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AREA 4 2012 – TAG 3

Ort: Lüdinghausen – Flugplatz Borkenberge

Datum: 19.08.2012

Es war der bisher heißeste Tag des Jahres und angeblich (fragt mich nicht, wo ich das gelesen habe) auch der heißeste Tag bei einem deutschen Festival ever. Das Quecksilber kletterte ziemlich nah an die 40 °C, im großen Zirkuszelt waren es bei tropischer Luftfeuchtigkeit auch Temperaturen, die deutlich darüber lagen. Kein Wunder, dass am Mittag und frühen Nachmittag noch nicht viel auf dem AREA-4-Infield los war; auch ich hatte es angesichts der sengenden Sonne vorgezogen, erst später zu starten und war froh, dass ich die Nacht in meinem gut isolierten Dachgeschoss verbringen konnte und nicht in einem überhitzten Zelt oder Wohnmobil pennen musste. Flirrende Hitze lag über dem Borkenberge und lähmte das gesamte Geschehen ein bisschen, was aber auch zur Folge hatte, dass Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr wenig zu tun hatten. Zwar mussten die wetterbedingten Kreislaufprobleme behandelt werden, insgesamt schienen die Festivalbesucher jedoch ausreichend nichtalkoholische Flüssigkeiten zu sich genommen zu haben und so war das wichtigste Accessoire vor der Hauptbühne der Löschschlauch, mit dem die Menge immer wieder nass gespritzt wurde.

DISPATCH

Meine erste Band des Tages kam aus Boston/ Massachusetts und hatte lange nichts von sich hören lassen. So liegt der letzte Studio-Silberling von DISPATCH bereits zwölf Jahre zurück, doch am kommenden Freitag gibt es mit „Circles Around The Sun“ neues Material der Indie-Folk-Reggae-Funk-Rocker. Den eingängigen Titeltrack mit viel Drive gab’s dann auch für die noch überschaubaren, jedoch gut gelaunten und feierwilligen Zuschauermassen zu hören, die zuvor schon mit viel Groove für ihr Kommen belohnt worden waren. Zu Beginn von „Here We Go“ hatte Sänger Chad Urmston (der übrigens 2010 bereits mit seinem Solo-Projekt STATE RADIO beim AREA 4 war) zwar noch keinen Saft auf dem Mikro und auch die Bässe waren noch nicht optimal ausgepegelt, diese Probleme konnten jedoch schnell behoben werden und so standen vergnüglichen 40 Minuten mit einer gehörigen Portion Reggae-Feeling nichts im Wege. Auch die Schlagzeug-Gewitter und der mehrstimmige Gesang bei „Open Up“ wussten zu gefallen. Bisweilen gaben wie bei „Time Served“ auch mal krachende Langäxte den Ton an, auf jeden Fall passte der locker-flockige Sound, wie ihn „Bang Bang“ offerierte, zur entspannten Sommer-Sonntags-Laune und wurde auch bei „Two Coins“ eifrig beklatscht. „Bats In The Befry“ kam neben Reggae-Elementen auch mit einen Hauch African Fever und spanischen Wortfetzen daher, ein Mix , an dem auch die Graben-Security ihren Spaß hatte, so dass man den Kanten bei „The General“ sogar beim Paartanz zusehen konnte.

Setlist DISPATCH
Here We Go
Open Up
Time Served
Bang Bang
Two Coins
Circles Around The Sun
Bats In The Belfry
The General

NORMA JEAN

Was Miss Marilyn Monroe wohl zu der Kapelle gesagt hätte, die auf der Zeltbühne als nächstes auf der Running Order stand und sich den Taufnamen der Sex- und Filmikone als Bandnamen zu Eigen gemacht hat? Mit einem dahingehauchten „Happy birthday dear Mr. President“ hatte das Metal- und Mathcore-Geballer von NORMA JEAN jedenfalls nichts zu tun. Der Fünfer aus einem Vorort von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia brachen hingegen umgehend in heftiges Gebrüll und Geknüppel aus, als er um kurz vor 17.00 Uhr die Stage enterte, konnte mit seinem Vortrag, von dem ich textlich nicht wirklich viel verstehen konnte, jedoch trotz der saunaähnlichen Verhältnisse im Zirkusrund, den einen oder anderen zum Tanzen bewegen. Auch das Highspeed-Gebolze von „The Anthem of The Angy Brides“ kam an und offensichtlich hatten NORMA JEAN eine kleine, aber feine Zielgruppe für ihre Mucke gefunden, die bei „Robots: 3, Humans: 0“ nicht ganz so schnell, dafür mit lärmenden Krachlatten daher kam. „A Media: Friendly Turn For The Worse“ entpuppte sich mit seinen Stakkatosounds als echter Kopfnicker, während der nächste Track allerlei Störgeräusche und Dissonanzen im Gepäck hatte. Zum Abschluss ihrer Sommer-Tour gingen die Amis mit den angeblich christlichen Texten (ich habe wie gesagt nicht viel vom Geschrei verstanden) noch mal richtig steil und ich machte mich auf den Weg nach draußen, wo es wieder etwas moderater zugehen sollte.

KETTCAR

Auch die Hamburger Indie-Institution KETTCAR war nicht zum ersten Mal am Borkenberge und wie Sänger und Gitarrist Marcus Wiebusch bemerkte, spielten sie mal wieder quasi als „Dichterlesung“ zwischen allerlei Hart & Heftig-Vertretern. Trotz der zweifellos härterer Ausrichtung des AREA 4 erfreuen sich aber auch die ein wenig zahmeren musikalischen Beiträge durchaus großer Beliebtheit und so konnte vor der Mainstage dann auch durchaus Zuschauerzuwachs vermeldet werden. Das Backdrop mit dem Cover der aktuellen Platte „Zwischen den Runden“ (#5 der Charts) kündigte bereits Mucke vom vierten Studiosilberling an, die es nach einem Intro auch in Form des gefühlvoll-beschwingten „Rettung“ gab. Mit „Deiche“ folgte sogleich ein Klassiker der KETTCAR-Diskografie, der 2005 auf dem zweiten Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ erschienen ist und Bewegung ins Auditorium brachte und auch „Kein Außen mehr“ vom 2008er „Sylt“ war mit viel Druck gesegnet. Vom gleichen Longplayer stammte der coole Stomper „Graceland“, der eifrig mitgeklatscht wurde, während Marcus nicht müde wurde, immer wieder Wasserflaschen in die Menge zu werfen (auch wenn dabei schon mal versehentlich ein Besucher getroffen wurde). „Balkon gegenüber“ ist ein Evergreen vom zehn Jahre alten Debüt „Du und wieviel von deinen Freunden“, der auf keiner Setlist fehlen darf, während das flotte „Im Club“ mit seinem Pianogeklimper ebenso wie das temporeiche „R.I.P.“ zu den neuen Stücken zählt. Zum Seufzen schön war, ist und bleibt „48 Stunden“ und auch die Hamburg-Hymne „Landungsbrücken raus“ wurde im Rahmen der Hitze-Möglichkeiten amtlich abgefeiert, ehe sich Reimer Burstorff (Bass), Erik Langer (Gitarre) und Christian Hake (Schlagzeug) bereits verabschiedeten und das Feld den Wiebusch-Brüdern überließen, denen es oblag, „Balu“ zum Besten zu geben. Dieser emotionale Song, mit dem KETTCAR üblicherweise ihre Fans am Ende eines Konzertes in die Nacht verabschieden, wird inzwischen auch schon mal mitten im Gig gespielt, aber das war an diesem frühen Sonntagabend nicht wesentlich, denn es lagen ja eh noch ein paar Stunden Musik vor der Festivalgemeinde, deren Ohren mit Klavier und Akustikgitarre verwöhnt wurden.

Setlist KETTCAR
Intro
Rettung
Deiche
Kein Außen mehr
Graceland
Balkon gegenüber
Money Left To Burn
Im Club
48 Stunden
R.I.P.
Ausgetrunken
Landungsbrücken raus
Balu

KYLESA

Eigentlich gibt es zu der Sludge-Kapelle aus Savannah/ Georgia nicht viel zu schreiben, denn wie bereits beim AREA 4 2010 bekamen es Laura Pleasants (Vocals), Carl McGinley (Drums), Phillip Cope (Gitarre) und Corey Barhorst (Bass) nicht hin, ihr Equipment pünktlich in Stellung zu bringen. Das, was es nach 15 Minuten Verspätung zu hören gab, war auch nicht wirklich der Burner und da Fräulein Pleasants zudem auch noch einen recht zickigen Eindruck machte, zog ich es vor, bei ME FIRST AND THE GIMME GIMMES nach dem Rechten zu sehen. Sorry, aber ein bisschen mehr Professionalität erwarte ich dann doch, meinetwegen muss das Kleeblatt nicht noch mal eingekauft werden.

ME FIRST AND THE GIMME GIMMES

Angesichts des kleinen rosafarbenen Band-Backdrops hätte man mir auch erzählen können, dass als nächstes irgendeine Hochzeitscombo auf dem Plan stünde. Dieser Eindruck wurde dann auch noch zusätzlich verstärkt, als die fünfköpfige Truppe die Stage in Beschlag nahm. Angetan mit einem Einheits-Outfit aus weißen Hosen und rot-geblümten Hemden, wären die Herrschaften auf bei den FLIPPERS gar nicht weiter aufgefallen – ein Umstand, der sich allerdings schnell geändert hätte, wenn die Schlagerbarden und ME FIRST AND THE GIMME GIMMES jeweils ihre Version diverser Lieder zu Gehör gebracht hätten. Bei Spike Slawson (Bassist bei den SWINGIN’ UTTERS) NOFX-Vocalist Fat Mike, Chris Shiflett von den FOO FIGHTERS (bei Gründung dieser sehr speziellen Supergroup 1995 noch bei NO USE FOR A NAME tätig) sowie Gitarrist Joey Cape und Schlagzeuger Dave Raun von LAGWAGON stehen die Songs anderer Musiker im Mittelpunkt, die ein ganz neues Punk-Antlitz erhalten und gelegentlich kaum wiederzuerkennen sind. Blitzschnell traf da beim Opener „Leavin’ On A Jet Plane“ (im Original von JOHN DENVER, dessen „Countryroads“ es auch ganz am Schluss zur Freude des Auditoriums noch erwischt hatten) Western auf Punk und auch bei DOLLY PARTONs „Jolene“ wurde der Country neu aufgemischt, während JUDY GARLANDs „Over The Rainbow“ allein angesichts des wahnwitzigen Tempos ein ganz anderes Gesicht bekommen hatte. Zwischen den Tracks machten die Herrschaften allerhand dumme Sprüche und bewiesen eine ganz schön große Klappe, wozu aus das schräge Pfeifen bei „Me And Julio Down By The Schoolyard (PAUL SIMON) gehörte. Der LED-ZEPPELIN-Klassiker „Stairway To Heaven“ startete noch recht manierlich, geriet dann jedoch ebenfalls außer Rand und Band, bevor’s mit JULIE ANDREWS’ „Favourite Things“ völlig karo-hott ging. Mit „Heart of Glass“ (die BLONDIE-Nummer!) waren ME FIRST AND THE GIMME GIMMES auf einem echten Höllentrip unterwegs, ehe Sänger Spike mit einer Ukulele bewaffnet irgendetwas Italienisches sang und echte Gondoliere-Qualitäten bewies. Mit „I Believe I Can Fly“ (R. KELLY) und „Seasons In The Sun“ (THE KINGSTON TRIO) war der Fünfer erneut temporeich unterwegs, während „Come Sail Away“ ein wenig unorientiert wirkte. Mit dem GEORGE-GERSHWIN-Cover war eine Aufforderung zum Tanzen verbunden, die von den Festivaljüngern gern angenommen wurde und „Nobody Does It Better“ (CARLY SIMON) widmeten die Großmäuler gleich einmal sich selbst, bevor sie „Hero“ auf japanisch vortrugen und die Länder Deutschland – Italien – Japan zur „axxis of fun“ erklärten. Gemeinsam mit dem größer gewordenen Auditorium wurde schließlich noch auf die Schnelle das besagte „Countryroads“ abgefeiert; es folgten noch ein paar Verbeugungen und Umarmungen und schon waren die Punk-Wirbelwinde wieder verschwunden.

Setlist ME FIRST AND THE GIMME GIMMES (ohne Gewähr)
Leavin‘ On A Jet Plane (JOHN-DENVER-Cover)
(Ghost) Riders In The Sky (VAUGHN-MONROE-Cover)
Danny’s Song (LOGGINS & MESSINA-Cover)
Jolene (DOLLY-PARTON-Cover)
Over The Rainbow (JUDY-GARLAND-Cover)
Me And Julio Down By The Schoolyard (PAUL-SIMON-Cover)
Have You Never Been Mellow
Tomorrow (ANNIE-Cover)
Stairway To Heaven (LED-ZEPPELIN-Cover)
Favourite Things (JULIE ANDREWS)
Heart of Glass (BLONDIE-Cover)
I Believe I Can Fly (R.-KELLY-Cover)
Seasons In the Sun (THE-KINGSTON-TRIO-Cover)
Come Sail Away
Summertime (GEORGE-GERSHWIN-Cover)
Rocket Man (ELTON-JOHN-Cover)
Nobody Does It Better (CARLY-SIMON-Cover)
Hero
Country Roads (JOHN-DENVER-Cover)

GOOD RIDDANCE

Das Tent stand heute ganz eindeutig unter Dauer-Beschuss. Diesmal kamen die Gitarrensalven aus dem Melodic-Hardcore-Lager und wurden von GOOD RIDDANCE abgefeuert. Der Vierer aus Santa Cruz hatte die Verspätung, die KYLESA den Kollegen eingebrockt hatte, fast wieder aufgefangen und legte ohne weitere Verzögerung gleich mit gewaltigem Highspeed-Gebratze los. Was die klassische Gitarre-Bass-Drums-Gesang-Besetzung da an Lärm produzierte, war allerdings schon grenzwertig, ein paar Dezibel weniger hätten es durchaus auch getan. Dem vom Pop-Punk durchsetzten Hardcore schien die kalifornische Sonne jedoch aus dem Arsch und wenn die Bässe nicht so im Magen und in der Halsgegend gegrummelt hätten, wär’s sogar ganz schön gewesen. Manchmal ist weniger einfach mehr und weil auch hinten im Zelt mein Mageninhalt immer noch zu vibrieren schien, entschied ich mich, wieder an die Luft zu gehen.

SPORTFREUNDE STILLER

Draußen hatte die Sonne weitgehend die Arbeit eingestellt und statt brennende Hitze lag eine wohlige Wärme über dem AREA 4, das auf den Auftritt der Sporties wartete, die es mit Hilfe eine riesigen Vorhanges spannend machten. Hatte ich in Bezug auf die ME-FIRST-AND-THE-GIMME-GIMMES-Optik noch den Schlager-Vergleich gezogen, hätten meine Oldies beim Intro der SPORTFREUNDE STILLER sämtliche Festival-Vorbehalte fahren lassen. Zu hören gab es „Es war die Nacht am Himalaya“ von den LADINERn, die neben den KASTELRUTHER SPATZEN in Volksmusik-Kreisen wohl so richtig angesagt sind. Habe ich mir zumindest sagen lassen. Mit dem Vorgang verschwand aber auch diese sehr fremdartige Musik und es konnte mit „Wunderbaren Jahren“ zu einem imposanten Bühnenbild in die Vollen gehen. Die Stage war in zwei Ebenen aufgeteilt worden, vorn spielten Flo (Schlagzeug), Peter (Gesang & Gitarre) und Rüde (Bass), hinter sich hatte das Trio einige Leinwände, auf denen sich eine zweite Etage anschloss, die bereits möbliert war und zu „Ein kleiner Schritt“ von einer siebenköpfigen Begleitband eingenommen wurde. Sichtlich angetan war Peter von der Grabensecurity, die wie bereits das ganze Wochenende über nicht nur einen super Job machte, sondern ausgelassen mittanzte und sogar das Publikum zum Klatschen und Tanzen animierte. Tatsächlich ist es so, dass zumindest bei den Firmen, für deren Engagement FKP Scorpio mit verantwortlich ist, Mitarbeiter am Start sind, die ganz offensichtlich viel Spaß an ihrem Job haben und eben nicht nur mit einem grimmigen Blick Crowdsurfer unsanft aus der Menge ziehen. Unermüdlich haben die Jungs, deren Job nun wahrlich kein Zuckerschlecken ist, über drei Tage für Sicherheit und Ordnung gesorgt, Wasser verteilt und ihre Dancing Shoes zum Einsatz gebracht. Große Klasse, wofür ihnen von den Sporties das emotionsreiche „Wunderlied“ verehrt wurde. Zuvor wurde jedoch ausgelassen gefeiert und eine Bühnenshow abgeliefert, die mit ihren verschiedenen optischen Elementen zweifellos Headliner-Qualitäten hatte. So wurden bei „Fast wie von selbst“ nicht nur Arme geschwenkt, sondern auch mehrere Konfettikanonen gezündet. Komplettiert wurde der tolle Eindruck neben einer erlesenen Lightshow durch die vier Streicher, die das erste Stockwerk auf die Größe einer Fußballmannschaft wachsen ließen und beispielsweise Flo begleiteten, der seine Drumsticks an Peter abgegeben hatte und das neue, fett groovende „Es muss was Wunderbares sein von mir geliebt zu werden“ performte. Großes Kino bot auch „Frühling“ vom 2004er „Burli“, bei dem es galt, die Frauen zu schultern, bevor „Clowns und Helden“ wieder Gas gaben. Keine Frage, dass die SPORTFREUNDE-STILLER-Hymne „Ein Kompliment“ vom 2002er „Die gute Seite“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde und fast überall auch absolute Textsicherheit vorhanden war. Im Anschluss nahm sich Rüde zunächst einer arg lädierten Gummipuppe an, von der er annahm, dass es sich um die sagenumwobene Helga handelte, bevor es dann mit viel Gebläse an die „1. Wahl“ ging. Mit der Nummer haben die Jungs aus Germering bei München, die sich nach ihrem Fußballtrainer Hans Stiller benannt haben, ohne Frage den Nagel auf den Kopf getroffen. Peter Brugger hat bestimmt nicht die beste Stimme und auch das Songwriting ist sicher nicht wahnsinnig ausgefeilt, aber diese Typen machen einfach Laune und so geriet auch dieses Konzert wieder zu einer großen Party. Und wenn sie dann auch noch die „I Follow Rivers“-Melodie in der TRIGGERFINGER-Machart pfeifen, haben sie meine Sympathien sowieso. Den Rest besorgt inzwischen die opulente Show, die am Borkenberge wenig später die Bühne in rotes Licht tauchte und die Streicher erklingen ließ, während sich rechts von der Stage ein riesiger Gorilla in den Himmel reckte: „Ich, Roque“ sorgte erneut für ein Meer aus rudernden Armen, die auch beim letzten Track des regulären Sets „Fast wie von selbst“ (vom 2000er Debüt „So wie einst Real Madrid“) in die Höhe schossen und von zahllosen Stimmen begleitet wurden.

Auf der Zielgeraden waren Bläser und Rhythmus noch einmal gefragt, weshalb auch „Der Titel vom nächsten Kapitel“ genauso wie die Ska-Fassung von „Wie lange sollen wir noch warten?“ ins Bein gingen. Vielen Dank für dieses großartige Konzertvergnügen!

Setlist SPORTFREUNDE STILLER
Intro
Wunderbaren Jahren
Alles Roger!
Ein kleiner Schritt
7 Tage, 7 Nächte
Es muss was Wunderbares sein von mir geliebt zu werden
Frühling
Siehst Du das genauso?
Clowns und Helden
Ein Kompliment
1. Wahl
Ich, Roque
Wunderlied
Fast wie von selbst

Der Titel vom nächsten Kapitel
Wie lange sollen wir noch warten?

BEATSTEAKS

Während die deutschen Punk-Urgesteine von SLIME die Zeltbühne auseinander nahmen, machte ich bereits meine Abschiedsrunde und brachte mich alsbald für die BEATSTEAKS in Position, denen die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde, die letzten Kraftreserven der Festivalgemeinde zu mobilisieren. Das volle Gelände ließ schon einmal darauf schließen, dass nicht eben viele Besucher bereits abgereist waren und dank lauer Temperaturen, die angenehm jenseits der 20 °C lagen, waren die Voraussetzungen für einen gelungenen Abschluss des diesjährigen AREA 4 auch bestens. Statt eines Backdrops prangte bei den Berlinern, die aktuell auf Two-Drummer-Tour sind, eine großzügig dimensionierte Leinwand, welche die Zuschauer mit allerlei Eindrücken von der Stage und aus dem Publikum versorgte, nachdem sich zum BLACK-SABBATH-Intro der zum Sechser gewachsene Trupp seinen jeweiligen Arbeitsplatz auf der noch dunklen Bühne gesucht hatte. Beim ersten Track „As I Please“ vom 2007er „Limbo Messiah“ war der Sound noch nicht perfekt, diese Unzulänglichkeiten waren bei „Soljanka“ vom gleichen Silberling bereits vergessen und mit „Milk & Honey“ vom aktuellen No-1-Longplayer „Boombox“ testete Fronter Arnim Teutoburg-Weiß gleich einmal die Sprungqualitäten der Anwesenden, die offensichtlich mit ihren Kräften hervorragend gehaushaltet hatten. Dank „Automatic“ folgte der nächste Hit auf dem Fuße und Arnim suchte ein erstes, aber keineswegs letztes Mal im Grabenvorsprung den Kontakt zu seinen Fans, um bei „Summer“ wenig später selbst zur Krachlatte zu greifen und mit verfremdeten Gesang aufzuwarten, während die Secus mit beeindruckenden Wasserfontänen für Abkühlung sorgten. „Jane Became Insame“ wurde als „Verbrechermusik mit Herz“ angekündigt und markierte natürlich den nächsten Hit der BEATSTEAKS-Diskografie, der kollektiv abgefeiert wurde, was auch für das krachende „Twist And Shout“-Cover galt. In besonderer Erinnerung dürfte „Let’s See“ für einige Damen bleiben, da ihnen die besondere Ehre zuteil wurde, mit Herrn Teutoburg-Weiß ein Tänzchen zu wagen, ehe dank „I Don’t Care As Long As You Sing“ der nächste Burner auf dem Programm stand, den es als Konserve auf dem 2004er „Smack Smash“ zu hören gibt, der jedoch live noch deutlich fetter daherkommt. Für das rasante „Hello Joe“ nahm Arnim mal wieder den Sechssaiter zur Hand und übergab das Mikro bei „Frieda und die Bomben“ gleich komplett an Gitarrist Bernd Kurtze, der seine Sache sehr, sehr geil machte. Auch der zweite Gitarrist Peter Baumann war als Sänger gefragt und hatte sich der emotionsreichen BILLY-BRAGG-Nummer „New England“ angenommen. Dass die vierte Strophe für einen Moment nicht präsent war, tat der 1a-Stimmung keinen Abbruch – sogar Wunderkerzen wurden an dieser Stelle gesichtet! „Hail For The Freaks“ vom „Kanonen auf Spatzen“ aus 2008 setzte ebenso wie „To Be Strong“ den musikalischen Trip druckvoll und mit viel Klasse fort, ehe es mit „Barfrau“ ganz altes Zeug vom 1997er Erstling „48/49“ auf die Mütze gab. Mit „Cut Off The Top“ und „Ain’t Complaining“ war der AREA-4-Chor wieder in seinem Element und beim letzten Song „Let Me In“ klappte es auch endlich ohne Fehl und Tadel mit dem Hinsetzen und Aufspringen. Ob’s vernünftig gelingt, liegt wohl doch auch daran, wie die Meute angeleitet wird. Von Ermüdungserscheinungen war auf jeden Fall weder vor noch auf der Stage etwas zu spüren, trotzdem bedeutet dieser grandiose Song der „Living Targets“-Langrille aus 2002, der den Secus gewidmet war, das Ende der Spielzeit, die nach einem kurzen Ausflug ins Off noch um das formidable BEASTIE-BOYS-Cover „Sabotage“ verlängert wurde, bevor nach 90 Minuten nicht nur der BEATSTEAKS-Auftritt Geschichte war, sondern auch das siebte AREA 4.

Setlist BEATSTEAKS
Paranoid (BLACK SABBATH)
As I Please
Soljanka
Milk & Honey
Automatic
Summer
Jane Became Insane
Twist And Shout (TOP-NOTES-Cover)
Let’s See
I Don’t Care As Long As You Sing
Hand In Hand
Hello Joe
Frieda und die Bomben (FU-MANCHU-Cover)
New England (BILLY-BRAGG-Cover)
Hail To The Freaks
To Be Strong
Barfrau
Cut Off The Top
Ain’t Complaining
Let Me In

Sabotage (BEASTIE-BOYS-Cover)
Heiß war’s, laut war’s und schön war’s. Der Musik-Mix war in diesem Jahr für meine Ohren gelegentlich etwas zu brachial, aber insgesamt dürften die Veranstalter den Geschmack der Festival-Gemeinde getroffen haben. Wenn mich mein Empfinden nicht trügt, war das Durchschnittsalter in diesem Jahr etwas höher und in jeden Fall hat sich der Einsatz der vielen ehrenamtlichen Lotsen gelohnt. Das Projekt 24/5 ermöglichte es freiwilligen Helfern, fünf Tage Festivalfeeling zu erleben und Teil des Ganzen zu sein. Sie halfen beim Aufbau, übernahmen die Bändchenvergabe, wiesen Fahrzeuge ein, sorgten dafür, dass der Campingplatz von Müll befreit wurde und schufen somit mehr Komfort für den Festivalbesucher. In der Geschichte des AREA 4 gab es noch nie so kurze Wartezeiten im Bändchenzelt, welches neuen Einlasskonzepten, wie z.B. der Fast Lane und der Hilfe von zahlreichen Lotsen zu verdanken war. Belohnt wurden diese übrigens am Samstag mit einem Akustikkonzert der SUBWAYS, das auch dem Lotsen-Campingground stattfand und in dessen Anschluss sich Bassistin Charlotte und Gitarrist Billy spontan noch beim Trash-Mob-Müllsammeln auf dem großen Zeltplatz beteiligten. Nicht kommen konnten übrigens BARONESS, die einen Unfall mit ihrem Tourbus hatten und deshalb absagen mussten.

Copyright Fotos: Ulrich Klenk

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