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ASP – LAHANNYA

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 23.10.2011

Station 3 unseres wöchentlichen Konzertmarathons: Mit ASP stand endlich mal wieder ein echtes Schwarzkittel-Konzert an, ein perfekter Ausklang für ein aufreibendes Wochenende. Dementsprechend belagerten bei unserer Ankunft auch so einige Nachtschattengewächse den Ringlokschuppen, dessen größere Halle an diesem Abend den Austragungsort gab. Besonderes Interesse fand der Merchandise-Stand, der schon nach kurzer Zeit ein „Ausverkauft“ bzgl. des brandneuen ASP-Albums „Fremd“ vermelden konnte bzw. musste. Auch für mich sollten die neuen Stücke ein Hördebüt darstellen, doch dazu kommen wir später. Zunächst mal wollte sich der Support Act LAHANNYA beweisen, der bereits 2008 in den Genuss gekommen war, für Spreng und Co. zu eröffnen, anscheinend mit Erfolg.

LAHANNYA bezeichnet sowohl den Namen der 4-köpfigen Band als auch den der optisch durchaus prägnanten Sängerin, die mit einem hautengen Cyber Gothic-Outfit punkten wollte. Daneben am Bass ein alter Bekannter, ist Lutz Demmler doch in derselben Funktion u.a. bei UMBRA ET IMAGO tätig. Komplettiert wurde die Truppe durch NFD-Gitarrero Chris Milden sowie natürlich einen Schlagwerker. Das Mädel wird von Wikipedia als britische Sängerin geführt, spricht aber ganz ausgezeichnet deutsch und hat zudem schon einige Alben veröffentlicht, brandaktuell die Zukunfts-Utopie „Dystopia“ auf dem Kabuki-Label. Wie uns die Dame im Verlauf ihres 40-minütigen Sets erklärte, handelt das lyrische Konzept von einer Art Überwachsungsstaat, in dem alles Fremde/ Subkulturelle systematisch verfolgt wird. Da konnten sich dann sicher einige Besucher gedanklich mit identifizieren. Mit der Musik wohl eher weniger, denn mehr als artigen Höflichkeitsapplaus erntete LAHANNYA nicht. Dabei war ich positiv überrascht, hatte ich doch aufgrund unserer bisherigen CD-Kritiken eher Peinlicheres erwartet. Instrumental war der doch ziemlich harte Female Metal sehr solide, nur der an sich ordentliche Gesang passte irgendwie nicht so recht auf die Gitarren. Zwar nett, mal keiner Träller-Else zu lauschen, aber so richtig harmonieren wollte das Ganze nun auch wieder nicht. Der letzte Track namens „Save me“ riss allerdings noch mal einiges raus und konnte insbesondere auch durch Demmlers Grunts überzeugen. Solider Einstieg in den Konzertabend.

Setlist LAHANNYA
Never Enough
Sick And Tired
Beautiful Wasteland
Burn
Dystopia
Out of Time
Inside the Machine
Save me

Nun wartete aber alles gespannt auf die ASPler, welche die Bühne mit einem sehr atmosphärischen Backdrop ausgestattet hatten. Ich muss gestehen, dass mir die Band früher sympathischer war, die ellenlangen Pressemeldungen à la „Wir sind so true, wir sind so schwarz, wie sind für die Fans da“ in Verbindung mit der Veröffentlichungspolitik und Krimskrams wie ASP-Iphone-Hüllen sind doch ein wenig suspekt. In diesen Kontext lässt sich auch der ASPsche Kommentar vor „Schwarzes Blut“ einordnen, als betont wurde, man würde NIE bei Carmen Nebel auftreten, es sei denn mit der kompletten 17-minütigen „Angstkathedrale“. Ein kleiner unverbindlicher Hinweis von mir: SÄMTLICHE (musikalischen) Veröffentlichungen sind kommerziell, sonst bräuchte man sie eben erst gar nicht auf die Menschheit loslassen. Und das Wort an sich ist auch gar kein Verbrechen. Aber zurück zur Musik, denn die ist bei den Deutschen über jeden Zweifel erhaben. So brannte man auch an diesem Sonntag ein 2-stündiges Feuerwerk ab, bei dem die Besucher ihren Idolen schon bald aus der Hand fraßen! Die typischen Rituale wie das „Vorwärts! Abwärts“ oder die langgezogenen „Heeeeiiooo“-Rufe wurden noch erweitert, bspw. als sämtliche Anwesenden, inkl. Sänger, sich bei der Zugabe „Rücken an Rücken“ umdrehten und erst bei der Textzeile „Dreh dich bitte um“ wieder ihre normale Position einnahmen. Doch der Reihe nach: Alexander Frank S. ist 2011 in neuer Besetzung unterwegs, vom alten Stamm sind noch Bassist „Tossi“ und Schlagwerker „Himmi“ an Bord, die für ein solides musikalisches Fundament sorgten. Dazu an den Langäxten Sören Jordan (der ein ums andere Mal mit einem Solo brillierte) und abermals Lutz Demmler, der also quasi Überstunden macht auf dieser Tour. Auch übernahm er die Bassgitarre, als Tossi und ASP ein Duett anstimmten. Stichwort Duett: Für ein selbiges wurde auch LAHANNYA wieder auf die Bühne geholt, die zusammen mit dem „Meister“ ein mitreißendes „Werben“ performte. Offensichtlich über die gesamte Laufzeit war der stimmungsmäßige Unterschied zwischen „alten“ Klassikern wie „Sing Child“ oder „Ich bin ein wahrer Satan“ (die immer schon bei den ersten Tönen frenetisch bejubelt wurden) und dem neuen Material, das noch nicht jedem geläufig schien. Aber qualitativ nicht abfällt, möchte ich hinzufügen, denn Tracks wie die Auskopplung „Wechselbalg“ oder das Quasi-Titelstück „FremdkörPerson“ gehen auch sehr ordentlich ins Gebein. Fast epochal das Monstrum „Unverwandt“ zum Ende des regulären Sets, das immer mehr explodierte und teils gar in Richtung THE CULT tendiert.

Und auch wenn man dem Publikum so langsam eine gewisse Müdigkeit attestieren musste, wurden die 2 Verlängerungen „tapfer“ durchgetanzt/ -gefeiert, die erwartungsgemäß in der Band-Hymne „Ich will brennen“ gipfelten, quasi das Lebensgefühl einer ganzen Szene. Man mag über die Außendarstellung ASPs denken, was man will, live hat der „hessische Satan“ nichts von seiner Anziehungskraft verloren und rockt immer noch wie Hölle. Da dürfte einem gewissen (Dunkel-)Grafen das Federkleid ängstlich zu Berge stehen…

Setlist ASP (ohne Gewähr)
A Prayer For Sanctuary
Wechselbalg
Sing Child
Duett (Minnelied der Incubi)
Demon Love
Wer sonst?
Eisige Wirklichkeit
Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)
Werben
FremdkörPerson
Kokon
Ich bin ein wahrer Satan
Schwarzes Blut
Krabat
Unverwandt

Me
Denn ich bin der Meister

Rücken an Rücken
Ich will brennen

Copyright Fotos:Karsten Thurau

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