Konzert Filter

ARCHIVE – ROBIN FOSTER

Ort: Krefeld – Kulturfabrik

Datum: 10.04.2013

Erst im vergangenen November waren ARCHIVE in Deutschland unterwegs und wussten schon damals uneingeschränkt zu begeistern. Bei dieser Gelegenheit hatten die Engländer bereits ROBIN FOSTER, der auch dieses Mal wieder mit seiner Band mit von der Partie war, mit in ihren Tourbus geholt. Nun mag es Stimmen geben, die sagen, dass es keinen guten Grund gibt, sich dann gerade mal fünf Monate später noch einmal die gleichen Kapellen anzusehen und dafür auch noch mitten in der Woche knapp 400 Kilometer abzureißen. Doch, die gibt es massenhaft! ARCHIVE haben sie in Krefeld über 90 Minuten präsentiert und auch ihr Support wusste seine gute halbe Stunde einmal mehr überzeugend zu nutzen.

Zunächst sah es gar nicht so aus, als würde der alte Schlachthof an der Dießemer Straße 13 voll werden, doch als um 20.20 Uhr der gebürtige Brite ROBIN FOSTER mit seiner Mannschaft bestehend aus Gaeton Fagot (Gitarre), Hikit Corbel (Bass), Steven Prigent (Keys) und Hibu Corbel (Drums) ins Rampenlicht trat, hatte es sich schon deutlich gefüllt und am Ende dürften es knapp 1.000 Zuschauer gewesen sein, die in der Kufa in den Genuss eines wunderbaren Abends gekommen waren. Zu Beginn bekam das Auditorium ein ELVIS-Intro auf die Ohren (der King of Rock’N’Roll) fand sich auf der Stage gleich mehrfach in Form von kleinen Figuren wieder), die komplett in schwarz gekleideten Musiker nahmen Aufstellung und legten mit „Loop“ vom 2008er Debüt „Life Is Elsewhere“ druckvoll los. Der Mann, der sich auf eine überwiegend instrumentale Musik spezialisiert hat, die von Kapellen wie TALK TALK, MOGWAI, SIGUR ROS, GODSPEED YOU BLACK EMPEROR!, RADIOHEAD, NEW ORDER oder auch THE SMITHS beeinflusst ist, verzichtete konsequent auf Gesang und ließ stattdessen gekonnt die Instrumente sprechen, die beispielsweise beim folgenden „Last Exit – Brest By Night“ vom gleichen Silberling neben viel Tempo auch feine Zwischentöne produzierten. Vom kommenden Album „Peninsular“ stammte der grummelnde Kopfnicker „Finis Terrae“, der mit Vehemenz ins Hirn kroch. Die Platte ist im Crowd-Funding-Verfahren finanziert worden und aktuell nur auf Konzerten zu haben. Wenn man Glück hat, sogar für lau, denn Bandvorstand ROBIN FOSTER verschenkt gern das eine oder andere Exemplar, weshalb auch in Krefeld jeweils ein Herr und eine Dame in den Genuss der kostenlosen Konservenkost kamen. Die Lady stürmte dafür einfach an der Security vorbei in den Graben und baute sich vor dem Künstler auf, der gar nicht anders konnte, als ihr die Platte zu geben. Für alle gab’s auf jeden Fall die wabernden Klangteppiche von „This Is Not An Exit/Pen Had“, die allmählich an Dramatik und Kraft gewannen, wofür es lautstarken Applaus gab. Kollege Foster teilt sich mit ARCHIVE nicht nur die Bühne und das Catering, auch im Tonstudio gab es bereits Kollaborationen, weshalb ARCHIVE-Sänger & Gitarrist Dave Pen für das beschwingte „Forgiveness“ vom 2011er „Where Do You Go From Here?“ auf die Bühne eilte. Auf der Langrille hatte er bei verschiedenen Songs das Mikro übernommen und komplettierte auch diese Nummer mit seinem leicht melancholischen Gesang. Auch beim abschließenden „Save The Cheerleader“ war ein weiteres Mal ARCHIVE-Unterstützung gefragt. Diesmal jedoch in Form von Smiley, der schon einmal hinter seiner Schießbude Platz nahm und für ein besonders rhythmusbetontes Finale sorgte. Nach und nach verließen die Musiker ihre Arbeitsplätze, darunter übrigens auch Frankreichs „second sexiest“ Bassist – zumindest wenn man den Ausführungen von ROBIN FOSTER glauben darf. Ein schöner Auftakt, der Lust auf mehr machte, wovon es ab 21.30 Uhr auch noch reichlich gab.

Setlist ROBIN FOSTER
Loop
Last Exit – Brest By Night
Finis Terrae
This Is Not An Exit/Pen Had
Forgiveness
Save The Cheerleader

Aktuell sind ARCHIVE nicht in vollern Besetzung unterwegs, zumindest in Krefeld fehlten insbesondere Maria Q (Gesang), auf Live-Bassisten wurde gänzlich verzichtet und im Hintergrund agierte am Sechssaiter „lediglich“ Ersatzmann Mike Bird (Mitglied bei BIRDPEN – Dave Pennys zweitem musikalischen Standbein). An ihren gewohnten Positionen hatten sich mit dem Intro Smiley hinter der Schießbude, Tastenmann Danny Griffiths am rechten Eck, Darius Keeler an seinen Keys links außen, Dave Pen am Mikro und Pollard Berrier eingefunden. Letzterer war für den opulenten Opener „Finding It So Hard“ vom elf Jahre alten „You All Look The Same To Me“ zunächst einmal an zwei „Rasseln“ aktiv, ehe er für das anfangs schwebende „Wiped Out“ vom aktuellen achten Studio-Output „With Us Until Vor’re Dead“ (#35 der Charts) an die Langaxt wechselte. Lichtblitze trafen an dieser Stelle auf eruptive Melodien, während im Hintergrund das bekannte Bandemblem /\ vermittels farbiger Leuchtdioden erstrahlte. „System“ vom 2006er „Lights“ rockte mit Pollard am Mikro ordentlich und brachte Bewegung in die Kufa, bevor Holly Martin (jetzt übrigens nicht mehr wie im Herbst blond, sondern brünett) mit dem treibenden „Hatchet“ erneut neuen Stuff zu Gehör brachte. Schwurbeliger Orgelsound aus der Werkstatt des wie immer aufgekratzten Mr. Keeler (auf seinem Keyboard hatte er zudem einen Miniatur-Eiffelturm stehen) eröffneten das knackige „Sit Back Down“, das von allen drei Vokalisten gesungen wurde und Aushilfe Bird an die Tasten wechseln ließ. Im Background veränderten die Leuchtdioden zum wiederholten Male ihre Farbe und nahtlos schloss sich „Conflict“ mit seinem grandiosen Klangkosmos an. Diese Nummer machten die Herren unter sich aus und baten erst mit „Violently“ erneut Miss Martin auf die Stage, deren Stimme auf flirrende Elektronik traf, die schließlich in stoische Stakkato-Riffs mündete. „Kings of Speed“ vom „Controlling Crowds“ aus 2009 war gar nicht so schnell, wie der Titel vermuten lassen könnte, gefiel jedoch mit Eindringlichkeit und Kraft, bevor „Fuck U“ vom 2004er „Noise“ die Instrumente zunächst auf Sparflamme laufen ließ, um dann erneut aufs Ganze zu gehen. Das Auditorium wusste es zu schätzen und feierte auch den sphärischen Stomper „Interlace“ ab, für den beide Sänger zur Langaxt griffen. Die Vocals des letzten regulären Stücks „Bullets“ übernahm einmal mehr Herr Berrier, während die Bühne in kühles blaues Licht getaucht wurde und im hinteren Bereich die /\s blinkten. Zu guter Letzt griff auch Dave noch einmal zum Mikro, ehe unter tosendem Applaus die gesamte Mannschaft nach 75 Minuten im Off verschwand.

Ohne einen gehörigen Nachschlag ging jedoch natürlich auch in Krefeld nichts. Mit „You Make Me Feel“ gab es da einen echten Leckerbissen auf die Mütze. Eigentlich singen dieses Lied Maria Q und Holly Martin gemeinsam, heuer übernahm Pollard Berrier den zweiten Gesangspart – eine Umbesetzung, die mehr als nur eine Notlösung war, wobei es selbstredend schön gewesen wäre, auch Maria Q in Aktion erlebt zu haben. Diese Stück vom zweiten Studioalbum „Take My Head“, das 1999 erschienen ist, fungiert seit einiger Zeit als musikalische Untermalung für einen L’Oreal-Werbespot und zählt einfach zu den Highlights in der umfangreichen Diskografie der 1994 gegründeten Trop-Hop-/Post-Rock-Combo, die mit „Words On Sign“ getragene Klavierakkorde ins Rennen schickte, um mit dem finalen „Dangervisit“ noch einmal richtig dick aufzutragen. Hier wurden ein letztes Mal alle Register gezogen, um die Fans wenig später mit einem zufriedenen Grinsen auf den Gesichtern in die Nacht hinauszuschicken.

Die war nicht ganz so ungemütlich wie Anfang November, auch wenn der Frühling immer noch nicht so recht in Deutschland angekommen ist. Aber mit grauem Nieselwetter kennen sich ARCHIVE als Londoner ja aus und wenn das rundum gelungene Konzert entschädigte eh für jede Wolke und die ungemütlichen Temperaturen. Wie auch im Herbst in Köln geschehen, verabschiedeten sich ARCHIVE von ihrer Anhängerschaft, um ihre Tour in Frankreich fortzusetzen, im Sommer kommen sie jedoch zum Hurricane bzw. Southside zurück und es darf davon ausgegangen werden, dass ich wieder am Start sein werde.

Setlist ARCHIVE
Finding It So Hard
Wiped Out
System
Hatchet
Sit Back Down
Conflict
Violently
Kings of Speed
Fuck U
Interlace
Bullets

You Make Me Feel
Words on Signs
Dangervisit

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ARCHIVE auf terrorverlag.com

Mehr zu ROBIN FOSTER auf terrorverlag.com