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APOPTYGMA BERZERK – ESSENCE OF MIND

Ort: Hamburg – Markthalle

Datum: 20.02.2014

Donnerstag, 20. Februar, zweistellige Außentemperaturen, strahlender Sonnenschein und dann auch noch Besuch aus Norwegen. Was will man mehr? Insbesondere wenn die skandinavischen Gäste APOPTYGMA BERZERK heißen und gleich noch die Landsleute von ESSENCE OF MIND mitbringen? Mastermind Stephan Groth, sein Bruder Jonas an den Tasten, Gitarrist Audun „Angel“ Stengel und Drummer Ted Skogmann arbeiten aktuell an einem neuen Album und stellen dankenswerter Weise die ersten neuen Songs (neben zahlreichen alten Hits) bereits jetzt ihren Fans vor, die auch schon auf den Festivals des vergangenen Sommers einen ersten Einblick in die momentane Schaffensphase der Synthie-Rocker gewinnen konnten. Die Cover-Spezialisten aus dem hohen Norden haben sich dieses Mal deutschen Liedguts angenommen und PETER SCHILLINGs „Major Tom“ ein neues Gewand verpasst und natürlich durfte diese Nummer nicht auf der Setlist in der Hamburger Markthalle fehlen.

Den Anfang machten allerdings zunächst einmal die Kollegen von ESSENCE OF MIND, die seit 2006 auf Electro-Rock-Pfaden wandeln und in Dreier-Formation angetreten waren. Wobei Gitarrist Christian zumindest optisch durchaus auch der Thrash-Metal-Liga, die an diesem Abend unter dem gleichen Dach im MarX tagte, hätte angehören können. Keyboarder Hasse trug sicherheitshalber mal ein T-Shirt mit dem eigenen Bandnamen – vermutlich, um sich vom übermächtigen APOPTYGMA-BERZERK-Backdrop im Hintergrund abzuheben. Von Erlend, dem kreativen Kopf der Kapelle, sah man zunächst nicht viel, da er sich anfangs mit dem Rücken zum Publikum im hinteren Bereich der Stage aufhielt. Vielleicht lag darin auch der Grund, dass der Opener „Escape“ zunächst nicht so richtig in Gang kommen wollte. Das sich anschließende „Indifference“ sollte jedoch nach dem Geschmack der APOP-Gemeinde gewesen sein und „It’s Killing You“ wurde dann auch schon gut mitgeklatscht und ging durchaus ins Bein. Bei „Hate“ entpuppte sich der Mann am Mikro als kleiner Schreihals, der fürs Band-Fotoalbum wenig später ein Bild des Auditoriums knipste, ehe man sich mit knackigen Sounds verabschiedete und mit freundlichem Applaus bedacht wurde.

Setlist ESSENCE OF MIND
Escape
Indifference
It’s Killing You
Hate
Desperate Time
?

Ob der definitiv ausreichenden Umgebungstemperatur hätte es einen Anheizer nicht wirklich gebraucht, ESSENCE OF MIND haben ihre halbe Stunde jedoch sauber abgeliefert und so brauchte nur noch das etwas umfangreichere Equipment der Elektronik-Urgesteine, die 2014 ihr 25-jähriges feiern, in Position zu bringen, ehe um 21.00 Uhr das lang ersehnte Intro erklingen konnte. Mit „Unicorn“ haute der Vierer dann auch gleich einmal einen Klassiker von der gleichnamigen EP aus 2004 heraus, bevor es mit dem äußerst tanzbaren „Eclipse“ noch in paar Jahre weiter zurück ging. In der Diskografie kommt das dazugehörende Album „Welcome To Earth“ 2000 auf Position 4 und natürlich durften von dieser Scheibe auch die beiden Hits „Kathy’s Song (Come Lie Next To Me)“ und „Starsign“ nicht ausgespart werden. Derweil erinnerte „Burning Heretics“ an die „Soli Deo Gloria“-Anfangstage, ehe es mit „Dead Air Einz“ neues Material von der letztjährigen EP zu hören gab. Vor diesem coolen Grummler stand der Evergreen „In This Together“ auf dem Programm, der nicht nur lauthals mitgesungen wurde, sondern vom gleichen Silberling „You and Me Against the World“ aus 2005 stammte wie ein weiterer unverzichtbarer Track namens „Shine On“, der im ersten Zugabenblock zu hören war. Mit großem Zuspruch wurde das JOY-DIVISION-Cover „Love Will Tear Us Apart” vom Publikum angenommen, um sich bei „Shadow“ vom sehr präsenten Schlagzeug gefangen nehmen zu lassen. Nicht nur bei „Sentinel/ Lover Never Dies“ waberten auf der Stage Nebelschwaden umher; den Norwegern gefiel es ganz offensichtlich, nur gelegentlich rote Lichtblitze zucken zu lassen und das Geschehen auf der Stage ein wenig zu „verschleiern“. Wobei der Bandleader nicht müde wurde, am Bühnenrand auf und ab zu laufen und seine Fans in Bewegung zu halten. Etwa mit einer Elektro-Tanzstunde vom Feinsten, die mit „Kathy’s Song“ zelebriert wurde und selbstverständlich im gesamten, gut gefüllten Raum für ausgelassenes Tanzen und Klatschen sorgte. Schlag auf Schlag ging es mit „Major Tom“ weiter, der in der APOP-Bearbeitung mehr Schmackes hat als das NDW-Original. Keine Frage, dass an dieser Stelle die Markthalle als riesiger Chor fungierte – insbesondere da Jonas am Ende sogar den deutschen Text zum Besten gab. Für „Shake The Disease“ (ursprünglich von DEPECHE MODE) stellte selbiger seinen Synthesizer in den Piano-Modus um und performte das Stück im Alleingang – wobei er sich im Vorfeld der Unterstützung seiner Zuhörer vergewissert hatte. „Something I Should Know“ vom 2002er „Harmonizer“ geriet derweil zu gelungenen Synthie-Pop-Kollaboration der Gebrüder Groth, die mit „Until The End of The World“ vom gleichen Longplayer die Herren der Saiten und Felle auf die Stage zurückbeorderten. Jonas besorgte sich schnell noch ne Kippe und dann wurde mit allen Anwesenden ein grandioses Finale des regulären Sets gefeiert.

Lange ließ sich das Kleeblatt nicht um eine Zugabe bitten und servierte mit „Untitled Too“ rhythmusbetonte, frische Kost. Bewährte Bühnenveteranen waren stattdessen die folgenden Nummern „Shine On“ und „Starsign“, die entsprechend euphorisch abgefeiert wurden, ehe ein weiterer kleiner Break die Show abermals unterbrach. Was dann kam, wurde von Stephan Groth als „really oldschool“ angekündigt. Die Rede war von „Non-Stop Violence” und tatsächlich hat dieser Track von der „7”-Langrille inzwischen 18 Jahre auf dem Buckel und dabei nichts von seiner Frische und Tanzbarkeit verloren. Keine Frage, dass hier auf beiden Seiten des Fotograbens noch mal alles gegeben und tosender Beifall gespendet wurde. Nach 105 Minuten beendete schließlich „Paranoia“ nebst eines Outros, für das Jonas noch ein wenig an den Knöpfchen drehte, die fulminante Show, die Lust auf das neue Album machte und erneut unter Beweis stellte, dass APOPTYGMA BERZERK einfach in die erste Elektro-Rock-Pop-Liga gehören.

Setlist APOPTYGMA BERZERK
Intro/Unicorn
Eclipse (OE RMX)
Burning Heretics
In This Together
Dead Air Einz
Love Will Tear Us Apart (JOY-DIVISION-Cover)
Shadow
Sentinel/Love Never Dies
Kathy’s Song
Major Tom (PETER-SCHILLING-Cover)
Shake The Disease (DEPECHE-MODE-Cover – Solo Jonas)
Something I Should Know
Until The End of The World

Untitled Too
Shine One
Starsign

Non-Stop Violence
Paranoia/ Outro

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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