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ASP

Ort: Osnabrück - Hyde Park

Datum: 17.10.2008

Shit happens! war eindeutig das Motto des beginnenden Abends. Aufgebrezelt, mit entstaubter Abendgarderobe und einem programmierten Navi machten wir uns am frühen Freitagabend auf den Weg gen Osnabrücker Hyde Park zwecks Interview und einem dunkelromantischen und akustischen Herbstabend mit ASP und Band. Leider wusste selbst das Navi nicht ganz wohin, schickte uns quer durch die Walachei, dann noch eine falsche Abzweigung und wir hatten uns hoffnungslos verfahren. Peinlich aber wahr. Ein netter Tankstellenbesitzer führte uns zwar wieder auf den rechten Weg zurück, doch für das Interview war es inzwischen zu spät. Reichlich genervt und übellaunig kamen wir dann kurz vor Einlass am Hyde Park an, vor dem sich schon eine beachtliche Menschentraube gebildet hatte. Zum Glück klappte der Einlass dann aber problemlos und nach einigem suchen konnten wir auch auf unseren Stühlen Platz nehmen und erst mal erleichtert aufatmen.

Anscheinend hatten es einige mit der Abendgarderobe nicht so genau genommen oder eine andere Definition von diesem Begriff, denn von Samtkleid, über zerrissene Strumpfhosen in megakurzen Röckchen und langhaarigen Männern in zerrissenen Jeans war alles vertreten. Dann ertönte auch schon der Gong, welcher auch die letzten Besucher auf ihre Plätze trieb und das Licht ging aus. Nachdem die Musiker die Bühne betreten und ihre Plätze eingenommen hatten, kam auch der Meister himself hinzu und legte mit dem Intro des aktuellen Albums „Zaubererbruder“ los. Und abrupt besserte sich meine Laune, bekam man doch da schon den Eindruck, dass dies ein unvergesslicher Konzertabend werden sollte. Und auch die Bühne war ausgesprochen beeindruckend gestaltet. Im Hintergrund hatte man düstere Bilder aus der Krabatgeschichte mit Mühlrad und Rabe aufgestellt und Herr Spreng fand recht spärlich geschminkt und im langen Ledermantel, mit Stiefeln und Hut, hinter einem Lesepult seinen Platz. Daraufhin ging es aber erst mal mit „Beschwörung“ vom älteren Werk „Aus der Tiefe“ weiter. So wurde also auch klar, dass man nicht zunächst die aktuellen Sachen spielen würde, um dann zu den älteren überzugehen, sondern eine gute Mischung gefunden hatte. Und was auch sofort auffiel, dass bei der Band eine unheimliche Spielfreude vorherrschte. Alexander verrenkte sich hinter seinem Pult und ging richtig in den Stücken auf, während Matze hauptsächlich selig lächelte. Zwischendurch erzählte Asp uns dann noch etwas über die harte Zeit während der Entstehung des „Zaubererbruder“ Albums und hey, der Typ kann nicht nur echt gut singen, er ist auch noch witzig und so erntete er natürlich viel Gelächter seitens des Publikums. Nach „Krabat“, einem meiner Lieblingsstücke und „Die Teufelsmühle“ wird es dann mit dem älteren „Stille der Nacht“ etwas ruhiger und wir werden darüber aufgeklärt, dass Verwandlungen nicht nur beim schwarzen Schmetterling sondern auch bei Krabat ein großes Thema sind. Vor „Ich bin der Meister“ sprach Alexander dann die Drohung aus, dass man später noch zusammen singen würde und wollte dies an dieser Stelle schon mal üben. Zum Glück waren wir nicht in Ostwestfalen und so machte das Publikum auch recht enthusiastisch mit und bewies eine große Textsicherheit. Es folgten „Die Ballade von der Erweckung“ und das wunderschöne und zugleich traurige „Nie mehr“, bei dem dann auch gleich die Musiker vorgestellt wurden und ein paar schlüpfrige Dinge erwähnt wurden. Ich glaube, es ging um „das erste Mal Sex“ und „das erste Mal guten Sex“ (Stichwort: „Once in a lifetime…“). Zum „Abschied“ hatte Herr Spreng dann noch einen kleinen Seitenhieb auf die Presse parat, da wohl jemand geschrieben hatte, dass dieses Lied sehr stark an eines einer anderen sehr bekannten Band erinnere. Man nahm es mit Humor und baute „Sympathy for the devil“ der ROLLING STONES einfach mit ein. An dieser Stelle ertönte dann aber der Gong und kündigte eine 20-minütige Pause an, in der wir mit TORI AMOS’ „Crucify“ beschallt wurden.

Doch der zweite Streich folgte sogleich und man begann mit dem kraftvollen „De Profundis“, bevor man mit dem ersten englischen Song in Form von „The last lovesong“ weitermachte. Asp hatte inzwischen seinen Hut abgelegt und präsentierte uns seine recht eigenwillige Frisur, um dann „Biotopia“ und „Der Schnitter Tod“ folgen zu lassen. Und dann wurde es kompliziert und zugleich witzig, denn das „Spottlied auf die harten Wanderjahre“ musste mit drei verschiedenen Gitarren gespielt werden, was Matze vor eine recht schwierige Aufgabe stellte, musste er doch zwischendurch immer wieder wechseln. Anscheinend kannten einige das Prozedere schon, denn im Publikum rief ein Herr laut „Hello Kitty“. Dies sollte sich bald darauf von selbst erklären, denn eine der Gitarren war im entsprechenden Outfit gehalten. Also nicht rosa, sondern ROSAAAA!, wie Asp gespielt hysterisch anmerkte. An dieser Stelle wurde dann auch noch mal für das spätere gemeinsame Singen geübt. Weiter ging es mit dem Duett „Zaubererbruder“, welches auf dem Album von Herrn Spreng und Eric Fish, seines Zeichens Frontmann bei SUBWAY TO SALLY, gesungen wird. Da dieser bei der Tour nicht anwesend sein konnte, wurde der Part kurzerhand sehr gelungen von Andreas Gross (aka Tossi) übernommen. An dieser Stelle hatte man „Me“ und „Duett (Minnelied der Incubi)“ eingestreut und uns wurde noch ein Gedicht vorgetragen, was ich jetzt leider nicht wiedergeben kann. Ich weiß nur, dass es sehr schön war. Und dann war es endlich soweit: Bei „Der geheimnisvolle Fremde (Ja, ja, drei mal hurra)“ durften dann endlich alle mitsingen und das wurde auch ausgiebigst getan. Nur mein mitgereister Fotograph, der vorher noch große Töne gespuckt hatte, war auf einmal erstaunlich still geworden. „Am Ende“ wurde es dann noch einmal richtig traurig und leise und man stellte fest, dass die Zeit viel zu schnell vorbeigegangen war. Aber zum Glück gab es ja noch die Zugaben zu denen man sich nach Standing Ovations und reichlich Applaus hinreißen lassen konnte. Diese bestanden aus „Varieté Obscur“ und „Werben“, bei denen ausgiebigst getanzt und mitgeklatscht wurde, bevor die Band ein weiteres Mal die Bühne verließ. Doch so einfach wollte man sie natürlich nicht gehen lassen. Außerdem fehlten ja auch noch die Klassiker „Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)“ und „Ich will brennen“, die es dann natürlich auch noch zu hören gab. Doch dann war es endgültig vorbei und man verabschiedete sich mit vielen Verbeugungen und unter großem Applaus vom Publikum.

Und auch wir machten uns auf den, dieses Mal richtigen, Heimweg mit verbesserter Laune und einem unvergesslichen Konzertabend in der Erinnerung. Meine Erwartungen waren übertroffen worden und akustisch steht ASP sehr gut zu Gesicht. Bitte mehr davon.

Setlist ASP
Intro: Betteljunge
Beschwörung
Krabat
Die Teufelsmühle
Stille der Nacht
Wolfsspuren
Denn ich bin der Meister
Ballade von der Erweckung
Nie mehr
Abschied

De Profundis
The last lovesong
Biotopia
Der Schnitter Tod
Spottlied auf die harten Wanderjahre
Zaubererbruder
Me
Duett (Minnelied der Incubi)
Der geheimnisvolle Fremde (Ja, ja, drei mal hurra)
Am Ende

Variete Obscur
Werben

Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)
Ich will brennen

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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