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THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW

Ort: Münster – Halle Münsterland

Datum: 20.05.2015

1971 waren auch schon mal die „echten“ PINK FLOYD in der Halle Münsterland und auch die AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW machte nicht zum ersten Mal in der Westfalen-Metropole Station. Leider musste dieses Konzert, das für den 28. April anberaumt war, jedoch ganz kurzfristig ausfallen, da sich Teile der Deckenverkleidung gelöst hatten und die Sicherheit der Zuschauer nicht gefährdet werden sollte. Zum Ersatztermin drei Wochen später waren alle Schäden behoben und die gut gefüllten Ränge bewiesen, dass sich ein PINK-FLOYD-Fan von solchen Dingen nicht beeindrucken lässt. Rund 2.200 Zuschauer waren dem Ruf der australischen Cover-Band gefolgt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Songs der britischen Prog-Rock-Pioniere möglichst werkgetreu zu performen. Das Durchschnittsalter war sowohl im Publikum als auch auf der Bühne deutlich höher als bei anderen Konzertgelegenheiten, da wird womöglich der eine oder andere im Auditorium noch das Original zu Gesicht bekommen haben.

Vielleicht sah man auch deshalb vereinzelt Leute der AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW mit geschlossenen Augen folgen. Allerdings verpassten die dann auch die opulente Bühnenshow der Aussies, die sich ebenfalls recht nah am Original bewegte. Im Mittelpunkt stand die runde Leinwand, auf der es neben optischen Spielereien auch diverse Videos und Bilder der PINK-FLOYD-Members zu sehen gab. Nicht zu vergessen, was die Jungs aus down under in Sachen Licht auffuhren. Das gleißend weiße Licht war gelegentlich fast schon schmerzhaft, wurde jedoch von zahlreichen unterschiedlichen Farbflächen, Stroboskop-Lichtblitzen und Laser-Lichtbündeln im Zaum gehalten. Doch das war natürlich alles nur schmückendes Beiwerk für den glasklaren Sound der 1988 gegründeten Cover-Band, die pünktlich um 20.00 Uhr mit „Astonomy Domine“ vom 1967er Debüt „The Piper And The Gates of Down“ startete. Hier übernahmen noch Bassist Colin Wilson und Gitarrist David Domminney Fowler den Gesang, bevor für das ausführlich zelebrierte „Shine On Your Crazy Diamonds“ zunächst die beiden Ladies Lorelei Mc Broom und Emily Lynn den Background-Chor übernahmen und schließlich Alex McNamara am Mikro agierte. Die Nummer war der Auftakt für die Performance der gesamten „Wish You Were Here“-Langrille, die 1975 in die Plattenläden gekommen ist und absolut nichts von ihrem Charme verloren hat. Es wurde gefrickelt was das Zeug hielt und bisweilen jaulten auch die Sechssaiter gefällig auf, während Skippy, das Buschkänguruh neben Crocodile Dundee, AC/DC und Kylie Minogue über den Screen flimmerte. Überhaupt war das australische Beuteltier omnipräsent, insbesondere als riesige, rosafarbene und aufblasbare Figur, die natürlich an das PINK-FLOYD-Schwein angelehnt war, das später auch noch seinen Auftritt haben sollte. Zuerst war aber überlebensgroß der Lehrer zu sehen, mit dem die Schüler in „Another Brick In The Wall“ nichts mehr zu tun haben wollen. Beeindruckend war an dieser Stelle nicht nur der weltberühmte Song von der 1979er Erfolgsplatte „The Wall“, sondern auch die optische Untermalung von „The Happiest Days of Our Live“ und eben „Another Brick…)“. Sowohl die Videoanimationen als auch die Lichtspielereien ließen keine Wünsche offen. Einzig die knapp 30-minütige Pause, die sich hier anschloss, hätte es für mich nicht gebraucht.

Zumindest für mich war dieser Break ein kleiner Stimmungskiller; insbesondere die Werbung, die währenddessen über die Leinwand verbreitet wurde, nervte ein wenig. Aber vermutlich sponsern die angepriesenen Halspastillen die Tour… Wie auch immer, dem knackigen „In The Flesh?“ gelang es alsbald, den Fokus wieder auf die Musik zu legen und mit „Learning To Fly“ ging es dann auch mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts in der PF-Diskografie, stammt die Nummer doch von der Langrille „A Momentary Lapse of Reason“, das 1987 veröffentlicht wurde. Rythmusbetont übernahmen „Time“ und „Breathe“ vom 1973 „The Dark Side of The Moon“, bevor „The Great Gig In The Sky” mit den Lautmalereien der beiden Sängerinnen gefiel, während „Money“ abermals den Saxofonisten Mike Kidson auf den Plan rief. Der Mann hatte offensichtlich Hummeln im Hintern und konnte kaum still stehen, während er sein Blechinstrument bearbeitete. Nach diesem Ausflug auf die dunkle Seite erstrahlte das beschwingte „Young Lust“ mit sexy Sounds und im Anschluss wurde „One of These Days“ von der 1971er LP „Meddle“ mit Begeisterung aufgenommen und kräftig mitgeklatscht, während sich in der Bühnenmitte langsam das besagte Känguru erhob und auf und ab hüpfte. Dank „Comfortably Numb“ stand noch einer meiner persönlichen Favoriten auf der Setlist, die hier um 22.15 Uhr ihr reguläres Ende fand, nachdem das Stück in aller gebührenden Ausführlichkeit abgefeiert wurde, wozu auch Standing Ovations für TAPFS gehörten.

Die ließ sich deshalb auch nicht lumpen und schickte noch zwei Zugaben hinterher. Den Anfang machte „Louder Than Words“, das vom letztjährigen Nummer-Eins-Album „The Endless River“ stammte und den typischen getragenen PINK-FLOYD-Sound mit einem gerüttelt Maß an Bombast präsentierte. „Run Like Hell“ gab auf der Zielgeraden hingegen noch mal Gas und war mit dem Auftauchen des allbekannten Schweins verbunden, dessen Augen rot glühend auf die Zuschauerschaft nieder blickten. Grundsätzlich sind Coverbands ja immer ein wenig kritisch, doch THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW setzt die zeitlosen PINK-FLOYD-Lieder wahrlich meisterhaft um und ist zweifellos über jeden Zweifel erhaben. Nicht ohne Grund hat schließlich David Gilmour die Truppe als Live-Band für seinen 50. Geburtstag verpflichtet! Da mit einer Stage-Reunion des Originals insbesondere nach dem Tod von Syd Barrett und Richard Wright nicht mehr zu rechnen ist, stellt diese Formation definitiv eine gute Alternative da – zumindest, wenn man (so wie ich) PINK FLOYD leider nie live gesehen hat.

Setlist
Astronomy Domine
Shine On Your Crazy Diamonds (Parts I-V)
Welcome To The Machine
Have A Cigar
Wish You Were Here
Shine On Your Crazy Diamonds (Parts VI-IX)
The Happiest Days of Our Live
Another Brick In The Wall (Part 2)

In The Flesh?
Learning To Fly
Time
Breathe (Reprise)
The Great Gig In The Sky
Money
Young Lust
One of These Days
Comfortably Numb

Louder Than Words
Run Like Hell

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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