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APOCALYPTICA – LIVINGSTON

Ort: Köln - E-Werk

Datum: 28.10.2010

Zum aktuellen Album „7th Symphony“ ist es wieder soweit – die Finnen von APOCALYPTICA erobern Europas Metallerherzen im Sturm. Und dabei ist es auch egal ob es sich um den „bösen“ Black Metaller, den Oldschool Heavy, den Grufti oder den New Rocker handelt – bei den 4 Cellisten aus Finnland findet sich sämtliches Metal Volk vor der Bühne ein – und auch einige, die damit auf den ersten Blick nicht so viel zu tun haben. Die Jungs beweisen wieder einmal, dass sie so ziemlich jeden metallischen Geschmack treffen.

Altersmäßig war so gut wie alles zu finden – von Junior bis zum Opa – man könnte meinen, es hätte eine Mehr-Generationen Party stattgefunden. Auch der heutige Stopp im Kölner E-Werk sollte zeigen, dass Celli keinesfalls „langweilige“ Orchester-Instrumente sind, sondern richtig rocken können. So machten wir und direkt nach der Arbeit auf den Weg gen Köln und erreichten den Ort des Geschehens pünktlich zu Beginn. Wie betraten die Halle und die Lichter gingen aus für den Opener des Geschehens.

Bei den muliti-kulti Jungs von LIVINGSTON gingen die Meinungen deutlich auseinander: Die einen meinten, dass sie sich musikalisch zu sehr von dem Hauptact unterscheiden würden und deswegen nicht sonderlich als Vorband geeignet wären. Und dass, obwohl sie sich sichtlich bemüht hatten, der Funke nicht übergesprungen wäre. Man hörte Dinge wie „monotoner Mädchenrock“ oder „schlechte Songauswahl“. Mag wohl daran liegen, dass einige Anwesende gewisse Vorurteile gegenüber dieser Art Sounds heg(t)en. Auf der anderen Seite gab es viel Lob, dass man als Auftakt ein wenig Kontrastprogramm gewählt hatte, das es immerhin schaffte, mit eingängigen, sehr souverän rübergebrachten Indie-Rock Songs die Menge zu begeistern. Vor allem die Lebendigkeit der Jungs ist dabei zu erwähnen – trotz wenig Platz wurde jedes Fleckchen ausgenutzt – sei es um zu posen oder zu rocken oder die (leider kurzen) Haare zu schütteln. Auch wirkte die Band schon allein durch ihre Kommunikationsfreude sehr sympathisch. Man mag es sehen, wie man will, fest steht, dass hier definitiv keine schlechte Show abgeliefert wurde, egal was man von der Musik halten mag.

Setlist LIVINGSTON
Smile
6 By 4
Whatever
Disease
Broken
Man Overboard

Nach dem raschen Umbau kam dann das, auf das alle Anwesenden gewiss denn ganzen Tag schon gewartet haben: Die Bühne wurde in ein atmosphärisches Licht getaucht und die ersten Töne zu „On The Rooftop With Quasimodo“ ertönten. Nach und nach betraten die 4 Finnen die Bühne – das alles mit blauem, leicht flackernden Licht und dröhnendem Bass perfekt in Szene gesetzt. Absolutes Gänsehautfeeling! Die Jungs gaben sich abwechslungsreich, von schnellen Rocksongs bis hin zu langsamen Balladen, auch ein kurzer „klassischer“ Part war mit von der Partie. Trotzdem gab es keine abrupten Übergänge. Man hatte das Gefühl, dass die Menge von Anfang bis Ende den Atem anhielt, denn wie eigentlich immer schafften es die Jungs, die ganze Zeit den Spannungsbogen aufrecht zu halten. Die atmosphärische Lichtshow tat ihr übriges.

Gesanglich unterstützt wurden die 4 diesmal bei einigen Stücken von Richard Gustaf Johnson (LENNINGRAD COWBOYS), der seine Sache sehr gut machte und das Publikum zu Höchstleistungen anstachelte. Allgemein gab es sehr viel Aktion, sei es ein ständig bangender Eicca oder ein wild durch die Gegend springender Perttu, nicht nur vor der Bühne war man mit vollem Körpereinsatz dabei. Selbst als während der Show umgebaut wurde, um für das eher klassische „Beautiful“ und das ruhigere „Sacra“ Stühle herbeizuschaffen, auf denen sich dann übrigens auch Drummer Mikko niederließ, um den Bass zu zupfen, wurden alle gut bei Laune gehalten. Und zwar durch Perttu, der in einem finnisch-englisch-deutsch Gemisch unter anderem über seine feuchten Träume philosophierte und damit durchaus auch eine zweite Karriere als Komiker anfangen könnte. Man konnte dabei auch fast den Eindruck gewinnen, dass er eine gespaltene Persönlichkeit hat, denn während der „normalen“ Erzählungen ließ er plötzlich Finnische Urschreie los, nur um danach wieder ganz ruhig zu plaudern. Leicht irre – aber durchaus irre komisch.

Zum Schluss, als es sich vorerst ausgetobt hatte und die 4 Nordmänner die Bühne verließen, lechzte die Menge nach mehr. Sie wurden nicht enttäuscht – mit “At The Gates Of Manala”, „I Don’t Care” und “Hall Of The Mountain King” gab es gleich 3 Zugaben, nach welchen sich dann eine sichtlich erschöpfte aber glückliche Band für den Abend bedankte und die Bühne endgültig räumte. Auch in der Menge sah man erschöpfte aber strahlende Gesichter und mir bleibt nur noch festzustellen, dass der Abend ungemein unterhaltsam war und damit die lange Fahrt mehr als wert – ich sehe immer wieder gern eine so spielfreudige Formation. Daumen Hoch für eine tolle Show mit einer Wahnsinns-Atmosphäre, die sich bis zum Schluss hielt.

Setlist APOCALYPTICA
On The Rooftop With Quasimodo
2010
Grace
Master Of Puppets
End Of Me
I’m Not Jesus
Refuse/ Resist
Beautiful
Sacra
Bittersweet
Last Hope
Bring Them To Light
Seek & Destroy
Inquisition Symphony

At The Gates Of Manala
I Don’t Care
Hall Of The Mountain King

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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