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ANNIHILATOR – THE GENERALS

Ort: Nürnberg – Rockfabrik

Datum: 26.10.2013

UAHHHHH! Panik macht sich breit, als der nachmittägliche Facebook-Scan den Rockfabrik-Post ins Sichtfeld rollt: die unglaublichen ANNIHILATOR rocken schon um 20:30 die heile Frankenwelt. Was ist denn da passiert? Nix, außer Disco ab 22:00 und bis dahin hat DAS Thrash-Ereignis des Jahres schon Geschichte zu sein. Wer hat das bloß geplant? – Egal! Das heißt jedenfalls, Einlass um 19 Uhr, die GENERALS müssen schon um 19:15 ran. Yo! Ein straffes Programm! Also nichts wie ab unter die Dusche, aufgehübscht, den Hintern in die Karre geschwungen und eingereiht in die Meute derer, die den gleichen Stress hatten und jetzt pünktlich am Eingang der Rockfabrik auf Ihre Helden warten. Und was jetzt? … mittlerweile ist es 19:15, die Zeit vergeht, nix passiert… 19:30 die Türen bleiben geschlossen und davor wird ein ziemlich beeindruckender Haufen Old-School Metalheads so langsam unruhig, dann ungehalten und schließlich unhöflich: Wenn schon warten, dann wenigstens im Warmen und mit ’nem Bier in der Hand.
 
Als dann um 19:40 endlich die Tore aufgehen und die Meute die Halle stürmt, sind die letzten Vorbereitungen für den anstehenden Gig im vollen Gange. Doch viel Zeit bleibt nicht, sich ein aussichtsreiches Plätzchen sowie das lang ersehnte Kaltgetränk zu sichern. Um 19:45 – also mit einer halben Stunde Verspätung – und doch irgendwie unerwartet starten THE GENERALS ihren halbstündigen Set. Unerwartet weil überraschend laut und verdammt noch mal richtig gut! Hoppla! Wer jetzt gedacht hat, er kann die Zeit vor ANNIHILATOR noch schnell nutzen, um schon mal ein Stückchen Bier beiseite zu schaffen, hat die Rechnung ohne die vier Schweden gemacht. Facebook weiß, was daherkommt und sich tarnt in alten Rock’n Roll Fetzen, entpuppt sich schnell als vortrefflichst knüppelnder Death’n Thrash. Irgendwo zwischen gesunden MOTÖRHEAD, ENTOMBED, DANKO JONES und SATAN bewegt sich das charakterstarke musikalische Kunstwerk, das Sänger und Bassist (!) Hednar, seine beiden Klampfer-Kollegen Rickard und Dick sowie Drummer MetalMartin (mein Gott, was für ein Bart!) in die überraschten Lauscher knüppeln. Zwei Alben hat der Schweden-Vierer bis dato unters Volk gebracht, ihr Debut-Werk „Stand Up Straight“ produzierte niemand anderes als Tomas Skoksberg (DISMEMBER, THE HELLACOPTERS). „Blood for Blood“ heißt das neue Trommelwerk, das es seit diesem Frühjahr zu kaufen gibt und den Großteil des heutigen Death’n Rollers stellt: „Blood For Blood“, „Shotgun Serenade“ oder „My own Demise“ der aktuellen Scheibe begeistern genau so wie „Blessing in Disguise“ des Erstlings und sorgen nach guten 30 Minuten für Zugabe-Rufe unter den ANNIHILATORen. Auch Dank Bomben-Sound können die GENERALS heute ordentlich anhänglichen Zuwachs verzeichnen. Well done!
 
Wer jetzt gleich „Feast on Europe“ nicht verpassen und noch schnell die Haare für den Schüttelalarm richten will, muss sich beeilen, denn schon um 20:35 machen ANNIHILATOR mit ihrem Thrash-Kreuzzug für knappe zwei Stunden halt in Metal-Franken. Die kanadischen ANNIHILATOR sind das Lebenswerk des Gitarristen-Genius Jeff Waters und eroberten die Metal-Szene 1989 mit ihrem Debütalbum „Alice in Hell“ im Sturm. 2014 jährt sich dieser thrash-metallomanische Moment schon zum 25. Mal. Unglaublich! Weitere vernichtende Meisterwerke reihen sich ein in die Must-Haves der Metal-Geschichte: „Never, Neverland“, Set The World On Fire“ oder zuletzt das grandiose „Annihilator“. Zeit also für ein gefeiertes 14. (!) Studio-Album „Feast“ und den dazu gehörigen Vor-Ort-Beweis, gelten die Nordamerikaner doch als eine der besten Live-Bands ihres Genres. Nichts anderes erwarten die zahlreich anwesenden Kuttenträger heute: Rohe, ungebrochene Kraft und Energie auf technisch anspruchsvollstem Niveau kanalisiert in melodischen Thrash und Spitzen aus Blues, Klassik, Jazz und stellenweise Punk.

Natürlich beginnt diese vernichtende Reise mit „Alison in Hell“, was die Meute aufgeregt kopfschüttelnd und teuflisch grüßend quittiert. Weiter geht’s in der ANNIHILATORischen Autobiographie: „W.T.Y.D“ und „Set The World On Fire“ peitschen die Menge in den Moshpit. Jeff mitsamt seiner Flying V elektrisiert die musischen Untertanen nach Belieben. Seine authentische Performance, die Begeisterung für die Menge, für diesen Gig, das alles in Kombination mit seiner Klampfen-Virtuosität, die er so unglaublich lässig immer wieder am Rand der Bühne zur Schau stellt, peitscht die Leute weiter an. Als das sehnlichst erwartete „Never, Neverland“ ertönt und in großartigsten Lead-Soli und Crossover-Riffs mündet, fliegen Haare und Schweißtropfen aus einem einzigen Extremitäten-Knäuel. Thrash-Monster-Hits wie „No Zone“, das einzigartige „Fiasco“ oder „Second To None“ verbrauchen auch den letzten Sauerstoff in der Halle. Die Rockfabrik qualmt aus allen Nähten. Und als hätten ANNIHILATOR es geahnt, gewähren sie der Meute nach dem gefeierten „I Am In Command“ eine kleine Verschnaufpause – Balladenalarm! 

Nein, nein. Keine Quoten-Ballade! Dave Padden schmettert gleich drei vernichtende Gänsehaut-Klassiker in den Dunst des Abends und es wird still. Ja, auch Metalheads haben Gefühle und die werden genauso gefeiert wie die großmeisterlichen Thrash-Glanzstücke zuvor. Bevor der Gig wieder die gewohnt Jeff Watersche Umdrehungsanzahl annimmt, darf sich Drummer Mike Harshaw noch einmal ausgiebig warm spielen und wartet mit einem Beweisstück seines Könnens auf. Der junge Blondschopf trommelt sich und seinem Instrument die Seele aus dem Leib und stellt eindrucksvoll unter Beweis, wohlverdienter Teil dieses grandios schwermetallischen Meilensteins namens ANNIHILATOR zu sein. Doch Jeff Waters weiß, wem sie diesen einzigartigen Erfolg zu verdanken haben: ihrer hart erspielten, auf ewig treuen Fanbase! „Feast ist das bestverkaufte Album der Band seit 2001. Wenn das kein Grund zum Hotten ist. „No Way Out“ vom aktuellen Album bietet die dafür passende Hintergrundmusik. Mit „Smear Campaign“, „Time Bomb“ und dem fantastischen „Ambush“ steigern sich Jeff und Dave in ihrem unterhaltsamen Sanges-Klampfen-Battle auf ein Niveau, wie es nur ANNIHILATOR zu Ende eines solchen Sets noch halten können. Die Riffs grimmig, das cleane Zwischenspiel tropft kristallklar in die Ohren – Jeff und seine Jungs geben alles.

Als die letzen Töne von „Deadlock“ – DEM Tribute-Song an die Thrash-Götter METALLICA und SLAYER – in den Boxen verklingen, Padden, Waters und Campuzano am Bühnenrand Schulter an Schulter sich zum letzten Mal für diesen Abend in Pose schmeißen, will niemand wahrhaben, dass dieser alles vernichtende Kreuzzug schon vorüber ist. Gegen ein allerletztes Aufbäumen hat hier niemand etwas einzuwenden und so geben sich ANNIHILATOR mit „Ultra Motion“ und dem sehnlichst erwarteten „King Of The Kill“ ein finales Stell-Dich-Ein, dass die Fans in ekstatischen Zuckungen sogar den unüberwindbaren Höhenunterschied zur Bühne erklimmen und sich todesmutig in die Tiefe stürzen lässt. Der absolut ANNIHILATORische Wahnsinn!

Sound: Eine unaufhaltsame Schneise der Vernichtung in Form aggressiv-pumpender Dezibel Wellen!
Publikum: Hurra! Winterputz für die Metalmatte – Nackengymnastik inkl. Für die müden alten Knochen!
Vom Konzert gelernt: ANNIHILATOR über alles!

Setlist ANNIHILATOR
Alison Hell
W.T.Y.D.
Knight Jumps Queen
Reduced to Ash
Set the World on Fire
Refresh the Demon
Never, Neverland
Nozone
The Fun Palace
Fiasco
Bliss
Second to None
I Am in Command
Phoenix Rising/ Sounds Good To Me/ Snake In the Grass 
Drum solo
15.   No Way Out
mear Campaign
Time Bomb
Ambush
Deadlock

Ultra Motion
King of the Kill

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