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AREA 4 2012 – TAG 2

Ort: Lüdinghausen – Flugplatz Borkenberge

Datum: 18.08.2012

Nicht mal ein Deko-Wölkchen am Himmel, einzig der Lorenz knallte unbarmherzig auf den Flugplatz Borkenberge an diesem Samstag im August, an dem sich etwa 16.000 Anhänger der etwas härteren Gitarrenfraktion bei Temperaturen jenseits der 30 °C in der Nähe von Lüdinghausen versammelt hatten. Selbst wenn mal ein laues Lüftchen aufkam, brachte das kaum Erfrischung, sondern wirkte, als habe man eine Backofentür geöffnet. Vielleicht war das auch der Grund, warum am Nachmittag noch eine gewisse Lethargie über dem Gelände lag. Die Festivalgemeinde ließ es vernünftigerweise etwas ruhiger angehen und schonte ihre Kräfte, während sowohl im Zelt als auch auf der Mainstage von Schonhaltung nichts zu spüren war. Es ging schon wieder gut zur Sache, Gefangene werden beim AREA 4 eben nicht gemacht. Zur frühen Stunde wussten insbesondere O’BROTHER im Zelt zu überzeugen, die stilistisch ein wenig an die Schweden von KATATONIA erinnerten, doch ich muss gestehen, dass ich Informationen aus zweiter Hand weitergebe, denn selbst konnte ich erst ab etwa 16.00 Uhr vor Ort sein.

AGNOSTIC FRONT

Was zur Folge hatte, dass mir als erstes von den tätowierten Herrschaften von AGNOSTIC FRONT gleich ordentlich die Gehörgänge frei gepustet wurden. Von einer Unterbrechung in den Neunzigern mal abgesehen, sind AF bereits seit 30 Jahren im Hardcore-Punk-Geschäft unterwegs und zählen dort inzwischen zu den absoluten Urgesteinen. Von Altersmilde war bei den Amis allerdings nichts zu hören, vielmehr drehte der Fünfer sogleich richtig auf und haute mit Songs wie „Dead To Me“ oder auch „Crucified“ Stakkato-Langaxt-Geballer und donnernde Beats raus. Dazu durfte natürlich der eine oder andere Circle Pit nicht fehlen und es war mit Sicherheit auch nicht verkehrt, dass die Graben-Securities zum Löschschlauch griffen und der tobenden Masse in den vorderen Reihen ein wenig Abkühlung verschafften, was dazu führte, dass auch die Zuschauer aus den hinteren Rängen Richtung Bühne drängten. So ließ sich auch die Highspeed-Nummer „Gotta Go“ in der gleißenden Sonne bestens abfeiern, bevor es mit „Riot, Riot, Upstart“ nicht weniger brachial weiterging. Zum derben Gebratze von „Take Me Back“ ordnete Sänger Roger Miret eine Wall of Death an, die selbstverständlich umgehend zur Ausführung gebracht wurde, ehe es mit „A Mi Manera“ und „Addiction“ einmal mehr donnernde Krachlatten zu hören gab, die vom RAMONES-Cover „Blitzkrieg Bop“ abgelöst wurden, mit dem sich AGNOSTIC FRONT nach 45 Minuten von ihrem Publikum verabschiedeten.

Setlist AGNOSTIC FRONT (ohne Gewähr)
The Eliminator
Dead To Me
For My Family
Us Against The World
All Is Not Forgotten
Peace
Crucified
Gotta Go
Riot, Riot, Upstart
Police State
Take Me Back
A Mi Manera
Addiction
Blitzkrieg Bop (RAMONES-Cover)

ALBERTA CROSS

Währenddessen ließen im Tent ALBERTA CROSS ihre Zuschauer noch zehn Minuten warten, bis die fünf mehr oder weniger langhaarigen Zausel schließlich die Bühne betraten und mit ihrem folkgetränkten Bluesrock starteten. In Brooklyn beheimatet, brachten sie durchaus ein wenig Südstaatenflair nach NRW; etwa mit dem pianobegleiteten „Lay Down“. Bezeichnend für den Sound aus Übersee waren zudem der mehrstimmige Gesang und die differenzierte Gitarrenarbeit, die beispielsweise den Opener „Wait“ grooven ließ. Mit viel Druck ging „Money For The Weekend“ ins Bein, sodass neben den eingängigen Vocals und einer jaulenden Orgel insbesondere die schrammelnden Langäxte zu überzeugen wussten. Ende August gibt es all dies auf einem neuen Longplayer namens „Songs of Patience“ zu hören, der man durchaus auch Gehör schenken sollte.

THE SUBWAYS

Es kommt es mir ganz so vor, als könnte ein deutsches Rock-Festival, das etwas auf sich hält, gerade in diesem Jahr gar nicht ohne die SUBWAYS stattfinden und tatsächlich war der Dreier aus Hertfordshire im Vereinigten Königreich auch bereits 2008 beim AREA 4 mit von der Partie. Völlig unbeeindruckt von der bleiernen Hitze tobten Miss Charlotte Cooper (Gesang und Bass) und ihr Ex Billy Lunn (Gitarre und Gesang) über die Stage und das nicht nur bei „Oh Yeah“, mit dem sie ihre 45 Minuten eröffneten. Mit dem Song bewarb Hugo Boss übrigens 2006 eines seiner Produkte und sorgte so für eine erhebliche Bekanntheitssteigerung der seit 2003 agierenden SUBWAYS, die mit ihrer „Rock & Roll Queen“ einen weiteren Werbe-Hit landen konnten. Natürlich durfte diese Band-Hymne auch am Borkenberge nicht fehlen und wurde nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Inklusive einer deutschsprachiger Textzeile, die es auch bei „We Don’t Need Money To Have A Good Time” zu hören gab. Insbesondere Charlotte (heute in einem ärmellosen Glitzertop und engen Beinkleidern gewandet) hat sich ein wenig Deutsch raufgeschafft und bringt ihre Sprachkenntnisse gern sympathisch an den Mann bzw. die Frau. Währenddessen übernahm Billy den Job des Wasserverteilers und warf immer wieder Tetrapaks ins Auditorium, ehe er sich zu „It’s A Party“ selbst in respektive auf die Hände seiner Fans begab und sich als Crowdsurfer übte. Keine Frage, die SUBWAYS feierten gemeinsam mit dem zahlenmäßig deutlich größer gewordenen Auditorium eine große Party inklusive Circle Pit zur Bass-Line von „Turnaround“ und Publikumsgesängen bei „I Want You To Hear What You Have Got To Say. Bei den Briten klappte es auch mit dem Hinsetzen und Aufspringen, welches bei „Celebrity“ praktiziert wurde und später am Abend nicht ganz so gelingen wollte, doch dazu an anderer Stelle mehr. Bleibt festzuhalten, dass die SUBWAYS auch nach neun Jahren und drei Alben nichts von ihrer Frische und Spielfreude verloren haben und für jedes Festival eine sichere Stimmungsbank sind.

Setlist THE SUBWAYS
Oh Yeah
Holiday
Alright
Turnaround
Shake Shake
I Want You To Hear What You Have got To Say
We Don’t Need Money To Have A Good Time
Rock & Roll Queen
Kiss Kiss Bang Bang
At 1 AM
Celebrity
It’s A Party

WE ARE AUGUSTINES

Schnell wieder rüber ins dunkle Zelt, wo es bereits vergleichsweise voll war. Offensichtlich waren WE ARE AUGUSTINES aus New York City keine Unbekannten für die junge Festivalgemeinde, die sich vom rauen Gesang des Herrn mit Hut sogleich gefangen nehmen ließ. Möglicherweise kannte der eine oder andere die dreiköpfige Combo jedoch auch noch unter dem Namen PELA, der jedoch mit dem im März bei uns erschienenen Debüt „Rise Ye Sunken Ships“ abgelegt wurde. Sänger, Gitarrist und Bandmitbegründer Billy McCarthy hat gleich zwei Familienmitglieder innerhalb kurzer Zeit verloren; erst brachte sich die seit Jahren an Schizophrenie leidende Mutter um, dann ereilte seinen Bruder James das gleiche Schicksal. Keine Frage, dass sich diese tiefgreifenden Ereignisse in der Musik des Trios niederschlagen, doch gab es keinesfalls melancholische Trauermärsche auf die Ohren, sondern vielmehr druckvollen Indie-Rock mit einem gewissen Folk-Einschlag. So ging bereits der Opener „Ballad of A Patient Man“ ins Bein und die Truppe wusste auch im weiteren Vortrag zu fesseln. Zwischenzeitlich wechselte der Keyboarder ebenfalls an die Langaxt, temporär griff auch ein weiterer Musiker in die Saiten, der wohl zur Crew gehörte und gemeinsam servierte man genau das, was man gern als ehrliche Mucke tituliert und die man zweifelsohne auch mit Bands wie HOT WATER MUSIC oder THE GASLIGHT ANTHEM in Verbindung bringt. Für mich eine Neuentdeckung, die es im Auge zu behalten gilt!

THE WOMBATS

Zurück im hellen Sonnenlicht waren die WOMBATS bereits im vollen Gange und begrüßten mich mit ihrem treibenden „Girls/ Fast Cars“, ehe es mit etwas ruhigerem Synthie-Geschwurbel und „Jump Into The Fog“ vom letztjährigen Longplayer „The Wombats Proudly Present: This Modern Glitch“, dessen Albumcover es auch als riesiges Backdrop zu sehen gab, weiterging. Im Laufe des Songs wechselte Matthew Murphy, der die Kapelle vor neun Jahren gemeinsam mit Drummer Dan Haggis und Bassist Tord Øverland Knudsen aus der Taufe gehoben hat, wieder an seinen Sechssaiter, um am Ende mit „Techno Fan“ temporeich anzuschließen. Poppig setzte „1996“ die Reise fort, ehe es mit „Moving To New York“ vom 2007er Debüt „The Wombats Proudly Present: A Guide to Love, Loss & Desperation” erneut die volle Indie-Packung gab. Druckvoll-verspielt und very british lud „My First Wedding“ zu einem weiteren Tänzchen, während opulente Streicher „Anti-D“ eröffneten. Das aufgeräumte „Let’s Dance To Joy Devision“ wurde als letzter Song angekündigt, tatsächlich kehrte das Trio jedoch noch mal an die Instrumente zurück und spielten noch ein paar Akkorde von „Euroshizer“ – sie hatten wohl gemerkt, dass der Zeitplan noch einige Sekunden für sie übrig hatte. Einzig ihren Indie-Dancehit „Tokyo (Vampires & Wolves)“ habe ich vermisst, es ist jedoch gut möglich, dass es den gleich zum Auftakt gab, während ich noch im Zelt WE ARE AUGUSTINES lauschte. Auf jeden Fall ein vergnügliches Stelldichein mit fröhlicher Mucke wie man sie von den englischen Indie-Spezialisten wie MAXIMO PARK oder den ARCTIC MONKEYS kennt.

Setlist THE WOMBATS (ab ca. 18.50 Uhr)
Girls/Fast Cars
Jump Into The Fog
Techno Fan
1996
Moving To New York
My First Wedding
Anti-D
Let’s Dance To Joy Division
Euroshizer

KILIANS

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man auch glauben, dass die KILIANS auf der großen Insel im Atlantik zuhause sind. Tatsächlich ist das Quartett allerdings am Rande des Ruhrpotts, in Dinslaken, beheimatet. Die Truppe war noch nicht mal volljährig, da feierte man bereits mit dem Erstling „Kill The Kilians“ große Erfolge und ergatterte einen Major-Deal bei Universal. Nach der zweiten Langrille „They Are Calling Your Name“ aus 2009 wurde es dann eher ruhig um die Jungspunde, die sich überwiegend ihrem Studium widmeten, dann aber doch nicht von der Musik lassen konnten und mit Simon Frontzek ins Studio gingen. Das Ergebnis heißt „Lines You Should Not Cross“ und erscheint am 24.08. beim Grand Hotel van Cleef (dessen Mitbegründer Thees Uhlmann die KILIANS auch entdeckt und gefördert hat) und einen ersten Vorgeschmack gab es bereits jetzt beim AREA 4. Angesichts des gut gefüllten Zirkus-Runds darf man wohl davon ausgehen, dass die Jungs in den vergangenen Jahren von ihren Fans vermisst worden sind. Rhythmusbetont und mit viel Groove legten die KILIANS dann auch los und zeigten keinerlei Berührungsängste mit ihrem Publikum, das schon bald begeistert mitsang. Nun war Fronter Simon den Hartog in den vergangenen drei Jahren auch nie richtig runter von der Stage und wusste die Anwesenden immer noch für den KILIANS-Sound zu begeistern. Als Appetithäppchen auf den kommenden Longplayer war das schwungvolle „Not Today“ zu hören, ehe „My Hometown“ vom zweiten Silberling das Stelldichein mit einer großen Party und knarzenden Saiteninstrumenten beendete.

CASPER

Es ging mal wieder Schlag auf Schlag: auf der Mainstage war schon das Intro zu hören und die Musiker hatten Aufstellung genommen, während ich mir noch schnell aus dem Zelt kommend ein Plätzchen suchte, an dem ich auch ein bisschen Platz zum Bewegen und einen guten Blick auf die Bühne und das große Wolfs-Backdrop hatte. Da kam auch schon CASPER und ein heftiger Bass eröffnete „Auf und davon“, ehe der temporeiche Rap von „Casper! Bumaye“ zum Arme recken und Springen animierte. Obwohl sich die Sonne inzwischen verzogen hatte, fand’s der Rapper mit den angenehm intelligenten Texten immer noch sehr heiß und äußerte die Hoffnung, das Auditorium möge trotzdem seine Tanzschuhe dabei haben. Auf jeden Fall wurde der Titeltrack „XOXO“ vom aktuellen No-1-Album ausgiebig abgefeiert, wenngleich ich geschehen muss, dass ich die Version von THEES UHLMANN (der auch bei der Studiofassung mitgewirkt hat) noch einen Hauch geiler finde. Möglicherweise war CASPER aber auch einfach von den Temperaturen geplättet, zumindest wirkte er ein wenig müde, schien sich aber ungemein auf THE GASLIGHT ANTHEM zu freuen, dessen Frontmann Brian Fallon er kurzerhand den Titel des schönsten Mannes der Welt verlieh, bevor er es mit „Unzerbrechlich“ vom 2008er Debüt „Hin zur Sonne“ eine Spur ruhiger angehen ließ. Etwas weniger Bass wäre an dieser Stelle nicht verkehrt gewesen, aber wir wollen nicht meckern und zum groovenden „Rock’N’Roll“ stand dann wenig später auch schon wieder ausgelassenes Massenhüpfen auf dem Programm. In blaues Licht getaucht war die Stage beim ÄRZTE-Cover „BGS“, ehe „Blut sehen“ in die Welt des gemeinen Gangsta-Rap entführte. Vorher mussten allerdings noch einige technische Probleme am Drumkit beseitigt werden, die zwar nicht viel Zeit in Anspruch nahmen, aber irgendwie lag CASPER die Rolle des Pausenfüllers und Alleinunterhalters heute gar nicht, wie er auch selbst zu Protokoll gab. Zu dieser Stimmung passte dann wohl auch, dass das gemeinsame Aufspringen des überwiegend hockenden Publikums während des Medleys nicht richtig klappen wollte und deshalb vom Hauptprotagonisten auf der Stage abgebrochen wurde. Sei’s drum: die gut gefüllte Fläche vor der Bühne zeugte von einem großen Interesse an der Mucke, die sicherlich ein wenig aus dem sonstigen musikalischen Rahmen fiel, aber für gute Laune sorgte. Und CASPER muss sich nun wirklich keine Sorgen machen, dass sich „So perfekt“ schon tot gedudelt hat, wie er bei der Ankündigung des letztes Liedes und seines größten Hits ängstlich anmerkte. Während im Bühnenhintergrund der „XOXO“-Schriftzug auf den Leuchtdioden-Flächen erschien, wurde die Nummer noch mal amtlich zelebriert, wobei dann auch die Singspielchen klappten. Alles gut, Benjamin!

Setlist CASPER
Intro
Auf und davon
Casper! Bumaye
Die letzte Gang der Stadt
XOXO
Unzerbrechlich
Rock’N’Roll
BGS (DIE-ÄRZTE-Cover)
Blut sehen
Medley
Lilablau
Das Grizzly Lied
Michael X
So perfekt

LONG DISTANCE CALLING

Während CASPER seine Jugend gar nicht so weit entfernt in Bielefeld verbracht hat, sind LONG DISTANCE CALLING im nahen Münster zuhause und konnten sich über eine wirklich kurze Anreise freuen. Wie der Vierer bereits im Vorfeld wissen ließ, ist das Songwriting für das kommende Album weitestgehend abgeschlossen – wir dürfen also gespannt sein, was die Postrocker und Gitarrenvirtuosen Feines ausgeheckt haben. Im Zelt erwartete eine doch erkleckliche Menge die Herrschaften, die das Mikro nur für kurze Ansagen benötigten und sich ansonsten auf Instrumentalfutter beschränkten. Wobei „beschränken“ im Zusammenhang mit LONG DISTANCE CALLING nicht bedeutet, dass man auf irgendwas verzichten muss. Vielmehr gniedeln Florian Füntmann (Gitarre), Jan Hoffmann (Bass), David Jordan (Gitarre) und Schlagzeuger Janosch Rathmer seit 2005 derart mitreißend, dass der Zuhörer gar keinen Gesang vermisst (den es als Konserve jedoch bislang immer bei einem Track mit einem Gastsänger gegeben hat). So war es auch an diesem Abend, der mit „Into The Black Wide Open“ krachend startete und sich mit unverminderter Intensität über eine Stunde zog. Direkt vor der Stage waren die Bässe zwar etwas überrepräsentiert, ansonsten erfüllte ein nahezu perfekter Sound das Tent. Etwa beim rund zehnminütigen „Black Paper Planes“ vom zweiten Longplayer „Avoid The Light“ aus 2009, das zunächst ein wenig verhalten in Nebelschwaden begann, dann jedoch wieder in die Vollen ging und mit viel Beifall bedacht wurde. Auch das abschließende „Metulsky Curse Revisited“ ließ es zunächst ein bisschen ruhiger angehen, um dann noch einmal in aller Ausführlichkeit sämtliche Register zu ziehen. Macht in Gänze 60 Minuten fettes Geschrammel mit Tiefgang und viel Tempo – eindeutig mein Konzerthighlight des Tages!

Setlist LONG DISTANCE CALLING
Into The Black Wide Open
Figrin D´an Boogie
Black Paper Planes
Sundown Highway
Arecibo
I Know You, Stanley Milgram!
Metulsky Curse Revisited

THE GASLIGHT ANTHEM

LONG DISTANCE CALLING hatten mich so in ihren Bann gezogen, dass THE GASLIGHT ANTHEM, die ich ebenfalls sehr schätze, schon ohne mich anfangen mussten und ich erst mit dem flotten „Old White Lincoln“ vom 2008er „The ’59 Sound“ einsteigen konnte. 2008 war es auch, dass ich Brian Fallon und seine Mannen zum ersten Mal live gesehen haben. Mit ein paar Hundert anderen im ziemlich vollen Forum in Bielefeld – groß geworden sind die Jungs aus New Brunswick/New Jersey in den letzten Jahren! Und das ganz zu recht, wie auch der jüngste Studio-Output „Handwritten“ beweist, der eben erst bis auf Platz 2 der deutschen Charts durchmarschiert ist und von dem es am Borkenberge u.a. den druckvollen Titelsong zu genießen gab. Auch die Midtempo-Nummer „Too Much Blood“ und das etwas ruhigere „Mae“ zählten zu den ganz frischen Stücken, wobei natürlich auch der grandiose Titeltrack des Vorgängers „American Slang“ nicht fehlen durfte. Mit „The Backseat“ gingen es THE GASLIGHT ANTHEM schließlich noch mal knackig an, nachdem sie mit dem ANIMALS-Cover „House of The Rising Sun“ eine kantige Variation des Originals abgeliefert hatten und ich einige Schwierigkeiten hatte, Mr. Fallon zu folgen, der zwischen den Liedern fast ohne Punkt und Komma redete. Großartiger Rock mit Bodenhaftung, der richtigen Portion Punk und jeder Menge Schmackes und Gefühl. Wenn der „Boss“ BRUCE SPRINGSTEEN irgendwann mal abtritt, hat er in Brian Fallon schon jetzt nicht nur wegen des ähnlich kratzigen Organs einen würdigen Nachfolger gefunden.

Setlist THE GASLIGHT ANTHEM
Great Expectations
„45“
Mulholland Drive
Even Cowgirls Get The Blues
Howl
We Came To Dance
Keepsake
Old White Lincoln
The ’59 Sound
Handwritten
House of The Rising Sun (THE-ANIMALS-Cover)
Film Noir
Señor And The Queen
American Slang
Too Much Blood
Wooderson
Mae
The Backseat

BULLET FOR MY VALENTINE

Am Ende des zweiten Tages stand noch einmal krachender Metalcore auf dem Zettel, für den dieses Mal BULLET FOR MY VALENTINE verantwortlich zeichneten. Bereits seit 1998 bratzen sich die Waliser durch die Musikgeschichte – zunächst als NIRVANA- und METALLICA-Coverband, später mit Nu Metal, ehe sie schließlich zum Metalcore fanden, womit sie seit 2006 auch weltweit kommerzielle Erfolge feiern können. Inzwischen war die Hitze einem lauen Lüftchen um die 20 °C gewichen, ein bisschen Bewegung konnte also nicht schaden und so hauten die Briten nach einem Klassik-Intro gleich einmal unter Lichtblitzen ein heftiges Gitarrenbrett raus, das auf den Namen „Your Betrayal“ hörte und vom letzten Silberling „Fever“ aus 2010 stammte, was auch für die jaulende Langäxte auf Highspeed galt, die „Pleasure & Pain“ begleiteten. Vom 2008er Vorgänger „Scream Aim Fire“ war hingegen die Heavy-Rock’N’Roll-Nummer „Walking The Demon“ entliehen, mit der es straight nach vorn ging und die Aufforderung zum Circle Pit erging. Dank des eifrig mitgesungene „All These Things I Hate (Revolve Around Me)“ kehrten die Metalcorer mit den fürs Genre ungewöhnlich zahlreichen Gitarrensoli und hohen Anteilen cleanen Gesangs an ihre Anfänge zurück und präsentierten einen Song ihres 2005er Debüts „The Poison“, mit dem sie hierzulande bereits bis auf Position 25 der Charts gelangten, während für die beiden anderen Platten jeweils Platz 3 drin war. Auch das druckvolle „4 Words (To Choke Upon)“ war dem Erstling entnommen und fand bei den Fans viel Zuspruch, bevor es mit „The Last Fight“ wieder derbes Geballer jüngeren Datums auf die Ohren gab, für welches sich Sänger und Gitarrist Matthew Tuck etwas erhöht im hinteren, linken Bereich der Stage einfand. Selbige war natürlich zudem mit einem riesigen Backdrop inklusive Bandnamen geschmückt – nur für den Fall, dass jemand nicht wissen sollte, mit wem er es da gerade zu tun hatte. Ehe es mit „Scream Aim Fire“ erneut ans Eingemachte ging, wurde gar die deutsche Nationalhymne kurz angespielt, um im Folgenden auch noch eine unvermeidliche Wall of Death zu initiieren. „Alone“ fügte sich im Anschluss im wahren Höllentempo an und auch „Begging For Mercy“ mochte es heiß und fettig. Damit wollten sich BULLET FOR MY VALENTINE bereits nach einer knappen Stunde von ihren Fans verabschieden, ließen sich mit Zugaberufen, Klatschen und „Seven-Nation-Army“-Gesängen jedoch noch einmal zum Wiederkommen überreden und legten mit ihrem Goodbye-Song „Tears Don’t Fall“ noch ein paar Briketts drauf. Dann flogen noch einige Tetrapaks, Drumsticks und Plektren ins Publikum und das Quartett ward nicht mehr gesehen.

Für einen Headliner-Gig sind 65 Minuten eigentlich ein bisschen mager, aber ich muss gestehen, dass mir das frühe Konzertende um 0.40 Uhr eigentlich entgegen kam, da die Sonne mich müde gemacht hatte und so machte ich mich auf den Nachhauseweg, um den Sonntag gut ausgeruht und bei noch höheren Temperaturen wieder ganz unterschiedliche Musik auf dem AREA 4 zu erleben, während der größte Teil der Festivalgemeinde entweder zu seinen Zelten und Wohnmobilen pilgerte oder noch die After-Show-Party unsicher machte.

Setlist BULLET FOR MY VALENTINE (ohne Gewähr)
Your Betrayal
Pleasure And Pain
Waking The Demon
All These Things I Hate (Revolve Around Me)
4 Words (To Choke Upon)
The Last Fight
Scream Aim Fire
Cries In Vain
Hand of Blood
Alone
Begging For Mercy
Tears Don’t Fall

Zum guten Schluss sei noch auf die Gegen-Nazis-Demo am 01. September in Dortmund erinnert, auf die EGOTRONIC aufmerksam gemacht haben. Nicht nur mit Songs wie „Raven gegen Deutschland“ oder „Tolerante Nazis“ setzen sich die Berliner Elektropunks gegen Rechtsradikalismus ein, überhaupt liegen ihnen gesellschaftskritische Themen am Herzen, deren musikalische Umsetzung mir heute allerdings aus Zeitmangel verwehrt war. Morgen geht’s jedoch mit noch mehr Sonne, Hitze und Musik weiter und man darf gespannt sein, was am Borkenberge noch geht.

Copyright Fotos: Ulrich Klenk

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