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AND SO I WATCH YOU FROM AFAR – AXIS OF

Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 11.11.2011

Einigen wir uns zunächst einmal darauf, dass wir den Namen der Band AND SO I WATCH YOU FROM AFAR auf ASIWYFA abkürzen. Die Herrschaften aus Belfast/Nordirland haben bei der Namensgebung wahrlich nicht auf Stereotypen gesetzt, was auch auf ihre Musik zutrifft. Einen Sänger sucht man bei der 2005 gegründeten Postrock-Kapelle vergeblich, dafür hat’s zwei Gitarristen (Rory Friers und Tony Wright), Jonathan Adger am Bass und Chris Wee am Schlagzeug, die neben diversen EPs auch zwei Langrillen die die Plattenläden gebracht haben. „Gangs“ ist bei uns Ende Juni erschienen, 2009 ist das selbstbetitelte Debüt veröffentlicht worden. Momentan ist der Vierer auf Tour und machte passend zum Start der fünften Jahreszeit Station in der karnevalsfreien Zone Osnabrück.

Mit dabei waren AXIS OF, die ebenfalls in Nordirland zuhause sind und tags zuvor mit ihrem Van einen misslichen Unfall hatten. Dadurch bedingt war der Zeitplan in der Hasestadt ein wenig durcheinander geraten, wie ASIWYFA-Drummer Chris kurz nach 21.00 Uhr erklärte. Deshalb war noch ein wenig Geduld gefragt, bis es eine halbe Stunde später dann mit dem energiegeladenen Trio losgehen konnte. Auf dem Programm stand ein temperamentvoller Mix aus Alternative und Hardcore, zu dem es auf der Stage mächtig rund ging. Erstaunlicherweise pfiffen die Osnabrücker ziemlich schnell auf die ihnen sonst eigene Zurückhaltung und zeigten deutliche Begeisterung für das wilde Geschrammel, das der flotte Dreier bot. Stillstand kannten AXIS OF keinesfalls (evt. war das auch das Problem beim vortäglichen Crash?), stattdessen ging’s wie bei „We Dine In Seeds“ unter Lichtgewittern brachial zur Sache, so wie der Sound es überhaupt gern blitzschnell krachen ließ. Zwischenzeitlich war für einen Song sogar ein Gastsänger mit von der Partie, der allerdings überwiegend im Publikum verschwunden war. Die übrige Zeit übernahmen die Herren an den Saiteninstrumenten die Vocals, so wie auch bei einem PANTERA-Cover geschehen. Auf diese Weise rockten AXIS OF über 25 Minuten durchaus spannend und hörenswert. Wünschen wir den Jungs, dass der Unfall, bei dem es anscheinend zumindest keine Verletzten gab, der Band nicht zu viel Ärger bereitet.

Blitzschnell wurde jetzt die Bühne für ASIWYFA präpariert, damit es um 22.25 Uhr mit dem Quartett weitergehen konnte. Für diesen Zweck mussten allerhand Langäxte gestimmt und jede Menge Effektgeräte in Position gebracht werden. Heftiges Gegniedel eröffnete schließlich den Reigen auf der fast dunklen Bühne. Ein paar Scheinwerfer spendeten nur wenig Licht, ansonsten sorgten eine Handvoll vertikale Lampen für farbige Beleuchtung. Da war Highspeed bei rotem, grünem, blauem und orangefarbenen Licht angesagt, ruhige Passagen bauten langsam Spannung auf, um es schließlich mit fetten Gitarren wieder krachen zu lassen. Die Mucke hatte es definitiv in sich und auch wenn’s wie bei der aktuellen Single „Search:Party:Animal“ einmal einen Hauch getragener zuging, blieb der Postrock stets extrem mitreißend. Deshalb drängte es die Zuschauer wohl auch vor der Bühne, anstatt dass sie sich locker in der Kleinen Freiheit verteilt hätten. Bei „7 Billion People All Alive At Once“ stand dann sogar ein Anflug von Gesang auf dem Zettel. Alle drei Männer an den Krachlatten übten sich in Lautmalerei, ehe es nach vergleichsweise verspielten Passagen wieder ans Eingemachte ging. Das Auditorium war zu diesem Zeitpunkt schon außer Rand und Band und auch auf der Stage ging’s amtlich zur Sache. Cooles Bassgrummeln sorgte mit viel Schmackes für ausgelassene Bewegung und auch die „Lalala“-Gesänge von Band und Fanbase klappten bestens. Eruptives Geschwurbel sorgte für schweißtreibende Stimmung und beim letzten Song gingen Rory und Tony gar mitten rein in den Hexenkessel und rissen ihre Akkorde inmitten der Menge ab. Zu guter Letzt gaben sie ihre Instrumente sogar an die Fans ab und überließen zwei jungen Herren ihre Gitarren, wobei einer der beiden sogar auf die Stage durfte.

Nicht nur für die unvermittelten Gastmusiker dürfte das Konzert eine besondere Veranstaltung gewesen sein. Zwar haben ASIWYFA bereits nach einer Stunde und ohne eine weitere Zugabe der Stage nach ein paar Verbeugungen und guten Wünschen fürs Partywochenende den Rücken gekehrt, aber manchmal ist kurz und knackig ja auch viel besser. Die Nordiren haben auf jeden Fall eine grandiose Show abgeliefert, die es in sich hatte und uneingeschränkt zu begeistern wusste. Vielen Dank AND SO I WATCH YOU FROM AFAR!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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