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ASH – THE DONNAS – SPARTA (JÄGERMEISTER ROCK:LIGA)

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 28.11.2007

Hinter der Jägermeister Rock:Liga verbirgt sich ein Wettbewerb in vier Gruppen mit jeweils drei Bands, die in verschiedenen Städten antreten und 45 Minuten Zeit haben, Ihr Publikum von ihren Qualitäten zu überzeugen, das dann vermittels Akklamation ihren Favoriten wählt. Zum Schluss treten die Gruppensieger in Berlin gegeneinander ein, der finale Gewinner darf sich zu guter Letzt „JägerMeister 2008“ nennen. So weit waren wir in Bielefeld allerdings noch lange nicht. Vor etwa 600 Zuschauern bestritten SPARTA, THE DONNAS und ASH den dritten von fünf Gruppenauftritten, wobei an diesem Abend SPARTA aus Texas den Anfang machten.

Angekündigt wurden sie von Axel Bosse, dem Fronter der gleichnamigen Deutschrock-Band aus Braunschweig, der als Moderator durch das Programm führte. So wusste er zu berichten, dass die aktuelle Scheibe „Threes“ 2006 vom Visions-Magazin zum besten Album des Jahres erkoren worden war, obwohl es zu diesem Zeitpunkt nur als Download erhältlich war. Der Terrorverlag hatte beim AREA 4 schon angenehme Bekanntschaft mit dem Quartett gemacht, das aus der zuvor zerfallenen Band AT THE DRIVE-IN entstanden war (drei andere Mitglieder von ATDI firmieren jetzt übrigens unter THE MARS VOLTA). Uns erwartete druckvoller Post-Hardcore, den die ganz in schwarz gekleidete 3-köpfige Saitenfraktion nebst Drummer ohne großes Palaver in die Menge knüppelte. Eher introvertiert spielten sich die Herrschaften um Sänger und Gitarrist Jeff Ward durch ihr Set, das neben sechs Songs ihrer aktuellen und bisher erfolgreichsten VÖ auch zwei Stücke des Vorgängers „Porcelain“ aus 2004 enthielt. Das sehr flotte „Guns of Memorial Park“ entlud dabei wahre Lichtgewitter und Soundsalven und auch „Breaking The Broken“ gefiel mit treibenden Gitarrenriffs und höchst engagierten Protagonisten. Von der 2002er „The Wiretap Scrars“ war „Light Burns Clear“ vertreten, welches mit einem langen Instrumentalteil startete, das in einem wahren Trommeldonner mündete und sehr druckvoll rüberkam. Den Abschluss machte das anfangs ruhige, sehr bassbetonte „Air“ von der gleichen Scheibe, nachdem das rhythmische „Taking Back Control“ ordentlich in die Beine gegangen war. Hinter uns lagen die ersten 45 Minuten mit fulminanten Schrammelnummern wie „Weather The Storm“, dem absolut knackigen „Most Vicious Game“ oder auch „Crawl“, dessen Grundton etwas verhaltener, die Ausführung jedoch nicht weniger kraftvoll war. Dem Publikum gefiel’s, es wurde hier und da getanzt und auch freundlich Applaus gespendet, einzig Jeff schien ein wenig mit der Situation zu hadert, jedenfalls verließ er ohne große Verabschiedung, seine Gitarre fallen lassend, die Bühne und ward nicht mehr gesehen. Vielleicht liegt ihm der Wettbewerbsgedanke nicht, dabei haben SPARTA durchaus gute Aussichten auf den Sieg

Setlist SPARTA
Untreatable Disease
Breaking The Broken
Crawl
Light Burns Clear
Guns of Memorial Park
Most Vicious Crime
Unstitch Your Mouth
Weather The Storm
Taking Back Control
Air

Eine viertel Stunde später war „Schlampen-Show“ angesagt. Anders als ihre Vorgänger suchte die kalifornische Girls-Rock-Combo THE DONNAS steten Kontakt mit dem Auditorium. In den ersten Reihen waren nun auch deutlich mehr Herren zu sehen, die an den Lippen von Frontfrau Brett Anderson aka Donna A hingen, nachdem diese gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Donna R (git.), Donna C (dr,) und Donna F (bass) zu einen Sirenengeheul-Intro die dunkle Stage betreten hatte. Wie es schien, waren die Damen bereits in der Vergangenheit in Bielefeld aufgetreten und setzten auf die Partyqualitäten ihres Publikums, das sie wohl als sangeskundig kennen gelernt hatten. Entsprechend bekamen die Ostwestfalen bei „Like An Animal“ einen Gesangspart zugeteilt, den sie auch einigermaßen meisterten. Die Girlie-Antwort auf die RAMONES haute einen Kracher nach dem anderen aus. Hier wurde erfolgreich mit sämtlichen Rock-Klischees gespielt und gute Laune verbreitet. Die etwas moppelige Bassistin Donna F (Maya Ford) gab das böse Mädchen, während ihre Kolleginnen den Rock’N’Roll zelebrierten. Dabei bedienten sie sich ihres diesjährigen Silberlings „Bitchin’“ ebenso wie der Vorgänger „Gold Medal“ (2005) und „Spend The Night“ (2003), wobei die ältere Nummern wie „Take It Off“, „You Wanna Get Me Hight“ oder auch „Fall Behind Me“ noch eine Spur rauer ausfielen als beispielsweise die sehr rhythmischen „Wasted“ oder „Girl Talk“ vom „Bitchin’“-Longplayer. „What Do I Have To Do?” bot Rock’N’Roll pur und auch das abschließende „5 O’Clock In The Morning” wurde mit eifrigem Klatschen bedacht. Stilistisch haben die DONNAS mit ihrem Sound auf Nr. Sicher gesetzt, aufgelockert durch rege Ansprache des Publikums, das auch ein paar deutsche Brocken zu hören bekam. Etwa den schönen Satz „Du hast einen Clown gefrühstückt“. Blieb abzuwarten, ob das auch einen Erfolg bei der abschließenden Bewertung nach sich ziehen würde.

Setlist THE DONNAS
Bitchin’
Don’t Wait Up For Me
Who Invited You
Wasted
Fall Behind Me
Girl Talk
Like an Animal
You Wanna Get Me High
What Do I Have To Do?
Take It Off
5 O’Clock In The Morning

Erneut griff Bosse zum Mikro, um kurz den dritten und letzten Wettbewerbsteilnehmer des Abends anzukündigen. ASH wurden bereits 1993 in Downpatrick/ Nordirland gegründet und haben sich im Laufe der Jahre mit ihrem Indie Rock mit Britpop- und Punk-Anleihen eine solide Fanbase erspielt. Zwischenzeitlich mit weiblichem Gesang ausgestattet, spielen ASH seit 2006 wieder zu dritt und als rein männliche Formation. Zu einem hochdramatischen Einspieler kamen diese drei Herren dann auch pünktlich um 22.00 Uhr auf die Bühne, wo sie ohne Zeit zu verschwenden mit „Meltdown“ von der gleichnamigen 2004er Langrille in die Vollen gingen. Wer dachte, ihn erwartete schrammeliges Gitarrengeklampfe, wurde auch beim folgenden „Burn Baby Burn“ vom „Free As Angels“-Album (2001) eines Besseren belehrt. Es folgte eine schweißtreibende, sehr abwechslungsreiche Dreiviertelstunde. „Orpheus“ gab sich dabei recht hart, während „You Can’t Have It All“ vom aktuellen „Twilight of The Innocents“ mit etwas verquerem Sound sehr rhythmisch und druckvoll aus den Boxen drang. „Shining Light“ war hingegen weniger hart, aber sehr eingängig und wurde ebenso gut mitgeklatscht wie „Kung Fu“. Ein Highlight war mit Sicherheit „Renegade Cavalcade“, für das sich Sänger und Gitarrist Tim Wheeler einen goldfarbenen Sechssaiter umlegte und erst einmal ohne die Kollegen Mark Hamilton am Bass und Rick McMurray hinter der erhöht stehenden grünmetallicfarbenen Schießbude loslegte. Der Song variierte schnelle und langsame Passagen und erfreute die Bielefelder mit einem fetten Part der Langäxte. Mit „Blacklisted“ schloss sich eines der wenigen neuen Stücke an, das sogleich zum Tanzen animierte und vom frischen „Girl From Mars“ abgelöst wurde. Das Ende bildete der Titelsong des diesjährigen Silberlings, der mit Streichern und Synthies vom Band veredelt wurde und so einen emotionalen, sehr kraftvollen Schlusspunkt setzte, der heftig umjubelt wurde.

Setlist ASH
Meltdown
Burn Baby Burn
Orpheus
You Cant’t Have It All
Shining Light
Kung Fu
Renegade Cavalcade
Blacklisted
Girl From Mars
Twilight of The Innocents

Blieb nur noch die Abstimmung, die schnell, aber denkbar knapp vermittels eines Applausometers vonstatten ging. ASH gewannen um Haaresbreite mit einem Wert von 114,8 vor SPARTA mit 114,7, während die Donnas 111,2 Zähler für sich verbuchen konnten. Ein gerechtes Ergebnis, da ASH tatsächlich die beste und musikalisch variationsreichste Show abgeliefert haben. Allerdings ist aufgefallen, dass sie als letzte Kapelle auch am meisten Platz auf der Bühne hatten, vielleicht half das ein wenig. Aber die Reihenfolge und damit verbundenen Voraussetzungen wechselt ja und so sind wir gespannt auf den Gruppengewinner, der und auf das Endergebnis im kommenden Frühjahr, beide Ergebnisse werden wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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