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AREA 4 2008 – Tag 2

Ort: Lüdinghausen – Flugplatz Borkenberge

Datum: 30.08.2008

Ausgeschlafen, frisch geduscht und voller Tatendrang machte ich mich bei besten Witterungsverhältnissen erneut auf den Weg nach Borkenberge, um mich aufs neue vielfältig beschallen zu lassen. Als Headliner standen an diesem Samstag THE HIVES auf dem Programm, die bereits ein Jahr früher für Massenhysterie im Münsterland gesorgt hatten. Noch war der Tag jung und die Schreiberin ausgeruht, weshalb sie auch gleich mit der ersten Band des Tages startete.

HUTCHINSON

Die Rede ist von HUTCHINSON, die um 12.30 Uhr vor ein paar Dutzend Unermüdlichen den zweiten Festivalreigen eröffnen durften. Das taten sie durchaus eindrucksvoll und hinterließen nach der ihnen zugestandenen halben Stunde einen durchweg positiven Eindruck. Zudem hatten sie einige Anwesenden nahe der Bühne mit diversen Gratis-CDs versorgt, so dass die Glücklichen sich den Rock mit unüberhörbaren Stoner-Elementen der vierköpfigen Kapelle mit Wohnsitz in Hamburg und Berlin ab sofort auch als Konserve zu Gemüte führen können. Live ließen sich die Jungs von der frühen Stunde in keiner Weise schrecken und gingen sogleich in die vollen. Sänger Nico Kozik dürfte dem ein oder anderen bereits von PAYOLA und den SISSIES bekannt sein, mit HUTCHINSON hat er seit einiger Zeit ein Soloprojekt am Wickel, das mit fetten Stoner-Gitarren, wummernden Bässen und bratzigem Gesang überzeugte. Neben Songs des Debüts „The Antidote“ hatten die Jungs auch sehr treibendes und druckvolles neues Material am Start, man darf also gespannt sein, was dieser deutschen Stoner-Hoffnung noch einfällt.
(ump)

KILIANS

Ein weiterer aufsteigender Stern am deutschen Rockhimmel sind die KILIANS aus Dinslaken, die sich 2005 aus ein paar musikbegeisterten Schülern formiert haben. Bald erlangten sie die Aufmerksamkeit von Thees Uhlmann (TOMTE), der sie 2006 als Vorband engagierte und auch das Management übernahm. Pete Doherty von den BABYSHAMBLES war vom letztjährigen Debüt „Kill The Kilians“ derart begeistert, das er ausdrücklich nach den Jungspunden als Support seiner Deutschlandkonzerte Anfang des Jahres verlangte. Diesen letzten heißen Scheiß wollten sich auch die AREA4-Besucher nicht entgehen lassen, so dass in der sengenden Mittagshitze vor der Main Stage einiges los war. Neben dem KILIANS-Hit „WhenWill I Ever Get Home“, der natürlich nicht fehlen durfte und kräftig abgefeiert wurde, gab es auch einen neuen Song zu hören, der auf den Arbeitstitel „Tacker No. 6“ hörte und tatsächlich ordentlich tackerte. Daneben wurde noch H.P. Baxxter (SCOOTER) mit einem entsprechenden Schlagzeugsolo von Drummer Michael Schürmann gehuldigt und weitere Songs des Albums zum Besten gegeben. Neben „Short Live of Margott“, „Enforce Yourself“, „Something To Arrive“ und „Dizzy“ gefiel besonders das abschließende „Sunday“, mit dem die KILIANS auch ihren Festivalsommer beschlossen. An den Beginn des Liedes hatten die Jungs die Anfangspassage von U2s „Sunday Bloody Sunday“ gestellt – blutig wurde der langsam erwachende Samstag glücklicherweise nicht, dafür aber recht schweißtreibend, woran die KILIANS nicht ganz unschuldig waren, auf jeden Fall hatten sie den Kreislauf der Anwesenden schon mal anständig in Wallung gebracht.
(ump)

SMOKE BLOW

In Wallung wollten SMOKE BLOW aus Kiel ihr Publikum wohl auch bringen, allerdings zeigten sich an den norddeutschen Punk-Urgesteinen weniger Leute interessiert als an den KILIANS und irgendwie fehlte den Kerlen um die beiden Sänger Jack Letten und MC Straßenköter auch der Witz. Wahrscheinlich haben die beiden ihren fehlenden zweiten Gitarristen, der seit vier Wochen das Bett hüten muss, auch krank gequatscht, allerdings merkten sie auch selbst, dass sie ziemlich viel sinnentleertes Zeugs von sich gaben und bezeichneten sich entsprechend als „Mittermeier des Hardcores“. Wenn sich SMOKE BLOW ihrem Kerngeschäft, dem HC-Punk, zuwanden, wurde hingegen derbe geknüppelt und Krawall gemacht. Mit von der Partie waren einige Songs des neuen Albums „Colossus“ („Millionaire“, „Zombie auf’m Klapprad“, „Nuclear War“ und „Swamp Creature“), aber auch das an BILLY IDOLs „Rebel Yell“ erinnernde „Dancing With The Dead“ vom 2003er Longplayer „German Angst“ und der Titeltrack „Dark Angel“ aus 2005 waren u.a. bei den
musikalischen Abbrucharbeiten des Fünfers vertreten. Für mich war das erst einmal Punk genug und ich legte eine kleine schöpferische Pause ein, um für MADSEN wieder fit zu sein.
(ump)

PENNYWISE

Pünktlich zu PENNYWISE erreichte nun auch ich den gut gefüllten „Innenraum“, um einer ja man könnte sagen „HC-Legende“ meine Aufwartung zu machen. Die Amerikaner existieren immerhin schon seit 1988 und haben sich nach der gleichnamigen Figur aus dem Stephen King-Roman „Es“ benannt. Musikalisch geht man es flott aber nicht zu hart an, der Gesang bleibt immer melodiös. Sänger Jim ließ es sich nicht nehmen, zunächst mal die Zuschauermassen für die Home Video Sammlung aufzuzeichnen, was gleich sehr sympathisch rüberkam. Danach ging es aber gleich in die vollen und die prall gefüllte Setlist wurde mit „Rules“ und „Can’t believe it“ standesgemäß eröffnet. Klar, auch dieses Quartett ist nicht mehr das ganz jüngste, aber immer noch recht agil und glaubwürdig auf der Stage. Praktisch seit Anbeginn der Zeit veröffentlicht man bei Epitaph und 2008 ist nun auch wieder ein neues Werk mit dem Namen „Reason to believe“ in die Handelsketten gekommen, „Western World“ wurde hier beispielsweise präsentiert. Traditionell wurde der Gig von „Bro Hymn“ abgerundet, einem Tribute an den 1996 verstorbenen Jason Matthew Thirsk, Gründungsmitglied von PENNYWISE, im HC gelten solche Werte noch etwas und nicht nur deshalb wurden die Amis auch mit viel Beifall wieder entlassen.
(TK)

GHOST OF TOM JOAD

Mit der ersten bekannten Formation des Zelt-Samstages hatte der Terrorverlag schon Bekanntschaft gemacht, immerhin durfte man bereits Größen wie KETTCAR oder MANDO DIAO supporten. Und so war die Location für die Uhrzeit ganz ordentlich gefüllt, als das Trio mit druckvollem Indie Rock und spaßigen Ansagen loslegte. So versicherte man ernsthaft, man würde sich nach ein paar „auswärtigen“ Konzerten freuen, wieder daheim zu sein, wo alle so schön muffelig sind. Das wäre man nämlich gewohnt und darauf würde man keinesfalls verzichten wollen. Mit solchen Sprüchen bricht man natürlich das Eis, leider rief bald darauf schon wieder die Pflicht, die in diesem Fall auf den Namen MADSEN hörte. GOTJ haben sicher auch das Potenzial in naher Zukunft, die Hauptbühne zu rocken.
(TK)

MADSEN

Wie nicht anders zu erwarten, war die Freifläche vor der großen Bühne nicht mehr wirklich frei, als ich kurz vor 19 Uhr zum Festivalgelände zurückkehrte. MADSEN gehören zu den Lieblingen der deutschen Indie-Jugend, was auch daran liegen könnte, dass man ihre Lieder so herrlich mitsingen kann. Im Übrigen sind die Rampensäue aus dem Wendland fast schon AREA 4-Inventar, da bereits im dritten und damit jedem Jahr mit dabei. Zweifelsohne hatten die drei MADSEN-Brüder und ihre beiden Mitstreiter an Bass und Keyboard die Meute auch während ihres letzten Festival-Gigs (das AREA 4 scheint zu einer Art Sommer-Abschluss-Veranstaltung für diverse Bands zu avancieren) von der ersten Minute an im Griff, mit dem Song „Vielleicht“ vom 2005er Erstling „Madsen“ hatten die Niedersachsen auch eine gute Wahl getroffen. Das Auditorium fraß ihnen aus der Hand und sprang zu „Ja oder nein“ vom aktuellen Silberling „Frieden im Krieg“ ausgelassen auf und ab, nachdem das AC/DC-mäßige Gitarrensolo verklungen war. Dass „Goodbye Logik“ abgefeiert werden würde, war nicht anders zu erwarten, offenkundig waren die Herrschaften selbst aber auch in ausgelassener Stimmung, wie die Mexiko-Nummer zu „Die Perfektion“ nahe legte, die mich spontan an HELGE SCHNEIDER denken ließ. Wer der Herr im Einspieler zu „Nitro“ war, kann ich zu meiner Schande nicht mit Gewissheit sagen. Ich tippe auf die deutsche Synchronstimme von Robert de Niro – die Hardcore-Cineasten unter euch werden es mir bestimmt genau sagen können. Dazu gab’s ein wenig Feuershow im Hintergrund, bevor zu „Liebeslied“ auch noch OASIS und DIE TOTEN HOSEN zitiert wurden. Höhepunkt der Show war sicherlich „Du schreibst Geschichte“ der vorletzten LP, bei dem die Fans den Refrain a cappella sangen, um beim fetten Finale mit „Panik“ noch eine Pyro-Einlage serviert zu bekommen. Damit wollten es MADSEN schon bewenden lassen, aber da hatten sie ihre Rechnung ohne das AREA 4 gemacht. Eine Zugabe musste her! Sie trug den Namen „Nachtbaden“ und hatte im Februar bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest den vierten Platz nach Niedersachsen geholt.
(ump)

Setlist MADSEN
Vielleicht
Ein Sturm
Ja oder nein
Goodbye Logik
Verschwende dich nicht
Die Perfektion
Nitro
Liebeslied
Du schreibst Geschichte
Panik

Nachtbaden

EL*KE

Ich blieb quasi in heimischen – sprich weitestgehend niedersächsischen – Gefilden und suchte zum ersten Mal an diesem Tag das Zelt auf, wo EL*KE sich für ihren Auftritt fertig machten. Der Bandname leitet sich bekanntermaßen von dem Kfz-Kennzeichen her, welches das Auto trug, mit dem sie 2002 von Haren/ Ems nach Berlin gezogen sind. Wie üblich zierte das Nummernschild EL-KE 573 auch einen Gitarrenverstärker, so ist doch auch in der Ferne immer ein bisschen Heimat mit am Start. Wer jetzt glaubt, EL*KE seien verträumte Romantiker, hat noch kein Live-Konzert der drei Emsländer erlebt. Wer praktisch mit hochprozentigem Schnaps aufwächst (in Haselünne ballen sich auf engstem Raum gleich drei Kornbrennereien), ist nicht nur prädestiniert für die Jägermeister Rock:Liga, bei der sich EL*KE nur um 0,3 dB DEICHKIND geschlagen geben mussten, nein, der weiß auch, was Rock ’N’ Roll bedeutet. Peter Bolmer, Martin „Mücke“ Krüssel und Hubert „Hubi“ Deters haben deshalb auch gar nicht lange gefackelt, sondern gleich mit einem langen Instrumentalteil für einen knallharten Einstieg gesorgt. Auf diesem Level agierte das Trio für die kommenden 60 Minuten, von denen nicht eine einzige langweilig war und während deren langsam aber sicher die Wälder um den Flugplatz abgeholzt wurden. Auch wenn mit dem Auftritt von SYSTEM OF THE DOWN-Fronter SERJ TANKIAN einige das bis dahin volle Zelt verließen, brodelte es ohne Leistungsabfall weiter unter der roten Zirkuskuppel. Stakkatosounds droschen bei „Easy Rainer“ vom neuen „Häuser stürzen ein“ auf die Menge ein, während ein Gitarrenrollkommando beim Titeltrack der letzjährigen Scheibe „Wir müssen hier raus“ über die Zuhörerschaft hinwegfegte. Wer hier ruhig stehen bleiben konnte, war definitiv falsch am Platz. Um die Leute wieder runterzuholen, gab’s zum Schluss mit „Elke sein“ vom 2005er Debüt „Wilder Westen“ einen melodiösen Mitgrölsong, der verhältnismäßig langsam startete, um dann zum finalen Schlag auszuholen. Was für ein Auftakt im Soundwave Tent, dem sich eine halbe Stunde später das grandiose DISCO ENSEMBLE anschließen sollte! Doch zunächst zu SERJ TANKIAN…
(ump)

Setlist EL*KE
Spuck nicht in mein Essen rein
Halt mich fest und ich werd verrückt
Adrenalin
Tanz ab
Aufstand
Bleib wach
Liebe oder Wahn (Sexy)
Häuser stürzen ein
Ich mag dich
Verboten scheißegal!
Easy Rainer
Wir müssen hier raus
Wilder Westen
Elke sein

SERJ TANKIAN

Die Meute rüstete sich nun für ein absolutes Highlight des diesjährigen Area 4 Festivals. SERJ TANKIAN prangte da in riesigen Lettern auf dem Backdrop und 99.9 Prozent der Anwesenden dürften den in Beirut geborenen Herren zumindest als Sänger der momentan auf Eis gelegten SYSTEM OF A DOWN kennen. Mit seinem Soloalbum „Elect the Dead“ konnte der belesene/ exzentrische Serj ebenfalls große Erfolge verzeichnen, so landete er beispielsweise in Deutschland auf Platz 10 in den Charts. Dabei ist der Sound dem von SOAD gar nicht so unähnlich, das typische Hart-/ Zart-Spiel, die theatralischen Melodiebögen, vielfältige Breaks. Nur alles ein wenig poppiger könnte man sagen. Da auch ein Tankian nicht alleine musizieren kann, hatte er sich mit einer fünfköpfigen Begleitmannschaft verstärkt, die auf den Namen F.C.C. hört („The Flying Cunts of Chaos“). Während eben jene komplett in schwarz gewandet mit Zylinder Lüdinghausen zu rocken begannen, erschien der Vortuner mit weißem Jackett und einer gleichfarbigen, schon leicht verschlissenen Kopfbedeckung. Ohne sich allzu viel zu bewegen, reichten alleine Gestik und Blicke, um die Zuhörer in den Bann zu ziehen. Mal kniete er sich auf den Boden, mal rollte er leicht psychopathisch mit den Augen und natürlich durften auch systemkritische Ansagen nicht fehlen. So leitete er „Praise the Lord and pass the Ammunition“ gleich mit der passenden Religionskritik ein. „Lie Lie Lie“ wiederum wurde als Mischung aus „Borat“ und „Romeo und Julia“ angekündigt, besonders der Refrain blieb hier im Ohr hängen. Natürlich spielte man sich durch das durchgängig starke Album, baute aber z. B. bei „Money“ auch eine nette kleine ABBA-Hommage ein, die sich bei dem Titel ja schließlich anbietet. Mit dem vielleicht stärksten Stück, „Empty Walls“, verabschiedete sich die Bande leider schon wieder etwas vor der Zeit und auch eine durchaus mögliche und lautstark geforderte Zugabe wurde nicht gewährt. Sehr schade, hatte man doch insgeheim vielleicht noch auf einen SYSTEM OF A DOWN Track gehofft.
(TK)

DISCO ENSEMBLE

Bei DISCO ENSEMBLE könnte der Name für Verwirrung sorgen. Die vier Finnen sind ziemlich weit entfernt von rundgelutschter Disco-Lala und hauen stattdessen brachialen Post-Hardcore raus, mit dem sie auch schon mit DANKO JONES, MADSEN oder den DONOTS unterwegs waren. Wie es schien, waren die Nordlichter auch schon dem einen oder anderen untergekommen, zumindest war im Zelt wieder einiges los und pünktlich um 21.15 Uhr sollte zusätzlich zu einer fetten Lightshow (die für die Fotographen eher ein Alptraum war, Anm. desselbigen) auch ein wüstes Geknüppel und Gebretter auf der Stage beginnen. „Drop Dead, Casanova“ vom drei Jahre alten „First Aid Kit” ging umgehend ins Bein , aber auch „We Can Stop Whenever We Want“ vom aktuellen „Magic Recoveries“ wusste mit treibenden Gitarren zu gefallen, auch wenn der Gesang von Keyboarder Miikka Koivisto hier ein wenig unterging. Dafür kam sein Instrument bei „Worst Night Out“ und „Eyes of A Ghost“ umso besser zur Geltung. Nicht zu verachten war auch das geile „Threat Letter Typewriter“, auf das ein fettes Gitarrensolo von Jussi Ylikoski folgte, welches dafür sorgte, dass bei „This Is My Head Exploding“ wenig später der Teufel los war. Für „Beacon“ wurde die Bühne in blutrotes Licht getaucht, Miikka zauberte erneut wunderbare Töne aus seinem Keyboard, insgesamt ein etwas ruhigerer Beitrag, der jedoch umgehend vom wilden „Stun Gun“ abgelöst wurde, bei dem noch mal alle Register gezogen wurden.
(ump)

MILLENCOLIN

Eine Prise Skatepunk gefällig? Die seit 1992 musizierenden Schweden von MILLENCOLIN sollten die frühen Abendstunden in Lüdinghausen zu einer vergnüglichen Angelegenheit machen. „Sollten“, denn so ganz sprang der Funke nicht über. Kaum Stage Acting, relativ lauer Gesang und Soundprobleme im Allgemeinen verliehen dieser Leistung eher das Etikett „Durchschnitt“ und so widmeten wir uns trotz bekannter Songs wie „Olympic“ doch eher anderen Beschäftigungen.
(TK)

BIFFY CLYRO

Bevor nun endgültig THE HIVES das Zepter übernahmen, machte ich noch einen kurzen Abstecher ins Zelt, wo BIFFY CLYRO von einer stattlichen Truppe Indie-Sympathisanten erwartet wurden. Mit Schottenrock und Dudelsäcken hat der flotte Dreier aus Glasgow wenig am Hut, stattdessen stehen Indie- und Progrock auf dem Zettel des Trios, das mit blanken Oberkörpern sein Publikum auf deutsch begrüßte und gleich einmal zu blauen Lichtgewittern knackigen Rock mit viel Drive bot. Die Anwesenden feierten den rhythmusbetonten Sound der Schotten sogleich ordentlich ab, mir blieb leider nur noch die nicht mehr ganz so ruppige Nummer „A Whole Child Ago“ vom letzten Silberling „Puzzle“ sowie das fast hymnische „Justboy“ vom ersten Longplayer „Backened Sky“ aus 2002, bevor ich mich den HIVES zuwandte, auch wenn die im Gegensatz zu BIFFY CLYRO keine Unbekannten mehr für mich waren.
(ump)

THE HIVES

Da die Schweden jedoch immer für eine mitreißende Show gut sind, wollte ich mir Pelle Almqvist und seine Mannen nicht entgehen lassen. Außerdem bekommt man im Rock-Business ja selten so korrekt gekleidete Herren zu sehen. Momentan tragen THE HIVES schwarze Anzüge mit weißen Paspelierungen an Revers und Taschen, dazu schwarze Hemden, schwarz-weiße Krawatten und weiße Schuhe – kurzum: man ist très chic! Neben ihren maßgeschneiderten Anzügen stehen THE HIVES auch für exzellenten Garagenrock, bei dem es nicht nur live ordentlich rund geht. Eins ist bei den Live-Gigs aber sicher: Pelle Almqvist wird wie ein Berserker über die Stage tigern, Mirkoständer umschmeißen und immer wieder einen Arm in seine schmale Seite stemmen, während er die Damen und Herren zu seinen Füßen mit „Ladies“- und „Gentlemen“-Rufen zum Kreischen auffordern. In Lüdinghausen war es in dieser lauen Spätsommernacht nicht anders. Nachdem besonders „Main Offender“ und „Walk Idiot Walk“ das Volk gefügig gemacht hatten, machte es willig die Spielchen des agilen Fronters mit, der wie ein Wilder über die Bühne fegte und auf den Vorsprung zum Fotograben hechtete. Dabei riss er einmal fast auch noch eine Monitorbox mit, unter der sich das Mikrofonkabel verheddert hat – so ein HIVES-Auftritt ist für die Stagehands wahrscheinlich ziemlich nervenaufreibend… Ein wenig zickig sind die Erfolg verwöhnten Musiker mit der Zeit anscheinend auch geworden. Zumindest lehnten sie es ab, für die Rockpalast-Aufzeichnung Kameras an den Bühnenseiten zuzulassen. Gefilmt wurde trotzdem (insgesamt übrigens mit acht Kameras), ob etwas zur Ausstrahlung kommt, wird man demnächst sicher dem WDR-Fernsehprogramm entnehmen können. Fernsehtauglich war die Darbietung allemal. Die großen Hits der letzten drei Scheiben „The Black And White Album“ (2007), „Tyrannosaurus Hives“ (2004) und „Veni Vidi Vicious“ (2000) waren allesamt vertreten und wurden von den Anwesenden gebührend gewürdigt. Zu dem Highlights zählten dabei das groovige „Diabolic Scheme“, bei dem die Bühne in rotem Licht erstrahlte, „You Dress Up For Armageddon“, bei dem die HIVES in bekannter Weise zwischendrin zum Standbild erstarrten und das zum Mitgrölen geschaffene „Return The Favour“, welches das reguläre Set beendete. Das konnte es um 0.40 Uhr natürlich noch nicht gewesen sein und wenig später intonierten Drummer Chris Dangerous und Bassist Dr. Matt Destruction den Anfang von„Bigger Hole To Fill“ mit perfektem Herzschlag-Beats, bevor die Kollegen an den sechs Saiten Nicholaus Arson und Vigilante Carlstroem ebenso wie Sänger Pelle Almqvist, der sich schon lange seines Sakkos entledigt hatte, wieder ins Geschehen eingriffen. „Hate To Say I Told You So“ führte dann zum endgültigen Ausrasten auf und vor der Bühne, bevor Pelle das „grande Finale“ ankündigte und die Band auf deutsch vorstellte. „Tick Tick Boom“ beendete dann auf explosive Weise nach etwa 80 Minuten den skandinavischen Rock’N’Roll-Feldzug, immerhin hatte der drahtige Sänger im Vorfeld erklärt, dass sowohl das Dynamit als auch die HIVES eine schwedische Erfindung seien und es dort durchaus einen Zusammenhang gäbe, der tatsächlich nicht von der Hand zu weisen ist.
(ump)

Setlist THE HIVES
Hey Little World
Main Offender
Try It Again
A Little More For Little You
Walk Idiot Walk
No Pun Intended
Square One Here I Come
Won’t Be Long
Die, All Right!
Diabolic Scheme
You Dress Up For Armageddon
You Got It All Wrong
Two-Timing Touch And Broken Bones
Return The Favour

Bigger Hole To Fill
Hate To Say I Told You So
Tick Tick Boom

Der zweite Festivaltag lag mit jeder Menge Eindrücken und einem leichten Klingeln im Ohr hinter mir. Den Versuchungen des Disco-Zeltes widerstehend, ermahnte ich mich zur Vernunft und kehrte dem Flugplatz fürs Erste den Rücken – Tag 3 sollte ja noch folgen…

Copyright Fotos: Karsten Thurau außer KILIANS, SMOKE BLOW, HUTCHINSON (Dani Vorndran)

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