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THE BASEBALLS

Ort: Münster - Jovel

Datum: 11.10.2016

Ja, ich war erst vor vier Tagen bei den BASEBALLS in Dortmund. Und? Wenn Basti, Sam und Digger schon mal „ fast bei mir zuhause“ auftreten, lasse ich mir den Gig doch nicht entgehen! Ein Heimspiel war’s im Übrigen auch für Digger, der im nahen Rheine seine Wurzeln hat und sich heuer wunderte, wie viele Burger-Läden zwischenzeitlich in der Stadt des Westfälischen Friedens aus dem Boden geschossen sind. Um Kulinarisches ging es an diesem Abend im Jovel natürlich nicht, wobei Digger durchaus zwischendurch noch eine kleine Stärkung bekam, doch dazu später mehr. Vielmehr standen auch in der Domstadt die Songs des aktuellen Albums „Hit Me Baby“ (Platz 9 der Album-Charts!) im Mittelpunkt. Im Laufe der 135 Minuten Spielzeit sollten sogar alle 16 Tracks der fünften Studioplatte vorgetragen werden – zuzüglich noch einiger ausgewählter alter Nummern, für die mitunter auch das geheimnisvolle „Rad“ zu Rate gezogen wurde.

Los ging’ aber zunächst einmal mit zwei waschechten Nineties-Tracks, die von den BASEBALLS und ihrer Band ein perfekt sitzendes Rock’n’Roll-Outfit erhalten hatten. Das rund 1000-köpfige Auditorium war begeistert und als dann auch noch ein alter Hit wie „Chasing Cars“ auf dem Programm stand, waren die Münsteraner auch zur frühen Stunde bereits willens, erste Spielchen mitzumachen („wir singen Farben“). Für die Damen, die eh deutlich in der Überzahl waren, gab es zudem mit Saxofonist Nico einen ansprechenden Neuzugang, der erstmals bei „…Baby One More Time“ auf den Plan trat und umgehend bewies, dass sein Gebläse bestens zum temperamentvollen BASEBALLS-Sound passt. Auch am Tasteninstrument gab es eine personelle Veränderung. Dort residierte das neue Bandküken Sascha, das tags zuvor mit seinen zarten 23 Jahren den altgedienten Jan Miserre abgelöst hatte. Ob nur vorübergehend oder dauerhaft, blieb dabei allerdings offen, aber Sascha hat seine Aufgabe großartig gemeistert und war wirklich mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, selbst wenn dies bedeutete, dass ihm die Sitzfläche seines Klavierschemels abhanden kam. Währenddessen fuhr zu „Overload“ der BASEBALLS-Zug in dem ehemaligen Autohaus am Hawerkamp ein. Will sagen: die nächste Publikumsinteraktion stand auf dem Zettel. Diesmal wurde nach Geschlechtern getrennt mit ausgewählten Bewegungen ein Zug imitiert und weil die Leute sich so schön zum Affen gemacht hatten, wollte sich auch Basti nicht lumpen lassen und brachte sein begrenztes Repertoire auf der Mandoline zum Besten. Die Tatsache, dass die drei Akkorde fast schon frenetisch abgefeiert wurde, zeigte sehr deutlich, wie viel Spaß die Fans an der Show des sympathischen Dreiers hatten und selbst wenn seine Fähigkeiten am Saiteninstrument limitiert sind: singen kann der Basti ja! Das gilt natürlich im gleichen Maße für die Kollegen, weshalb auch alle drei (von einem wahrscheinlich weiblichen Anhänger) mit kleinen Plüschfiguren bedacht wurden. Dass der überwiegende Teil der Zuschauerschaft weiblich war, hörte man auch sehr deutlich beim Gekreische zum Klassiker „Love In This Club“, das im Übrigen genauso wie das sich nahtlos anschließende „Hot’n Cold“ von allen Anwesenden abgefeiert wurde. Nach diesem Ausflug ins Jahr 2009 (damals ist das Debüt „Strike“ veröffentlicht worden, von dem diese beiden Nummern stammten), ließen es Lars Vegas (Gitarre), Klaas Wendling (Kontrabass), Tomas Svensson (Drums) und die bereits erwähnten Frischlinge Nico und Sascha instrumental amtlich krachen, während die drei Fronter ihre Oberbekleidung wechselten, um dann höchst erotisch mit „Let’s Talk About Sex“ wieder zu übernehmen. Während die Stage in rotes Licht getaucht war, knisterte es geradezu in der eher schmucklosen Halle, die wenig später zumindest auf der Bühne mit Stroh und weiteren ländlichen Accessoires gepimpt wurde, um ein gewissen Country-Flair zu vermitteln. Am besten klappt so was aber immer mit Musik, weshalb die Truppe auf den Strohballen bzw. der Showtreppe Platz nahm, um „Wannabe“ und „Born This Way“ einen Country-Hillbilly-Rockabilly-Bluegrass-Blues-Anstrich zu verpassen. Das Ergebnis konnte sich weiß Gott hören lassen und es spräche definitiv nichts dagegen, wenn die BASEBALLS ihren Fokus demnächst mal etwas stärker auf diese musikalische Spielart legten. Ein weiteres Highlight war natürlich „Umbrella“, wobei man dieser Tage gar keine Regenschirme mehr bei BASEBALL-Konzerten sieht, dabei hätte man an diesem Dienstagabend auch draußen durchaus einen gebrauchen können. Wie auch immer, der Song war erneut klasse und mit „I Don’t Feel Like Dancin’“ gab’s auch noch ein weiteres älteres Lied auf die Ohren. Auf der Setlist war die Nummer allerdings nicht zu finden, dort stand an der entsprechenden Stelle nur „Das Rad“, was nichts anderes meinte als ein Glücksrad, auf dem sechs verschiedene Stücke vergangener Alben vermerkt waren. Claire, die sich durch ihre Glitzerjacke für den Job am Rad qualifiziert hatte, wurde kurzerhand aus dem Publikum auf die Bühne beordert, um mit beherztem Schwung den nächsten Song zu bestimmen. Fast wäre es „Angels“ geworden (was wohl auch der Münsteraner Favorit war, wenn ich die Reaktionen richtig gedeutet habe), so wurde es eben der SCISSOR-SISTERS-Hit, der nun ausschließlich für Claire performt wurde, die nicht nur eine exklusive Sitzgelegenheit, sondern auch Verpflegung zur Verfügung gestellt bekam. Womit wir auch beim kulinarischen Teil des Abends wären, denn neben einem Getränk gehörte auch eine Banane dazu und weil Claire großzügig ist, hat sich auch Digger mal beißen lassen und ihn mit einem Küsschen versorgt.

Die Stimmung hätte kaum besser sein können und so gaben die Musiker noch mal richtig Gas, bis Tomas hinter seiner Schießbude allein gefragt war und ein fettes Drum-Solo zauberte, bei dem sich am Ende sogar sein Instrument unter Lichtgewittern drehte. Im Folgenden griff Sam zur Akustikklampfe, um seine vier Akkorde für das treibende „Survivor“ beizusteuern und auch mit der beschwingten Neuinterpretation von GREEN DAYs „Basket Case“ haben die Herrschaften alles richtig gemacht. Fehlte nur noch „Believe“, um das reguläre Set zu komplettieren. Es wurde noch einmal ausgiebig mitgeklatscht und die Arme geschwenkt, ehe die Wahl-Berliner für einen Moment im Off verschwanden, bevor sie mit dem Zugabenblock begannen. Was für ein cooler Auftakt mit „Everybody (Baseballs’ Back)”! Mit der Highspeed-Nummer „Like A Champion“ sorgten die Hauptakteure des Abends noch einmal für massenhaftes Arme recken, um schließlich zu „Shackles (Praise You)“ einen riesigen Gospelchor im katholischen Münster zu initiieren. Und dann war die Zeit auch schon wieder um. Was für ein kurzweiliger und mitreißender Gig! Auch wenn ich im Grunde wusste, was mich erwarten würde, hatte ich nie den Eindruck, als würde eine simple einstudierte Bühnenshow abgespult. Natürlich waren da Profis am Werk, die auch einen klaren Ablauf im Kopf hatten, der auch entsprechend geprobt und durchgespielt worden war, aber die Jungs machen trotzdem den Eindruck, immer noch viel Spaß an ihrem Job und an der Musik zu haben und das überträgt sich eben auch auf das Publikum.

Setlist
Daylight In Your Eyes (NO ANGELS)
The Sign (ACE OF BASE)
Chasing Cars (SNOW PATROL)
…Baby One More Time (BRITNEY SPEARS)
Back For Good (TAKE THAT)
Overload (SUGARBABES)
No Matter What (BOYZONE)
You Raise Me Up (WESTLIFE)
Love In This Club (USHER)
Hot’n Cold (KATY PERRY)
Instrumental The Baseball Band
Let’s Talk About Sex (SALT’N’PEPA)
On My Way
Wannabe (SPICE GIRLS)
Born This Way (LADY GAGA)
I Believe I Can Fly (R.KELLY)
Umbrella (RIHANNA)
I Don’t Feel Like Dancin’ (SCISSOR SISTERS)
Never Ever (ALL SAINTS)
Survivor (DESTINY’S CHILD)
Basket Case (GREEN DAY)
Believe (JUSTIN BIEBER)
Everybody (Baseballs’ Back)
Like A Champion
Shackles (Praise You) (MARY MARY)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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