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THE BASEBALLS – 77 BOMBAY STREET

Ort: Dortmund – FZW

Datum: 18.05.2014

Die Dortmunder hatten es an diesem Wochenende nicht leicht, mussten sie doch erneut eine Niederlage gegen die Bayern im DFB-Pokalfinale verkraften. Wie gut, dass am Sonntagabend ein musikalischer Ausgleich ins Haus stand, der uneingeschränkt gute Laune in Aussicht stellte. THE BASEBALLS gastierten nämlich im nahezu ausverkauften FZW und versprachen nicht nur ein mitreißendes Konzert, sondern auch ein Fitnessprogramm, das dabei helfen sollte, das Eis zu verbrennen, das es womöglich angesichts der sommerlichen Temperaturen in den vorherigen Stunden beim einen oder anderen Besucher gegeben hatte. Der Eis-Dealer in Reichweite der Konzertstätte hatte auf jeden Fall gut zu tun und mit so einer Schleckerei in der Hand war auch das Schlangestehen am Einlass kein Problem.

Hoffentlich hatten alle BASEBALLS-Fans ihre Tickets aufmerksam gelesen und festgestellt, dass der Support bereits um 19.00 Uhr loslegte. Es wäre schade gewesen, den lebhaften Einstieg der vier Schweizer Brüder zu verpassen, die ihre Kapelle nach der Straße benannt haben, in der sie in Adelaide/Australien aufgewachsen sind. Die Rede ist von 77 BOMBAY STREET und Matt, Joe, Esra und Simri-Ramon Buchli. Inzwischen sind die Jungs wieder in den Alpen zuhause und erfreuen sich dort großer Beliebtheit. Das 2011er Debüt „Up In The Sky“ wurde inzwischen mit Gold und Platin veredelt und auch der Nachfolger „Oko Town“ aus 2012 setzte sich gleich einmal an der Chartspitze fest. Nach mehr als 150 Auftritten in vier Jahren begleiten sie jetzt den BASEBALLS-Rock’n’Roll mit eingängigem Folk-Rock, der auch im Pott auf breite Zustimmung traf. Typisch für den Sound des Quartetts ist der mehrstimmige Gesang, den es erstmals an diesem Abend mit dem beschwingten Opener „It’s Now“ zu hören gab. Die Saitenfraktion trat erneut in verschiedenfarbigen Samtjacken auf, während Esra einen etwas alpenländischeren Look gewählt hatte. Vor etwa einem Jahr war der Vierer übrigens schon mal vor Ort – damals waren allerdings statt 1.300 Zuschauer nur etwa 25 dabei – immerhin waren jedoch vier wiedergekommen und ich bin mir sicher, dass 77 BOMBAY STREET einige neue Fans gewinnen konnten. Zumindest wurde das eingängige „In The War“ kräftig mitgeklatscht und auch „Up In The Sky“ versprach gute Laune. Mit einem sehr dezenten Reggae-Einschlag kam das groovende „Planet Earth“ daher, bei dem das Auditorium erstmals seine stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellen durfte und zudem schon einmal kleine Lockerungsübungen für die Knie absolvierte. Für „Oko Town“ wechselte Simri-Ramon kurzfristig an eine Ukulele namens Lisa und agierte vorübergehend allein. Lange dauerte es jedoch nicht, bis seine Brüder an den Ort des Geschehens zurückkehrten und zum gemeinsamen Arme schwenken einluden. Die Dortmunder waren in hervorragender Mitmach-Stimmung, was ihnen das Prädikat „bestes Publikum der Tour“ und einen weiteren Gesangseinsatz bei „I Love Lady Gaga“ einbrachte. Anders als in Münster vor rund zwei Wochen, wusste die Truppe auch, wo die Geschenke abgeblieben waren, die alsbald in den Zuschauerraum flogen. Jeweils ein Besucher durfte sich über eine CD und ein T-Shirt freuen – letzteres übrigens schweißgetränkt, weil Matt sich schnell noch mal die Stirn damit abgewischt hat. Am Ende machte „Get Away“ abermals Tempo und wurde gebührend gefeiert, wozu auch der ausdauernder Beifall nach der 35-minütigen Show zählte. Ein schöner Einstand, auch wenn es ob der tropischen Temperaturen im FZW nicht zwingend ein Warm-up gebraucht hätte.

Setlist 77 BOMBAY STREET
It’s Now
In The War
Up In The Sky
Planet Earth
Oko Town
I Love Lady Gaga
Get Away

Der purpurfarbene Vorhang, der die Bühne während des 77-BOMBAY-STREET-Gigs geteilt hatte, wurde auch in der nun folgenden Umbaupause nicht entfernt. Stattdessen wurden drei weiße – nennen wir es mal transportable Wände – in Stellung gebracht, hinter denen um 20.00 Uhr Basti, Digger und Sam Aufstellung nahmen, während zunächst ein musikalisches Intro und dann eine Bahnsteig-Ansage das Kommen der BASEBALLS ankündigte. „Let It Go“ hieß es schließlich mit viel Schmackes und schon nahm der R’n’R-Train Fahrt auf. Die Nummer stammte wie das sich anschließende „Goodbye Peggy Sue“ vom jüngsten Silberling „Game Day“ und zählt zu den gelungenen Eigenkompositionen des Trios, das mit seinen Rock’n’Roll-Covern bekannter Popsongs seit 2007 für Furore sorgt. Live erhielten die smarten Boys Unterstützung von der bewährten BASEBALLS-Band, die sich zunächst hinter dem Vorhang verbarg und nicht nur bei „Hello“ in die Vollen ging. Hier sorgte Gitarrist Lars Vegas für ein erstes knackiges Solo und bei „Never Ever“ hielt es Jan Miserre nur kurz auf seinem Klavierhocker. Die Instrumentalfraktion drehte ordentlich auf – schließlich galt es den Schmerz um die die BVB-Niederlage wegzurocken, um auch Bastis Laune wieder zu heben, der sich als großer Fan der Schwarz-Gelben outete (im Übrigen bekannte sich sogar eine Handvoll BASEBALLS-Fans zu Bayern München – was aber ohne Folgen blieb, Rock’n’Roller scheinen tolerant zu sein). Mit „My Baby Left Me For A DJ“ stand ein Schmachter mit Schmiss auf dem Programm, bevor „King Kong“ einen Hauch Psychobilly ins Spiel und sowohl das Publikum als auch die Sänger in Bewegung brachte. Nahtlos ging es mit „Follow Me“ weiter, zu dem ausgiebig geklatscht und gestampft wurde, bevor „Royals“ energiegeladen nachlegte. „Crazy In Love“ war mit einem ganz besonderen Contest verbunden: einem Battle zwischen dem Theremin Theresa (wenn 14 Kerle auf Tour sind, bekommen die Instrumente schon mal weibliche Namen) und dem FZW-Auditorium. Dieses sehr spezielle Instrument, das berührungslos flirrende Geräusche produziert, wurde von Digger bedient und die Westfalen hatten die Aufgabe, den Sci-Fi-Sound stimmlich umzusetzen. Ein bisschen Übung brauchten die Anwesenden, dann klappte das „Gejaule“ bestens und mit der nächsten Nummer stand dann ja auch wieder „richtiger“ Gesang“ auf dem Plan. Egal, ob ROBBIE WILLIAMS oder THE BASEBALLS: wenn „Angels“ performt wird, geht die Zuschauerschaft einfach steil und so wurde diese Nummer ebenso wie das nächste Highlight „Hot’n’Cold“ amtlich abgefeiert. Selfies stehen auch bei den drei Jungs, die sich vor sieben Jahren in der Gemeinschaftsküche eines Berliner Proberaumkomplexes kennengelernt haben, hoch im Kurs. Allerdings werden hier keine Handys oder Mini-Digitalkameras zu Rate gezogen, sondern ein großer Fotoautomat und natürlich darf auf den Pics auch ein Mädel nicht fehlen. Die Wahl fiel heuer auf Janine, die mit Digger hinter dem Vorhang verschwand, wohingegen die Kollegen den MEREDITH-BROOKS-Song „Bitch“ zu Gehör brachten. Mit dem Instrumental „Beep Bop“ war die Stunde der BASEBALLS-Bands gekommen, die ordentlich Gas gab, währenddessen die Herren Fronter sich ein neues Outfit zulegten und man schließlich gemeinsam zum Gospelchor mutierte. Zu diesem Zweck bekam Jan einen neuen Arbeitsplatz am Bühnenrand verpasst, wo ein Tasteninstrument nebst Kerzenbeleuchtung in Position gebracht worden war, um das sich die restliche Mannschaft scharrte, um gemeinsam „Looking For Freedom“ zu zelebrieren. Für „What You Want“ wechselte die gesamte Truppe an die Ukulele, bevor es wieder auf die angestammten Plätze ging. Bei „Bad“ rückte Klaas Wendling seinen Kontrabass in den Mittelpunkt, während im Hintergrund das Lokomotiven-Backdrop gegen einen „The Baseballs“-Schriftzug aus unzähligen Lämpchen getauscht wurde. Sams Hüftschwünge führten alsbald zu zahlreichen Kreischern unter den Damen, die nicht nur bei „Mo Hotta Mo Betta“ einiges in dieser Richtung zu sehen bekamen. Auch wenn der Track beim Voting für den ESC-Vorentscheid durchgefallen ist, kam er bei den Fans doch bestens an und wurde von einem ausführlichen Schlagzeug-Solo gekrönt, bei dem Tomas Svensson mit viel Ausdauer die Felle bearbeitete und wahre Begeisterungsstürme erntete. Für „The Look“ versammelten sich abermals alle sieben Musiker auf der Stage und setzen auch das Fitnessprogramm fort, das in einem Massenhüpfen gipfelte, bevor es mit „Born This Way“ und Digger an der Mundharmonika rund ging. „I’m Yours“ besiegelte ein grandioses Ende der regulären Spielzeit, doch nach einem ganz kurzen Break ging es auch schon in die Verlängerung.

Zunächst einmal nahm Jan auf der dunklen Bühne wieder seinen Platz am Piano ein, bevor Tomas ein kühles Bier aus der bandeigenen Kühlbox in den Zuschauerraum reichte, sich selbst noch ein Pülleken genehmigte und sich seiner Schießbude zuwandte. Dank „Hard Not To Cry“ durfte noch einmal so richtig geschmachtet werden, um mithilfe von „Umbrella“ erneut in die Vollen zu gehen. Natürlich waren die Dortmunder auch hier textsicher und dass beim abschließenden „Lucky Guy“ das Klavier in Flammen stand, hatte nicht nur was mit der Raumtemperatur zu tun, sondern in erster Linie mit der Energie, die von den BASEBALLS ausging (die Pyrotechnik lassen wir mal an dieser Stelle einfach außen vor).

Definitiv haben die sieben Herrschaften über zwei Stunden wieder alles gegeben und ihren Fans einen großartigen Abend beschert. Sam schien etwas beweglicher als in Münster, wohingegen Digger sich ein wenig mehr zurückhielt – Dortmund scheint offensichtlich nicht mehr unter den Begriff „Heimspiel“ zu fallen, wie dies in der Stadt des Westfälischen Friedens der Fall war. In letzter Konsequenz macht es jedoch auch einfach diese ganz besondere Mischung der Charaktere. Und natürlich der von ihnen vorgetragene Rock’n’Roll – ganz egal ob als krachendes Cover oder in Form von authentischen Fifties-Sounds aus der eigenen Schmiede.

Setlist THE BASEBALLS
Let It Go
Goodbye Peggy Sue
Hello (MARTIN SOLVEIG & DRAGONETTE)
Never Ever (ALL SAINTS)
My Baby Left Me For A DJ
King Kong
Follow Me (UNCLE CRACKER)
Royals (LORDE)
Crazy In Love (BEYONCÉ)
Angels (ROBBIE WILLIAMS)
Hot’n’Cold (KATY PERRY)
Bitch (MEREDITH BROOKS)
Beep Bop
Looking For Freedom (DAVID HASSELHOFF)
What You Want
Bad (MICHAEL JACKSON)
Mo Hotta Mo Betta
Drum Solo
The Look (ROXETTE)
Born This Way (LADY GAGA)
I’m Yours (JASON MRAZ)

Hard Not To Cry
Umbrella (RIHANNA)
Lucky Guy

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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