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APOCALYPTICA – TRACER

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 03.10.2015

Ich glaube nicht, dass ich ohne Perttu Kivilaakso heute die deutsche Nationalhymne gehört hätte. Pertuu wer? Na, der Cellist, der seit 1999 festes Mitglied bei APOCALYPTICA ist und zuvor bereits live mit von der Partie war. Weshalb „Einigkeit und Recht und Freiheit“? Nun, der Tag der Deutschen Einheit fiel mit dem Gig der finnischen Cello-Rocker in Bielefeld zusammen und bei der Gelegenheit flimmerte nicht nur unsere Nationalflagge über die riesige Leinwand, sondern wurde uns Deutschen auch gleich mal ein Ständchen gebracht. Ein netter Zug, aber noch viel lieber sind uns natürlich die APOCALYPTICA-Songs, die längst nicht mehr „nur“ Cover sind! Im April ist das achte Studioalbum „Shadowmaker“ erschienen, mit dem eine neue Band-Ära begann: mit Frankie Perez haben die Streicher erstmals einen festen Sänger und nicht mehr nur Gast-Vokalisten.

Gäste hatten die Skandinavier in der Leineweberstadt trotzdem dabei, nämlich die drei Jungs von TRACER, die den Abend zeitig eröffneten. Um den samstäglichen Disco-Betrieb nicht zu stören, legte der flotte Dreier bereits um 19.50 Uhr mit dem knackigen „Too Much“ von ihrem zweiten Longplayer „Spaces In Between“ aus 2011 energiegeladen los. Da die Zeit begrenzt war, wurden auch gar nicht viele Worte gemacht, sondern mit dem straighten „We’re Only Animals“, das es auch auf dem aktuellen Silberling „Water For Thirsty Dogs“ zu hören gibt, in bester Stoner-Manier gerockt. Der Titeltrack stand dann auch als nächstes auf dem Programm und entpuppte sich als etwas zurückhaltendere Nummer, wenngleich Sänger und Gitarrist Michael Brown sich an dieser Stelle als echter Schreihals erwies. Den bereits Betrunkenen wurde wenig später „Astronaut Juggerrnaut“ gewidmet, das mit seinen krachenden Seventies-Melodien ein wenig an HAWKWIND erinnerte, bevor Mr. Brown (auf der Zielgeraden oben ohne) und seine Mitstreiter Jett (Bass) und Andre Wise (Drums) mit „Us Against The World“ für ein temperamentvolles Finale mit jaulenden Desert-Rock-Krachlatten sorgten. Ein gelungene 35-minütige Aufwärmübung, bei der sich die Ostwestfalen allerdings noch ein wenig zurückhielten.

Setlist TRACER
Too Much
We’re Only Animals
Water For Thirsty Dogs
Astronaut Juggernaut
Devil Ride
Us Against The World

Das sollte sich jedoch um 20.50 Uhr ändern, als ein Intro und rote Lichtbündel die Ankunft von Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen, Perttu Kivilaakso und Drummer Mikko Sirén ankündigten. Die lieferten mit „Reign of Fear“ vom jüngsten Studio-Output „Shadowmaker“ (Platz 13 der deutschen Album Charts) auch gleich einen bombastischen Einstieg, ehe für das groovige „I’m Not Jesus“ (2007 auf „Worlds Collide“ erschienen) Kollege Perez seinen Arbeitsplatz einnahm. Auch bei dem Crossover-Song „House of Chains“ sorgte er unter grünen Lichtgewittern für die richtigen Worte und nach einem ruhigen Start sowie einem Hinweis auf die neue Platte und das Merch gab sich der „Sea Song (You Waded Out)“ ebenfalls sehr druckvoll. Danach ging’s zunächst a cappella weiter, wobei das SEPULTURA-Cover „Inquisition Symphony“ (ein Klassiker vom gleichnamigen 1998er-Longplayer) mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Nachdem die drei Violoncellisten bislang im Stehen gespielt hatten, wurden nunmehr Stühle aufgestellt und auch ein zweites Drumkit wurde im vorderen Bühnenbereich installiert. Derweil veränderte sich auch das digitale Backdrop beständig, während die Streicher im Alleingang das eindringliche „Riot Lights“ performten. Für „Bittersweet“ von der selbstbetitelten Langrille aus 2005 war dann auch Mikko mit von der Partie, der im Anschluss an das hymnische „Cold Blood“, bei dem auch Frankie wieder am Start war, gleich einmal ein Solo zum Besten gab. Doch noch einmal zurück zu Frankie Perez, der sich als ziemlicher Poser entpuppte und mit dem der Sound der finnischen Cello-Rocker deutlich hörbare Alternative-Metal-Anteile erhalten hat. Das mag nicht jeden Fan der ersten Stunde gefallen, aber für die gab es ja auch noch beliebt-bewährte Cover wie „Refuse/ Resist“ von den bereits erwähnten SEPULTURA aus Brasilien, „In The Hall of The Mountain King“ des norwegischen Komponisten EDVARD GRIEG und als erste Zugabe natürlich das großartige „One“, das ursprünglich von METALLICA stammt. Nicht von ungefähr weisen die Bandnamen der Thrash-Metal-Helden und von APOCALYPTICA gewisse Ähnlichkeiten auf, den die Anfänge der Nordmannen liegen darin begründet, dass vier Musikstudenten aus Helsinki Songs ihrer Lieblingskapelle METALLICA auf ihrem klassischen Instrument Violoncello spielten und damit auch ihre Prüfung bestritten. Das ist inzwischen mehr als 20 Jahre her und ich gehe ganz stark davon aus, dass die Jungs mit Bravour bestanden haben.

Im gut gefüllten Ringlokschuppen wurde der Fünfer für sein großartiges Spiel und die fliegenden Mähnen von Eicca und Pertuu auf jeden Fall mit tosendem Beifall belohnt. Das galt insbesondere für die älteren Stücke, aber auch für neues Material, das mir persönlich ebenfalls sehr gut gefallen hat. So endete der Abend um 22.45 Uhr dann auch mit einem neuen Track: „Dead Man’s Eyes“ ist das letzte Lied auf der Platte und markierte mit viel Wumms das Show-Finale – natürlich nicht ohne zuvor das Herz der Fans zu erwärmen. Auf der Stage waren noch ein paar Umarmungen und Verbeugungen angesagt, dann wurden die Fans mit allerlei guten Wünschen in die für Anfang Oktober laue Feiertags-Nacht entlassen, und wer an dieser Stelle nicht mit guter Laune den Nachhauseweg antrat oder die nächste Station der Samstagabend-Bespaßung ins Visier nahm, war eindeutig fehl am Platz.

Setlist APOCALYPTICA (ohne Gewähr)
Reign of Fear
Grace
I’m Not Jesus
House of Chains
Sea Song (You Waded Out)
‚Till Death Do Us Part
Inquisition Symphony (SEPULTURA-Cover)
Riot Lights
Bittersweet
Shadowmaker
Cold Blood
Drum-Solo
Hole in My Soul
Refuse/Resist (SEPULTURA-Cover)
Ludwig – Wonderland
In The Hall of The Mountain King (EDVARD-GRIEG-Cover)

One (METALLICA-Cover)
I Don’t Care
Dead Man’s Eyes

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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