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ANNETT LOUISAN

Ort: Rietberg - Landesgartenschau

Datum: 24.06.2008

Strahlend blauer Himmel und Temperaturen jenseits der 20 Grad, passender konnte sich das Wetter an diesem Sommerabend gar nicht präsentieren, stand doch ein Open Air Auftritt im Rahmen der „Das optimale Leben“-Tour von ANNETT LOUISAN auf dem Programm. Dank des überaus großzügigen Zeitmanagements des mitgereisten Fotographen schafften wir es dann sogar noch pünktlich aufs Gelände der Landesgartenschau, hatten ihn doch vorher seine Ortskenntnis und der Orientierungssinn etwas im Stich gelassen. Dafür kann ich jetzt immerhin die Behauptung aufstellen, dass Rietberg samt Umgebung wirklich schön anzusehen ist. Die Volksbankarena war mit 960 Besuchern dann auch bis auf den letzten Platz ausverkauft. Viel älteres Publikum jenseits der 40 hatte sich eingefunden, aber auch einige ganz junge Fans der Hamburger Dame waren anwesend.

Pünktlich um 20 Uhr nahmen die Musiker ihre Plätze ein, um ein kleines Intro anzustimmen bevor dann die bekanntermaßen nicht besonders groß geratene Annett die Bühne betrat. Ganz sommerlich in ein grünes Kleid mit gewagtem Ausschnitt gehüllt, braun gebrannt und die Haare inzwischen etwas dunkler als bisher gewohnt, bot sie einen überaus hübschen Anblick. Und natürlich hatte sie auch nichts von ihrem Niedlichkeitsfaktor eingebüßt. Gestartet wurde mit „Das optimale Leben“, sowohl Namensgeber der Tour als auch des aktuellen Albums. Danach begrüßte Frau Louisan erstmal die Zuhörer und freute sich über das schöne Wetter, war ihr doch aufgefallen, dass Deutschland sich dadurch verändert habe. Sexuelle Spannung liege in der Luft, die Leute flirteten wieder und überall wo man hinsähe One Night Stands noch und nöcher. Passend dazu wurde dann „Kleine Zwischenfälle“ angestimmt. An dieser Stelle fiel mir dann auch wieder ein, warum ich ANNETT LOUISAN so mag: Diese kleine, niedliche Lady macht harmlosen Chanson Pop, welcher teilweise, was man so erstmal gar nicht erwarten würde, mit bitterbösen Texten gespickt ist. Danach gab es dann ein wenig Aufklärung für die Männerwelt, nämlich dass Frauen hin und wieder gerne mal die „schönere“ Wahrheit benutzen. Ich wette, die Männer haben es schon immer geahnt, hatten aber nie Beweise und viele Frauen haben innerlich genickt. „Die Wahrheit“ ist halt immer sehr subjektiv. Bei „Chancenlos“ verließ Annett ihren Platz auf der Bühne und tauchte im Publikum unter, was in den ersten Reihen für viele verdrehte und gereckte Hälse sorgte, konnte man sie doch nur mehr hören als sehen. Wieder vorne angekommen ging es mit „Er“ und „Die Katze“, welches wohl eine einzige Metapher für eine mehr als unabhängige Frau ist, weiter. Das nun folgende Lied wollte vom Titel her eigentlich so gar nicht zum Sommer passen, hieß es doch „Ende Dezember“. Gefühlvoll und traurig wird der Verlust eines geliebten Menschen thematisiert und wird sicher so manchem nahe gegangen sein. Nachdem uns Frau Louisan noch von ihrem Kunststudium in Hamburg erzählte und uns Peter, „Die ehrliche Haut“ aus Stuttgart, vorgestellt wurde, gab es dann für alle erstmal eine kleine Pause, die hauptsächlich dafür genutzt wurde, sich mit fettigem aber leckerem Essen und Getränken einzudecken.

Inzwischen hatte sich ANNETT LOUISAN umgezogen und trug nun ein schickes schwarzes Kleid mit einem dazu passenden dünnen Schal und mit „Rosenkrieg“ wurde dann der zweite Teil des Konzertabends eingeläutet. Ein leises Lied über ein unschönes Thema namens Fremdgehen. So lautet doch eine Textzeile aus dem Refrain „Immer wenn ich Rosen krieg, dann weiß ich, du bescheißt mich…“. Geschichten die das Leben schreibt. Wie auch „Fettnäpfchenwetthüpfen“ ein Bonus Track vom 2005er Album „Unausgesprochen“. Bei „Der Blender“ drehte Annett dann noch mal so richtig auf und swingte sich durch den Song, ist dies doch auch eines der Lieder, welches mir persönlich mit am Besten gefällt. Danach folgte dann das wunderschöne „Wenn man sich nicht mehr liebt“, ein Lied über das Ende einer Beziehung, wenn man merkt, dass es nicht mehr passt. Ein anderes altbekanntes Thema wurde nun aufgegriffen. Man sucht nach einem ganz bestimmten Wort und es will einem aber partout nicht einfallen, aber zum Glück gibt es „Dings“. Als Abschluss gab es dann das „Prosecco“-Lied „Das alles wäre nie passiert“ zu hören. Ist mir zum Glück noch nicht passiert, dass ich morgens nicht wusste, wer da neben mir liegt und man meinen BH auf Ebay ersteigern konnte. Während des Songs wurde dann mit den Worten „Das hier wäre alles nie passiert ohne…“ die Band vorgestellt und es gab Standing Ovations seitens des Publikums.

Schnell verschwand man danach von der Bühne, ließ sich aber nicht lange um eine Zugabe bitten. Die gab es dann in dem wohl bekanntesten Song von ANNETT LOUISAN, „Das Spiel“ und dem nicht gerade freundlichen „Eve“. Ein Mensch, den wahrscheinlich jeder kennt, bei dem alles klappt, der alles kann, der alles hat und den man abgrundtief hasst. Nun sollte es aber endgültig vorbei sein, doch die Zuhörerschaft wollte sich damit nicht zufrieden geben und so wurde noch schnell „Die Dinge“ als Abschluss nachgelegt. Inzwischen war auch die Sonne untergegangen und man konnte sich nun zufrieden auf den Heimweg machen.

Wieder mal konnte ANNETT LOUISAN das Publikum begeistern und es hat viel Spaß gemacht ihr zuzuhören, ist ein Konzert mit dieser Frau doch immer ein Erlebnis. Eingängig schöne Musik mit nicht immer ganz so netten Texten, die aber alle Geschichten erzählen, wie das Leben sie schreibt . Und jeder wird das ein oder andere davon schon mal erlebt haben. Insgesamt war es auf jeden Fall ein vergnüglicher Konzertabend und beim nächsten Mal bin ich gerne wieder mit dabei.

Setlist
Das optimale Leben
Kleine Zwischenfälle
Die Wahrheit
Was haben wir gesucht
Chancenlos
Er
Die Katze
Ende Dezember
Unbekümmert
Die sein
Die ehrliche Haut
Rosenkrieg
Ich …be dich
Die Lüge
Fettnäpfchenwetthüpfen
Der Blender
Wenn man sich nicht mehr liebt
Dings
Das alles wäre nie passiert

Das Spiel
Eve

Die Dinge

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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