNV NATIONs „Standing“ als letzten Song des Abends an, was vielleicht noch etwas verfrüht war, war es doch gerade mal halb zwei. Aber da sie selber darüber lachen konnte, war das alles halb so wild und unter kräftigem Applaus verabschiedete man die Damen. Insgesamt ein nett-belangloser Auftritt und das Orchestrale sowie der weibliche Gesang haben aus den oftmals harten Stücken fast völlig neue Songs werden lassen.
(Death Angel)

Setlist CINDERELLA EFFECT
Intro
Clone your lover
Wenn die Liebe ein Engel ist
Zombie
Timekiller
Summer Wine
Darkest Hour
Uninvited
Standing

NACHTMAHR

„Etwas“ brachialer sollte es nun indoor weitergehen, hatte sich doch Thomas Rainers Electro Projekt NACHTMAHR angesagt, um uns selbige zu verschaffen. Manch einer bekommt bei DER Musik andere Alpträume, aber reiten wir nicht darauf rum. Zumindest den Fotographen wurde das Leben (wie im Grunde genommen den ganzen Tag über) extrem schwer gemacht, denn der Herr plus Keyboarder und 3 adrette Blitzmädel im Hintergrund agierte nahezu bei totaler Dunkelheit. Sicher auch wegen der Leinwand, auf der genretypische Bildfolgen logierten. Während Thomas zum Opener „Schwarzflug“ noch hinter seinen Geräten herumsprang, wagte er dann bereits beim folgenden „Deus Ex Machina“ den wilden Ritt hin zum Bühnenrand. Wir allerdings mussten uns sputen, den nächsten Act draußen nicht zu verpassen, dementsprechend gab es erst am darauffolgenden Tag bei L’ÂME IMMORTELLE ein Wiedersehen mit dem jugendlich aussehenden Wiener.
(TK)

ZEROMANCER

Nach all den synthetischen Klängen war ich froh, nun endlich eine richtige Band Performance erleben zu dürfen. Die Norweger ZEROMANCER waren ja bereits 2007 beim Amphi dabei, nun hatten sie den Sprung von der Halle auf die Main Stage geschafft. Seit einigen Jahren hält man die Welt ja nur noch mit Promo Scheiben in Atem, so langsam wird es wirklich Zeit für die angekündigte neue Langrille mit dem Arbeitstitel „Sinners International“. Dementsprechend kündigte Honey die Skandinavier auch etwas süffisant mit der Bemerkung „Ihre aktuelle Single ist… hm… Clone Your Lover“ an, was aber der Vorfreude im Publikum natürlich keinen Abbruch tat. Optisch wie musikalisch macht das Quintett ja eine Menge her, das vor dem großen Opel/ Bandlogo im Hintergrund musizierte. Sänger Alex Møklebust gab sich agil wie eh und je und mit dem bekannten „Need you like a Drug“ fand man einen perfekten Einstand in die Setlist, die sich nicht sensationell von der des Vorjahres unterschied (und abgesehen von der Reihenfolge gar nicht vom Zita Rock 2008). Bekannte Klassiker wie „Doctor Online“ wechselten sich mit neuerem Material à la „I’m yours to lose“ von der 2007er Promo CD ab. Ganz neu ein Stück namens „My Little Tragedy“. Irgendwie hatte man sich aber mit der Spielzeit verkalkuliert, denn der Gig endete deutlich zu früh, was ich nach meinem GRENDEL-Abenteuer schmerzlichst feststellen musste, als der Fotograben der darauffolgenden WELLE:ERDBALL bereits wieder geschlossen wurde. ZEROMANCER haben in ihrer Karriere sicherlich einige Chancen liegen lassen, live kann man auf die Truppe aber immer setzen.
(TK)

Setlist ZEROMANCER
Intro
Need you like a Drug
Doppelganger I love you
Clone Your Lover
My Little Tragedy
Cupola
I’m Yours to lose
Sounds like Love
Doctor Online
Fade to Smack

GRENDEL

Das erste richtige Highlight im Theater sollten an diesem Tag nach überstandener Schlange an der Pressekasse für mich die Holländer GRENDEL sein, deren letztjähriges Album „Harsh Generation“ ja ein richtiges Sahneschnittchen war. Mit „Void malign“ und „The judges ones“ von eben jener Scheibe ging es auch gleich in die Vollen. Eigentlich genau das richtige für die Mittagszeit, wenn da nicht Jos’ veränderte Vocals gewesen wären, die erst mal für etwas Verwunderung sorgten. Denn anstelle der genretypischen Verzerrung wird nun ohne Effekte eher Hardcore-mäßig geshoutet, was den Stücken ihre gewohnte Ausrichtung doch etwas nimmt. Das änderte sich auch bei älteren Sachen wie „Pax psychosis“ oder dem selten gehörten, aber recht unspektakulären „One.Eight.Zero“ von der „Soilbleed: Redux“ EP nicht wirklich. Als Trio angetreten komplettierten noch zwei kräftige Helfer an den Synths bzw. E-Drums das Bühnenbild, die aber nicht besonders in Erscheinung treten konnten. Dafür gab es zum Ende hin noch den einen oder anderen Knaller in der 40-minütigen Setlist (allen voran das mitreißende „Hate this“), die für einen zufrieden stellenden Abschluss sorgten, nach dem das Gros der Zuschauer erst einmal wieder ins Freie spazierte…
(gerrit [pk])

Setlist GRENDEL
Void malign
The judges ones
Pax psychosis
Remnants
One.Eight.Zero
Soilbleed
Dirty
Hate this

WELLE:ERDBALL

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir begrüßen sie recht herzlich zum diesjährigen Amphi Festival in Köln…. und wünschen Ihnen nun viel Spaß mit der WELLE:ERDBALL“, so annähernd der Wortlaut der Begrüßung durch Honey, dem Fronter der „perfekten Welle“ und überdies natürlich auch seit Samstag einer der beiden Moderatoren (neben Jens von FUNKER VOGT) des diesjährigen Amphi Programms. 15 Minuten vor dem Zeitplan legten die wie immer schick gekleideten MusikerInnen los (die Damen mit sehr netter Frisur) und bewegten sich über die mit großer Sprayer-Wand und auffallender FDJ Flagge vor dem Keyboard Pult ausgestatteten Bühne. Die Wand zierten zu Anfang die Worte „Ziel verfehlt“, im Laufe der Performance jedoch griff Honey fröhlich zur Spraydose und sprühte munter noch hübsche weiße Punkte wie auch einen Blauen Erdball dazu, während er zur aktuellen Single „Ich bin aus Plastik“ erwartungsgemäß einer weiblichen Stimme den Vortritt ließ. Die Sonne schien vom Himmel, so gut sie konnte und die Stimmung in der großen Schar der Besucher war dementsprechend perfekt. Flotte elektronische Beats und schwungvolle, zum Teil ironische Texte, das sind WELLE:ERDBALL, und immer wieder wird die Erinnerung an die Neue Deutsche Welle der 80er Jahre wach gerufen. Hits wie „Funkbereit!“ oder „Wir wollen keine Menschen sein“ wurden jubelnd gefeiert und vor dem Song „Starfighter F-104G“ gab es für die gut gelaunte Menge die obligatorischen Papierflieger zur allgemeinen Auflockerung. Die eingeräumten 40 Minuten Spielzeit rückten rasch und kurzweilig dem Ende zu, jedoch nicht, ohne dass man dem geliebten C 64 noch entsprechend Huldigung zuteil werden ließ, der schließlich dieses Jahr seinen 25sten Geburtstag feiert. Außerdem kam auch das bunt bemalte Stahlfass (vermag man zu sagen, ob es Spund- oder Deckelfass ist?) zu seinem üblichen Einsatz. Zu „Arbeit adelt“, drosch Honey rhythmisch darauf ein, so dass das obenauf liegende Konfetti nur so zur Seite flog. Mit „Monoton und Minimal“ ging das Set schließlich zu Ende und die Welle hinterließ wie eigentlich immer ein sehr zufriedenes Publikum.
(IKA)

Setlist WELLE:ERDBALL
Funkbereit!
Wir wollen keine Menschen sein
0173-1923954
Ich bin aus Plastik
Starfighter F-104G
Und es geht ab
Arbeit adelt
Monoton + Minimal

Es geht voran

ASHBURY HEIGHTS

Im Theater sollte mich nun eins meiner potenziellen Highlights des AMPHIs erwarten, hatte ich mich doch schon seit Wochen auf den Auftritt der beiden Schweden von ASHBURY HEIGHTS gefreut. Monatelang lief „Three Cheers for the Newlydeads“, das Debütalbum der zwei, bei mir rauf und runter und auf der Hinfahrt hatten wir uns die frisch erschiene EP „Morningstar in a black car“ , welche Tags zuvor mit der Post gekommen war, zu Gemüte geführt. So war ich also bestens gerüstet für den Auftritt und in jeglicher Hinsicht textsicher, hatte ich mich doch auf tanzen und mitsingen eingestellt. Doch was dann kam, enttäuschte mich zutiefst. Nachdem die Bühne komplett eingenebelt wurde, startete man mit „Illusion“, einem meiner Lieblingsstücke des Erstlings, doch der Gesang war mehr schlecht als recht und hatte mit dem auf CD eher wenig gemein (dazu hatte man noch eine Tänzerin mitgebracht, die auch nicht so recht ins Bild passen wollte). Gut, ich schob es auf die Tatsache, dass man bisher noch nicht so viele Auftritte absolviert hatte und vielleicht etwas nervös war, doch auch bei „Morningstar in a black Car“, Namensgeber der EP, wurde es nicht besser. Schade eigentlich, hatte ich mir doch viel von dieser Band versprochen. Bei „Bare your teeth“ wurde es dann langsam anhörbarer und noch etwas verhalten waren auch die ersten Anzeichen von rhythmischen Beinbewegungen zu sehen. Mal abgesehen von den drei Schweden, die hinter mir direkt von Beginn an eine wilde Party feierten und jeden Song enthusiastisch mitgrölten. Inzwischen steigerte man sich von Song zu Song und auch über die Tatsache, dass Anders H bei „Cry Havoc“ mal eben seinen Text vergaß und ihn sich von Kollegin Yasmine U vorsingen lassen musste, konnte man hinwegsehen. Weiter ging es mit „Smaller“ und „Stormbringer“ welches sowohl auf dem Album als auch in einem Remix auf der EP enthalten ist. Zum Abschluss spielte man mit „Spiders“ und „World coming down“ noch zwei neue Stücke, bevor das Boy-meets-Girl-Duo dann die Bühne verließ. Insgesamt gesehen eigentlich ein solider Auftritt, wenn man mal die Startschwierigkeiten außer acht lässt. Und sicher wird man noch genug Zeit haben, eine gewisse Routine zu entwickeln, damit so etwas nicht mehr vorkommt. Ich werde ihnen auf jeden Fall noch eine Chance geben, sollten sie mal wieder in der Nähe unterwegs sein.
(Death Angel)

Setlist ASHBURY HEIGHTS
Illusion
Morningstar in a black car
Bare your teeth
Die by numbers
Cry Havoc
Smaller
Stormbringer
Spiders
World coming down

ZERAPHINE

Es dürfte mehr als praktisch sein, diverse musikalische Standbeine zu besitzen, so kann man sich quasi auf jedem Festival mit einem anderen Projekt sehen lassen. Gemeint ist natürlich Sven Friedrich, der noch vor knapp 2 Wochen mit den DREADFUL SHADOWS und seinem Solo-Baby SOLAR FAKE auf den Schwarzfeld-Brettern stand, nur war mal wieder sein Hauptbetätigungsfeld ZERAPHINE an der Reihe. Gefühlvoller Rock mit Wohlfühlgarantie stand nun also auf dem Programm, wenngleich nicht mehr ganz so überraschend wie noch zu Zeiten des Debüts. Mittlerweile hat man ja ein eigenes Label gegründet, auf dem die noch aktuelle Scheibe „Still“ erschienen ist, die natürlich auch ausgiebigst zitiert wurde, z.B. mit dem Titeltrack oder „Nicht aus Liebe“ aber natürlich wurden auch die anderen Alben nicht unberücksichtigt gelassen. Zu meiner Enttäuschung verzichtete man aber leider auf das wunderbare „Sterne sehen“, das vielleicht nicht zu Tageszeit gepasst hat. Ansonsten das bekannte Bild: Eine eher statische Darbietung, kaum mehr als die Song Titel als Ansagen und der perfekte Gesang des Herrn mit der samtenen Stimme. Ergibt summa summarum schöne Spät-Nachmittagsmusik zum träumen und flanieren.
(TK)

Setlist ZERAPHINE
Intro
Die Macht in dir
I’ll follow you
No More Doubts
Ohne Dich
Jede Wahrheit
Still
Nichts aus Liebe
Die Wirklichkeit
Be My Rain
Inside Your Arms
Traumaworld
Flieh mit mir

HAUJOBB

Wieder rechtzeitig nahm ich den Weg zurück ins Theater, warteten doch dort bereits viele Fans auf die Band, die sich im Rahmen des Amphis 2008 nun zum letzten Mal der Öffentlichkeit zu Gehör bringen wollte: HAUJOBB. Viele viele Jahre haben die beiden Haujobber Dejan Samardzik (Sound, Programming) und der in OWL wohbekannte Daniel Myer (Gesang, Sound, Programming) nun musikalisch auf dem Buckel, denn bereits seit 1993 erschaffen sie unter diesem Namen elektronische Musik. Für ihren Amphi und gleichzeitig Abschieds Gig, nahmen sie keinen geringeren als Achim Färber mit ins Boot, bzw. an die Drums. Ein Mann, der in seiner Karriere bereits bei PHILLIP BOA, WOLFSHEIM oder auch DE/VISION die Knüppel geschwungen hat. Nun hatte dieser am Wochenende eine Menge zu tun, denn sollte man ihn im weiteren Verlauf sowohl bei PROJECT PITCHFORK als auch bei den KRUPPS für das rhythmische Gefüge verantwortlich sehen. Die Halle hatte sich noch weiter gefüllt, so dass HAUJOBB mit ihrem Auftakt Song Anti/Matter nun vor vollem Haus zu spielen begannen. Und das taten sie richtig. Der krachende Elektrosound hallte von den Wänden nur so wieder und kaum einer der Anwesenden konnte seinen Beinen den Befehl verweigern, sich zu bewegen. Nach kurzen technischen Schwierigkeiten zu Beginn folgten unterhaltsame 40 Minuten feinster tanzbarer (aber auch anspruchsvoller) Beschallung und als Daniel acht Minuten vor Ende der Show die Band vorstellte, klang er fröhlich und wehmütig zugleich. Mit den Worten: “Jetzt spielen wir das letzte Lied und auch das letzte Lied für immer, wir machen Schluss, hören auf, wir sind zu alt und zu müde geworden“, läutete er das Unvermeidliche ein und dann, zwar nicht ein aber zwei Lieder später, war es soweit. HAUJOBB traten ab. Wir sagen ein herzliches Dankeschön für viele tolle Jahre und wünschen alles Gute für die Zukunft! Mit DESTROID oder ARCHITECT hat der Mann ja weitere Eisen im Feuer und er musste sich nun auch sputen, seinen Job bei COVENANT eine Bühne weiter auszuüben…
(IKA)

Setlist HAUJOBB
Anti/ Matter
World Window
Unseeing
Dream Aid
Penetration
Yearning
Eye over You
The Noise Institute
Subsonic
Boom Operator

TACTICAL SEKT

Nach einem zwischenzeitlichen Rundgang über das Gelände, bei dem unter anderem Andreas Davids von XOTOX meinen Weg kreuzte, die übrigens im nächsten Jahr auf dem Billing vertreten sein werden, fand auch ich mich zu HAUJOBB wieder vor der „Bühne 2“ ein, um mich in Ruhe auf TACTICAL SEKT einstimmen zu können, meine persönlichen Favoriten an diesem Tage. Haben die drei Jungs auf ihrer Tour im letzten Jahr noch vor eher überschaubaren Kulissen aufgespielt, sind derartige Festivalauftritte sicher auch für Anthony Mather (das sind doch mal ordentlich verzerrte Vocals…) und seine Mitstreiter immer ein Erlebnis, insbesondere da das weite Rund trotz unmittelbarer elektronischer Konkurrenz von COVENANT auf der Hauptbühne zwar nicht ganz, aber zumindest sehr ansehnlich gefüllt war. Allerdings gab es nun ja auch keinen „Weiberelektro“ auf die Ohren, sondern eine der „härtesten“ Bands des Tages, und zwar mit einem schönen, aber mit 40 Minuten leider viel zu kurzen Set im Gepäck, dessen Schwerpunkt auf der „Burn process“ EP lag. Ein Vorteil einer solchen kürzeren Darbietung mag dafür sein, dass man von Anfang an Vollgas geben kann. So hielten sich auch weder Marco an den Synths noch Live-Drummer Jay zurück, das Publikum zu animieren und auf ihre Seite zu ziehen. Zeitweise verließ Mr. Jay Taylor dazu auch sein Drumkit und tobte wie ein Derwisch über die Bühne, warf Gegenstände ins Auditorium oder kletterte auf den Boxenturm. Alles in allem ein überzeugendes Konzert, das wie schon bemerkt viel zu pünktlich sein Ende fand, obwohl TS noch ein As im Ärmel gehabt hätten…
(gerrit [pk])

Setlist TACTICAL SEKT
Awaken the ghost
Bring me violence
Soulless
Not entertained
Damage limitation
Devils work
Xfixiation

COVENANT

Da ich COVENANT nun schon diverse Male live gesehen habe und dies sicher in Zukunft auch noch das ein oder andere Mal tun werde, hatte ich TACTICAL SEKT im Theater den Vorzug gegeben und kam erst zu „Stalker“ vor der Hauptbühne an, um mir noch den Rest des Auftritts der Schweden zu Gemüte zu führen. Hatte ich Daniel Myer eben noch mit seiner Formation HAUJOBB gesehen, war er wohl danach schnell losgesprintet, musste er doch jetzt bei COVENANT den sich zur Zeit in der Babypause befindenden Clas ersetzen. Eskil trug ausnahmsweise mal keinen Anzug, sondern war recht leger in beige gekleidet und auch sonst machte er einen eher ruhigen Eindruck. Er redete zwar so viel wie eh und je, aber war dabei nicht ganz so aufgedreht, wie von anderen Auftritten bekannt. Weiter ging es mit „Invisible and Silent“, welches ich dieses Mal richtig genießen konnte, da mir kein Fotograph dabei seine Version davon ins Ohr brüllte. Durchaus auch eine nette Erfahrung. Dann spielte man noch „20Hz“ und „Dead Stars“ und ich freute mich, dass ich wohl anscheinend pünktlich gekommen war, um mir noch die Klassiker anzuhören, auch wenn ich natürlich den einen oder anderen bereits verpasst hatte. Zum Abschluss intonierte man noch „We stand alone“ und „Ritual Noise“, bevor auch dieser routinierte und, wie üblich gute, Auftritt wieder zu Ende ging.
(Death Angel)

Setlist COVENANT
Monochrome
Bullet
Figurehead
The Men
Stalker
Invisible & Silent
20Hz
Dead Stars
We stand alone
Ritual Noise

ROTERSAND

Im Theater gab es nun meinen persönlichen Favoriten des ersten Amphi Tages: ROTERSAND. Das Trio aus Deutschland, bestehend aus den drei Musikern Gunther Gerl, Rascal Nikov und Krischan Jan-Eric Wesenberg, kurz: Rasc, Krischan und Gun, hat musikalisch so einiges drauf. Vielfältiger Elektro Sound, melancholische Melodien, intelligente Texte. Entweder fordern die Songs zum tanzen auf oder sie inspirieren zum träumen. Man kann hier und da melancholisch werden, wird dann aber auch immer wieder mitgerissen, wenn man sich auf ROTERSAND einlässt. Das habe ich natürlich getan und war angetan von der einnehmenden Bühnenpräsenz des bulligen Fronters Rasc, der nach dem Intro „Lost“ zunächst laut und einzig ein schallendes „Hi“ von der Bühne herab rief, bevor es auch schon den nächsten Kracher auf die Ohren gab. Schön anzusehen, wie er mit dem Publikum kommuniziert und immer um den Dialog mit selbigem bemüht ist. Gab es etwa zwischen zwei Liedern aus der Masse den Ruf „Schalke!!!“, wurde das nicht etwa ignoriert sondern kommentiert. Na, und dass wir nicht auf dem Fußballplatz, sondern in Mitten eines Konzertes waren, war den Meisten wohl auch vorher schon klar. Spritzig und aktiv ging es weiter mit „Electronic World Transmission“, währenddessen sich Rasc von der Bühne hinab in den Fotograben stürzte (die Fotographen waren zu dieser Zeit schon wieder aus selbigem hinaus getrabt), um näher bei seinen Zuschauern und -hörern zu sein. Und das war genau das, was diese wollten, denn fortan wurde die Truppe noch begeisterter gefeiert. Immer wieder gab es zwischen den einzelnen Songs nette Informationen, so erfuhren wir z.B., dass der Herr für drei Jahre in Köln gewohnt hat, allerdings auf der „Schäl Sik“, was für den eingeweihten Rheinländer so viel heißt, wie auf der falschen Seite des Rheins, also rechtsrheinisch (bei Interesse über den genauen Sachverhalt, bitte wikipedieren). Dann gab es ein akustisch dargebotenes „I am with You“ und im Handumdrehen neigte sich die Zeit mit ROTERSAND auch schon wieder dem Ende zu. Zum Endspurt läutend, standen alle drei mit ausgebreiteten Armen am Rand der Bühne und genossen sichtlich Ihren Auftritt, bevor sie noch einmal aufdrehten und das letzte Stück wunderbarer Musik ins Publikum entließen. „ROTERSAND rules“ gab es da noch aus der Menge zu hören, und zu sehen – während fast der kompletten Vorstellung -, zwei große ROTERSAND Fahnen, die unermüdlich geschwenkt wurden und bestimmt bei den Urhebern lahme Arme erzeugt haben mögen. Wenn es sich denn gelohnt hat…
(IKA)

Setlist ROTERSAND
Intro/ Lost
Almost Violent
Electronic World Transmission ([:SITD:] Mix)
I am with You
Merging Oceans
I Cry (Rework)
Exterminate
Undone

DEINE LAKAIEN

Auf den nun folgenden Auftritt von DEINE LAKAIEN hatte ich mich nun auch schon ein Weilchen gefreut, hatte ich die Herren Veljanov und Horn letztes Jahr bereits auf dem MERA LUNA zusammen mit der Neuen Philharmonie Frankfurt erlebt und war jetzt gespannt, wie ein regulärer Auftritt ablaufen würde. So ziemlich am Anfang erklang „Over and Done“, das sich vielleicht besser als Rausschmeißer geeignet hätte. Neben Ernst Horn und Alexander Veljanov waren noch eine Geigerin, ein Cellist und ein Gitarrist mit von der Partie (allesamt auch beim angesprochenen Mera aktiv). Die Geigerin muss auch recht hübsch gewesen sein (war mir leider auf die Entfernung nicht möglich zu erkennen) zumindest schwärmt mein mitgereister Fotograph noch heute von ihr. Weiter ging es mit „Into my arms“ und der Ankündigung von Alexander, dass man heute eine Art Best Of DEINE LAKAIEN spielen würde, was durchaus auf Gegenliebe seitens des Publikums stieß. Nach „Generators“ vom Album „White Lies“ und der Erkenntnis, dass auf der Bühne wohl showtechnisch gesehen nicht allzu viel passieren würde (eigentlich geht es ja bei DL auch eher um die Musik), machten wir uns dann aber erst mal daran, uns um Nahrungsaufnahme zu kümmern, wurde diese doch bis dahin sträflichst vernachlässigt. Außerdem merkte man so langsam seine Füße und war froh über jeden Sitzplatz, den man ergattern konnte. So lauschten wir der Musik dann aus der Ferne und begutachteten während des Essens lieber ein wenig die anderen Festivalbesucher. Von ausgesprochen hübsch anzuschauen bis hin zu absolut schaurig war alles vertreten und gab auch schon mal Anlass zum lästern. Nach einer mehr als aufschlussreichen Unterhaltung mit einem Herrn der anwesenden Security und vollgeschlagenen Bäuchen machten wir uns wieder zurück auf den Weg zur Hauptbühne, wo die LAKAIEN gerade im schönsten Sonnenschein mit „Love me to the end“ das letzte Stück ihres Sets anstimmten und die Zuschauer noch mal zu begeistern wussten. Und schon wurde die Bühne geräumt für den nun anstehenden Headliner.
(Death Angel)

Setlist DEINE LAKAIEN
Colourize
Over and Done
Into my Arms
Generators
Vivre
Reincarnation
Where you are
Return
Overpaid
Dark Star
Follow me
Love me to the End

THE KLINIK

Leider fanden wir uns an diesem Abend nicht in Dirk Ivens mobiler Klinik ein, wobei das eher mit Zeitproblemen denn mit mangelndem Interesse zu tun hatte. Jedenfalls konnte ich mich noch für ein paar Minuten davon überzeugen, dass der agile Herr bei nahezu fehlender Beleuchtung eine energetische Show hinlegte, die „seine“ Fans sicher zufriedengestellt haben dürfte.

OOMPH!

OOMPH! als Headliner, da mag so manchem alteingesessenen Grufti doch das Schnürhemd geplatzt sein, doch der Andrang vor der Mainstage sollte den Veranstaltern Recht geben. Die Truppe um den „Berufsverrückten“ Dero ist ja nun auch universell einsetzbar unter Metallern, Rockern und Gruftis – ja sogar einen Bundesvision Song Contest kann man gewinnen. An der Bühnenshow hat sich nicht viel geändert: Crap, Flux und Co. im Priester-Dress und der Herr mit der Stachelfrisur in der Zwangsjacke, so wurde das Amphi zum ersten richtigen Titel „Träumst du?“ gerockt. Marta von DIE HAPPY wäre natürlich noch die optische Krönung gewesen, doch man kann nicht alles haben. Das 10 Jahre alte „Unsere Rettung“ bot dann Anlass für allerlei Spiele auf der satanischen Gefühlstastatur, bevor mit „Keine Luft mehr“ ein weiterer älterer Track folgte. Die Herren zeigten sich gut gelaunt und animationsfreudig, keinerlei Berührungsängste zum schwarzen Publikum waren auszumachen. Dazu gab es mit „Wach auf!“ vom „Alien vs. Predator 2“-Soundtrack auch die aktuelle neue Single auf die Ohren. Da man sich leider auch in den heutigen modernen Zeiten noch nicht zweiteilen kann, wurde zunächst mal für eine Weile dem Indoor Cheffe Andy LaPlegua mit seinen COMBICHRISTen der Vorzug gegeben, doch pünktlich zur dreiteiligen Zugabe („Brennende Liebe“/ „Gott ist ein Popstar“/ „Menschsein“) kehrten wir noch einmal zum Ort der OOMPH!schen Erleuchtung zurück, die mit einer A Capella Version von „Der neue Gott“ endete. Ohne Zweifel haben die Braunschweiger weite Teile der Massen überzeugt und für alle anderen gab es ja Alternativen, demnächst gibt es dann ein Wiedersehen auf dem Deichbrand Festival.
(TK)

Setlist OOMPH!
Into (Biolabs)
Träumst du?
Unsere Rettung
Keine Luft mehr
Du willst es doch auch
Fieber
Wach auf!
Die Schlinge
Sex hat keine Macht
Mitten ins Herz
Das letzte Streichholz
Das weisse Licht
Mein Schatz
Gekreuzigt (Gekürzt)
Niemand
Augen auf!

Brennende Liebe
Gott ist ein Popstar
Menschsein

Der neue Gott

COMBICHRIST

So liebe Kinder gebt fein Acht, denn Andy LaPlegua hat euch etwas mitgebracht. Denn es war nun an der Zeit für den Headliner von Tag 1 im Theater: COMBICHRIST. In Sachen intensives Electro-Gewitter sollte nun eine kleine Lehrstunde folgen. Dazu hatte der umtriebige Norweger mit der windschnittigen Frisur einen bunten Strauß Melodien und Beats vorbereitet, der in „Shut up and swallow“ seine erste Blüte fand. Weitere Höhepunkte wie „This is my rifle“, „Electrohead“ oder „Get your body beat” standen dem ebenso wenig nach wie die überragende Lightshow. Neben dem Protagonisten rastete vor allem auch der Drummer auf seinem Hocker gepflegt aus (was hat man denen Backstage gegeben?), verbrauchte zahlreiche Drumsticks und besudelte mit auf die Snare-Drum tröpfelnden und von dort in alle Richtungen spritzenden Getränken sein Umfeld. Serviert wurde auch das Titelstück der neuen „Frost EP“ „Sent to destroy“, bevor nach Beendigung des Outdoor-Programms ein vorübergehend wahllos geöffneter Eingang für unsägliche Zustände in der Halle sorgte und wir langsam aber sicher den Rückzug antraten… Andernorts soll es auf der Aftershow Party noch zu einigen Exzessen namentlich nicht genannter Musiker gekommen sein… Tag 1 Amphi – Fade Out!
(gerrit [pk])

Copyright Fotos: Karsten Thurau außer COVENANT/ NOISUF-X/ MINA HARKER (Dani Vorndran)

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