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ANNE CLARK

Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 26.11.2008

Vier Jahre nach ihrem letzten Besuch in Osnabrück, kehrte die Grand Dame des Dark Waves zurück in die Hasestadt und lockte rund 300 Fans jenseits der 30 in die gut gefüllte Lagerhalle, um ihr neues, elftes Studioalbum „The Smallest Acts of Kindness“ ebenso wie bewährte Klassiker live zu performen.

Natürlich war die Britin nicht allein unterwegs und so enterten um 20.40 Uhr zunächst Jeff Aug (Gitarre), Rainer von Vielen (Programming, Synths, Akkordeon, Gesang), Murat Parlak (Klavier & Gesang), Jann Michael Engel (Cello) und Niko Lai (Drums) die Stage, bevor auch die schmaler gewordene ANNE CLARK auf die Bühne kam und es mit „If“ vom aktuellen Silberling und ihrem markanten Sprechgesang los ging. Die Kollegen an den Instrumenten hielten sich zunächst zurück, um dann in ein feines Electro-Stakkato überzugehen. „Homecoming“ leitete nach eine kurzen Begrüßung des Publikums in die Eighties über und brachte sogleich Bewegung ins Spiel. Hier hatte auch RAINER VON VIELEN seinen ersten Vocal-Auftritt. Der Herr kann mit seiner Stimme wirklich wundersame Töne erschaffen, die nur noch sehr wenig mit menschlicher Sprache zu tun haben, aber sehr eindrucksvoll sind und von den Zuschauern auch eifrig beklatscht wurden. Doch dazu später noch mehr! Zunächst griff Rainer nämlich für das eher ruhige „Nightship“ zum Schifferklavier, während Jeff seinen elektrischen Sechssaiter gehen die Akustikvariante tauschte. Bei „Elegy For A Lost Summer“ waren dann die Sangeskünste von Murat gefragt, der nicht nur seine Finger in wahnwitziger Geschwindigkeit über die Tasten flitzen ließ, sondern auch mit seinen Vocals zu begeistern wusste. Gleiches galt für die ruhige Akustikvariation von „The Hardest Heart“, die das Auditorium ebenso in ihren Bann zog wie „Psalm“, bei dem eine fast andächtige Stille entstand, während Anne den Song vortrug. Es sollte in dieser Art weitergehen, denn auch „Know“ präsentierte sich mit Akkordeon, Akustikgitarre und einem tollen E-Cello sehr emotional. Jann Michael durfte sein Können am Tieftöner bei „Waiting“ ein weiteres Mal gekonnt unter Beweis stellen, wohingegen Niko hinter seiner Schießbude eine kleine Schaffenspause einlegte und seinen Arbeitsplatz verließ. Für „Off Grid“ war er jedoch wieder zur Stelle und verpasste dem emotionsgeladenen Track die nötige Portion Druck. Nach dieser eher ruhigen Sequenz kam mit „Contact“ wieder typischer ANNE CLARK Dark-Wave-Rhythmus ins Spiel und auch „Wallies“ war ein weiterer All-Time-Favorite, der zum Tanzen einlud. Natürlich gab es bei „Sleeper In Metropolis“ kein Halten mehr in der Lagerhalle. Die Ankündigung des Songs wurde bereits mit Begeisterung aufgenommen, dann ging es auf der in kaltes, blaues Licht getauchten Bühne zunächst eher verhalten los. Nebel waberte über den Boden, ein Herzschlagbeat setzte ein, bis dieses Vorspiel schließlich eruptiv im eigentlichen Lied mündete, welches frenetisch abgefeiert wurde. Im Anschluss stellte ANNE CLARK ihre Band kurz vor, ansonsten hielt sie sich mit Ansagen oder gar Kommunikation mit ihren Fans allerdings sehr zurück. Nun ist sie allerdings sowieso eher introvertiert und hatte zu allem Überfluss auch noch mit Stimmproblemen zu kämpfen, die man ihr so zwar nicht anhörte, jedoch leider dazu führten, dass die Setlist um zwei Nummern gekürzt werden musste. Da traf es sich gut, dass sie eine kleine Pause einlegen konnte, nachdem „Prayer before Birth“, bei dem sich vor allem Jeff ordentlich verausgabte, verklungen war. Nun war nämlich die Zeit von RAINER VON VIELEN gekommen, der eine kleine Solo-Einlage in petto hatte. Ich hatte den Allgäuer bereits mit ANNE CLARK im vergangenen Jahr in Hannover gesehen und wusste, dass mich erstaunliche Modulationen erwarteten. Begleitet von Schlagzeuger Niko Lai und monumentalen Sounds aus der Konserve, legte er zunächst mit falsettartigem Gesang los, bei dem er seine Stimme in schwindelerregende Höhen schraubte, bevor er sein Organ zum Didgeridoo verwandelte. Sehr eindrucksvoll und von staunenden Gesichtern begleitete, die nicht weniger imponiert waren als Murat Parlak dazustieß und in atemberaubender Schnelligkeit seine Tasten bearbeitete. Hier waren ohne Zweifel Virtuosen am Werke, auch wenn einige Anwesenden die Darbietung als unnötigen Break empfunden haben und sie lieber am Anfang des Abends gesehen hätten. Mit „Zest“ kehrte dann auch der Rest der Mannschaft zurück und es ging krachend weiter. „Full Moon“ legte treibende Electro-Monotonie vom Feinsten nach, allerdings verabschiedeten sich die Protagonisten nach diesem Titel um kurz nach 22.00 Uhr schon wieder von ihren Fans, die erwartungsgemäß noch mehr hören wollten und nach Zugaben riefen. Die sollten sie mit „Journey By Night“ auch bekommen, bevor der Abend mit dem grandiosen „Our Darkness“ schloss. Die Dark-Wave-Hymne wurde standesgemäß abgetanzt und manch einer wird an seine Jugend in den Achtzigern gedacht haben, als dieser Song ANNE CLARK neben „Sleeper In Metropolis“ bekannt gemacht hat.

So endete ein wunderbarer Ausflug in die Achtziger leider etwas vor der Zeit um 22.15 Uhr. Es war natürlich schade, dass nicht die gesamte geplante Setlist gespielt werden konnte, aber die Gesundheit geht natürlich vor und schließlich stand schon am nächsten Abend das nächste Konzert der großartigen Künstlerin auf dem Programm, weshalb wir ANNE CLARK an dieser Stelle gute Besserung wünschen und uns für einen tollen Abend bedanken (was ein Fan übrigens mit einer weißen Rose tat)! Einige Songs von „The Smallest Acts Of Kindness“ hatte ich bereits live gehört und auch der Rest des fast komplett vorgetragenen Albums wusste absolut zu überzeugen. ANNE CLARK steht auch 2008 für ein zeitloses Konglomerat aus Dark Wave und Spoken Word, das einfach Spaß macht.

Setlist
If
Homecoming
Nightship
Elegy For A Lost Summer
The Hardest Heart
Psalm
Know
Waiting
Off Grid
Contact
Wallies
Sleeper In Metropolis
Prayer Before Birth
Solo RAINER VON VIELEN
Zest
Full Moon

Journey By Night
Our Darkness

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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