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ARCHIVE – ROBIN FOSTER

Ort: Köln – E-Werk

Datum: 04.11.2012

Was war das doch ein ungemütlicher November-Sonntag. Es regnete, war kalt und eindeutig hätte man den Abend gut auf dem heimischen Sofa verbringen können. Wenn da nicht im 200 km entfernten Köln eine ganz besondere Band gelockt hätte… Die Rede ist von den wunderbaren ARCHIVE, die im August ihr achtes Studioalbum „With Us Until You’re Dead“ veröffentlicht haben und noch bis einschließlich Montag in der Republik unterwegs sind, bevor es zu unseren französischen Nachbarn geht.

Einen in Frankreich ansässigen Künstler hatten sich die Briten auch als Support für einige ihrer Deutschland-Termine ins Boot geholt und so hatte das gut 1.000 Personen starke Kölner Auditorium Gelegenheit, ROBIN FOSTER live zu erleben. Der Mann kommt ursprünglich vom englischen Eiland und hat sich auf eine überwiegend instrumentale Musik spezialisiert, die von Kapellen wie TALK TALK, MOGWAI, SIGUR ROS, GODSPEED YOU BLACK EMPEROR!, RADIOHEAD, NEW ORDER oder auch THE SMITHS beeinflusst ist. Beim zweiten Longplayer des Komponisten und Muli-Instrumentalisten war im vergangenen Jahr zudem der ARCHIVE-Sänger Dave Penny am Mikro mit von der Partie, da überrascht es nicht, dass sich die beiden Bands jetzt auch auf einer Bühne wiedergefunden haben. ROBIN FOSTER enterte selbige pünktlich um 20.00 Uhr gemeinsam mit seinen Mitstreitern an Gitarre, Bass, Keys und Drums zu einem ELVIS-Intro, um nach einem kurzen „Guten Abend“ zu beweisen, dass es nicht immer Gesang braucht, um zu fesseln. Der Opener startete zunächst verhalten, um dann mächtig Druck aufzubauen. Bisweilen legte auch das Schlagzeug ordentlich Tempo vor, um den eindringlichen Sound mit viel Gefrickel auf Spur zu halten. Genauso gut beherrschte der Fünfer jedoch auch die emotionsgeladenen Parts und sogar ein paar deutsche Sätze ließ sich Bandleader Robin von Tastenmann Steven einflüstern, bevor „Deadwoods“ vom bereits erwähnten Silberling „Where Do We Go From Here?“ mit ein paar Textfragmenten aus der Konserve daherkam und es auf das Feinste krachen ließ. Beim letzten, rhythmusbetonten Track ließen es sich die Anwesenden nicht nehmen, mitzuklatschen und wurden abermals mit abwechslungsreichen Melodien belohnt, zu denen die Stage zum wiederholten Male in sattes Licht getaucht wurde. Mr. Foster und Kollegen hätten gern noch etwas länger als die ihnen zugedachte halbe Stunde spielen können; so verließen sie jedoch unter freundlichem Applaus bereits nach fünf Liedern zu ELVIS-Klängen wieder die Bühne und hinterließen immerhin schon mal das gute Gefühl, perfekt in den Abend gestartet zu sein.

Weitere 30 Minuten später erklang im dunklen E-Werk ausdauerndes Kirchengeläut, zu dem die ersten sechs ARCHIVE-Mitglieder an den Drums, Percussions, Keyboards, Gitarre und Gesang Aufstellung nahmen. „Wiped Out“ legte einen druckvollen Start mit viel Dramatik und allerlei Lichtspielereien hin, ehe zu „You Make Me Feel“ auch die beiden Damen Maria Q und Holly Martin die Bühne enterten. Krachende Langäxte begleiteten den Vortrag der Sängerinnen, die mit viel Beifall bedacht wurden, während „Sane“ wieder komplett in männlicher Verantwortung lag. Zu diesem tanzbaren Stück wechselte der Percussionist an den Stahlsaiter und auch das fette „Interlace“ präsentierte sich angenehm gitarrenlastig. Für das zunächst ruhige „Stick In My Heart“ kehrte die blonde Holly ans Mikro zurück. Stimmungsvolles Licht lag über der Szene, die Nummer nahm langsam Fahrt auf und ergoss sich in einem heftigen Drum-Solo, das nahtlos in „Conflict“ überging. Hier übernahmen wieder die Langäxte das Sagen und auch das Tanzbein durfte erneut geschwungen werden. Die krachenden Stakkato-Sounds von „Violently“ wurden ebenso mit reichlich Applaus bedacht wie das neue Stück, dass Maria Q zu reduzierten Pianoklängen zu Gehör brachte. Mit Begeisterung wurde wenig später das grandiose „Again“ aufgenommen, das heuer in einer erhabenen Akustik-Version auf der Setlist stand. Zum verhaltenen Auftakt von „Fuck U“ lag die Stage zunächst in grünes Licht getaucht da, ehe ein heftiges Gitarrenbrett von zuckenden Lichtblitzen begleitet wurde. Marias „Pills“ ging mit viel Percussion und Rhythmus ins Bein, bevor Holly für die elfengleiche Vocals des sphärischen „Black And Blue“ verantwortlich zeichnete. Mit „Dangervisit“ ging es wenig später unter heftigen Lichtblitzen wieder in die Vollen und auch „Damage“ gefiel nach einem ruhigen Einstieg mit einer hochenergetischen Tanzphase, die abermals von Glockengeläut abgelöst wurde.

Hier endete dann auch um 22.30 Uhr das reguläre Set, doch natürlich gab’s noch einen reichhaltigen Nachschlag, der mit „Rise“ sehr emotional begann und sich im zwingenden Sound von „Silent“ fortsetzte. Temperamentvoll schloss sich „Hatchet“ zunächst mit Fräulein Martins Sprechgesang an, um schließlich in ein stimmgewaltiges Finale zu münden. Mit „Controlling Clouds“ kam noch mal Bewegung in die Menge, die nach diesem Song ein wenig auf ARCHIVE warten musste. Nach ihrem erneuten Abgang ins Off ließen sich die Insulaner ein wenig bitten, bevor sie erklärten, noch Musik für zwei, drei Tage im Köcher zu haben. Tatsächlich beschränkte sich die Auswahl dann allerdings auf die kongenialen Tracks „Bullets“ und „Waste“, mit denen das Konzert nach 135 Minuten um 23.15 Uhr endete. Schön war’s, abwechslungsreich war’s und jeden Kilometer auf der überfüllten Autobahn wert. Die ARCHIVE-Musik ist längst nicht mehr „nur“ Trip-Hop, vielmehr fließen auch Indie- und Post-Rock in die Mucke ein und bescheren dem Hörer einen wunderbaren Klangkosmos, der es in sich hat. Auch visuell wussten die Damen und Herren zu überzeugen. Am Licht in seinen verschiedenen Farben und Facetten wurde nicht gespart und so erfuhr die fantastische Musik eine perfekte optische Untermalung. Mehr kann man sich nicht wünschen…

Setlist ARCHIVE
Bells (Intro)
Wiped Out
You Make Me Feel
Sane
Interlace
Stick Me In My Heart
Conflict
Violently
? (Neuer Song)
Again (Akustik)
Fuck U
Pills
Black And Blue
Dangervisit
Damage
Bells

Rise
Silent
Hatchet
Controlling Crowds

Bullets
Waste

Copyright Fotos: Holger Ebert

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