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APOCALYPTICA & AVANTI! ORCHESTRA

Ort: Berlin - Tempodrom

Datum: 18.03.2014

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die drei Cellisten, die sich dem Metal verschworen haben, ihren Wurzeln stellen und sich an einer Symbiose aus Metal und Klassik versuchten. Bereits durch ihr Mitwirken bei „Wagner Reloaded“ betraten APOCALYPTICA die neuen/ alten Pfade der Klassik. Nun, als logische Konsequenz, gehen die Finnen mit dem 25 köpfigen AVANTI! ORCHESTRA auf ihre Apocalyptic Symphony Tour, für die sie einige ihrer Songs neu arrangiert haben. Leider wurden nur Hamburg und Berlin von den Finnen angesteuert.

Auf dem erleuchteten Vorplatz des Tempodroms hatten sich Rocker, Grufties und zwischendrin Richard Kruspe rechtzeitig eingefunden, um mit dem Ertönen des dritten Gongs ihren Platz in der Halle einzunehmen. Pünktlich, wie man es von Klassikkonzerten gewohnt ist, ging das Intro mit den Anfangstakten von „Signal“ los und das AVANTI! ORCHESTRA stimmte „Farewell“ an. Währenddessen brach mit Betreten der vier Finnen der Applaus los und das musikalische Experiment konnte beginnen. Hoffentlich stand nicht André Rieu Pate. Nur durch einen kurzen Moment der Dunkelheit wurde das darauffolgende Stück „Cohkka“ angekündigt. Wer nicht genau aufpasste, besser gesagt hinhörte, dem konnte schon der eine oder andere Song entgehen. War doch teilweise der Übergang von einem zum nächsten Stück fließend. Auch gab es einige Stücke, wie „Peace“ und „Birth Pain“, die APOCALYPTICA zum ersten Mal live performten. Nach diesen beiden doch eher ruhigen Titeln brach zu „Ural“ ein Drumgewitter über das Publikum herein. Mikka war auch sonst an diesem Abend mächtig am Bearbeiten seines Schlagzeugs. Stürmischen Applaus, Zurufe und Pommesgabeln gab es zwar nach jedem Song, doch während der Stücke herrschte weitestgehend Ruhe im Publikum. Bis zur Pause wollte sich nicht ganz ein Rockkonzertfeeling einstellen, auch wenn es mit dem METALLICA-Cover „Fight Fire with Fire“ feinsten Metal auf die Ohren gab und das AVANTI! ORCHESTRA mit dem Tempo APOCALYPTICAs gut mitgehalten hatte. Die Bühnenlichtshow war von Beginn an bombastisch und trug zu den meist opulent wirkenden Stücken bei und unterstützte die Stimmung. Zu „Rage of Poseidon“ durchpflügen gelbe Strahlen das blaue Bühnenlicht und im Hintergrund gab es Lichtprojektionen, die an Meereswirbel erinnerten.

Headbangen auf der Bühne, beeindruckende Lichtshow, Leder im Publikum und doch wusste das Publikum nicht genau, welchen Verhaltenscodex es an den Tag legen sollte. Auch Eicca entschuldigte sich im Scherze, als ihm während einer seiner Ansagen ein „Fuck“ entschlüpfte. Die Performance der drei Cellisten fiel so aus, wie man es von den Finnen gewöhnt ist. Eicca gab den Ansager und Headbanger, Perttu wirbelte nur so auf der Bühne und Paavo sprang und schwang den Bogen gen Publikum. Nach so viel Bühnenaction war eine Pause angesetzt und anstelle von Kaffee und Cognac griff das Publikum dann doch lieber zu Bier. Wir waren ja schließlich auf einem Rockkonzert… oder? Mit intensiver dichter Atmosphäre ging es nach der Pause weiter, als Perttu allein im Lichtschein seinem Instrument einen „Psalm“ entlockte. Gebannt lauschte das Publikum und würdigte mit frenetischem Applaus seine Performance. Die Lichtstimmung blieb auch bei dem darauffolgenden „Lullaby“ reduziert. Der Lichtkreis umgab nun die drei Cellisten, die auf ihren Hockern saßen und sich der Musik hingaben. Fließend und ruhig ging die Performance in „Bittersweet“ über, bis zum Ende hin mit dem Einsetzen des Orchesters blaues Bühnenlicht erstrahlte und mit aufnehmendem Tempo weiße Lichtstrahlen durch das Tempodrom glitten. Das Bühnenlicht wechselte von Blau zu Rot und Eicca begann die Anfangssequenz von „Worlds Collide“ auf den Saiten mahnend zu zupfen. Das Celloinferno mit Drums und Bläsern brach los. Alle spielten wie vom Teufel besessen. Der apokalyptische Wahnsinn war auf der Bühne ausgebrochen und hielt sich nun bis zum Ende der gesamten Show. Mit dem anschließenden „Path“ gab es 100% APOCALYPTICA: roh und unverkitscht. Es folgte „Ludwig – Wonderland“, bei dem Perttu nun völlig außer Rand und Band war. So machte er Faxen in Richtung Eicca, sprang umher, fiel hin und spielte weiter. Bevor es im Programm weiterging, folgte neben einem „Wir – lieben – Euch“ Perttus die Vorstellung von Bandmitgliedern und Orchester. Das Ganze wurde von Applausstürmen und Jubelrufen der Fans begleitet. Mit „Grace“ kam von Perttu die klare Aufforderung an das Publikum nun aufzustehen und mitzuklatschen. Unterstützend standen die Streicherinnen des Orchesters auf, Perttu entblößte seinen Oberkörper und Paavo sprang und animiert das Publikum zu Hey-Rufen. Wir waren nun doch definitiv auf einem Rockkonzert! Endlich herrschte gelöste Stimmung im Publikum und nur wenige dachten daran, sich wieder hinzusetzten. Keiner wollte die neu gewonnen Freiheit aufgeben und von nun an gab es auch während der Stücke laute Zurufe, Applaus und Headbangen im Publikum. Mit dem SEPULTURA-Cover „ Inqisition Symphony“ gab es noch einmal Metal für die Fans, die es der Band mit Im-Takt-Mitklatschen dankten.

Bevor der Zugabenblock losging, flog als erstes Eiccas Wasserflasche ins Publikum. Die erste Zugabe „Nothing Else Matters“ performten die drei Finnen alleine und mit einer Armbewegung von Perttu zum Refrain setzte ein zarter Publikumsgesang ein und verklang in der Halle. Eine Gänsehaut blieb zurück. Mit Erklingen von „Hall of the Mountain King“ war jedem Fan klar, dass nun der letzte Song des Abends gekommen war. Aber auch hier hatte Perttu noch eine Überraschung parat, so arbeitete er „Freude, schöner Götterfunken“ in den Song ein. Zum Ende flogen noch die Drumsticks von Mikka gen Publikum. Die vier Musiker verbeugten sich artig und umarmten sich untereinander und mit den letzten Zuruf: Wir lieben euch! endete der Auftritt. Mit lächelnden Gesichtern verließen die Fans das Tempodrom. Fazit des musikalischen Experiments: 0% André Rieu dafür aber 100% APOCALYPTICA !

Setlist
Signal/ Farewell/ Cohkka
Burn
Quutamo
Fight Fire With Fire
Peace
Birth Pain
Ural
Cortége
Rage of Poseidon
(Pause)
Psalm
Lullaby
Bittersweet
Worlds Collide
Path
Ludwig- Wonderland
Grace
At the Gates of Manala
Inqisition Symphony

Nothing Else Matters
I don’t Care
Hall of the Mountain King

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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