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THE BASEBALLS

Ort: Dortmund – FZW

Datum: 07.10.2016

Was passiert, wenn man die Neunziger in die Fünfziger und Sechziger Jahre katapultiert? Das können einem am besten Basti, Digger und Sam sagen, denn die drei BASEBALLS-Sänger haben genau das mit ihrem aktuellen Top-Ten-Album „Hit Me Baby…“ getan: Songs der musikalisch nicht unbedingt herausragenden Nineties ein knackiges Rock’n’Roll-Gewand verpasst. Und siehe da: Schon macht es Spaß, die Hits diverser Girl- und Boybands zu hören – erst recht, wenn sie live von den BASEBALLS und ihrer inzwischen fünfköpfigen Band vorgetragen werden! Fünf Köpfe? Ja, Gitarrist Lars Vegas, Tastenmann Jan Miserre, Drummer Tomas Svensson und Klaas Wendling am Kontrabass haben Verstärkung bekommen. Live gehört zur BASEBALLS-Band jetzt nämlich auch ein Saxofon und das wird vom smarten Nico gespielt, der sich zwar in Dortmund etwas weit aus dem Fenster lehnte, als er behauptete, auf seinem Instrument Akkorde spielen zu können, aber das war der überwiegend weiblichen Zuschauerschaft ziemlich egal, denn die Damen waren ganz offensichtlich derart vom gutaussehenden, dunkelhaarigen Neuzugang angetan, dass sich die drei Fronter im FZW schon fragten, ob sie sich da womöglich zu große Konkurrenz in die Kapelle geholt haben.

Natürlich standen aber weiterhin Basti, Digger und Sam im Mittelpunkt des Geschehens, das an diesem Freitag bereits kurz nach 19.00 Uhr begann. Vermutlich war diese frühe Anfangszeit der nachfolgenden Konservenkost-Party geschuldet, letztlich spielte dies aber in der gut gefüllten Halle gar keine Rolle, denn das sympathische Trio hatte sein Publikum so oder so fest im Griff, und deshalb konnten auch schon mit dem temperamentvollen Opener „Daylight In Your Eyes“ die ersten Singspielchen gestartet werden. Eigentlich sollte Basti ja nichts über Fußball sagen, aber es ging wohl nicht anders und so fand auch der BVB Erwähnung, was innerhalb des Auditoriums mit Buh-Rufen und Pfiffen quittiert wurde (mehr Kritik gab’s an der Show dann aber auch nicht mehr). Man einigte sich schließlich darauf, dass es noch andere tolle Fußball-Clubs gibt und unterstrich dies mit einem weiteren Spiel zum großartigen „Chasing Cars“, bei dem das Bühnenlicht wechselte und die Fans die entsprechende Farbe sangen (wobei aus der grünen Beleuchtung ein gesungenes „Gelb“ wurde). Dann war’s mit dem Titeltrack „Hit Me Baby“ des fünften Studio-Silberlings auch an der Zeit, Nico ins Rampenlicht zu holen und tatsächlich war das Saxofon eine wahre Sound-Bereicherung! An der „Overload“-Variation der BASEBALLS hätte ohne Zweifel auch Quentin Tarantino seine Freude gehabt und mit der damit verbundenen geschlechterspezifischen Tanzeinlage sorgten die Hauptakteure des Abends erneut für gute Laune. Oder vereinzelt auch für ein leichtes Unwohlsein? Sollte dies der Fall gewesen sein, wollte sich auch Basti nicht lumpen lassen und hoffte bei dem darauffolgenden „No Matter What“ auf das Verständnis der Fans, denn viel konnte er nach eigenem Bekunden nicht auf der Mandoline, die bei der Schmusenummer zum Einsatz kommen sollte. Mit „You Raise Me Up“ kehrten Saxofon und Tempo ins FZW zurück und dank „Love Is In The Club“ stand nach vielen neuen Songs auch ein Stück vom ersten Album „Strike“, für das es 2009 Platin gab, auf dem Programm. Es wurde kräftig mitgeklatscht, während es mit dem teuflisch groovenden „Hot’n Cold“ nahtlos weiterging.

Während Basti, Digger und Sam fix ihr Outfit änderten, unterhielt die BASEBALLS-Band die Zuschauer mit einem Instrumental, ehe Sam sich in eine „erotische Ausgangsposition“ begab, um dann mit dem grandios entschleunigten „Let’s Talk About Sex“ eine monumentale Ballade abzuliefern. Ein besonderer Moment war auch die Akustiksession, für die vermittels Stroh und weiterer Deko-Elemente für ein ansprechendes Country-Feeling gesorgt wurde. Sehr cool die Bluegrass-Adaption von „Wannabee“ und auch die Blues-Variante von „Born This Way“ (für die auf der Stage extra noch Whiskey gereicht wurde) wussten uneingeschränkt zu gefallen. Mit „I Believe I Can Fly“ ging’s schließlich mit Vollgas voran und natürlich wurde auch der Band-Klassiker „Umbrella“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Eine schöne Aktion war die Verwendung eines Glücksrades, das die blonde Leah drehen durfte, die so entschied, welches Lied als nächstes gespielt werden sollte. Naja, wenn’s tatsächlich nach den Regeln gegangen wäre, hätte es „Bitch“ auf die Ohren gegeben, aber das Lied wollten die Dortmunder (und andere Städte – wie man zu sagen pflegte) nicht hören und so drehte Leah noch einmal und bekam dann „Angels“ in ihrer VIP-Loge vorgetragen. Für ihre Mühen wurde sie nämlich mit einem Bühnensitzplatz, Süßigkeiten und Sekt bedacht – und natürlich mit der BASEBALLS-Mucke, die jetzt nur für sie vorgetragen wurde, ehe sie wieder im Publikum verschwand. Eine nette Aktion mit einem Song, der wirklich immer wieder schön anzuhören ist. Beim nachfolgenden „Never Ever“ gefiel insbesondere Jans exaltiertes Klavierspiel – nicht zu vergessen Tomas Schlagzeug-Gewitter, die der Mann am Ende allein auf der Bühne vollführte. Wohlgemerkt mit sich drehendem Instrument! Langsam näherten wir uns mit Vollgas dem Ende des regulären Sets, das jedoch zunächst einmal mit kräftigen Handclaps und ausgiebigem Arme schwenken genossen wurde.

Und als um 21 Uhr das Ende der Show verkündet wurde, fehlten ja auch noch ganz eindeutig die Zugaben, die aber nicht lange auf sich warten ließen. Dank „Everybody (Baseballs’ Back)” war auch noch einmal Zeit für ein ausgiebiges Singspielchen und während sich zum finalen „Shackles (Praise You)“ die Arme in die Höhe reckten, war zudem der Moment für den riesigen Dortmunder Gospelchor gekommen. So waren zwei kurzweilige Stunden wie im Flug vergangen und wer wollte, konnte sich im Anschluss an den Gig noch mit Autogrammen der BASEBALLS versorgen. Ein perfekter Einstieg in das noch junge Wochenende mit einer Truppe, die ganz offensichtlich richtig Bock hatte und für gute Laune sorgte!

Setlist
Daylight In Your Eyes (NO ANGELS)
The Sign (ACE OF BASE)
Chasing Cars (SNOW PATROL)
…Baby One More Time (BRITNEY SPEARS)
Back For Good (TAKE THAT)
Overload (SUGARBABES)
No Matter What (BOYZONE)
You Raise Me Up (WESTLIFE)
Love In This Club (USHER)
Hot’n Cold (KATY PERRY)
Instrumental The Baseball Band
Let’s Talk About Sex (SALT’N’PEPA)
On My Way
Wannabe (SPICE GIRLS)
Born This Way (LADY GAGA)
I Believe I Can Fly (R.KELLY)
Umbrella (RIHANNA)
Angels (ROBBIE WILLIAMS)
Never Ever (ALL SAINTS)
Survivor (DESTINY’S CHILD)
Basket Case (GREEN DAY)
Believe (JUSTIN BIEBER)

Everybody (Baseballs’ Back)
Like A Champion
Shackles (Praise You) (MARY MARY)

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