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ANATHEMA – AMPLIFIER

Ort: Köln - Bürgerhaus Stollwerck

Datum: 24.04.2012

Wenn man inmitten eines Urlaubs auch noch einen Konzertabend wahrnehmen will, kann das schon mal in Stress ausarten. So geschehen an diesem tristen Dienstag Abend, der zumindest in Punkto Wetter bestens zum Headliner passen sollte. ANATHEMA hatten zur „Weather Systems“-Tour geladen, in Anlehnung an ihr (sehr) jüngst erschienenes Album. Von Willingen nach Köln, das bedeutete 3 Stunden Fahrt inklusive heftiger Regenschauer im Sauerland und obligatorischer Staus auf A1 und A3. Nicht zu vergessen die mühsame Parkplatzsuche rund um den zumindest mir vollkommen unbekannten Auftrittsort Bürgerhaus Stollwerck, das Zitat „sozio-kulturelle Zentrum im Herzen der Kölner Südstadt“. An diesem Abend eher das Zentrum melancholischen Progressive Rocks, das eine „bunt“ gemischte Zuschauertruppe angelockt hatte. Vom Altmetaller mit Bierbauch über „trendiges“ Indie-Volk bis hin zu bürgerlicher Normalität und Schwarzkitteln war alles vertreten und vor allem auch der Saal schon picke-packe voll bei unserer Ankunft. Leider lag auch der sehr niveauvolle Opener AMPLIFIER schon in den letzten Zügen, der offensichtlich etwas vor der Zeit begonnen hatte. Schade, denn die wenigen Klänge der einheitlich schwarz gewandeten Briten machten Lust auf mehr und das Publikumsvotum fiel dementsprechend sehr positiv aus. Leider (eine viel benutzte Vokabel an diesem Abend) fehlte auch ein Fotograben, so dass lediglich Bilder vom Balkon aus möglich waren – und die auch noch aus dem Rücken der Musiker, immerhin mal eine neue Perspektive…

Doch (fast) genug gemeckert, zu den Klängen von PINK FLOYDs „A New Machine (Part 1)“ kamen dann endlich die immerhin auch schon seit 1990 tätigen Protagonisten der Veranstaltung auf die Bühne. Eine Band, die mir schon viele Gänsehaut-Erlebnisse auf den Leib musiziert hat und bisweilen gar für magische Momente gut war bzw. ist. 2005 waren die Cavanagh-Brüder bereits als Support für PORCUPINE TREE im Stollwerck aktiv und performten dort das erste Mal „The Gathering of the Clouds“ vom aktuellen Werk, allerdings noch in einer modifizierten Version (diese Info habe ich einfach mal dem Tourtagebuch entnommen). Heuer begann man allerdings mit drei anderen Titeln der erst 4 Tage zuvor erschienenen Scheibe: Die beiden „Untouchable“-Parts sowie der „Lightning Song“. Direkt am Start auch Sängerin Lee Douglas, die mit ihrer faszinierenden Stimme den perfekten Gegenpol zu Vincents feinfühligem, manchmal fast klagenden Organ bildete. Und obwohl die Menge sofort mächtig steil ging, kam es mir so vor, als ob die neuen Lieder noch nicht allen Anwesenden geläufig waren, zumindest wurden ältere Songs doch deutlich mehr abgefeiert und immer wieder auch gewünscht. Eine schwierige Gratwanderung für die Band, die selbstverständlich ihr neues, allerorten bejubeltes Material präsentieren wollte und auch immer mal wieder darüber mit dem Publikum diskutierte. Ansonsten bot sich das „übliche“ Bild eines ANATHEMA-Konzerts. Soundkaskaden wurden übereinander gelegt, immer neue Gitarren-Schichten aufgetürmt, nur um dann wieder in intimste Momente zu zerfallen. Die neuen Stücke wirken noch bombastischer und emotionaler, bisweilen gar gewollt kitschig. Ein Dreier-Block der überragenden „Judgement“-VÖ („Deep“/ „Emotional Winter“/ „Wings of God“) sorgte für den nötigen Kontrast. Das etwas jüngere „Panic“ wurde gar fast punk-rockig-rotzig rausgebrettert, bevor dann die beiden letzten „W S“-Stücke auch den heutigen Hauptteil zu einem umjubelten Ende führten. Da der Veranstalter das Ende offensichtlich auf 23 Uhr taxiert hatte und der Uhrzeiger der großen 11 bereits bedrohlich nahe kam, verzichtete der 6er (Frau Douglas mitgerechnet) auf großes Zugabe-Tamtam und spielte die abschließenden Tracks einfach hintereinander weg. Und wer bis dato vielleicht ein wenig zu kurz gekommen war, durfte nun noch einmal emotionale Meisterwerke wie „Closer“ oder natürlich „Fragile Dreams“ genießen.

Objektiv ein absolut berauschendes Konzertereignis, subjektiv vielleicht etwas zu viel neues Material nach zu kurzer Einhörzeit. Aber das mag auch an unseren ganzen Stressfaktoren gelegen haben, die sich im übrigen bei unserer Rückfahrt fortsetzten, aber das soll hier nicht das Thema sein… ANATHEMA spielen mittlerweile in einer ganz eigenen Liga und scheinen sich bis in letzte musikalische I-Tüpfelchen gefunden zu haben. Als Menschen und Künstler!

Setlist ANATHEMA (ohne Gewähr)
Untouchable, Part 1
Untouchable, Part 2
Lightning Song
Thin Air
Dreaming Light
Deep
Emotional Winter
Wings of God
A Simple Mistake
The Storm Before the Calm
The Beginning and the End
Universal
Panic
The Lost Child
Internal Landscapes

Closer
A Natural Disaster
Fragile Dreams

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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