Konzert Filter

AND ONE – ALEXANDER MARCUS

Ort: Duisburg - Pulp

Datum: 12.04.2008

Laue und sonnige Frühlingslüfte lockten heute so manchen vor die Tür, interessante Dinge zu tun, doch uns lockte noch etwas anderes. Die von AND ONE angekündigte „Bodypop Cover Lover Supershow“ ließ uns am frühen Abend bei den letzten Sonnenstrahlen ins Pulp, im nahegelegenen Duisburg fahren. Erwartet wurden viele Coverversionen altbekannter 80er Goodies im AND ONE Stil sowie auch eigenes Klangwerk. Pünktlich um kurz nach 19 Uhr hatten wir die Pforten des Pulp passiert und uns schlug sofort der herrliche Duft gegrillten Fleisches in die Nase, denn der berühmte Pulp Grill feuerte bereits kräftig. Doch unser Ziel war die Grotte am hinteren Ende der Location, die bereits knackig voll war. Und es sollte noch voller werden.

Um 19.45 Uhr kündigte Naghavis Stimme aus dem Off in schöner Traumfrau-Intro-Manier den Support Act ALEXANDER MARCUS an. Offensichtlich rechnete kaum jemand wirklich mit dem, was nun kam und nach einigem Nachdenken, glaubte auch keiner mehr daran, dass die Darbietung vom Darbietenden selbst als ernstzunehmende künstlerische Leistung bezeichnet wird. ALEXANDER MARCUS, „King of Electrolore“, sang und tanzte extatisch zu stampfenden Technobeats, welche wundersame Namen wie „1,2,3 Du wunderschöne Loreley“, „Spiel, Satz und Sieg“, „Sei kein Frosch“ oder auch „Papaya, Coconut, Banana“ (alles ohne Gewähr) trugen. 20 Minuten später war der Spuk allerdings auch schon wieder vorbei und froh darüber, stellten wir uns nun auf lieblichere Klänge ein.

Gute 40 Minuten später war es dann soweit, der Vorhang riß auf und dem geneigten Zuschauer bot sich ein herrlich puristisches AND ONE-Bühnenarrangement, und
schon die ersten Töne des Openers „The Sun always shines on TV“ ließen so einige in Verzückung geraten, denn vermutlich dachten sie dabei gute 23 Jahre zurück und vielleicht an die erste große Liebe (oder die erste selbst gekaufte Maxi)? Aber schnell war man zurück in 2008, denn Steve Naghavi, Gio van Oli und Chris Ruiz fackelten nicht lange und so jagte praktisch ein Song den nächsten. „Stand the Pain“, „Recover you“, „It’s a sin“, „Big in Japan“, um einige der ersten halben Stunde zu nennen. Doch nicht nur die perfekte Mischung aus Coverversionen und eigenen Stücken, sondern, wie sollte es auch anders sein, ebenso die unglaubliche Bühnenpräsenz des zugleich smarten, frechen, provozierenden und wieder versöhnenden, lustigen und wie immer perfekt gekleideten und schon allein dadurch ungeheuer sexy anmutenden Fronters Steve N. machte das Zuhören und Zuschauen zur wahren Freude. Das empfand offensichtlich der Rest des Auditoriums ebenso und als man uns ankündigte, „Sometimes“ spielen zu wollen, hatte die wogende Masse den ersten Siedepunkt erreicht. Nach einem kleinen Standortwechsel meinerseits hatte ich dann plötzlich auch mal einen ungehinderten Blick auf die Bühne, was in der Regel nur den riesig gewachsenen unter uns vergönnt ist. Im Weiteren wurden nun „Our House“, „Traumfrau“, „True Faith“, „Only you“, „Respect“, „The Great Commandment“, „Enjoy the unknown“, „Blue Monday“, „Smalltownboy“ und als vorerst letztes Stück „So klingt Liebe“ geboten.

Dass es dabei nicht bleiben konnte, war klar und schon wenige Sekunden, nachdem die letzten Noten des Liedchens verklungen waren, schrie das Publikum laut nach mehr! Selbstverständlich standen die drei dann auch einige gefühlt unendlich lange Momente später wieder da und gaben sich erneut die Ehre. Eingeläutet wurde die Zugabe mit dem krachenden „Military Fashion Show“, welches der immer noch wogenden Masse somit zum mittlerweile dritten oder vierten Siedepunkt verhalf. Doch auch einen netten Dialog zwischen Steve und dem Publikum sollte es noch geben. Der mittlerweile seines Sakkos entledigte Wortführer machte ein paar spitze und intelligente Scherze mit seinen gebannten Zuhörern, erzählte ein Anekdötchen und stellte am Ende gar die Frage : Hat jemand Lust, heute Abend noch mit mir zu f…?“ Die Antwort auf diese Frage ließ sich unschwer von den Gesichtern der Gefragten ablesen. Annähernd jede Frau und wahrscheinlich sogar jeder fünfte Mann hätte es tun wollen… Zumindest ließ meine männl. Begleitung verlauten, ihn schwer erotisch zu finden, nun denn. „Sometimes“ von Erasure, „Schmerzengel“, „Technoman“ und ein frenetisch gefeiertes „Rebell Yell“, setzten final, nach gut zwei Stunden, die goldenen Schlußpunkte unter die Darbietung und die energisch und relativ ausdauernd geforderte zweite Zugabe blieb somit aus. Doch das tat der Sache keinerlei Abbruch, denn alles in allem konnte man hochzufrieden mit der Bodypop Cover Lover Supershow sein, die sich nahtlos in die Reihe der wirklich tollen Konzerterlebnisse einreihen wird.

So entließ uns das Pulp kurz darauf in die Nacht, in der es mittlerweile begonnen hatte zu regnen und wir waren müde und glücklich wieder zurück in der Wirklichkeit, im Ohr jedoch immer noch die lasziven Vocals „…reiß an meinem Steuer und erleg das Tier…“ Ja Steve, beim nächsten Mal gerne wieder!

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu AND ONE auf terrorverlag.com