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APOPTYGMA BERZERK – THE ANIX

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 11.02.2009

Während man sich noch fragt, wie lange die ostwestfälische Eiszeit denn eigentlich andauern wird, können wenigstens Konzert-Highlights für ein wenig Erwärmung sorgen. Passend zum Wetter waren an diesem Abend die Nordmänner von APOPTYGMA BERZERK in die Stadt eingezogen, um mit ihrem Mix aus Gitarren und Electro den Ringlokschuppen zu rocken. Der Zuschauerandrang im kleineren der beiden Konzertsäle war nun nicht gerade atemberaubend zu nennen, doch die geschätzten 500-600 Anwesenden füllten den Raum sehr ordentlich. Ein „bunter“ Mix aus Old School Electro Freaks und Normalos begrüßte aber zunächst mal den in Deutschland weitestgehend unbekannten Support.

THE ANIX, ein Quartett aus Los Angeles, betrat unter freundlichem Applaus die Bühne, um eine Art Electro Indie Wave Rock zu spielen – das Ganze nur minimal ausgeleuchtet. Die Anfang-20er zeigten dabei eine engagierte Leistung, ohne das Auditorium nun völlig aus den Angeln zu heben, dafür dürfte ihr Stil einigen auch zu gitarrenorientiert gewesen sein. Jedenfalls zeigte sich Sänger/ Gitarrist Brandon begeistert von der herzlichen Atmosphäre in Deutschland, in Amiland sind die Reaktionen wohl deutlich zurückhaltender. Das Album „Demolition City“ erschien dort bereits im Jahre 2008, noch gibt es aber trotz einiger Interessenten kein deutsches Label. Nichtsdestotrotz lief der anschließende Verkauf am Merch aber wie geschnitten Brot und man legte sich auch beim Signieren voll ins Zeug. Die gut halbstündige Performance enthielt mit Titeln wie „This Game“, dem druckvollen FILTER-Cover „Hey Man, Nice Shot“ (über einen medialen Selbstmord) bis hin zur Single „Half the world away“ einige Höhepunkte, so dass man durchaus von einer gelungenen Anheizer-Rolle sprechen kann. Vor einem reinen Rock/ Indiepublikum dürfte man sicher noch besser punkten, gerade bei der augenblicklichen 80er-Affinität dieser Szene. Nun aber galt es die Pause bis zu den Apoptoren zu überbrücken, was bei einem geschätzten Dutzend anwesender Terrorverleger nicht allzu schwer fiel…

Nach einer guten halben Stunde gingen die Deckenlichter dann wieder aus und zu „Weight of the world“ begrüßten die im Verlaufe des Konzertes mit allerlei Lichtspielereien einen Großteil der Lightshow beitragenden Lichtvorhänge das Auditorium heute natürlich mit „Pleased to meet you Bielefeld“, während sich die Musiker zunächst eher noch in punktuellem Licht bewegten. Spätestens „Apollo (Live on your TV)“ nahm die Anwesenden danach aber direkt mit auf den Weg ins Apop-Universum. Diese zeigten sich auch gleich sehr empfänglich, bei der folgenden old-school Electronummer „Eclipse“ allerdings noch umso mehr. Hierzu wurde ordentlich abgetanzt und auch Stephan Groth legte sich derart ins Zeug, dass seine im Gesicht aufgetragene Schminke bereits zu verlaufen begann. Es folgten nun insbesondere mehrere Songs von „You and me…“, wobei die Songauswahl mit „Lost in translation“ und „In this together“ auch meine persönlichen Lieblingsstücke berücksichtigte. Die Band spielte gut zusammen, Schlagzeuger Fredrik sorgte immer für ausreichend Druck und auch wenn Stephan zwischen den einzelnen Liedern zwar nicht viel zu erzählen wusste, hatte das Quartett das Publikum dennoch nicht zuletzt durch Gesten, denen sich zeitweise auch Gitarrist Angel (jetzt mit Groth-schem Gedächtnis-Haarschnitt) anschloss, im Griff. Mit „Shadow“ war dann auch der wohl beste Track des aktuellen Albums „Rocket Science“ mit an Bord, bei dem Fredrik an diesem Abend erneut vom Drumkit an die zweite Gitarre wechselte und die freie Stelle dem Tonband überlassen blieb. „Black vs. White“ wurde anschließend durch einen Kontrast zwischen den bunten Blümchen auf den sechs Leinwänden und dem Songtitel/-text hervorgehoben, bevor das rockige „You keep me from breaking apart“ ertönte.

Erst jetzt, nach etwa der Hälfte des Sets, war mit „Love never dies“ das zweite wirklich ältere Stück an der Reihe und es ging so etwas wie ein Ruck durch das Publikum, der sich augenscheinlich auch auf die Band übertrug. „Until the end of the world“ durfte da natürlich ebenso nicht fehlen, ehe es bei „Butterfly defect“ und dem NEW ORDER Cover „Bizarre love triangle“ erst einmal wieder ruhiger wurde. Letzteres und überwiegend auch „Kathy’s song“, laut Stephan „ein bisschen Synthie-Pop“, wurden von ihm und Keyboarder Geir Bratland lediglich zu zweit dargeboten. Für „Shine on“, welches schließlich den regulären Auftritt besiegelte, kehrten ihre beiden Mitstreiter jedoch noch einmal zurück auf die Bühne. Die Ostwestfalen waren indessen noch zu gut gelaunt, um schon nach Hause zu fahren. So ließen sich die Norweger nicht lange bitten und legten mit „Starsign“ sowie dem Klassiker „Non stop violence“ vollgasmäßig nach. Gerade als wir dachten, das sei es dann jetzt aber gewesen, überraschten uns die Apops sogar noch mit „Mourn“ als Bonus (den Gitarrist Angel nun mit einer Flying V ein letztes Mal zum Posen nutzen konnte) – ein guter Schachzug, denn die Textzeile „Why are you always hiding? Why are you always mooooouuurning?” hallte auch nach dem Verschwinden der Musiker noch lange durch die Räumlichkeiten und selbst auf dem Heimweg durch meinen Kopf…

Setlist APOPTYGMA BERZERK
Weight of the world
Apollo (Live on your TV)
Eclipse
Mercy kill
Asleep or awake?
Lost in translation
In this together
Shadow
Black vs. White
You keep me from breaking apart
Love never dies
Until the end of the world
Butterfly defect
Bizarre love triangle
Kathy´s song
Shine on

Starsign
Non stop violence

Mourn

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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