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BASKERY

Ort: Osnabrück - Glanz & Gloria

Datum: 01.04.2009

Sie klingen, als kämen sie aus dem tiefsten Texas, tatsächlich sind die drei Schwestern Greta, Stella und Sunniva Bondesson jedoch in Stockholm zu Hause. Dort hält sich die schwedische Antwort auf die DIXIE CHICKS allerdings momentan eher selten auf, denn BASKERY sind auf großer USA- und Europa-Tour, dessen letzter Deutschlandtermin die Mädels ins frühlingshafte Osnabrück führte. Vielleicht lag es auch an den endlich steigenden Außentemperaturen, dass im Glanz & Gloria nicht gerade Massen auf die Schwedinnen warteten, auffallend war allerdings, dass die ganz eindeutige Mehrheit der knapp 50 Anwesenden männlichen Geschlechts waren. Ob das nun an der Musikrichtung oder ihren hübschen, blonden Protagonistinnen lag, lasse ich an dieser Stelle offen und wende mich der musikalischen Darbietung zu.

Selbige begann gegen 22 Uhr dergestalt, dass man zunächst das Gefühl hatte, Zeuge einer Bandprobe zu sein. Instrumente wurden noch schnell gestimmt und einige schwedische Sätze getauscht, bevor es mit „Hole In My Soul“ knackig losging. BASKERY nennen ihren Sound selbst „Horse Jazz“ oder „Banjopunk“, was zweifelsohne dem sehr präsenten Banjo von Greta geschuldet ist. Die Älteste der Bondesson-Sisters spielte zudem parallel Kick- und Snaredrum, griff bei „One Horse Down“ sogar zusätzlich noch zur Mundharmonika und schaffte es erstaunlicherweise auch noch zu singen. Offensichtlich hat Papa Jan, mit dessen Rockabilly-Combo THE SLAPTONES die Mädels unterwegs waren, bevor sie vor drei Jahren BASKERY gründeten, seinen Töchtern jede Menge Musikalität in die Wiege gelegt. Denn auch Nesthäkchen Sunniva (akustische Rhythmusgitarre & Gesang) sowie Stella (Stand-up-Bass und Gesang) verstanden ihr Handwerk und begeisterten ihr Publikum mit ebenso treibenden wie rhythmusverliebten Songs, die überwiegend vom letztjährigen Debüt „Fall Among Thieves“ stammten. Da störte es zumindest die Zuschauer nicht, dass Greta wohl einiges Equipment zerlegt hatte und gelegentlich vermittels Gaffa-Tape Teile des Schlagzeugs befestigen oder auf ihr Tremolo am Banjo verzichten musste. Hätte sie es nicht gesagt, wäre es vermutlich niemandem aufgefallen, aber das Dreigestirn plauderte gern mit den Osnabrückern. Teilweise sogar auf deutsch, denn Sunniva hat eine zeitlang in Köln gelebt, ihren Schwestern ein paar Vokabeln beigebracht und selbst auch einiges behalten. Die Hasestädter hatten sichtlich Spaß und vereinzelt wurde sogar getanzt, wenn BASKERY das passende Tempo vorlegten. Aber nicht nur die schnellen Nummern wie das leicht schräge „Why Don’t Ya“, ein Mix aus Psychobilly und Rockabilly, für den die Damen den Begriff „Killbilly“ verwendeten oder das brandneue „Shame On“ wussten zu gefallen. Egal, ob dreistimmig oder bei den Solo-Gesangsparts, die „On A Day Like This“ mitbrachte, die Vocals waren auch bei den ruhigeren Songs stets ein Genuss und kamen natürlich gerade bei der minimalistischen Instrumentierung von „Oscar Jr Restaurant Bar“ hervorragend zur Geltung. Die „Disco-Dancing-Time“ wurde wenig später mit „Out-of-towner“ ausgerufen. Der Track war den Männern in Stockholm gewidmet und zeigte sich ebenso mitreißend wie der letzte Titel „Haunt You“, der dank seines pulsierenden Rhythmus kräftig mitgeklatscht wurde. Damit konnten BASKERY nach 70 Minuten feinsten Mud-Country die Stage selbstverständlich nicht verlassen und da sie einmal quer durchs Glanz & Gloria gemusst hätten, um in den Backstage-Bereich zu kommen, blieben die drei gleich auf der Bühne, genossen den Applaus und belohnten ihre neuen Fans mit einem ausgiebigen letzten Ritt durch Rock, Country und Blues. Stellas Bass (der übrigens Henry heißt) bekam noch einmal gut zu tun und auch an den Sechssaitern ging erneut die Post ab. Zum Abschluss ließen es BASKERY abwechslungsreich und in aller Ausführlichkeit krachen, dann war der Ausflug in rockige Countrygefilde gegen 23.30 Uhr endgültig beendet.

Das Genre ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber BASKERY bringen auch keinen verstaubten Altherren-Country zu Gehör. Stattdessen haben die drei Skandinavierinnen eindrucksvoll bewiesen, dass sie nicht nur profundes handwerkliches Talent, sondern auch die nötige Portion Bühnenpräsenz mitbringen, um ihren frischen Horse Jazz erfolgreich an den Mann und die Frau zu bringen.

Setlist
Hole In My Soul
Here To Pay My Dues
People
Spoken Word
One Horse Down
Why Don’t Ya
On A Day Like This
Oscar Jr Restaurant Bar
Harsh
Shame On
Out-of-towner
Haunt You

Blues /Rock /Country Special

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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