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AMPHI FESTIVAL 2010 – TAG 1

Ort: Köln - Tanzbrunnen

Datum: 24.07.2010

An diesem Samstag sollte gefeiert werden an Rhein und Ruhr. Im großen Stil mit 1,4 Millionen Ravern auf der Loveparade in Duisburg und mit vergleichsweise überschaubaren 16.000 Schwarzkitteln am ausverkauften Kölner Tanzbrunnen. Doch während die schwarze Gemeinde ein rundum friedliches und reibungsloses Amphi-Wochenende mit mehr als 30 Bands erlebte, kam es im Ruhrgebiet zu einer tragischen Massenpanik mit insgesamt 20Toten und mehr als 500 teils schwer verletzten Besuchern. Manchmal liegen Glück und Unglück verdammt nahe beieinander, das dachten wohl auch die Macher des Amphis als sie bereits lange vor dieser Tragödie einen Bandcontest mit Benefizcharakter ins Leben riefen, mit dem sich die das Festival eröffnende Band auf dem Amphi „einkaufen“ konnte.

ZIN

Per Ebay-Aktion konnten sich nämlich Bands einen Platz auf der Bühne am Tanzbrunnen ersteigern, dafür mussten sich allerdings die vier mit den höchsten Geboten im Rahmen einer Warm-Up-Party am Freitag dem kritischen Publikum stellen, um schließlich am Samstag die sechste Auflage des Festivals eröffnen zu dürfen. Auf diese Weise kamen nicht nur EUR 3.000,00 für den Verein Dunkelziffer zusammen, der sich um sexuell missbrauchte Kinder kümmert, sondern auch ZIN aus Leipzig zu einem Auftritt in der Domstadt und das bereits zahlreich erschienende Publikum zu einem erstklassigen Opener. Der dunkelhaarige Sänger Iven Cole hört es ja nicht gern, aber mit seiner 2005 gegründeten Combo ist der Herr so etwas wie die deutsche Antwort auf PLACEBO und nicht nur auf dem 2007er Debüt „Tourists To This World“ klingt seine Stimme eindeutig nach Brian Molko. Auch live hatte man an der einen oder anderen Stelle das Gefühl als hätten sich PLACEBO an den Rhein verirrt. Jedoch bewiesen ZIN genug Eigenständigkeit, um nicht als schnödes Plagiat rüberzukommen und wussten mit ihrem abwechslungsreichen Sound bestens zu unterhalten. Schon bald wurde bei schönstem Sonnenschein vor der Bühne zu treibenden Gitarren- und Synthieklängen getanzt, so dass einem perfekten Wochenende nichts mehr im Wege stand. Im Oktober soll übrigens der zweite Silberling „The Definition“ erscheinen und die halbstündige Liveverkostung lässt spannendes neues Material erwarten.

DIN [A] TOD

Angesichts der warmen Sonne, die angenehm meine Nase kitzelte und des seltenen Sitzplatzes, den ich nahe der Bühne ergattert hatte, zog ich es vor, die Open-Air-Location nicht zu verlassen und gönnte mir eine kleine Umbaupause, statt den nächsten Act im Staatenhaus in Augenschein zu nehmen. Die häufigen Spielzeit-Überschneidungen waren der einzige Wermutstropfen, denn man musste schon Prioritäten setzen, wodurch manche Band nur noch am Rande oder eben gar nicht bei mir in Erscheinung trat. Für mich ging es zunächst einmal mit New Wave aus dem Hause DIN [A] TOD aus Berlin/Brandenburg weiter. Gitarrist Sven enterte in einer knappen Shorts die Stage, während Kollegin Claudia sich an ihrem Tasteninstrument einrichtete, damit es mit „Some Kind of Hate“ nach einem langen Vorspiel mit gemischt geschlechtlichem Gesang und flott-unterkühltem Wave nach Achtziger-Machart weitergehen konnte. Typischen Zwei-Schritte-vor-einen-zurück-Style gab’s auch beim rhythmusbetonten Titelsong des letztjährigen zweiten Albums „Westwerk“, bevor es eine ebenso eingängige wie tanzbare Fortsetzung gab, ehe die düsteren Klänge des Uptempo-Songs „Vorwärts“ das Ende des Gigs markierten.

END OF GREEN

Mit gitarrendominierten Alternative-Düsterrock setzten wenig später END OF GREEN aus Stuttgart den musikalischen Reigen fort. Ein trockenes „Morgen“ reichte Sänger Michelle Darkness als Begrüßung und schon ging es in die Vollen. Blaues Licht erfüllte die Bühne, während Michelles dunkle Stimme „Demons“ vom 2003er Silberling „Last Night On Earth“ zum Vortrag brachte. Knackige Langäxte gab’s auch bei „Dead City Lights“ und „Killhoney“ zu hören, bevor es „Drink Myself To Sleep“ der „Dead End Dreaming“-VÖ aus 2005 auf die Mütze gab, obwohl der Arzt ja eigentlich das Trinken verboten hatte. Vom gleichen Longplayer stammte auch das eindringliche „She’s Wild“, für das Herr Darkness auf seinen Sechssaiter verzichtete und das mit viel Applaus belohnt wurde. Auf dem „Highway 69“ zählte erneut das Tempo, bevor mit viel Gitarrenarbeit und Melancholie die Zielgerade erreicht wurde. Ziemlich genau zwei Jahre nach der letzten Langrille „The Sick’s Sense“, dessen Cover auch das Backdrop im Hintergrund zierte, legen die Schwaben am 20. August ihre siebte LP „High Hopes In Low Places“ nach und nach dem 40-minütigen kleinen Live-Vorgeschmack und meiner Vorabsichtung des neuen Materials darf ich behaupten, dass END OF GREEN auch im 18. Jahr ihres Bestehens nichts von ihrer Energie und Spielfreude verloren haben.

FADERHEAD

Jetzt wurde es für mich aber wirklich mal Zeit für einen Stellungswechsel. Nachdem die Rheinparkhalle im vergangenen Jahr dem „Puzteufel“ anheimgefallen war (nach dem FEINDFLUG-Auftritt hatte sich ein etwa zwei Quadratmeter großer Putzbrocken von der Hallendecke gelöst), präsentierte sich das Gebäude heuer frisch renoviert und zur Sicherheit auch gleich mit neuem Namen. Im Vergleich zum Theater, das in der Vergangenheit als häufig hoffnungslos überfüllte Indoor-Spielstätte fungierte, war im Staatenhaus reichlich Platz, was allerdings ein wenig zu Lasten der Atmosphäre und auch des Sounds ging. Aber das Leben ist ja bekanntlich kein Wunschkonzert und als Terrorverleger hat man wahrlich schon schlimmeres erlebt. Nichts zu meckern gab es denn auch am FADERHEAD-Gig, der bereits im Gange war, als ich um 14.30 Uhr die heiligen Hallen betrat. „Zigzag Machinery“ wummerte es im Electro-Industrial-Gemenge aus den Boxen, während Videoinstallationen über die Stage flimmerten, in deren Mittelpunkt Mastermind FADERHEAD stand, der sich zudem der Unterstützung seiner vierköpfigen Live-Truppe an den Keys versichert hatte. Auch der Hamburger war nicht untätig und kommt im Oktober mit einer neuen Platte in die Läden, von der es bereits den Track „Destroy Improve Rebuild“ auf die Lauscher gab. Im Letzten Jahr ging die EP „Horizon Board“ mit fünf Balladen in den Verkauf, wobei man den Begriff „Ballade“ beim FADERHEAD etwas großzügiger auslegen muss. Es domininierten auch hier absolut treibende Beats, bevor es mit dem abschließenden „Houston“ noch einmal in die Vollen ging.

ASHBURY HEIGHTS

Nach einer bisher komplett deutschen Bandauswahl erwartete mich draußen schwedischer Elektropop, für den der Dreier von ASHBURY HEIGHTS verantwortlich zeichnet. 2005 von Sänger und Songwriter Anders Hagström gegründet, sind seit zwei Jahren außerdem noch Johann Andersson als Live-Support an den elektrischen Tasten und Kari Berg als zweite Sängerin mit von der Partie. Angesichts des morgenmantelähnlichen Gewandes, das die Dame trug, drängte sich mir für einen Moment die Frage auf, ob sie wohl übereilt ihr Hotelzimmer verlassen musste, aber da dieser Look beileibe nicht das Exotischste war, was es an diesem Wochenende kleidungstechnisch zu sehen gab, widmete ich mich schnell dem musikalischen Vortrag der Skandinavier. Die starteten mit eingängigen Melodien, ehe sie kleinere Probleme mit ihrem neuen Equipment lösen mussten, mit dem sie offensichtlich noch nicht so richtig Freundschaft geschlossen haben. Kari überbrückte die Zeit mit einer kleinen Geschichte und schon konnte es mit knackigem Stuff elektronischer Prägung weitergehen. Der „Invisible Man“ präsentierte sich recht poppig, bevor es auch ein neues Liedchen der nächste Woche kommenden VÖ „Origins“ zu verkosten gab. Die Schweden blieben ihrem Rezept für ohrschmeichelnden Synthiepop treu, schlugen hier und da auch mal etwas härtere Töne an, die jedoch immer sehr tanzbar blieben und beendeten ihren einzigen Liveauftritt in diesem Jahr mit dem dancefloortauglichen „Spiders“, für den sich Frau Berg kurzerhand den Cowboyhut des Kollegen Andersson schnappte.

NACHTMAHR

Nach einer kleinen Odyssee zu Kölner Geldautomaten (wie kann es sein, dass diese Geräte genau in dem Moment außer Betrieb gehen, wenn ich davor stehe???) zog es mich erneut in die dunklen Gemäuer des Staatenhauses, wo mich eine NACHTMAHR musikalischer Natur erwartete. Die Ösi-Flagge, die in einer der vorderen Reihen geschwenkt wurde, legte bereits die Nationalität des zwischen mit Schlips und Kragen gekleideten Damen agierenden Sängers nahe und tatsächlich verbirgt sich hinter NACHTMAHR der österreichische Musiker Thomas Rainer, den die meisten von L’ÂME IMMORTELLE kennen werden. Seit 2007 widmet sich Rainer seinem Nebenprojekt NACHTMAHR, das in den Jahren 2008, 2009 und 2010 jeweils einen Longplayer hervorgebracht hat, von denen der Schöpfer eine krachende Auswahl zum Besten gab. Bereits der Opener „Deus Ex Machina“ vom 2008er „Feuer frei!“ fackelte nicht lange und blies mit harten Elektroklängen zum Gefecht, ehe sich „Leistung“ fast ohne Gesang, dafür aber mit donnernden Industrialbeats anschloss. Bei „Mädchen in Uniform“ (darauf steht man bei NACHTMAHR) von der gleichnamigen Langrille dieses Jahres zeigte sich auch, dass Thomas Rainer nicht unbedingt ein Stimmwunder ist, aber das tat der guten Laune keinen Abbruch und so wurde insbesondere der „Tanzdiktator“ (2009 auf „Alle Lust will Ewigkeit“ erschienen) abgefeiert. Die Maschinen liefen inzwischen auf Hochtouren, als es bei „Weil ich’s kann“ sogar eine ganz kurze, ruhige Passage gab, die jedoch wirklich nur von minimaler Dauer war und von der spätestens bei „Feuer frei“ und „Katharsis“ nichts mehr übrig blieb.

Setlist NACHTMAHR
Deus Ex Machina
Leistung
Mädchen in Uniform
Tanzdiktator
War On The Dancefloor
Weil ich’s kann!
Feuer frei
Katharsis

BLUTENGEL

In der direkten zeitlichen Buhlschaft im Line Up musste ich mich nun zwischen FUNKER VOGT in der Halle und BLUTENGEL open air entscheiden. Gewonnen hatte schließlich die Sonne und somit Mastermind Chris Pohl, der wie üblich mit allerlei gelenkigen Damen im Schlepptau die Stage in Beschlag nahm, auf der bereits neben zwei schwarz-weißen Backdrops und zwei weißen Straßenlaternen auch ein imposanter Stuhl mit Totenköpfen an den Lehnen Aufstellung gefunden hatte. Es folgte ein Abriss der nahezu vollständigen Diskografie des seit zwölf Jahren existierenden Dark-Pop-Projektes, das mit „Behind The Mirror“ einen stimmungsvollen Start hinlegte. Natürlich gab’s mit den Tänzerinnen in den verschiedenen Kostümen (auch Engelsflügel durften selbstverständlich nicht fehlen und auch die beiden Sängerinnen Ulrike Goldmann (seit 2005 mit von der Partie) und Constance Rudert (seit 2001 ein BLUTENGEL) hatten ihre großen Auftritte. „Soul of Ice“ vom zweiten Silberling „Seelenschmerz“ aus 2001 animierte mit eingängigen Stampfbeats zum Mitklatschen und auch „Winter of My Life“ ging zügig ins Bein, während der Chef im Ring zur „Schneekönigin“ seine großzügig dimensionierte Sitzgelegenheit nutze und seine holden Feen und Engel um sich scharrte. „Vampire Romance“ vom dritten Streich „Angel Dust“ aus 2002 entführte erneut in die frühen BLUTENGEL-Tage, wobei man sagen muss, dass sich am Stil der Band über die Jahre nicht viel getan hat. Chris Pohl ist sich offensichtlich treu und legte auch mit dem Titeltrack der letzten Veröffentlichung „Soultaker“, die erst ein gutes halbes Jahr auf dem Buckel hat, einen Song nach, der umgehend Bein und Ohr erreichte. Mit viel Bewegung auf und vor der Bühne endete auch dieser musikalische Düstergruß, dem mein persönliches Highlight des Tages folgen sollte.

Setlist BLUTENGEL
Behind The Mirror
The Oxidising Angel
Soul of Ice
Winter of My Life
Schneekönigin
Dreh dich nicht um
Vampire Romance
Soultaker
Boody Pleasures
Love Killer
Engelsblut

ANNE CLARK

Sie ist die unangefochtene Grand Dame des Achtziger-Dark-Waves und es ist mir immer wieder eine Fest, sie live zu Gesicht zu bekommen. In ihrem Gesicht haben sich die inzwischen 50 Lebensjahre zwar auch eingegraben, aber dieses Schicksal ereilt uns wohl alle irgendwann und ein paar Falten sind allemal sympathischer als ein bewegungsunfähiges Botox-Gesicht. Wobei es bei ihren Konzerten so viel Mimik und Bewegung gar nicht gibt. So verharrte die Meisterin des Spoken Words auch am Tanzbrunnen relativ statisch und erfreute ihre Fans in der ihr eigenen Art mit einem bunten Strauß alter und neuer Songs. Nach zehn Jahren Studioabstinenz ist im September 2008 „The Smallest Acts of Kindness“ erschienen, von dem ANNE CLARK mit „Waiting“, „Off Grid“, „Full Moon“ und „Boy Racing“ vier Tracks spielte, die schon jetzt das Zeug zum Klassiker haben. „Full Moon“ zeigte sich dabei für Clarksche Verhältnisse gut gelaunt, doch so richtig zur Sache ging es bei einem der ältesten Stücke: Die Rede ist von „Our Darkness“ vom 1984er „Joined Up Writing“, der zweiten Singleauskopplung nach „Sleeper In Metropolis“. Weshalb ausgerechnet „Sleeper“ nicht mehr gespielt wurde, ist mir allerdings ein Rätsel. Auf der Setlist stand die Nummer, die definitiv ein Meilenstein der Musikgeschichte ist, als letzter Song und auch die Zeit hätte problemlos noch gereicht, aber nach dem wirklich fantastischen „Boy Racing“ verschwand ANNE CLARK nach einer kurzen Bandvorstellung ohne große Verabschiedung und ließ entsprechend verdutzte Fans zurück. Die hatten immerhin noch das druckvolle „Heaven“ aus 1985 im Ohr und durften zuvor zu „The Haunted Road“ und „Seize The Vivid Sky“ abtanzen. Mit viel Jubel wurde auch „Abuse“ bedacht, das 1990 als Single erschienen ist und die Energie von „Our Darkness“ weiter umsetzte. Umsetzungen scheint es auch innerhalb der Band gegeben zu haben. Das Programming macht jetzt Steve Schroyder, Rainer von Vielen war nicht mehr für die Soundeffekte dabei und hinter der Schießbude war Tobias Haas aktiv, während Jeff Aug dem Sechssaiter, Jan-Michael-Engel dem Cello und Murat Parlak dem E-Piano treu geblieben sind.

Setlist ANNE CLARK
The Third Meeting
Killing Time
Echoes Remain Forever
Alarm Call
Short Story
The Healing
Waiting
Off Grid
Heaven
The Haunted Road
Seize Your Vivid Sky
Full Moon
Our Darkness
Abuse
Boy Racing

PROJECT PITCHFORK

Nach der grandiosen Wave-Ikone der Eighties stand für mich ein kleiner Ausflug in die Electro- bzw. Dark-Wave-Geschichte an. Zweifelsohne waren PROJECT PITCHFORK in den Neunzigern wesentliche Vertreter dieser Genre, die über die Jahre ihren Stil mehr Richtung Rock verändert haben, aber immer noch kreativ und aktiv sind, wie auch der krachende Output „Endless Infinity“ vom kommenden, neuen Album zeigte. Leider war es für mich nur ein kleiner Abstecher zurück in meine Jugend, der mit „I Am (A Thought In Slowmotion)“ seine zunächst temporeduzierte und dennoch sehr tanzbare Fortsetzung fand. Wieder stellte sich mir die Frage, ob ich lieber zwei Bands ein bisschen oder wenigstens eine ganz sehen wollte und so entschied ich mich schließlich schweren Herzens, dass „I Live Your Dream“ vom 1999er „Eon Eon“, welches die Band nach eigenem Bekunden lange nicht mehr in Deutschland gespielt hat, mein letzter, wunderbarer PP-Track sein sollte und eilte zurück zum Tanzbrunnen.

AND ONE

Dort verdeckte noch ein roter Vorhang die Bühne, doch hatte ich zuvor schon die drei verschieden großen „Ys“ gesehen, von denen die beiden kleinerer die Tasteninstrumente von Chris Ruiz (seit 2001 bei AND ONE dabei) und Gio van Oli (der ein Jahr später dazu kam) beherbergten. Nachdem sich der Vorhang schließlich um 20.35 Uhr geöffnet hatte, war das Bühnenbild noch um ein riesiges tarnfarbenes Backdrop ergänzt worden und die Show konnte vor großer Kulisse starten. Mit „Deutschmaschine“ hatte Fronter und Mastermind Steve Naghavi, der die Synthie-Pop-Formation 1989 in Berlin gegründet hat, gleich zu Anfang eine Granate der AND-ONE-Diskografie im Gepäck, die 1994 auf „I.S.T.“ das Licht der Plattenläden erblickt hat. Statt eines strengen Anzuges war der Herr nach eigener Aussage im FRONT-242-Outfit (tarnfarbene Kleidung passend zum Backdrop) nach Köln gekommen und überraschte nicht nur mit den Klamotten, sondern auch der Ankündigung, das AND ONE eine neue Platte namens „Tanzomat“ rausbringen wollen, die das erste reinrassige EBM-Album seit 1991 sein wird (deshalb auch der F242-Look), dem dann bis 2012 etwa alle sechs Monate eine weitere Scheibe folgen soll. Auch Karten für die kommende Tour wollte der gute Steve im Anschluss an das Konzert eigenhändig im AND-ONE-Zelt verkaufen, aber zunächst galt es den laufenden Auftritt zu absolvieren, der in gewohnter Weise zum Tanzen einlud und neben Klassikern wie „Steine sind Steine“, „Military Fashion Show“ und „Technoman“, die selbstredend alle abgefeiert wurde, standen auch drei Cover-Versionen auf der Setlist. Zum einen eine Electro-Power-Version von A-HAs „The Sun Always Shines On T.V.” und außerdem noch die beim letzten Amphi vergessene AO-Variante von „The Walk”, für das ursprünglich THE CURE verantwortlich zeichneten und die am Tanzbrunnen eifrig mitgeklatscht wurde, sowie „Sometimes“ nach dem abgewandelten ERASURE-Rezept. Dazwischen ließen es „High“ und „Traumfrau“ verhältnismäßig ruhig und bassorientiert angehen, bevor es um kurz vor 22.00 Uhr mit „Für“ noch einmal richtig rund ging. Damit war es fast 22.00 Uhr geworden und somit musste zumindest draußen wegen der lärmempfindlichen Nachbarschaft zwingend Nachtruhe herrschen. Als kleines Betthupferl folgte jedoch noch „Aus der Traum“ als kurze A-Cappella-Einlage, bevor AND ONE ihre Fans noch einmal richtig Krach machen ließen.

Setlist AND ONE (ohne Gewähr)
Die Mitte
Deutschmaschine
Timekiller
Love To The End
High
The Sun Always Shines On T.V. (A-HA-Cover)
?
Sometimes (ERASURE-Cover)
The Walk (THE CURE-Cover)
Traumfrau
Schwarz
Over There
Steine sind Steine
Body Nerv
Military Fashion Show
Get You Closer
Technoman
Für

Aus der Traum

SKINNY PUPPY

Ach wenn auf dem Open-Air-Gelände die Lautsprecher zum Stillschweigen verdammt waren, bedeutete dies nicht das Ende der gesamten musikalischen Beschallung. Als letzter Live-Act waren SKINNY PUPPY aus Vancouver/Kanada im Staatenhaus angetreten, um mit ihrem Post Industrial richtig aufzudrehen. Es war erstaunlich leer in der Location, sowohl vor als auch auf der Stage. Im ersten Moment war ich mir auch gar nicht so sicher, ob da überhaupt irgendjemand live (oder zumindest live anwesend im Playback)spielte. Schließlich wurde ich jedoch des Drummers ansichtig und irgendwann tauchte aus dem Nichts auch der Sänger auf, der allerdings komplett maskiert war. Es hätte sich also auch jemand ganz anderes unter der Maskerade verstecken können. Aber was zählt, ist ja die Show und die wurde in aller Form zelebriert, nur dass ich nicht mehr ganz viel davon mitbekommen habe, denn nach einer halben Stunde, in der ich mir die Videoanimationen, für die auch der Körper des Fronters als Projektionsfläche diente, ansehen und den krachenden Sounds der seit 1982 existierenden Elektro-Pionieren lauschen konnte, verabschiedeten sich SKINNY PUPPY sang- und klanglos von der Bühne.

Blieb also nur noch Konservenkost, die im Theater dargeboten wurde. Schließlich war der Abend noch jung und so nutzte ich die dargebotenen Rhythmen, um mir die nötige Bettschwere anzutanzen. Als um Mitternacht Mr. Ronan Harris die Regler übernahm, siegte bei mir dann aber doch die Vernunft und ich zog mich angesichts des noch bevorstehenden zweiten Festivaltages in mein Hotel zurück, während im Theater noch bis in die frühen Morgenstunde Party gemacht wurde.

Copyright Fotos: Uli Klenk

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