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AREA 4 2008 – Tag 1

Ort: Lüdinghausen - Flugplatz Borkenberge

Datum: 29.08.2008

Nachdem ich ein Wochenende zuvor beim Deichbrand Festival arge Zweifel hegte, ob der Wettergott auf Rock ’N’ Roll steht, bewiesen die Macher des AREA4 zum zweiten Mal am Standort Borkenberge ein glückliches Händchen bei der Terminwahl. In Folge konnten 15.000 Musikbegeisterte bei Temperaturen nahe der 30 Grad Celsius-Marke ein gitarrenlastiges Line-Up abfeiern und teilweise sehr hemmungslos dem Alkohol frönen. Leider mussten die Headliner des Sonntags absagen, da sich Drummer Joey Jordison von SLIPKNOT einen Knöchel gebrochen hatte. Ersatzweise sprangen SOULFLY ein, aber dazwischen lagen noch etwa 40 Bands und drei Tage Rock bis zum Abwinken.
(ump)

THE GASLIGHT ANTHEM

Da lassen die Veranstalter meine derzeitige Lieblingsband doch glatt am Freitag Nachmittag das Festival eröffnen (jetzt mal von der Becks Gewinnerband MIKROBOY aus Mannheim abgesehen) – Logo, dass ich alles daran setzte, pünktlich um 15 30 vor der Bühne in Lüdinghausen-Leversum zu stehen. Doch wie es im Leben immer so ist: Feierabendverkehr, eine Verzögerung hier und eine dort, das übliche Prozedere bei der Bändchenausgabe und schon legten THE GASLIGHT ANTHEM aus New Jersey auch schon ohne mich los. Allerdings mit einer für diese Uhrzeit beachtlichen Menschenmenge vor den Planken. Diverse Platte-des-Monats-Auszeichnungen hatten sich wohl herumgesprochen und das neue Werk „The ’59 Sound“ ist wahrlich nicht von schlechten Eltern. Während ich also eiligst über den Platz hechelte, bekam ich zumindest audiotechnisch alles Wesentliche mit und passend zum Titelstück konnte ich die erdigen Jungs dann auch aus der Nähe sehen. Mit ihrem Punk Rock plus New Wave Einschlag und Singer Songwriter Attitüde rockten sie das Haus bei immer sonnigerem Wetter ganz vorzüglich und Sänger Brian Fallon strahlte dann auch wie ein Honigkuchenpferd. Kein Wunder bei formidablen Hits wie „Great Expectations“ im Gepäck. Ein wunderbarer Auftakt für das diesjährige Area 4.
(TK)

KAMIKAZEKID

Es folgte ein erster Ausflug in das neu errichte Coca Cola Soundwave Zelt, in dem zu gleichen Teilen Nachwuchs Acts und bereits arrivierte Kapellen ihr Können zeigen durften. Aktuell versuchten KAMIKAZEKID aus Bonn, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Leider blieb die Indoor Location bis auf ein paar Ausnahmen das ganze Wochenende über eher mäßig besucht, worunter insbesondere die noch weitgehend unbekannten Bands litten. Soundmässig konnten die Youngster allerdings überzeugen, ihr Indie Pop Rock Gemisch klang sehr professionell, wobei insbesondere die stimmliche Leistung überzeugte.
(TK)

YEAR LONG DISASTER

Während im Zelt die Gewinner der Coca-Cola Soundwave Discovery Tour 2008 ihr Können unter Beweis stellten, zog ich es vor, weiter der Sonne die Stirn zu bieten und mir ein Bild von zu machen. Die Kapelle aus Los Angeles hat sich dem puren, handgemachten und kompromisslosen Gitarrenrock verschrieben und entsprechend wurden auch keine Gefangenen gemacht. Sänger und Gitarrist Daniel Davies (übrigens ein Sohn des legendären THE KINKS-Gitarristen Dave Davies) rotzte die Lyrics nur so unters Volk, während die Langäxte gniedelten und schrammelten, was das Zeug hergab. Dazu wummerten die Drums von Brad Hargreaves punktgenau und auch Bassist Richard Mullins verstand es, sein Instrument grummeln zu lassen und dem Sound einen coolen Herzschlag-Beat zu verpassen. Meistens legten die Jungs, die 2004 YEAR LONG DISASTER ins Leben gerufen hatten und bereits mit TURBONEGRO, MOTÖRHEAD und den FOO FIGHTERS auf Tour waren, ein ordentliches Tempo vor, wurde die Geschwindigkeit mal gedrosselt, wurde die Mucke umso dreckiger und ließ nie Schmackes und Vielseitigkeit missen. Kein Wunder, dass da nach knappen 45 Minuten Zugaberufe laut wurden.
(ump)

THE BLACK BOX REVELATION

Im Zelt ging es mit einem belgischen Duo weiter, welches unter dem Namen THE BLACK BOX REVELATION firmiert. Begleitet von einer erstklassigen Lichtuntermalung rotzten Jan und Dries ihren High Energy Rock nur so aus den Speakern, wobei insbesondere der Mann an den Drums sich fast völlig verausgabte. Respekt dafür, mit nur 2 Akteuren so eine Wall of Sound zu erschaffen.
(TK)

THE SOUNDS

Ob es an der blonden Sängerin Maja Ivarsson gelegen hat, dass pünktlich zum Auftritt der Schweden von THE SOUNDS das Grün vor der Stage deutlich stärker bevölkert wurde? Die Dame ist immerhin für ihre knappen Outfits bekannt und hatte sich auch dieses Mal für eine Arbeitskleidung entschieden, die viel Beinfreiheit versprach. Die gute Maja erinnerte durchaus an Debbie Harry von BLONDIE und auch beim THE SOUNDS-Style traten Parallelen zu deren Musik auf. Besonders die Tracks des ersten Albums „Living in America“ aus dem Jahre 2003, mit dessen Titelstück das Quintett flott startete, wiesen Merkmale des New Waves und Synthie Pops auf, wohingegen die zweite Langrille „Dying To Say This To You“, die vor zwei Jahren erschein, einen rockigeren Weg einschlug. Beim AREA4 ließen es die leckeren Schwedenhäppchen ohne Zweifel ordentlich krachen und besonders Maja zeigte sich gewohnt quirlig und publikumsnah. Zu „24 Hours“ wurde entsprechend gepost, während sie zu „Song With A Mission“ auch auf dem Bühnenvorsprung am Fotograben unterwegs war. Unterstützt wurde sie dabei von frechen Keyboards und spritzigen Gitarren, die zum Tanzen und Klatschen einluden. Doch nicht nur gutgelaunte Partysongs hatten THE SOUNDS im Gepäck: Fürs emotionale „Night After Night“ vom aktuellen Silberling beschränkte sich die Kapelle auf Jesper Anderbergs E-Piano und Majas Gesang, bevor sukzessive die übrigen Musiker wieder zurückkamen und es mit „Painted By Numbers“ vom gleichen Albums fesselnd weiterging.
(ump)

Setlist THE SOUNDS
Living In America
24 Hours
Queen of Apology
Seven Days A Week
Mine For Life
Much Too Long
Hit Me!
Ego
Night After Night
Painted By Numbers
Fire
Hurt You
Song With A Mission
Rock’N’Roll
Hope Your Happy Now

BLOOD RED SHOES

Langsam wurde es für mich Zeit, im Zelt nach dem Rechten zu sehen, da kamen mir die BLOOD RED SHOES aus Brighton/ England sehr gelegen. Offensichtlich hatten diese Idee auch einige andere mehr, denn es war in dem roten Kuppelbau schon eine Menge los, als um 19.15 Uhr Laura-Mary Carter (Gesang & Gitarre) und Steven Ansell (Schlagzeug) knackig loslegten. Es war schon erstaunlich, welch imposante Alternative-Dampfwalze die beiden mit ihren krachenden Songs in Bewegung brachten. Zwar war der Gesang etwas zu leise abgemischt, das tat der hervorragenden Stimmung jedoch keinen Abbruch. Die Stücke des diesjährigen Debüts „Box of Secrets“ wurden verdient und ausgiebig abgefeiert, gleichzeitig gab’s auch noch eine kleine Einlage für einen Kumpel, der vor Kurzem Geburtstag hatte, wohl auch anwesend war und mit „Big Lee“-Gesängen geehrt wurde. Ansonsten stand eine schweißtreibende dreiviertel Stunde an, in der sich das Zelt innerhalb kürzester Zeit in einen Hexenkessel verwandelte, wobei offensichtlich das Interesse an den PLAIN WHITE T’S, die ab 19.45 Uhr auf der Hauptbühne spielten, nicht zu unterschätzen war, leerte sich die überdachte Spielstätte doch um diese Zeit merklich, was die Betreffenden die ganz tollen Nummern „I Wish I Was Someone Better“ und „ADHD“ verpassen ließ. Mich hatte das 2005 gegründete Duo auf jeden Fall in seinen Bann gezogen, weshalb ich die Amis nur mit Verspätung in Augenschein nehmen konnte.
(ump)

Setlist BLOOD RED SHOES
It’s Getting Boring By The Sea
You Bring Me Down
Doesn’t Matter Much
Forgive Nothing
Try Harder
Take The Weight
Say Something, Say Anything
This Is Not For You
I Wish I Was Someone Better
ADHD

PLAIN WHITE T’S

Abgesehen davon, dass die maximale Radio-Präsenz vom Überraschungshit „Hey There Delilah“ für volle Zuschauerränge sorgte, fiel zunächst das riesige weiße Backdrop ins Auge, dessen roten Buchstaben einen recht „handgemachten“ Eindruck vermittelten. Wie es scheint, pflegt der Fünfer aus einem Vorort von Chicago ein gewisses „Selfmade“-Image, während die Musik absolut massentauglich ist. Fehlen durfte auf der Setlist natürlich auf keinen Fall die bereits erwähnte Schmuse-Hymne der PLAIN WHITE T’S, die mit Begeisterung aufgenommen wurde. Daneben gab es jedoch auch zwei Stücke des im Oktober erscheinenden Albums „Big Bad World“ zu hören. Außer dem gleichnamigen Titeltrack war dies noch „Natural Disaster“, das man auch noch einmal auf der Myspace-Seite abrufen kann. Mit den übrigen Songs bewegten sich die smarten Jungs aus der neuen Welt im radiotauglichen Mainstream, der jedoch gut ankam und somit auch seine Daseinsberechtigung hatte. Immerhin bildete sich sogar zum PLAIN WHITE T’S-Highschool-Rock ein Moshpit und dass die Herrschaften auch über den Tellerrand hinweg schauen, bewiesen die BAD RELIGION- und FUTUREHEAD-Gesänge, die von ihnen angestimmt wurden.
(ump)

Setlist PLAIN WHITE T’S (ab 20 Uhr)
Big Bad World
Take Me Away
Write You A Song
Breakdown
So Damn Clever
Figure It Out
Natural Disaster
Hey There Delilah
Hate (I Really Don’t Like You)

THE FUTUREHEADS

Zu Letzteren zog es mich umgehend wieder ins Zelt, wo sich die Reihen deutlich gelichtet hatten. Verdient hätten die Briten zwar deutlich mehr Aufmerksamkeit, aber so blieb mehr Platz zum Tanzen und dafür waren die 24 Songs, die das Quartett in petto hatte, bestens geeignet. Dabei stellte der Umstand, 75 Minuten Spielzeit eingeräumt bekommen zu haben die FUTUREHEADS wohl vor eine echte Herausforderung, da sie nach Bekunden von Sänger und Gitarrist Barry Hyde normalerweise nicht so lange spielen. Die Herren, die mit zwei Gitarren, einem Bass, Drums und dreistimmigem Gesang für einen Sound irgendwo zwischen Post-Punk und New Wave sorgten, zeigten sich der Aufgabe aber bestens gewachsen und überzeugten mit kraftvollen, mehrstimmigen Vokalsätzen, krachenden Beats und splitternden Gitarren. Wildes Geschrammel eröffnete den Gig beim Opener „Yes/ No“ vom vorletzten Longplayer „News And Attitudes“ aus 2006, bevor die Engländer sich einmal durch ihre energiegeladene Discografie spielten. Hauptakzente bildeten dabei neben der brandaktuellen LP „This Is Not The World“ Songs des selbstbetitelten Erstlings aus dem Jahr 2004. Allen Scheiben, die in Großbritannien hohe Chartplatzierungen einheimsen konnten, gemeinsam sind durchweg explosionsgefährdete Stücke, die das Coca-Cola Soundwave Tent zum Kochen brachten. THE FUTUREHEADS gaben amtlich Gas, vergaßen dabei aber nicht die Eingängigkeit ihrer Babies (z.B. „Radio Heart“), gniedelten dann bei „The City Is Here For You To Use“ auch mal ganz wunderbar vor sich hin, um anschließend mit „Walking Backwards“ ein Gitarrengewitter loszutreten, das von heftig zuckenden Lichtblitzen begleitet wurde. „Worry About It Later“ funktionierte die Drums von Dave Hyde zur Dampframme um, bevor „The Beginning of The Twist“ erneut zum fröhlichen Tanze einlud. „Hard To Bear“ präsentierte eine traurige, aber nicht weniger wütende Seite der FUTUREHEADS und auch der Umstand, dass BAD RELIGION ihnen einige Zuschauer kostete, ließ die Engländer nicht aufgeben. „Hounds of Love“ hätte zorniger nicht sein können und „Carnival Kids“ mobilisierte noch mal die letzten Kraftreserven auf beiden Seiten der Bühne, dann gab’s mit „Man Ray“ noch mal eine fette Breitseite, nach der sich dann wohlige Erschöpfung breit machen durfte. Wer von diesem musikalischen Vulkanausbruch noch nicht genug hat, sollte die Tourtermine für September checken, dann donnern THE FUTUREHEADS nochmals über Deutschland hinweg.
(ump)

Setlist THE FUTUREHEADS
Yes/ No
Decent Days And Nights
Robot
Radio Heart
Work Is Never Done
The City Is Here For You To Use
Cope
Walking Backwards
Meantime
This Is Not The World
Worry About It Later
Le Garage
Think Tonight
First Day
Skip To The End
The Beginning of The Twist
Hard To Bear
Fallout
Area
He Knows
Everything’s Changing Today
Hounds of Love
Carnival Kids
Man Ray

BAD RELIGION

Nachdem ich nun schon so lange ausgeharrt hatte, sollte ich jetzt meine wohlverdiente Belohnung bekommen. Mit BAD RELIGION standen nämlich mal wieder Helden meiner frühen Jugendzeit auf der Bühne und nachdem ich sie schon vor Jahren aus den Augen verloren hatte, freute ich mich natürlich umso mehr, sie hier und heute live wieder entdecken zu können. In diesem Zusammenhang fiel mir auch gleich wieder die Anekdote eines ehemaligen Mitschülers von mir ein, die ich euch an dieser Stelle natürlich nicht vorenthalten möchte: Es begab sich zu der Zeit, als die anderen Kinder ihre Konfirmation hatten, unter anderem auch besagter Mitschüler. Als es dann an der Zeit war, sich vor dem Pfarrer hinzuknien und die Schuhsohlen der Gemeinde zuzuwenden, hatte er sich den Spaß erlaubt und sich, für alle sichtbar, zwei der „Crossbuster“-Logos auf selbige geklebt. So weit ich weiß wurde er danach nicht enterbt und ja, so etwas fanden wir mit 14 lustig. Nach diesem kurzen Ausflug in die Vergangenheit aber wieder zurück in die Gegenwart und zum Auftritt von BAD RELIGION auf dem Area 4. Nachdem es den Tag über immer mal wieder kleinere Ungenauigkeiten im Zeitplan gegeben hatte, ging es pünktlich um 21.15 Uhr los und die inzwischen etwas in die Jahre gekommenen Herren enterten die Bühne. Vor selbiger war es inzwischen auch richtig voll geworden, was ich ehrlich gesagt nicht unbedingt erwartet hätte. Losgelegt wurde mit „21st Century (Digital Boy)“ aus dem Jahre 1994 und in diesem Falle ist es wohl Glück, dass die Band schon seit 28 Jahren besteht und so um die 14 Alben herausgebracht hat. Denn bei einer durchschnittlichen Songlänge von ca. zwei Minuten muss man schon verdammt viel Material zusammen haben, um 90 Minuten füllen zu können. Nach „I want to conquer the world“ erzählte Herr Graffin (der übrigens Doktor der Evolutionsbiologie ist) ein wenig von der im Juni absolvierten Deutschlandtour und auch so unterhielt er sich zwischendurch immer wieder recht viel mit dem Publikum. Vor „Come join us“ erwähnte er noch, dass dieses Lied allen religiösen Leuten da draußen gewidmet sei, bevor auf der Stage wieder wild gesprungen werden durfte. Weiter ging es mit „News from the front“ und „A walk“, an das ich mich noch gut erinnern kann, besitze ich doch die Single. Und nachdem man all den reichen Menschen gedankt hatte, die den BAD RELIGION Auftritt auf diesem Festival ermöglicht hätten, stimmte man das wohl bekannteste Lied, den „Punk Rock Song“ an. Dieses wurde von der Menge auch gebührend bejubelt und von vielen lautstark mitgesungen. Mit „American Jesus“ folgte alsbald dann aber schon der letzte Titel des offiziellen Sets und trotz Applaus und Zugaberufe ließ man sich recht lange Zeit, bevor die Band wieder zum Vorschein kam. An dieser Stelle stellte man dann ein neues Album in Aussicht und ließ sich noch zu drei Zugaben, darunter „Infected“ und „Sorrow“, hinreißen. Damit war dann aber endgültig Schluss und der Umbau für DIE ÄRZTE konnte beginnen.
(Death Angel)

I AM KLOOT

Weitaus ruhiger, aber keinesfalls langweilig ging es bei der letzten Band des Tages im Zelt zu. Wer nach einem langen Tag auf den Beinen und jeder Menge rasanter Rockmusik ein bisschen runterkommen wollte, war bei dem 1999 gegründeten Trio I AM KLOOT aus Manchester genau richtig. Zu einem orchestralen Intro betraten John Bramwell (Gesang & Gitarre), Andy Hargreaves (Drums) und Pete Jobson (Bass) die Stage, um nach einem verhaltenen Auftakt geschmeidig zu „From Your Favourite Sky“ vom selbstbetitelten 2003er Album überzuleiten. Mit dem gutgelaunten „Someone Like You“, das auf dem aktuellen „I AM KLOOT Plays Moolah Rouge“ vertreten ist, setzte der Dreier die musikalische Reise fort, die besonders von der etwas jauligen Stimme ihres Fronters dominiert wurde. Für „Sunlight Hits The Snow“ aus den Anfangstagen der Band griff Mr. Bramwell zur E-Gitarre, überhaupt haben die Saiteninstrumente wesentlichen Einfluss auf den I AM KLOOT-Sound, der beispielsweise bei „Hey Little Bird“ sehr filigran ausgefallen ist, während er sich bei „Twist“ scheppernd durch den Song manövrierte. „Storm Warning“ schloss sich dem in angenehmer Slow Motion an und auch die dann folgende Nummer, die noch so brandneu ist, das sie keinen Namen hatte, gefiel in feiner Singer-/ Songwriter-Manier und wurde ebenso wie das folkige „Astray“ von John allein an der Akustikgitarre vorgetragen. Beim wunderbaren „Because“ machten auch die Kollegen wieder mit. Sinnigerweise war das Midtempo-Stück „To You“ dem gebannt lauschenden Publikum gewidmet, dem das fröhliche „Proof“ in nichts nachstand, wohingegen „I Believe“ noch mal ins Bein ging. Inzwischen war es 23.35 Uhr und I AM KLOOT beendeten ihr reguläres Set, allerdings war die obligatorische Zugabe bereits vorprogrammiert und fiel mit dem spanisch angehauchten „Fingerprints“, für das John Bramwell erneut allein auf der Bühne stand, ganz hervorragend aus. Mit Klaviergeklimper und dem emotionalen „Down At The Front“ fand auch der Rest wieder zurück auf die Stage und ein fantastisches Konzert sein Ende. Auch hier gibt es kurzfristig noch mal Gelegenheit, die Combo erneut live zu erleben; im November sind I AM KLOOT in Deutschland auf Club-Tour.
(ump)

DIE ÄRZTE

Und ÄRZTE die Dritte: Hatte ich die drei Herren aus Berlin schon zwei Mal auf ihrer aktuellen Jäzzfest Tour gesehen, stand für mich also innerhalb von 4 Monaten nun der dritte Auftritt der besten Band der Welt auf dem Plan. Hatte ich bis dahin noch die Hoffnung auf ein ÄRZTE Best of, wurde diese spätestens zunichte gemacht, als der „Achtung Jazz“ Vorhang gehisst wurde. Über den Tag verteilt hatte ich schon überdimensional viele Leute mit Fan Devotionalien gesehen und diese hatten sich anscheinend jetzt auch alle vor der Bühne zusammengerottet, denn im Vergleich zu BAD RELIGION hatte die Anzahl an Menschen noch mal um einiges zugenommen. Leider hatte sich die Anzahl der Fotographen drastisch verringert, denn entsprechend der Band-Philosophie dürfen nur sehr ausgewählte/ wichtige Menschen (und natürlich keine Onliner) das Trio ablichten, ist man vielleicht eitel geworden auf die alten Tage? Wollen wir dieses Thema lieber nicht weiter vertiefen. Wie auch auf der Tour begann man jedenfalls das Set mit „Himmelblau“ noch artig hinter dem Vorhang versteckt, bevor dieser dann nach kurzer Zeit fiel und den Blick (ja, dieses Mal auch für mich) auf Bela, Farin und Rod freigab. Weiter ging es mit „Lied vom Scheitern“ und „Hurra“, dann kam die Bandvorstellung und anscheinend ist Rod „inzwischen“ zum festen Mitglied der Kapelle aufgestiegen und nicht mehr der „Neue“, wie er noch bei den letzten Konzerten betitelt wurde. Nach „Angeber“ gab es die erste Nostalgie Einlage in Form von „Blumen“, in das man geschickt „Gehn wie ein Ägypter“ eingebaut hatte. Da man heute nur zwei Stunden zur Verfügung gestellt bekam, musste die Setlist eben ein wenig zusammengestaucht werden. Weiter ging es mit „Heulerei“, welches ich ausgesprochen gerne mag und dann ging man auch schon zum ersten Publikumsspiel über. Die Zuschauer wurden von Farin zum Schreien animiert, zuerst nur die Männer, dann die Frauen und schließlich alle zusammen. So ganz zufrieden war man damit aber anscheinend noch nicht, auch wenn man es als „eine Prise TOKIO HOTEL“ bezeichnete. Fürs Erste beließen es die Drei aber dabei und machten mit „Deine Schuld“ und „Anti-Zombie“ weiter. Und nun war es Zeit für den Romantikteil, Rod durfte das Mikro übernehmen und stimmte, wie bereits erwartet, „1/2 Lovesong an“. Und beim Thema Romantik darf natürlich auch das Kerzenlicht nicht fehlen. Aus Ermangelung an Kerzen wurden dann die Feuerzeuge und nach Aufforderung von Farin auch die Handydisplays gezückt. Um mich rum wurde geknutscht und gekuschelt, was das Zeug hielt und alle rückten noch ein bisschen näher zusammen. Mit der Romantik war es dann aber auch schnell wieder vorbei, denn mit der aktuellen Single „Lasse reden“ ging es wieder in die Vollen. Doch zunächst spielte man „Seven Nation Army“ der WHITE STRIPES an und motivierte die Leute zum mitklatschen. Und dann: Auftritt Bela B.! In seiner Uniform machte er wieder eine ausgezeichnete Figur und stimmte dann das wohl traurigste Vampirlied „Der Graf“ an. Zu diesem Zeitpunkt bahnten wir uns aber schon einen Weg durch die Menschenmenge Richtung Ausgang, da es inzwischen spät war und die Heimreise nicht gerade kurz. Außerdem war das Programm ja schon bekannt und ehrlich gesagt, beim dritten Mal nicht mehr ganz so spannend.
(Death Angel)

Setlist DIE ÄRZTE
Himmelblau
Lied vom Scheitern
Hurra
Angeber
Blumen (incl. Gehn wie ein Ägypter)
Heulerei
Deine Schuld
Anti-Zombie
Breit
1/2 Lovesong
Lasse redn
Der Graf
Nichts in der Welt
Perfekt
Ignorama
Wie es geht
Rebell

Junge
Ist das Alles
Unrockbar

Wir sind die Besten
Schrei nach Liebe
Zu Spät
Vorbei ist vorbei (Playback)

Der erste Festivaltag lag inzwischen hinter der Terror-Crew, die sich wahlweise in eigene und angemietete Betten zurückzog, während im Partyzelt auf dem Flugplatz Borkenberge noch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert werden konnte. Für uns hieß es jedoch, den Energie-Speicher auftanken, um auch von den kommenden heißen Konzerten unter der glühenden westfälischen Sonne berichten zu können.

Copyright Fotos: Karsten Thurau außer THE GASLIGHT ANTHEM (Dani Vorndran)

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