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AREA4 2011 – TAG 1

Ort: Lüdinghausen – Flugplatz Borkenberge

Datum: 19.08.2011

Ein Wochenende im August: Zehntausende freuten sich auf die letzten Festivals des Sommers. So auch beim Pukkelpop in Hasselt/ Belgien, wo am Donnerstagabend ein plötzlich aufgezogenes Unwetter der ausgelassenen Festivalstimmung ein jähes Ende bereitete. Die traurige Bilanz zweier eingestürzter Bühnen sowie mehrerer verwüsteter Leinwände, Zelte und Metallkonstruktionen: Fünf Tote und 70 Verletzte. Natürlich wurde das Festival, welches offensichtlich in letzter Zeit unter keinem guten Stern stand (2010 stürzte sich Charles Haddon, Sänger der britischen Synthie-Pop-Band OU EST LE SWIMMING POOL, von einem Satellitenmast in den Tod und Michael Been, Tontechniker der Band BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB, Sänger/ Bassist von THE CALL und Vater des BRMC-Sängers Robert Leven Been, erlitt einen tödlichen Herzinfarkt) sofort abgebrochen und uns bleibt nur, den Freunden und Angehörigen der Opfer dieser Tragödie unser Mitgefühl auszusprechen.

Als am Freitagnachmittag die erste Band die fünfte Auflage des AREA 4 am Standort Borkenberge eröffnete, konnte noch niemand ahnen, dass auch über Lüdinghausen noch dunkle Wolken aufziehen würden, die fast zum Abbruch des Festivals geführt hätten, aber davon später mehr.

TITLE FIGHT

Zunächst einmal sollte das dreitägige Spektakel ja einmal beginnen und das tat es um 15 Uhr im Zelt. Zum zweiten Mal seit 2008 gab es eine weitere, in einem weißen Viermaster untergebrachte Bühne, auf der sich pünktlich um 15 Uhr die vier Herren von TITLE FIGHT versammelt hatten. Die Jungspunde aus Pennsylvania hatten Hardcore Punk auf dem Zettel, der beim Opener „Shed“ allerdings ein wenig unter der noch nicht optimalen Technik litt. So klang der Gesang doch ein wenig, als müsse die Combo noch üben, wobei mir versichert wurde, dass die Jungs als Konservenkost ohne Fehl und Tadel rüberkämen. Ich gab ihnen mit dem folgenden „Symmetry“ noch eine weitere Chance, irgendwie fehlte aber der richtige Wumms, sodass ich es vorzog, an der Main Stage nach dem Rechten zu sehen.

VEARA

VEARA annoncierten „Pop-Punk aus dem Pfirsichstaat“ und genau das gab es auch von der Truppe aus Augusta/ Georgia, die im letzten Jahr mit SUM 41 auf Deutschland-Tour war. „Better Off Without You“ brachte dann auch alles mit, was man in Sachen Pop-Punk erwarten darf und zu „Pull Your Own Weight“ wurde bereits ausgelassen getanzt und auch die ersten Circle Pits ließen nicht lange auf sich warten. Ihre eingängigen Melodien, die den mehrstimmigen Gesang begleiteten, widmete der Vierer schließlich den Pukkelpop-Betroffenen, ehe sie um 15.40 Uhr bereits 15 Minuten vor der Zeit das Feld räumten.

THE OCEAN

Also wieder zurück ins Zelt, das sich für das heftige Gegrowle von THE OCEAN rüstete. Post-Hardcore mit Ausflügen in den Prog Metal und ins klassische Fach standen bei diesem Quintett mit Hauptquartier in der Schweiz auf dem Programm und entsprechend wurde das Auditorium mit jeder Menge „Lärm“ empfangen. Es ging ordentlich zur Sache bei den Gitarrenfricklern, die sich mit Robin Staps und Loic Rosetti gleich zwei Sänger leisten und auf eine beachtliche Anzahl von ehemaligen Mitgliedern zurückblicken können, die im Laufe der jetzt elfjährigen Bandgeschichte „verschlissen“ wurden. Auf jeden Fall sollten nach diesem hochenergetischen Gig alle Zuschauer wach geworden sein und nach diesem ausgiebigen Kontakt mit längeren Instrumentalpassagen, die durchaus liebliche Melodien mit markigem Geshoute und knüppelharten Riffs verbanden, war es an der Zeit, sich deutschsprachigem Liedgut zu widmen.

TURBOSTAAT

Für diesen Part waren TURBOSTAAT aus dem hohen Norden angereist. Der Fünfer aus Husum reihte sich in die lange Reihe der Punkbands ein, die an diesem Wochenende auf den Area-4-Bühnen für Stimmung sorgten und immerhin waren die TURBOSTAATler bereits zum dritten Mal mit von der Partie. Mit vier Alben hatten die seit zwölf Jahren aktiven Punkrocker genügend Material in petto, um der Festivalgemeinde die Ohren frei zu pusten und die zahlreichen Zuschauer wussten dies durchaus zu schätzen. Es war schon gut was los vor der großen Bühne und da die straighte Mucke der Nordlichter auch direkt ins Bein ging, durfte auch schon ausgiebig getanzt werden. Belohnt wurden TURBOSTAAT mit lautstarken Wünschen nach einer Zugabe, die aber aufgrund der fortgeschrittenen Stunde nicht erfüllt werden konnten.

THE BLACK PACIFIC

Falls dem einen oder anderen das Gesicht des Sänges von THE BLACK PACIFIC bekannt vorkam, war dies kein Wunder. Immerhin stand Jim Lindberg satte 20 Jahren PENNYWISE vor. Auch mit seiner neuen Combo hat sich der Herr weiterhin melodischem Punkrock verschrieben, der jedoch auch eine saftige HC-Beimischung erfahren hat. So ging der blitzschnelle Opener „The System“ sogleich in die Vollen und neben allerlei Gute-Laune-Punk wurde wie bei „When It’s Over“ auch schon einmal amtlich geknüppelt. Beim RAMONES-Cover „Blitzkrieg Bop“ verwandelte sich das Zelt umgehend in einen kleinen Hexenkessel, da machte es auch nichts, dass der Song ziemlich abrupt endete und erneut begonnen werden musste. Da hatte sich wohl jemand heftigst verspielt, dem hohen Energielevel tat die jedoch keinen Abbruch und so gab’s mit „Put Down Your Weapons“ noch mal die volle Breitseite.

ROYAL REPUBLIC

Draußen kündete derweil bereits ein großes Backdrop vom nächsten musikalischen Exportschlager Schwedens. Hierzulande haben ROYAL REPUBLIC insbesondere durch ihre gemeinsame Tour mit den DONOTS für Furore gesorgt und auch am Borkenberge wussten die Jungs um Rampensau Adam Grahn zu begeistern. Es gab fetten Arschrock mit einer Prise Britpop und Punk auf die Mütze – eine Mischung der sich kaum einer entziehen konnte und so stieg auf und vor der Main Stage die erste richtig fette Party des Tages. Bisweilen erinnerte die Show ein wenig an die Kollegen von THE HIVES; etwa wenn bei „All Because of You“ eine kurze Pause eingelegt wurde und die Band in Bewegungslosigkeit verharrte, um auf diese Weise die Spannung zu steigern, bevor es mit viel Biss weiterging. Ein Stomper war das wunderbare „Full Steam Spacemachine“, ehe beim folgenden „Underwear“ zwischenzeitlich nur Adam und Drummer Per Andreasson auf der Bühne waren und gemeinsam auf die Felle eindroschen. Am Ende kam aber die gesamte Truppe zurück an ihre Arbeitsplätze und präsentierte bei „Tommy-Gun“ auch mal einen Happen LADY GAGA, der von METALLICA gefolgt wurde. Nachdem die Skandinavier ihre Fans zum Hinsetzen (und dem damit verbundenen Aufspringen) bewegt hatten, machten sie sich daran, ins Off zu verschwinden, ließen sich vermittels Akklamation aber noch zu einem knackigen Zugabenblock überreden, der dank „The Royal“ mit einem wahrlich majestätischen Arschtritt endete.

Setlist ROYAL REPUBLIC
President’s Daughter
Walking Down The Line
All Because of You
I Must Be Out of My Mind
Cry Baby Cry
Full Steam Spacemachine
Underwear
Tommy-Gun

Vicious
21st Century Gentlemen
The Royal

DISCO ENSEMBLE

Im Zirkusrund wartete schon die nächste Skandinavien-Granate auf ihren Einsatz und tatsächlich legte das DISCO ENSEMBLE aus Helsinki/ Finnland mit „Pitch Black Cloud“ einen furiosen Start hin. Nun sollte man sich nicht vom Namen des Quartetts verwirren lassen – mit Disco hat die Mucke nämlich schon mal rein gar nichts zu tun. Vielmehr stehen Post-Hardcore, Punk- und Indie-Rock seit 1996 im Stammbuch der Kapelle. Daheim sind sie eine ganz große Nummer und es ist mir ein Rätsel, warum sich das DISCO ENSEMBLE hierzulande noch nicht nach ganz oben katapultieren konnte. Verdient hätten sie es, so energiegeladen wie es auch bei diesem Gig wieder zur Sache ging. Im ziemlich vollen Zelt stand entsprechend auch schon bald kein Bein mehr still – egal ob tight nach vorn gerockt wurde oder wie bei „Bad Luck Charm“ auch mal tanzbare Elektronik ins Spiel kam. Mit „Black Euro“ gab’s erneut die volle Packung, zu der die Leute aus gutem Grund steil gingen und auch die „Don’t Cry For Me Argentina“-Variante von „So Cold“ mit jeder Menge Beifall bedachten. So in Stimmung gebracht, wurden bei „White Flag For Peace“ spontate Gesänge angestimmt und bereits die ersten Keyboard-Klänge von „Headphones“ sorgten für Begeisterungsstürme. Keine Frage, dass es unter der weißen Plane auch noch beim abschließenden „Stun Gun“ brodelte und 45 Minuten für das DISCO ENSEMBLE eindeutig zu kurz waren!

Setlist DISCO ENSEMBLE
Pitch Black Cloud
Drop Dead Casanova
Threatletter Typewriter
Semi Eternal Flame/ Undo
Bad Lick Charm
Black Euro
So Cold
White Flag For Peace
Headphones
Stun Gun

MADSEN

Schnell wieder raus ins grelle Tageslicht, wo MADSEN bereits seit 15 Minuten auf der Bühne standen. „Die Perfektion“ wurde gerade mit einem eingestreuten „If You Think I’m Sexy“ (ROD STEWART) begangen, als ich dazu stieß und als erstes Johannes Madsen ansichtig wurde. Der älteste Madsen-Bruder an der Gitarre war wieder im türkisblauen Trainingsanzug angetreten und mitsamt Schenkelbürste zweifellos der Inbegriff von „sexy“. Ansonsten gehören MADSEN beim Area 4 fast schon zum Inventar und verlangten deshalb auch nach einem Dauer-Abo, das sie von ihrem Publikum, welches ihnen aus der Hand fraß, mit Sicherheit auch bekämen. „Mein Herz bleibt hier“ beschloss Sänger Sebastian Madsen wenig später und stellte fest, dass es dem Auditorium keineswegs an Textsicherheit mangelte. In „Panik“ wandte sich der Fronter an Bruder Sascha, um gemeinsam das Drumkit zu bearbeiten, bevor’s „Mit einem Moped nach Madrid“ ging. Diesmal ohne entsprechendes Gefährt auf der Bühne, aber mit Sebastian im Graben und einem Circle Pit, in deren Mitte zwei „Häschen“ tanzten (die Kostümierungen waren auch in diesem Jahr teilweise herzallerliebst). Keine Frage, dass „Du schreibst Geschichte“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde und auch „Nachtbaden“ die nötige Aufmerksamkeit bekam. Vielleicht hätte man Bassist Niko Maurer zu seinem heutigen 30. Geburtstag noch ein Ständchen bringen können, doch dazu kam es leider nicht mehr. Also geben wir MADSEN ihr Area-4-Dauerabo, dann können wir vielleicht im nächsten Jahr zum 31. gratulieren und uns über Songs vom angekündigten neuen Album freuen.

Setlist MADSEN (ab 19.00 Uhr)
Die Perfektion
Mein Herz bleibt hier
Panik
Mit dem Moped nach Madrid
Du schreibst Geschichte
Nachtbaden

KARNIVOOL

Den weiten Weg aus down under sind KARNIVOOL ins beschauliche Münsterland gekommen, um ihren grandiosen Alternative/ Progressive Metal zum Besten zu geben. Diese Musik ist nicht unbedingt massenkompatibel und so war es im Tent nicht mehr ganz so voll, was schade war, denn die Nicht-Anwesenden haben definitiv etwas verpasst. Schien dem Opener „Simple Boy“ zunächst noch ein wenig der Zusammenhang zu fehlen, entwickelte sich der Sound der Australier, die seit 1997 gemeinsame Sache machen, immer mehr. Fette Gitarrenriffs, die auf den teilweise sehr hohen Gesang von Ian Kenny trafen, wurden von Trommelkaskaden begleitet, für die Steve Judd zuständig war, während die Langaxtfraktion ihre tiefen Saiten wie im Nu-Metal üblich auf „Dropped B“ gestimmt hatte. Ein besonderes Hörerlebnis, das es in sich hatte und von der Lightshow passend untermalt wurde!

DANKO JONES

Auf der großen Bühne wurde nunmehr Mr. DANKO JONES mitsamt seiner beiden Mannen John Calabrese am Bass und Atom Willard hinter der Schießbude erwartet. Entweder ist der Kanadier mit der schnellen Zunge und dem lockeren Mundwerk ruhiger geworden oder er war an diesem Freitag ausnahmsweise nicht in bester Spiellaune. Vielleicht waren ihm die Reaktionen seiner Zuschauerschaft aber auch nicht euphorisch genug – auf jeden Fall hielt sich der Sänger und Gitarrist auffallend zurück, was seine Sprüche und sein Zungenspiel anging. Der Garagen-Rock war hingegen gewohnt knackig und es ging mit dreckigem Gejaule und druckvollem Riffing in die Vollen. Mit „First Date“ kam schlussendlich auch Bewegung ins Publikum und sogar ganz ohne musikalische Begleitung ließen sich die Festivalbesucher zum Circle Pit bewegen. Letztlich lieferten DANKO JONES mit „Full of Regrets“ dann auch die entsprechende Untermalung und mit ihren La-Ola-Wellen konnten die Zuschauer Mr. Jones endgültig davon überzeugen, dass sie nicht nur auf Jared Leto warteten, sondern auch großes Interesse an seiner Mucke hatten. Zuvor hatte die dunkelhäutige Kratzbürste die Vermutung geäußert, die Mädels in den ersten Reihen wären nur wegen des 30 SECONDS TO MARS-Beaus da, um sich frühzeitig die besten Plätze zu sichern und haute deshalb schnell einmal das vor Testosteron strotzende „Lovercall“ raus, bei dem er dann auch endlich seine Zungenfertigkeit unter Beweis stellte. Auch das tanzbare „Had Enough“ gab noch mal richtig gas, ehe „Cadillac“ coole Töne anschlug und mit dem knackigen „Moutain“ das High-Energy-Finale eingeläutet wurde.

Setlist DANKO JONES
The Rules
Play The Blues
Active Volcanoes
Forget My Name
Sticky Situation
First Date
I Think Bad Thoughts
?
Full of Regrets
Sugar Chocolate
Sugar High
Lovercall
Had Enough
Cadillac
Mountain

IGNITE

Währenddessen drohte das Zelt fast aus allen Nähten zu platzen, so groß war der Ansturm, den IGNITE aus dem Orange County in Kalifornien ausgelöst hatten. Die Melodic-Hardcore-Rocker um Fronter Zoltan „Zoli“ Téglás verfügen nach 18 „Dienstjahren“ und sieben Alben halt über eine solide Fan-Base und zählen zudem zu DEN Genre-Aushängeschildern, weshalb wohl zusätzlich viele den Gedanken hatten, sich die Band doch auch endlich mal live anzuschauen, wo sich die Gelegenheit gerade günstig bot. Vermutlich wären IGNITE deshalb auf der Main Stage besser aufgehoben gewesen, so rockten sie halt das Zelt in Grund und Boden und hatten zusätzlich noch Zeit, der militanten Umweltschutzorganisation Sea Shepard ein Forum zu geben. Die Bandmitglieder sind bekennende Unterstützer von Sea Shepard, das sich den Schutz der Meere und ihrer Bewohner auf die Fahnen geschrieben hat und dabei auch vor recht extremen Mitteln nicht zurückschreckt. So werden durchaus Schiffe versenkt, wobei die Society Wert auf die Feststellung legt, dass bei ihren Aktionen keine Gewalt gegen Menschen ausgeübt wird oder wurde. Das Interesse des Auditoriums an den Ausführungen des Sea-Shepard-Aktivisten war eher zwiespältig, die Leute waren halt doch in erster Linie wegen der Musik da und bekamen wenig später mit „Sunday Bloody Sunday“ ein fettes U2-Cover hingerotzt, bevor sich Zoli am Ende des Gigs noch im Crowdsurfen übte. Das war’s dann auch schon wieder mit den fetten Gitarrengewittern aus dem Hause IGNITE, denen draußen vergleichsweise softe Klänge folgten.

JIMMY EAT WORLD

Hier waren nämlich seit geraumer Zeit bereits JIMMY EAT WORLD am Drücker und präsentierten mit „Actually Tonight“ gerade einen neuen Song, als ich kurz vor 22 Uhr hinzu stieß. Mit „Pain“ ging’s mit viel Schmackes weiter, ehe „23“ ruhigere Töne anschlug. Insgesamt sind JIMMY EA WORLD eine Spur elektronischer geworden, mit 18 Jahren Bandgeschichte auf dem Buckel sollte man vielleicht auch die College-Pop-Punk-Tage irgendwann hinter sich lassen und im besten Sinne erwachsen werden, wobei typischer JEW-Stuff à la „Evidence“ natürlich nicht fehlen durfte. Was selbstverständlich auch für DIE Bandhymne „The Middle“ galt, mit der die Amis 2002 richtig durchstarten konnten.

HOT WATER MUSIC

Auch HOT WATER MUSIC können auf inzwischen 17 gemeinsame Jahre zurückblicken, wobei der aktuelle Drummer Dave Raun (LAGWAGON) erst 2009 für George Rebelo dazugestoßen ist, nachdem letztgenannter zu AGAINST ME! gewechselt war. Für den Gesang sind Chuck Ragan und Chris Wollard zuständig und wir wollen mal hoffen, dass sie nicht wirklich so viel gesoffen und gequalmt haben, wie man vermuten könnte, wenn man ihre extrem kratzigen Stimmen hört. Zweifelsohne machen sie aber einen erheblichen Teil des Charmes des energiegeladenen Post-Hardcores des Kleeblatts aus Gainesville/ Florida aus, das beim Area 4 einmal mehr alle Register zog und uneingeschränkt zu begeistern wusste. Nach einem mexikanisch angehauchten Intro gaben die Herren mit „A Flight And A Crash“ ihren zackigen Einstand, der mit „Giver“ seine gut gelaunte Fortsetzung fand. „Rooftops“ präsentierte sich etwas ruhiger, was nicht bedeutete, dass weniger Energie geflossen wäre! „Paper Thin“ war allen gewidmet, die mit ihrer Arbeit zum Gelingen des Festivals beitrugen und machte schlicht jede Menge Spaß, was in gleichem Maße auch für „The Fire, The Steal, The Tread“ galt. In diesem Sinne ließen es HOT WATER MUSIC nach allen Regeln der Kunst krachen und beendeten ihr reguläres Set mit dem knackigen „Turnstile“, um am Ende noch zwei Zugaben rauszuhauen, bei denen „True Believers“ natürlich nicht fehlen durfte. Nach einer guten Stunde mit gnadenlos dreckigem Post-Hardcore erster Güte und einem fetten Grinsen auf dem Gesicht, war für mich damit das Freitagsprogramm im Zelt beendet, das zu späterer Stunde (wie bereits tags zuvor, wodurch sich auch den extremen Biergeruch bereits bei TITLE FIGHT erklärte) noch als Disco fungieren sollte.

30 SECONDS TO MARS

Doch draußen wartete ja noch der heutige Headliner 30 SECONDS TO MARS, der es allerdings schwer habe sollte, gegen meine drei Probleme Blasendruck, Kälte und Müdigkeit anzuspielen. Wobei ich feststellen durfte, dass Jared Leto erstaunlich gut bei Stimme war. Dem singenden Schauspieler hätte ich so eine einwandfreie gesangliche Leistung ehrlich gesagt gar nicht zugetraut, aber der Herr, der dieses Mal auf allzu viel Farbe im Haupthaar verzichtet hatte und sich in einem dezenten Braunton der überwiegend weiblichen Fanschar präsentierte, agierte an Mikro und Gitarre absolut fehlerfrei und natürlich lieferten 30 SECONDS TO MARS auch ansonsten eine beeindruckende Show ab. Bei „This Is War“ flogen beispielsweise riesige rote Luftballons von der Bühne ins Publikum, auch mit Lichteffekten wurde nicht gespart und den Rest besorgte Mr. Leto, an dessen Lippen die Mädels nicht nur beim druckvollen „Vox Populi“ hingen, während er wenig später bei „Alibi“ allein seine Wandergitarre bearbeitete. Den Song hatte der Frauenschwarm übrigens den Pukkelpop-Opfern gewidmet. Eigentlich hätten 30 SECONDS TO MARS dort ebenfalls gespielt und in Hasselt mit der Nummer sicherlich ein noch imposanteres Meer aus Feuerzeugen erzeugt als dies die 20.000 Anwesenden des Area 4 hinbekommen haben. Mit „Hurricane“ blieb es akustisch, bis zur Bandhymne „Closer To The Edge“ die Kollegen den Weg auf die Stage zurückfanden und wieder mit viel Pathos gerockt wurden.

Für mich der Zeitpunkt für einen geordneten Rückzug, schließlich lagen noch zwei Tage mit jeder Menge Musik vor mir, da sehnten sich die alten Knochen nach Schlaf, bevor am Samstag der große Punk-Overkill über Borkenberge niedergehen sollte.

Copyright Fotos: Uli Klenk

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