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ANAJO – KATZE

Ort: Rostock - Mau-Club

Datum: 20.03.2007

Nach der Entdeckung von NORTHERN LITE beim diesjährigen Bundesvision Songcontest waren mir auch ANAJO im Gedächtnis geblieben und obwohl ich nur diesen einen Song „Wenn Du nur wüsstest“ kannte, wollte ich mir die 3 Augsburger im Rostocker Mau-Club anschauen. Pünktlich fuhren wir zu um 20.00 Uhr auf den Parkplatz des Clubs, wo bisher nur ein Auto stand und das musste der VW-Bus mit Augsburger Kennzeichen von ANAJO gewesen sein. Verwundert warteten wir und hofften, dass doch noch ein paar Leute erscheinen würden. Kurze Zeit später sahen wir der Band zu, wie sie ihre Koffer aus dem Bus holten und im gegenüberliegenden Hotelschiff einzogen. Dann endlich erschienen zwei weitere Besucher und wir machten uns auf den Weg in den Club. Erstmal gemütlich auf einem der vielen Ledersofas Platz genommen und gewartet. Insgesamt waren ca. 50 Leute gekommen, die sich im bekannten Halbkreis mit Abstand zur Bühne aufstellten. Die Bühne war für den Support-Act KATZE liebevoll mit allerhand Plüschkatzen dekoriert und hin und wieder liefen Mädels mit Plüschohren, Schwänzen und bemalten Gesichtern an uns vorbei.

Gegen 21.00 Uhr kamen Klaus Cornfield, Minki Warhol, Frank Kernbach plus Drummer auf die Bühne und stellten sich als KATZE vor. Die Berliner machten einen schrägen Eindruck und legten direkt mit einer Mischung aus Pop/ Punk/ Rock und deutschen Texten los. Sänger Klaus wirkte ganz zierlich und redete mit einer Stimme, die mich sehr an Helge Schneider erinnerte. Er teilte sich den vorderen Bereich der Bühne mit Minki, die emsig abwechselnd Keyboard, Xylophon und diverse andere Geräte bearbeitete und in superkurzen Hot-Pants begeisterte. Im Vordergrund der Bühne nutzten die eigens mitgebrachten Katzen-Groupies, die sich Crackhuren nennen, den Platz zum Tanzen. Mit Songs wie „Sie liebt Hip Hop“ oder „Größter Anhänger“ vom Album „ Von Hinten!“ versuchten KATZE Stimmung zu machen, wurden aber eher reserviert begutachtet. Die Mischung aus rotzigem und zynischem Punk-Pop musste erst verdaut werden. Nach Beginn des etwas ruhigeren „Soviel geraucht“ verteilten die Crackhuren eifrig Wunderkerzen, was für eine schöne Atmosphäre sorgte. Klaus erzählte zwischen den Songs allerlei Kurioses und nachdem sein Instrument nicht mehr mitmachte, durfte er den Bass von ANAJO benutzen, was er mit folgenden Worten in hoher Tonlage kommentierte: „Ist das geil!“. Solche Aussprüche lockerten die Stimmung. Zum irrwitzigen und kunterbunten Stück „Das Geld, der Ruhm, die Mädchen“ flogen kleine, selbst gebastelte 10.000 Euro Scheine durch den Raum, bedruckt mit liebevollen Katzencomics, made by Klaus himself! Die Katzengroupies rasteten total aus und pusteten Seifenblasen auf die Bühne. Der Auftritt ging damit zu Ende und man kann sagen, Stimmung gemacht haben KATZE auf jeden Fall und an Originalität oder mangelnder Aufmerksamkeit seitens des Publikums hat es auch nicht gefehlt.

Kurze Zeit später betrat das Trio ANAJO zur Titelmusik der US-Serie „Das A-Team“ die Bühne, was allein schon witzig war und erwartungsvolle Blicke hervorrief. Michael Schmidt (Bass), Ingolf Nössner (Schlagzeug) und Sänger und Gitarrist Oliver Gottwald versprühten vom ersten Moment an Sympathie und Nähe. Das Rostocker Publikum gesellte sich auf Anfrage hin auch direkt vor die Bühne und lauschte dem ersten Song „Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?“, der fröhlich, frisch, frei und live richtig rockig rüberkam. Die rockig/ poppigen Songs passten auch so gut zu den frühlingshaften Temperaturen. Charmant stellte sich das Trio vor, um im Anschluss mit „Honigmelone“ vom 2004er Album „Nah bei mir“ noch mehr Sommergrüße in den Mau-Club zu bringen. Die eingängigen Gute-Laune-Songs trafen den Geschmack der Gäste, die einen beachtlichen Applaus zustande brachten und ehrfürchtig lauschten. Beeindruckend war, wie schnell die Titel ins Gehör gingen und dort blieben, so auch „Lang lebe die Weile“, bei dem man schon nach kurzer Zeit lauthals mitträllern konnte. Immer wieder suchten Michi und Oli den Blickkontakt zum Publikum und grinsten um die wette, während sie das Publikum interessiert und humorvoll in Gespräche miteinbezogen. Nach „Gleis 7, 16 Uhr 10“ und „Spätsommersonne“ bereute dann wohl niemand mehr, sich an einem Dienstagabend aufgerafft zu haben. Hier wurde man direkt aus dem tristen Alltag gezogen und immer haarscharf am Kitsch vorbei, boten ANAJO feinste Indie-Musik. Ingolf, der kaum zu sehen war im Hintergrund bediente souverän das Schlagzeug, während Michi abwechselnd Keyboard und Bass spielte, wie bei „Ich hol dich hier raus“. Das rockige „Herz Ass“ folgte im Anschluss und wir erfuhren, dass Michi Lust darauf hatte, dass Schiff (Hotel) zu entführen. Überhaupt erfuhren wir so einige private Details, da Michi und Oli sich ständig gegenseitig hochnahmen. Die Arme schwenken hieß es beim ruhigen Titel „Die Sonne über Haunstetten“ und wieder rockiger wurde es danach mit „Streuner“, einem Song vom aktuellem Album mir genialem Refrain. Endlich war es dann auch soweit, die ersten Takte von „Wenn Du nur wüsstest“ ertönten und viele (inklusive mir) konnten nun endlich den gesamten Text mitsingen. Leider mussten wir auf KLEE Sängerin Suzie verzichten. Zugegeben der Song ist wirklich ein bisschen kitschig, aber wer braucht das nicht manchmal? Die Stimmung stieg von Song zu Song und auch „Villa am Strand“ schmeichelte sich ins Gehör, was an der Melodie, den wunderbaren Reimen und natürlich Olis eigenwilligem Gesang zu verdanken war, der aber live richtig super klingt. Auf CD fiel mir das teilweise einen Tick zu weich aus. Die Band wunderte sich, dass bisher keine „Monika“-Schreie zu vernehmen waren, denn mit „Monika Tanzband“ folgte ein richtiger ANAJO-Klassiker. Nach wildem Tanzen und Springen forderten einige Anwesende den Song gleich noch mal. Stattdessen wurde uns „Stadt der Frisuren“ und „Hommage“ präsentiert. Die Katzen hatten sich auch unters Publikum gemischt und tanzten ausgelassen. Leider war der Hauptteil dann auch schon vorbei und wir schrieen nach „Zugabe“, so dass es mindestens nach doppelt so vielen Leuten klang, als eigentlich da waren. Oli kam allein zurück auf die Bühne und sang ganz melancholisch „Amsterdam-Mann“ mit Gänsehautfaktor. Ingolf und Michi kamen daraufhin auch wieder zurück mit dem schnellen „Hotelboy“ im Gepäck. Trotz der verqueren Reime und vielleicht wegen den einfachen, unkomplizierten Botschaften kam das absolut ehrlich rüber. „Boys don’t Cry“ (im Original natürlich von THE CURE) wurde auf Deutsch übersetzt und funktionierte ebenfalls sehr gut. Den Abschluss eines wunderbaren Abends bildete „Vorhang auf“, bevor ANAJO sich bedankten und einige Minuten feiern ließen!

Soviel Lockerheit und Routine kann wohl nur durch ganz viel Bühnenerfahrung erreicht werden und so sind ANAJO auch jetzt noch eine ganze Weile quer durch Deutschland unterwegs, um Konzertbesucher mit ihrem unendlichen Charme zum Grinsen zu bringen!

Setlist ANAJO
Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?
Honigmelone
Lang lebe die Weile
Gleis 7, 16 Uhr 10
Spätsommersonne
Ich hol dich hier raus
Herz Ass
Die Sonne über Haunstetten
Streuner
Mein lieber Herr Gesangsverein
Wenn du nur wüsstest
Villa am Strand
Monika Tanzband
Stadt der Frisuren
Hommage

Amsterdam-Mann
Hotelboy
Jungs weinen nicht
Vorhang auf

Copyright Fotos: Cath Niemann

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