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AREA 4 2008 – Tag 3

Ort: Lüdinghausen - Flugplatz Borkenberge

Datum: 31.08.2008

Finaltag in Lüdinghausen! Nicht nur der Sommer setzte zu einem letzten Paukenschlag an, auch in musikalischer Hinsicht standen noch einige Hochkaräter in den Startlöchern. Mein persönlicher Höhepunkt kam aus Finnland, bespielte zwar auch Saiteninstrumente, die gehörten jedoch nicht wie sonst in diesem Geschäft üblich zu Stromgitarren, sondern zu vier Violoncelli. Gemeint sind natürlich APOCALYPTICA, doch bis zu deren Auftritt war es noch etwas hin…

LEO CAN DIVE

Zunächst durfte eine Combo den Tag begrüßen, die mit dieser Aufgabe durchaus Erfahrung hat. Im vergangenen Jahr spielten LEO CAN DIVE als Opener des AREA 4, dieses Mal waren sie für den sonntäglichen Weckruf zuständig, der bereits um 11.40 Uhr erklang. Wie nicht anders zu erwarten, hielt sich der Zuschaueransturm noch in engen Grenzen – zwei Tage Festival fordern halt ihren Tribut, da fällt es am Sonntag nicht mehr so leicht, aus dem Zelt zu kommen. LEO CAN DIVE fackelten mit ihrem Opener „Go Ahead“ nicht lange und auch „Emo Girl“ sorgte für frischen Wind auf dem Flugplatz Borkenberge. Allerdings schienen die Jungs selbst noch nicht so richtig wach zu sein. Jedenfalls musste der nächste Song abgebrochen werden, da Sänger Matthias mit Textproblemen zu kämpfen hatte. Das Publikum klatschte trotzdem und wurde mit weiteren, fehlerfrei vorgetragenen Songs (u.a. „Bored“ und „You’re In Stereo (Good Things Come To An End)“ der Duisburger vom selbstbetitelten Erstling aus 2007 belohnt, die sich bereits im Vorprogramm der KOOKS, von MADSEN, WE ARE SCIENTISTS, den SUBWAYS und LOUIS XIV einen Namen gemacht haben. Die beiden letztgenannten Kapellen standen auch noch auch der Running Order der Main Stage, für LOUIS XIV mussten LEO CAN DIVE kurz nach zwölf gar die Bühne räumen, denn die Kalifornier waren als nächste an der Reihe.
(ump)

LOUIS XIV

Coolness war um die Mittagsstunde in der westfälischen Provinz angesagt. Die vierköpfige Truppe aus San Diego war mit drei Langäxten, einem Schlagzeug und vier Sonnenbrillen angereist, um erdigen Rock ’N’ Roll zwischen AC/DC und THE CLASH zu Gehör zu bringen. Sänger Jason Hill hatte es sich trotz der Hitze nicht nehmen lassen, sich in einem schicken dreiteiligen Anzug zu kleiden, allerdings flog das Jackett bereits beim zweiten Song verständlicherweise in die Ecke, denn der groovige Rotz-Rock war durchaus schweißtreibend. LOUIS XIV beherrschten jedoch auch die leisen Töne, für die der zweite Sänger und Gitarrist Brian Karscig am E-Piano Platz nahm und gemeinsam mit Jason „Air Traffic Control“ von der aktuellen Langrille „Slick Dogs And Ponies“ im Duett sang. Nach diesem kurzen Anflug von Sentimentalität wurde umgehend wieder amtlich gerockt, man hat ja schließlich auch einen Ruf als harter Hund und eng behoster Rocker zu verlieren…
(ump)

THE BLACKOUT

Von der harten Sorte war auch der nächste Act auf der Main Stage, der in Südwales beheimatet ist und zu den Klängen einer Fanfare einzog. THE BLACKOUT treten gleich im halben Dutzend an, immerhin leistet man sich auch den Luxus zweier Sänger, von denen der eine für den cleanen Gesang und der andere fürs Geshoute zuständig ist. In Lüdinghausen sollte das nicht anders sein und so prügelte die Post-Hardcore-Truppe auch gleich mal erfolgreich gegen die sonntägliche Mittagsruhe an. Dabei widmeten die Rabauken ihre Songs samt und sonders SLIPKNOT, deren sie wohl auch selbst gern ansichtig geworden wären, aber da hat ja nun leider ein gebrochener Knöchel einen Strich durch gemacht. Stattdessen hieß es bei THE BLACKOUT „Hard Slammin’“ vom Debüt „The Blackout! The Blackout!“ und zu “I Know You Are, But What Am I?” ließ der blonde Sänger seine weiblichen Zuschauer wissen, dass der schnelle Song allen Frauen gewidmet sei, mit denen er noch mal Sex haben wolle. Man ist wohl nicht wählerisch und nimmt alles mit, denn nach einem derben PANTERA-/ MADONNA (!)-Cover und „I’ve Got Better Things To Do Tonight Than Die“ verlangte man nach Nacktfotos von Frauen, Männern und Tieren, die alle an die BLACKOUT-Myspace-Seite zu senden sind. „Spread Legs Not Lies“ schickte ein musikalisches Donnergrollen über Lüdinghausen und verwob den Song gleichzeitig mit AC/DC-, METALLICA- und RAGE AGAINST THE MACHINE-Gitarrenriffs, bevor das melodiöse und eingängige „It’s High Tide Baby“ Max Cavalera von SOULFLY zugedacht wurde. Als Gründe wurden seine Schönheit und der Wunsch ihn zu küssen genannt. Ich möchte das an dieser Stelle lieber unkommentiert lassen und bin froh, dass die letzte Nummer „I’m A Riot? You’re A Fucking Riot!“ nur noch dem Heavy Metal im Allgemeinen galt. Unterstrichen wurde das Ganze von hämmernden Langäxten und donnernden Schlagzeuggrollen – wie man ordentlich Lärm macht, scheint man in zu wissen in Merthyr Tydfil, aber die Songwidmungen beunruhigten mich ein klein wenig…
(ump)

THE SUBWAYS

Weitaus harmloser wirkten da THE SUBWAYS, die ebenfalls vom englischen Eiland kommen und hierzulande besonders durch die Verwendung ihrer Songs bei zwei Werbekampagnen bekannt wurden. Natürlich durften diese Songs („Oh Yeah“ und „Rock ’N’ Roll Queen“) auch beim AREA 4 nicht fehlen, aber neben Stücken des ersten Silberlings „Young For Eternity“ aus 2005 hatten die beiden Brüder Billy Lunn (Gitarre & Gesang) und Josh Morgan (Schlagzeug), die am Gesang und Bass weibliche Unterstützung von Charlotte Cooper haben, auch Titel ihrer aktuellen VÖ „All Or Nothing“ am Start, die nicht minder treibend waren. Das Publikum, das recht zahlreich erschienen war, zeigte sich wenig distanziert und ließ sich vom fetten Garagenrock des Trios schnell mitreißen. Dazu trug sicher auch die sympathische Art der blonden Fronterin bei, die erstaunlich gut deutsch sprach, und das ungestüme Wesen von Billy, der kaum zu halten war, mal im Graben rumturnte, um dann auf dem Schlagzeug seines Bruders Aufstellung zu nehmen. Absoluter Höhepunkt des Auftrittes war jedoch „Rock ’N’ Roll Queen“, mit dem die SUBWAYS das Ende ihrer Festival-Zeit feierten und noch mal eine riesige Party mit den Fans inszenierten. Wie bereits beim Hurricane, gehörte dazu auch in Lüdinghausen, dass der Refrain auf deutsch gesungen wurde und Billy zusätzlich noch ein Bad in der Menge nahm.
(ump)

Setlist THE SUBWAYS
Kalifornia
Oh Yeah
Alright
Mary
Shake! Shake!
I Want To Hear What You Have got To Say
With You
Girls & Boys
Rock ’N’ Roll Queen

DREDG

Mit Spannung hatte ich das Konzert von DREDG erwartet, die allenthalben hoch gelobt wurden, mir aber bislang noch nicht untergekommen waren. Alternative-/ Progressive Rock sind ja auch nicht die schlechtesten Genre, allerdings sollte die Umsetzung nicht dermaßen basslastig ausfallen, wie hier geschehen. Neben einwandfreiem Gitarrengefrickel stützte sich der Sound überwiegend auf fast schon unerträgliche Bassläufe, die sich nahe an der Schmerzgrenze bewegten. Da mir versichert wurde, dass der Studiosound deutlich runder und harmonischer rüberkommt, muss ich vermuten, dass die Kalifornier Pech mit ihrem Mischer hatten. Die Ansätze, die mit elektronischen Spielereien versehen waren und teilweise ziemlich hart, dann wieder eher psychedelisch rüberkamen, waren eindeutig nicht schlecht, aber in ihrer Ausführung verbesserungswürdig. Im Laufe des Auftrittes wurde es zwar besser und gelegentlich wirkte die Darbietung sogar richtig eingängig, um dann allerdings auch umgehend wieder damit zu verwirren, dass schon während des Gigs das Drumkit abgebaut wurde, Sänger Gavin Hayes (der sich für stimmliche Probleme entschuldigte: „One of those Days…“) verschwand und Drummer Dino Campanella recht beeindruckend auf so etwas wie elektronischen Drumsticks weiterspielte. Eine musikalische Grenzerfahrung, derer ich noch eine mehr erleben sollte.
(ump)

SCARS ON BROADWAY

Vorher zeigten SCARS ON BROADWAY allerdings noch, wo der Hammer hing. Während am Vortag SYSTEM OF A DOWN-Vorturner SERJ TANKIAN bereits sein Soloprojekt vorgestellt hatte, waren nun Daron Malakian und John Dolmayan an der Reihe. Wie bei SOAD kümmern sich die beiden bei SCARS ON BROADWAY um die Gitarren- bzw. Schlagzeugarbeit, Daron übernimmt zusätzlich den Gesang und wird dabei vom Gitarristen Franky Perez unterstützt. Außerdem sind noch Danny Shamoun an den Keys und Bassist Dominic Cifarelli mit am Start. Dass hier echte Meister ihres Faches und absolut coole Säue am Werke waren, wurde schon nach wenigen Akkorden deutlich. Ähnlich wie bei SYSTEM OF A DOWN beackern SCARS ON BROADWAY eher düstere Themen, die sie in exzellente Musik umzusetzen wissen. Monumentale Gitarrenwände bauten sich innerhalb kürzester Zeit auf und suggerierten eine ungemein emotionale Kraft, die blitzschnell gefangen nahm. Wo „Expoding/ Reloading“ noch als derbes Geknüppel daherkam, überraschte „Enemy“ mit melodischen Passagen, die von den scheppernden „Whoring Streets“-Gitarrenriffs abgelöst wurden, die geiler nicht hätten sein können. Derweil bot „Insane“ einen perfekten Mix aus Bass und Sechssaiter, der viel Spaß machte, um mit „Kill Each Other/ Live Forever“ zu dem Song zu kommen, der am ehesten nach SOAD klang. „Chemicals“ ließ erneut Stakkati über den Flugplatz donnern, bevor es mit „Universe“ eher schräg und dank „3005“ deutlich verhaltener wurde, um mit „Funny“ wieder Fahrt aufzunehmen. DAVID BOWIEs „China Girl“ machte den Anfang bei „Cute Machines“, das abermals Drumsalven rausschickte. Mit „They Say“ war nach nur 45 Minuten schon Schluss – ok, viel mehr Material hätten SOB auch nicht gehabt, das hätten die Anwesenden mit Sicherheit aber auch gern gehört und zur Not hätte es auch ein SOAD-Titel getan, schließlich hat Malakian die meisten Sachen selbst geschrieben. Ohne Zweifel, eines der Festival-Highlights!
(ump)

Setlist SCARS ON BROADWAY
Serious
Exploding/Reloading
Stoner/ Hate
World Long Gone
Enemy
Whoring Streets
Insane
Kill Each Other/ Live Forever
Chemicals
Universe
3005
Funny
Cute Machines
They Say

BETA SATAN

Das kann ich von BETA SATAN jetzt nicht unbedingt sagen. Deren Konzert lief bereits im Zelt, als ich dort gegen 18.25 Uhr ankam und die letzten 20 Minuten verfolgte. Die erste Nummer machte dabei noch einen durchaus hörenswerten Eindruck, allerdings wurde der Sound immer chaotischer, bis irgendwann jede Eingängigkeit flöten gegangen war und das Ganze in wildem Gekreische und Gebretter endete. Vermutlich entlud sich so das satanische Karma der Dänen und mir fehlte einfach der intellektuelle Zugang zu derlei Musik. Ich will es nicht ausschließen, erkenne meine Grenzen und bleibe bei den Bands, deren Mucke ich verstehe. Ein wenig taten mir die Herren aber auch leid, denn nach eigenem Bekunden war man bei sengender Hitze im Auto aus der Heimat angereist und wenn man dann vor knapp 20 Leutchen auftreten muss (nach SCARS ON BROADWAY wurde es etwas besser), mag schon mal der musikalische Gaul mit einem durchgehen. Zur Setlist gehörte u.a. „Party on the Death Star“ vom just erschienen Album „Girls“.
(ump/ TK)

GOGOL BORDELLO

GOGOL wer? Zumindest mir war diese Formation vorab eher ein Buch mit Sieben Siegeln und die Bezeichnung Gypsypunk half da auch nur bedingt weiter. Aber wer als Drittletzter auf der Main agieren darf und zudem bereits 6 teilweise hochgelobte Alben veröffentlicht hat, muss ja etwas zu bieten haben. Zumindest mal ein mitreißendes Stage Acting, die Multi Kulti Truppe um Bandleader Eugene Hütz wütete in bester Folklore-/ Zigeuner Tradition über die Bretter, dass es eine wahre Freude war. Dabei stammen die Musiker aus aller Herren Länder: Ukraine, Russland, Israel, Äthiopien (man lebt aber kollektiv in New York). Sah fast wie eine gecastete Truppe aus, wie man da mit Akkordeon, Geige und natürlich auch „normalen“ Rock Instrumenten einen wilden Soundbastard erzeugte, der vielen Besuchern doch eine Menge Spaß bereitete. Ich will ehrlich sein, auf mich wirkt so ein „Ethno Stil“ eher wenig elektrisierend und auch die beiden sehr aparten Tänzerinnen, die ab Stück 4 für eine Prise Akrobatik/ Erotik sorgten, konnten mich nicht davon abhalten, die musikalische Alternative im Zelt anzutesten.
(TK)

BLOODLIGHTS

Da dieser Gypsy-Irgendwas auch nicht eben meine Baustelle ist, zog ich es vor, wieder ins Zelt zurückzukehren, wo schlichter Rock ’N’ Roll auf dem Speiseplan stand. BLOODLIGHTS schimpft sich das neueste Projekt des früheren GLUECIFER-Gitarristen und Songwriters Captain Poon, mit dem starke Riffs und schnelle Beats unter der roten Plane verbunden waren. Zunächst erklang jedoch der King ELVIS PRESLEY mit „Suspicious Minds“ aus dem Off, bevor die vier Herrschaften in knallengen Beinkleidern die Bühne enterten. Gedanken an mögliche Beeinträchtigungen der Zeugungsfähigkeit der Norweger beiseite schiebend, ließ ich mich die kommenden 50 Minuten von den BLOODLIGHTS mit schnellem Schrammelrock beschallen, bei dem allerdings der Gesang etwas zu breiig und hallig ausgefallen war. Mit diesem Wermutstropfen konnte ich jedoch gut leben, denn ansonsten konnte das Quartett aus Oslo mit seinem selbstbetitelten Erstling durchaus punkten. Es gab mit dem Opener „Where The Stars Don’t Shine“ dreckigen Rock ’N’ Roll erster Güte, ebenso wie ultraschnelle Nummern à la „Hammer And The Wheel“ oder das recht eingängige „One Eye Open“ – ein Song über Paranoia und Schlaflosigkeit. Die zornigen Langäxte von „Easy Target“ gingen umgehend in Bein und Ohr. Zwischendurch gingen die Norweger auch mal ein bisschen retro, bevor mit „Bloodlights“ punktgenauer Hard ’N’ Heavy angesagt war. Wenn es nach den Bühnentechnikern gegangen wäre, hätten BLOODLIGHTS mit „Bald And Outrageous“, das sie auch zur Bandvorstellung mitsamt Soloeinlagen nutzten, ihren letzten Track gespielt, aber das Quartett zeigte sich unbeeindruckt davon, dass die Zeit eigentlich schon abgelaufen war und im Hintergrund bereits die Stagehands das Backdrop abnahmen, während vorne noch „Addiction“ zum Besten gegeben wurde. Captain Poon behauptete übrigens, dass man den besten Drummer sowie den schönsten Gitarristen des Festivals im Line Up habe, die Richtigkeit dieser Aussagen möge bitte jeder selbst überprüfen…
(ump)

THE CHECKS

Einen kleinen Ausflug wollte ich noch nach Neuseeland unternehmen, bevor ich meinen persönlichen Festivalsommer mit APOCALYPTICA beschließen würde. Viel war im Coca-Cola Soundwave Tent allerdings nicht los. Entweder suchten sich die Leute bereits gute Plätze vor der Hauptbühne oder der Festivalexodus hatte schon eingesetzt. Verdient hatten die blutjungen Burschen aus down under die leeren Ränge nicht, denn ihr bluesgeschwängerter Garagenrock hatte zu Recht auch Micheal Stipe (REM) begeistert, der sie gleich mal als Support für seine Band buchte. In Lüdinghausen ließen sich die CHECKS von der übermächtigen Open-Air-Konkurrenz nicht ins Bockshorn jagen und rotzten in jugendlicher Unbekümmertheit ihre Songs raus. Da hörte man auch schon mal die geografische Nähe zu AC/DC heraus, dann wurde es ziemlich groovig, um im nächsten Moment zum Tanze zu bitten oder cool im Midtempo zu agieren. Doch was soll ich sagen? Nach 20 Minuten wurde auch ich langsam unruhig, habe die fünf jungen Menschen ihrem Schicksal überlassen und meine Aufmerksamkeit APOCALYPTICA geschenkt. Jungs, seid nicht traurig! Ihr hattet echt nur Pech mit eurem Platz in der Running Order, sonst hätte ich euch weiter zugehört!
(ump)

APOCALYPTICA

Die Sonne hatte sich mittlerweile vom Gelände verabschiedet und damit perfekte äußere Rahmenbedingungen für den Auftritt der finnischen Cello-Virtuosen APOCALYPTICA geschaffen. Mittlerweile nun auch schon deutlich über 10 Jahre im Geschäft hat man der ursprünglichen Idee von „klassischen“ METALLICA-Coverversionen viele neue Facetten hinzu gefügt, die den Sound der Band spannend und abwechslungsreich halten. Der Bühnenaufbau konnte bereits „ohne“ Musiker faszinieren. Ein überaus atmosphärisches „Worlds Collide“ Backdop, die 4 majestätischen Sitzgelegenheiten sowie das durchsichtige Schlagzeug erschufen so etwas wie eine erhabene Stimmung. Und dann war es soweit: Drummer Mikko nahm hinter seinem Arbeitsgerät Platz und zu den Klängen von „Refuse/ Resist“ enterten 4 Herren mit ihren Violoncelli die Bühne. Antero wie üblich fast regungslos mit Sonnenbrille auf seinem Thron, während Eicca, Paavo und Perttu voller Energie durch die Gegend wuselten und headbangten, dass einem fast Angst und Bange wurde. Hier haben Menschen offensichtlich noch Spaß bei der Arbeit und das honorierten dementsprechend auch viele Fans. Es folgte ein Rundumschlag durch die APO-Discographie: „Helden“, ein Cover der deutschsprachigen Version von BOWIEs „Heroes“, „Bittersweet“, der große Single Hit, oder auch „Betrayal“ sind hier zu nennen. Eine besondere Aufführung wurde dem Area 4 bei der Performance von „I don’t care“ geboten. Auf CD ja von THREE DAYS GRACE’ Shouter Adam Gontier eingesungen, hatte man sich für diesen Abend etwas ganz besonderes einfallen lassen. Vorab war bei einem Wettbewerb ein Sänger gesucht worden, der nunmehr vor immerhin Tausenden von Zuschauern dieses Stück mit den Skandinaviern performen durfte. Sieger war ein gewisser Maethi aus Österreich, der wahrlich gut bei Stimme war und auch sonst extrem professionell rüberkam. Würde mich doch wundern, wenn der gute Mann nicht schon Bühnenerfahrung besessen hätte. Natürlich huldigte man auch den großen METALLICA in Form von „Enter Sandman“ und zum Abschluss nutzte man die verbliebenen 10 Minuten für die bekannt stimmungsvolle Variante von Griegs „Hall of the Mountain King“. Für viele dürfte dieser Auftritt wohl der Höhepunkt des sonntäglichen Area 4s gewesen sein.
(TK)

GOLDFINGER

Als Headliner im Zelt stand die illustre Ami Punk Band GOLDFINGER auf dem Programm, die schon seit vielen Jahren in der Szene herum wuselt und in Deutschland insbesondere durch das NENA Cover „99 Red Ballons“ bekannt wurde. In den Area 4-Foren war klar zu erkennen, dass sich viele auf diesen Auftritt gefreut hatten und so herrschte im Grunde zum ersten Mal an diesem Wochenende Großkampfstimmung im Zelt (mal abgesehen noch von DISCO ENSEMBLE). Dies ging sogar so weit, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Besucher mehr hinein gelassen wurden. Sicher freute sich die „überaus eifrige“ Security (Achtung Euphemismus!) darüber, mal etwas mehr zu tun zu haben, als uns Fotographen vor 5 „gefährlichen“ Konzertbesuchern zu schützen. Die Herren enterten äußerst stylish die Stage und sahen bis auf einen Kollegen eher British Gentlemanlike aus, doch mit den ersten Klängen ging es rund… und zwar richtig… auf UND vor der Bühne, wo gepogt wurde, als gäbe es kein Morgen. Der blonde, schon etwas ältere Herr am Mikro hört auf den Namen John Feldmann, ist Veganer/ politischer Aktivist, und er versteht es definitiv, einen Konzertraum zum kochen zu bringen. Respekt. Übrigens auch für den Titel „Ted Nugent“, der auf dem Ende der Setlist verzeichnet war und den schönen Refrain aufbietet:

“He’s a dick!
Fuck him!
Asshole!
Fuck him!”

Dem kann ich inhaltlich nur zustimmen, wenngleich ich mich nun wieder auf die Socken zur Hauptbühne machen musste, um den dortigen Abschluss nicht zu verpassen. GOLDFINGER haben auf jeden Fall derbst gerockt.
(TK)

SOULFLY

Zum Abschluss des Open Airs wollte uns nun noch Max Cavalera in Form von SOULFLY den metallischen Gnadenschuss verabreichen – bekanntermaßen musste ja der eigentliche Headliner SLIPKNOT wegen einer Verletzung (Knöchelbruch) von Drummer Joey 2 Wochen vor der Veranstaltung passen. Das war sicher ein schmerzlicher Verlust für Besucher, Veranstalter und Fotographen, doch hatten die vergangenen Tage dies schon fast vergessen gemacht. Zu überzeugend waren Stimmung, Wetter und auch fast alle musikalischen Leistungen. Und der gute Maxe, der ja vor kurzem noch mit der CAVALERA CONSPIRACY unterwegs war, ist live immer eine sichere Bank. Im Vorjahr an gleicher Stelle noch nachmittags aktiv, kamen der Brasilianer und seine 3 Kollegen nun in den Genuss einer fetten Light Show. Ohne großes Brimborium auf der Bühne ging es dann auch gleich ans Eingemachte mit „Blood Fire War Hate“, dem Opener des neues Studioalbums „Conquer“. Mit u.a. „Prophecy“ und „Seek ’N’ Strike“ legte man großkalibrig nach und Marc Rizzo an der Gitarre (auch mal doppelhälsig) bekam ausreichend Gelegenheit, sein Können zu zeigen. „Zausel“ Max feuerte die immer noch sehr zahlreichen Anwesenden mit kurzen aber sympathischen Ansagen an und auch die eine oder andere Wasserflasche landete im weiten Rund der Banger. Schade eigentlich, dass es zu keinem Gastauftritt bei APOCALYPTICA vorher gekommen war, hätte sich ja irgendwie angeboten. Mit „Roots Bloody Roots“ folgte auch bald der erste SEPULTURA-Klassiker, der natürlich besonders begeistert angenommen wurde. Zu den Klängen von „Jumpdafuckup“ und „Fire“ verließ mich dann aber langsam mein Durchhaltewillen und noch eine Weile begleitet von den aggressiven Rhythmen machte ich mich langsam aber sicher auf zu meinem Gefährt, die 3-tägige Beschallung hatte doch ihre Spuren hinterlassen und man ist ja auch nicht mehr der Jüngste…
(TK)

Das war der Festivalsommer 2008! Zu guter Letzt noch ein paar Facts vom AREA4 für unsere Statistik-Junkies: Die Crew, die in Lüdinghausen für einen reibungslosen Ablauf sorgte, bestand aus 1.000 Menschen, das Coca-Cola-Zelt (in dem es Coke light nur im VIP-Bereich gab, Anm. des Fotographen) hatte eine Größe von 46 x 38 Metern, während die Main Stage auf 29 x 14 Meter kam. Lautsprecherleistung: satte 2 x 40.000 Watt, Lichtleistung: insgesamt 500.000 Watt, Bühnenstrom: 3 x 1.000 Ampere. Es wurden ca. 10 Kilometer Kabel verlegt und 250 Mobiltoiletten aufgestellt. Nun noch das wichtigste Datum: Das AREA4 2009 findet vom 21. bis 23.08.2009 statt und ab dem 04. September startet der Vorverkauf. Mehr dazu wie immer auf der Festival-Homepage oder bei uns!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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