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ASAF AVIDAN

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 30.05.2013

Sogar ASAF AVIDAN sind schon die Gerüchte zu Ohren gekommen, dass es Bielefeld gar nicht gibt, doch der Israeli, dessen „Reckoning Song“ im vergangenen Sommer als WANKELMUT-Remix für Furore sorgte, wusste es besser. Schließlich war er bereits dreimal in der Pudding-Metropole und im dortigen Forum, wenngleich es hier zweifellos noch nie so voll bei einem seiner Konzerte war, wie an diesem Donnerstag, der den Westfalen gleichzeitig einen Feiertag bescherte, während ich als Niedersachse an Fronleichnam wie üblich arbeiten musste und zunächst ein wenig verwirrt war, dass bereits sämtliche Discounter, an denen ich vorbeifuhr, geschlossen hatten, bis es mir endlich dämmerte. Vor der Konzertstätte herrschte da eindeutig mehr Verkehr und auch im Inneren gab es kaum noch einen freien Platz, als um 21.15 Uhr ASAF AVIDAN gemeinsam mit seiner vierköpfigen Begleitband die Stage enterte.

Wobei es sich bei den Musikern nicht um die MOJOS handelte; vielmehr hat der 33-jährige Ende 2012 sein Soloalbum „Different Pulses“ veröffentlicht und präsentiert auf der aktuellen Tour schwerpunktmäßig Songs dieser Platte, die gleichwohl von einem Bassisten, einem Drummer, einer Keyboarderin und einer Percussionistin begleitet werden. Gemeinsam legte der Fünfer mit dem Track „Cyclamen“ vom besagten Longplayer einen smarten Einstieg hin, um mit „Setting Scalpels Free“ ruhig nachzulegen. Eindringlich schloss sich der Titeltrack „Different Pulses“ an, der Asafs Falsettstimme ins rechte Licht rückte, um mit „Beggar“ einen kleinen Ausflug in David-Lynch-Gefilde zu unternehmen. In der Nummer hat Mister Avidan irgendwelche wirren Träume verarbeitet und das hörte man dem eifrig beklatschten Lied durchaus an. Auch „This Cool“ brauchte einen leicht verqueren Ansatz mit, um gleichzeitig mit Soul- und Bluesversatzstücken und allerlei Improvisationen zu gefallen. Für das rhythmusbetonte „Hoist Up The Cplours!“ wechselte der Bassmann an ein Tasteninstrument und die Percussion-Dame bearbeitete eine Glasflasche mit einem Drumstick, was ebenso wie das orientalisch angehauchte, druckvoll-verspielte „613 Shades of Sad“ mit kräftigem Klatschen quittiert wurde. Für den großzügigen Schlussapplaus gab’s dann auch gleich noch einen Nachschlag, bevor die Bühne für das emotionsgeladene „Small Change Girl“ in blaues Licht getaucht wurde. Hier war es zunächst an der Tastenfrau, für den ätherischen Gesang zu sorgen, während der Chef eine Mundharmonika blies und in die Saiten seiner Gitarre griff, ehe auch er wieder sein außergewöhnliches Organ erhob. Nach einigen Erklärungen zum Mikrokosmos Bühne und den Besonderheiten eines ASAF-AVIDAN-Gigs mit seinen ganz eigenen Gesetzen, stand mit „Conspiratory Visions of Gomorrah“ ein weiterer wunderbarer Vertreter des letzten Silberlings auf dem Programm, der sich dank seiner „Lalala“-Passagen auch bestens zum Mitsingen für Textunkundige eignete. Bei der sich anschließenden Akustiknummer „My Latest Sin“ übernahm ASAF AVIDAN nur mit seiner Akustikklampfe bewaffnet das Sagen und bewies erneut, wie sehr er häufig nach der seligen JANIS JOPLIN klingt. Für „Weak“ kehrte die gesamte Truppe zurück und zeigte der Basser sein Können an der Melodica – ein Instrument übrigens, das die Mädels total heiß machen soll. So war sinngemäß zumindest die Ansage des Bandvorstandes, der vom deutschen Namen seiner „Suspenders“ (= Hosenträger) total angetan war und wenig später seine blonde Rhythmusgeberin anschmachtete. Mit dem schmissigen „Love It Or Leave It“ endete der reguläre Part nach 70 Minuten, aber natürlich war’s das noch nicht, schließlich fehlte auf jeden Fall noch der besagte „Reckoning Song“ vom gleichnamigen MOJOS-Debüt aus 2008.

Dieses Stück eröffnete folgerichtig den Zugabenblock und an dieser Stelle durften die Ostwestfalen, die im Übrigen überwiegend schon ein paar Jahre älter waren, dann auch einmal ihre Textsicherheit unter Beweis stellen. Auch „Her Lies“ ging noch einmal aufs Ganze, zum Schluss stand ASAF AVIDAN gar auf der Bassdrum, um schließlich mit dem ausführlich zelebrierten und amtlich krachenden „Hangwoman“ zum finalen Massenhüpfen zu animieren. Währenddessen verabschiedeten sich die Mädels schon mal zum Merchandising, um die Kaufgelüste des Auditoriums zu befriedigen, schließlich waren doch in NRW heuer eh die Geschäfte zu und wahrscheinlich hatten nicht alle ihre Chance genutzt, um am Westfalentag in Osnabrück und Umgebung einzufallen. Auf jeden Fall hatte ASAF AVIDAN auf der Stage und am Merch mehr zu bieten als die gesichtslosen und völlig austauschbaren Fußgängerzonen der Republik. Auch bei seinem vierten Besuch in der Leineweberstadt wusste der Mann nicht nur mit seinen sehr speziellen Vocals zu überzeugen, auch das Songwriting und die Bühnenpräsenz waren wieder einmal ein Genuss. Immer wieder gern!

Setlist
Cyclamen
Setting Scalpels Free
Different Pulses
Beggar
This Cool
Hoist Up The Colours
613 Shades of Sad
Small Change Girl
Conspiratory Visions of Gomorrah
My Latest Sin (Acoustic)
Weak
Love It Or Leave It

Reckoning Song
Her Lies
Hangwoman

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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