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ASAF AVIDAN & THE MOJOS

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 05.05.2011

Zumindest in Bielefeld ist ASAF AVIDAN kein Unbekannter mehr. Als gern gesehener Gast machte er an diesem lauen Donnerstagabend zum dritten Mal mit den MOJOS Halt im gut gefüllten Forum, wo sich das sehr gemischte Publikum auf alte und neue Songs des 31-jährigen Israelis mit der ungewöhnlichen Stimme freute. Daheim ist Asaf bereits ein gefeierter Star und auch in Europa mehren sich die Fans zusehend. Kein Wunder bei der temperamentvollen Mischung aus Blues, Indie- und Prog-Rock, die ASAF AVIDAN mit einer Inbrunst vorträgt, wie man sie selten erlebt. Zu dieser Spielfreude gesellt sich ein Falsettgesang, der nicht selten an die selige JANIS JOPLIN erinnert, aber auch in tieferen Stimmlagen zuhause ist.

Für den Anfang verzichtete ASAF AVIDAN auf die Unterstützung seiner vierköpfigen Kapelle, die aus Hadas Kleinman (Cello), Ran Nir (Bass), Roi Peled (Gitarre) und Yoni Sheleg (Drums) besteht und startete nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet mit dem ruhigen „Left Behind“. Bereits beim „Reckoning Song“ vom ersten Longplayer „The Reckoning“, der im vergangenen Jahr bei uns erschienen ist, gab’s reichlich vom verdienten Applaus, bevor nach diesem ersten Highlight die MOJOS die Stage enterten. „Got It Right“ vom aktuellen Album „Poor Boy/Lucky Man, das vor einem Monat in die bundesdeutschen Plattenläden gekommen ist, baute mit einem langen Intro gekonnt Spannung auf, um sich schließlich in eruptiven Sounds mit mehrstimmigen Vocals zu ergießen. Für das knackige „Jet Plane“, das in bester Seventies-Manier daherkam, wechselte die Langaxt-Fraktion zu den elektrischen Sechssaitern und legte Hadas eine kleine Pause ein, war aber beim grandiosen „Rubberband Girl“ wieder mit von der Partie, ehe sie beim krachenden „Little Stallion“ erneut im Off verschwand. Fräulein Kleinman war halt mehr bei den leisen Tönen gefragt und bekam entsprechend auch beim eindringlichen „Out In The Cold“ gut zu tun. Hier zeigte sich auf Nachfrage, dass das ostwestfälische Publikum nicht besonders religiös zu sein scheint, weshalb es vielleicht auch gleich mal eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Altes Testament gab und Asaf die Geschichte von König David vortrug. Für das zu Herzen gehende „Out In The Cold“ versammelte sich wieder die komplette Truppe auf der Bühne und gemeinsam wurde auch das rhythmusbetonte „Painting On The Past“ intoniert. Allerdings wechselte die Cellistin hier kurzfristig zur Melodica. Einen weiteren Besetzungswechsel gab’s bei „Small Change Girl“, denn hier begann Asafs Piano-Phase. Nachdem er über die Verrücktheit seiner Shows im Besonderen und des Lebens im Allgemeinen sinniert hatte, brachte der Vollblutmusiker sein Auditorium in den Genuss besonders hoher Falsettklänge, die dem Lied besondere Emotionalität verliehen. Mehr und mehr wurde das Zusammenspiel des Quintetts zur Jam-Session, die fließend zum kraftvollen „The Ghost of A Thousand Little Lies“ überging. Mit „Disciple“ schloss sich ein langsamer Stomper an, bevor „Beggar“ allmählich den Druck steigerte und schließlich wie der Teufel rockte. Nach diesem Ausflug ans Tasteninstrument kehrte Herr Avidan mit „Sailors“ an die E-Gitarre zurück und erklärte seinen Fans, nun sei der Moment gekommen, die Energie rauszulassen. Währenddessen bearbeitete Hadas ein fast leere Flasche Bushmills-Whiskeyflasche, deren Inhalt vermutlich nur zu diesem Zwecke getrunken worden war, mit einem Drumstick. Tatsächlich ging das Stück unmittelbar ins Bein – vermutlich in der gleichen Weise wie die hochprozentige Bushmills-Flüssigkeit direkt in den Kopf geht. Die volle Breitseite gab’s auch mit „Wasting My Time“, bei dem das Auditorium eifrig Mitklatschen und –singen durfte. Ihren Höhepunkt hatte die wunderbare Party wohl mit „Hangwoman“ erreicht, leider endete hier nach 90 Minuten, die wie im Fluge vergangen waren, auch schon das reguläre Set und auch wenn Asaf nicht verstehen konnte, was die Anwesenden genau riefen, ahnte der Fünfer doch, dass es im Saal einen ganz dringenden Wunsch nach einer Zugabe gab. „Her Lies“ groovte schließlich auch noch einmal auf das Feinste und nachdem ASAF AVIDAN & THE MOJOS erkannt hatten, dass die Bielefelder mit einer Zugabe noch nicht zufrieden sein würden, legten sie mit „Turn of The Tides Under The Northern Lights“ vom jüngsten Werk „Through The Gale“ (bislang nur in Israel erhältlich) sehr getragen und mit der passenden Dosis Dramatik nach und spielten diese Nummer zum ersten Mal überhaupt außerhalb Israels.

Nach 115 Minuten verabschiedeten sich die Musiker dann aber doch endgültig von ihrem restlos begeisterten Publikum, das einmal mehr ein Konzert der Extraklasse erleben durfte. Bei ASAF AVIDAN & THE MOJOS passt aber auch wirklich alles! Bleibt nur zu hoffen, dass wir bald auch die noch fehlenden Silberlinge AA&TM-Diskografie hierzulande erwerben können und die Israelis des Tourens nicht müde werden.

Setlist
Left Behind
Reckoning Song
Got It Right
Jet Plane
Rubberband Girl
Little Stallion
Out In The Cold
My Favourite Clown
Painting On The Past
Small Change Girl
A Ghost of A Thousend Little Lies
Disciple
Beggar
Sailors
Wasting My Time
?
Hangwoman

Her Lies

Long Way From Love

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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