Konzert Filter

ARCHIVE

Ort: Essen – Colosseum

Datum: 20.09.2019

Ihr silbernes Bandjubiläum feiern dieser Tage ARCHIVE aus London. Die Trip-Hop-, Post- und Indie-Rock-Kapelle wurde 1994 von Darius Keeler und Danny Griffiths gegründet, die zuvor bereits in der Breakbeat-Hardcore-Combo GENASIDE II gemeinsam gespielt hatten. Heuer gehören zu ARCHIVE außerdem Pollard Berrier, Rosko John, Dave Pen, Maria Q, Smiley, Steve Harris, Steve Davis, Jonathan Noyce, Holly Martin und Mickey Hurcombe, welche an diesem Abend beinahe vollständig ins komplett bestuhlte Colloseum Theater in Essen gereist waren, um mit ihren Ruhrpott-Fans das 25-jährige zu feiern. Ob die Briten ihren mitunter auch schon in die Jahre gekommenen Anhängern den Abend im Sitzen weniger beschwerlich gestalten wollten, vermag ich nicht zu sagen, aber in der Tat waren die Sessel sehr bequem und möglicherweise war dies auch der Grund, weshalb es die rund 700 Zuschauer erst gegen Ende nicht mehr auf ihren Sitzen hielt.

An der Show und der Musik, die ARCHIVE ab 20.00 Uhr zum Besten gaben, kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn die war mal wieder fulminant! In den ersten zehn Minuten bekamen die Zuschauer zunächst einmal sphärische Klänge aus dem Off zu hören und eine bläulich-dunkle Stage zu sehen. Zum Leidwesen der Fotografen wurde das Licht zum Fotografieren nicht besser, doch die diffusen Soundscapes verwandelten sich mit Ankunft der Band in das wunderbare „You Make Me Feel“ vom 1999er „Take My Head“. Maria Q und Holly Martin sorgten hier für den druckvollen Gesang, bevor die Damen das Feld den sieben Herren überließen, die sodann das hypnotische „Fuck U“ („Noise“ – 2004) performten. Das Stück gewann stetig an Intensität, die dann auch sogleich an das rhythmusbetonte und schlagzeugakzentuierte „Pills“ vom „Controlling Crowds Part IV“ aus 2009 weitergegeben wurde. Die dunkelhaarige Maria Q kehrte zu diesem Zweck ans Mikro zurück, das von grünen Lichtblitzen umspielt wurde, während grüne Strahlenbündel die blaue Bühnenillumination beim Vortrag des ruhigeren „Bullets“ durchbrachen. Die Nummer ging nach einem verhaltenden Auftakt durchaus ins Bein, aber die schicke Theaterumgebung sorgte beim Publikum wohl für vornehme Zurückhaltung. „King of Speed“, das wie der Vorgänger dem 2009er „Controlling Crowds“ entnommen war, entwickelte sich zu einem ruhigen Kontrapunkt, bevor „Kid Corner“ (2015 auf „Restriction“ veröffentlicht) ein wummerndes Schlagwerk, rotes Licht, Dramatik und die Vocals der blonden Holly Martin und des gut behüteten Pollard Berrier vereinte. Erwähnt sei zudem noch der dominante Bass, der dem Lied an knackiges Ende bescherte. Nicht minder knackig kam das geheimnisvolle „Violently“ vom 2012er „With Us Until You’re Dead“ daher. Darius Keeler gebärdete sich nicht nur an dieser Stelle hinter seinen Tasten und Knöpfen wie eine Art Dirigent, er setzte auch zu einem „Roboter-Tanz“ im weißen Lichtkegel an. 2006 ist das Album „Lights“ erschienen, von dem als nächstes der treibende Track „System“ auf dem Programm stand. Sänger Dave Pen war hier am Sechssaiter zu finden, nachdem er zuvor eine Trommel geschlagen hatte. Bei „Remain of Nothing“ vom im Frühjahr veröffentlichten Jubliäums-Mehrteiler „25“ bewies der Mann, dass er seine Stimme auch in große Höhen schrauben kann, wohingegen Dave den Sprechgesang-Part übernahm und Holly weiblichen Charme versprühte. „Erase“ hat ebenfalls in diesem Jahr das Licht der Plattenläden erblickt und gefiel mit großem Besteck, großen Gefühlen und einem nach vorn drängendem Sound, auf den sich nahtlos das ausdrucksstarke „Finding It So Hard“ anschloss. Mit dem repetitiven Song, der von Synthesizer-Klängen getragen war, ging es ins Jahr 2002 und zum Longplayer „You All Look The Same To Me“. „End of Our Days“ und „Collapse/Collide“ riefen alsdann erneut Maria Q und Miss Martin auf den Plan und gemeinsam sorgten die Ladies – natürlich kongenial von ihren Männern unterstützt – für viel Gefühl. Darauf verstanden sich die Jungs aber auch im Alleingang, wie sie mit dem eindringlichen „Controlling Crowds“ bewiesen. Zum großen Finale, bei dem nochmals Mr. Pen im Mittelpunkt stand, lud schließlich das großartige „Dangervisit“, während grüne Lichtsprenkel über die linke Wand des Theaters tanzten und die Band für einen ganz besonders intensiven Moment im Colosseum sorgte Nun hielt es auch das Auditorium nicht mehr auf seinen Plätzen und es gab nach knapp zwei Stunden Spielzeit erstmalig Standing Ovations von der gesamten Crowd, nachdem zuvor immer nur einzelne Fans vor Begeisterung aufgesprungen waren.

Nach einem kurzen Break folgten schließlich noch zwei Zugaben. Den Anfang machte Lights“, das mit Begeisterung aufgenommen und in der gebotenen Ausführlichkeit zelebriert wurde. Ein langes Instrumental ebnete hier den Weg zum Höhepunkt des Stückes, das sodann auf das Feinste durch Mark und Bein ging, ehe „Again“ mitsamt Akustikgitarre für den emotionalen Schlussakkord sorgte. Auf diese Weise waren 2 ½ Stunden wie im Flug vergangen und nach dem gebührenden Applaus, den alle neun Künstler in Empfang nahmen, verabschiedeten sich ARCHIVE von ihren restlos begeisterten Fans. Ich selbst könnte im Nachhinein gar nicht sagen, ob ich das Konzert lieber stehend (und somit auch tanzend) erlebt hätte. Auf jeden Fall war es eine Erfahrung, die eindringliche ARCHIVE-Musik so zu erleben. Auf die nächsten 25 Jahre!

Setlist

  • You Make Me Feel
  • Fuck U
  • Pills
  • Bullets
  • Kings of Speed
  • Kid Corner
  • Violently
  • System
  • Remains of Nothing
  • Erase
  • Finding It So Hard
  • End of Our Days
  • Collapse/Collide
  • Controlling Crowds
  • Dangervisit
  • Lights
  • Again

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ARCHIVE auf terrorverlag.com