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BATTLE OF METAL 2007 – TAG 2

Ort: Geiselwind

Datum: 07.07.2007

Nach einer wohlverdienten Nacht und einer ordentlichen Brotzeit entschlossen wir uns, gegen 14 Uhr wieder auf dem Festivalgelände aufzutauchen, gerade pünktlich zur Darbietung der Färinger TÝR. Die konnten auf der Tour mit AMON AMARTH schon ordentlich Eindruck schinden, so dass auch das ein oder andere Bandshirt gesichtet wurde. Am heutigen Samstag aber, bei schönstem Sonnenschein, hatte das Quartett nicht gerade den besten Tag erwischt. Schüchtern, steif und irgendwie verloren wirkten die ansehnlichen Herren auf der großen Bühne, wenngleich zumindest Terji an der Gitarre mit seinen vielen Piercings etwas Augenschmaus für die weiblichen Fans bot.

Also schnell hinein in das Eventcenter, wo mit IMPERIA eine mir bis dato unbekannte Formation auf dem Programm stand. Es bot sich folgendes Bild: Eine wilde Hard Rock Lady, die barfuss von verruchter Schlampe bis orientalischer Schönheit alle Facetten drauf hatte und eine ebensolche Varianz beim Gesang an den Tag legte. Dazu die männliche Instrumentalfraktion, spielerisch solide aber nicht sonderlich beeindruckend. Die Dame war niemand anders als Helena Iren Michaelsen, die als Ex in ihrem Stammbuch bereits TRAIL OF TEARS stehen hat und mit dem Projekt ANGEL ebenfalls ein kleines Ausrufezeichen setzen konnte. Der erste IMPERIA Output befand sich auf dem Black Lotus DEAD CAN DANCE Tribute, mittlerweile ist man bei Massacre unter Vertrag, wo das aktuelle Werk „Queen of Light“ (Helenas Tochter gewidmet) erschienen ist und von dem man beispielsweise „Fly like the Wind“ anstimmte. Etwas bizarre Performance und die Diskussion darüber, wann der Gitarrist am besten pissen gehen sollte, wirkte auch etwas deplaziert.

Stichwort „deplaziert“: Auf der Main waren nun THE DOGMA aus Ancona an der Reihe, die mit ihrem Power Metal schon etwas aus dem zumeist härteren Rahmen fielen. Auf der gemeinsamen Tour mit LORDI konnte man sich einige Freunde machen und insbesondere Danieles Stimme ist aller Ehren wert. So „übersahen“ die Italiener auch die relative Leere vor ihnen und boten eine energievolle Show mit allem, was dazu gehört. Von den beiden Alben wurden u.a. präsentiert: “Black Roses”, “…and Julie no more”, “She falls on the grave” und “Bitches Street”.

Doch schnell wieder ins Dunkle, wo einige Landsleute der Dogmatiker schon mit den Hufen scharrten. THEATRES DES VAMPIRES waren mir auf CD immer irgendwie entgangen, umso überraschter war ich über die klangliche Qualität des Gebotenen. Eine Mischung aus Dark, Black und Gothic Metal, insbesondere getragen vom ausdrucksstarken Organ der Sängerin Sonya Scarlet, die später in der Nacht auch noch für das DJ Set verantwortlich zeichnen sollte. Und die Frau gab auch optisch Gas: Während man beim Eröffnungssong noch unter Masken musizierte, gab sie sich alsbald äußerst freizügig, auch weil ihr kleines Netzhemd keinen richtigen Halt fand. Das allein war aber sicher nicht der Grund dafür, dass sich die Reihen nun spürbar füllten, auch Stücke à la „Dances with Satan“, “La danse macabre du vampire” oder “Riflessi“ wurden eindrucksvoll und immer mit einem Schuss düsterer Erotik performt.

Classic meets Metal hieß es dann bei schönstem Sonnenschein am späten Nachmittag auf der großen Bühne. HAGGARD stehen für eine ungewöhnliche Kombination aus klassischer, mittelalterlicher und Renaissance-Musik, die mit zeitgenössischen Metal-Elementen gepaart wird. Entsprechend schart Bandgründer, Sänger und Mastermind Asis Nasseri auch immer ein echtes Orchester um sich. Neben den üblichen Bestandteilen einer Rockcombo wie Gitarre, Bass und Drums waren zusätzlich noch Kontrabass, Querflöte, Oboe, zwei Geigen, eine Viola, Pauken, Synthesizer sowie eine Sopranistin und ein Tenor auf der rappelvollen Bühne vertreten. Mit opernhaften Geigen- und Orgelklängen, denen weiblicher Gesang folgte, startete die Truppe, dann übernahm der Chef bei „The Observer“ von der letzten Langrille „Eppur Si Muove“ (ein Konzeptalbum über Galileo Galilei) selbst die Vocals, die mal gesungen, gesprochen oder auch metaltypisch gegrowlt rüberkamen. Sogar einer Premiere durften wir beiwohnen: Nachdem die Veröffentlichung der neuen Scheibe „Tales of Ithiria“ aus persönlichen Gründen noch mal verschoben werden musste, gab’s doch immerhin schon mal den Prolog des Werkes zu hören, das diesmal im Fantasy-Bereich angesiedelt sein soll. Insgesamt boten die Damen und Herren einen rasanten Mix, bei dem es durchaus auch mal ordentlich zur Sache ging, schließlich liegen die Wurzeln der 1991 gegründeten Band ja auch im Death Metal, wenngleich man einigen Mitgliedern ihre Nähe zur Klassik doch sehr anmerkte. Wenn mal nicht ihr Einsatz gefordert ist, wirkten die Sopranistin und auch die Dame an den Tasten recht statisch, so als zieme es sich nicht, zur Musik mitzugehen. Das sahen die Fans vor der Bühne allerdings ganz anders und baten begeistert um Zugaben, die ihnen ob des straffen Zeitplans allerdings verwehrt wurden.

Ein wenig unter der allgemeinen HAGGARD Begeisterung zu leiden hatten die Urgesteine SKYCLAD, die ihr Set vor fast leerem Haus beginnen mussten. Wobei man erwähnen sollte, dass am 2ten Festivaltag insgesamt noch etwas weniger Zuschauer zugegen waren, da hatten wohl einige nur Tageskarten für den Freitag organisiert. Jedenfalls ließen sich die Folk Rocker um die auffällige Violinistin Georgina Biddle den Spaß nicht nehmen und konnten im Verlauf ihrer Darbietung immer mehr Neugierige in die Halle locken, so dass ab etwa der Mitte des Sets ordentlich Partylaune in der Luft lag. Zwar ist der bekannte Martin Walkyier schon lange nicht mehr Frontkasper und auch labeltechnisch hängt man in der Luft, aber die Jahrelange Erfahrung in Verbindung mit den flott-eingängigen irischen Klängen brachte auch die härtesten Metaller in Wallung. Sänger Kevin Ridley begeisterte mit seinem perfekten Organ und irgendwann bekam er dann den sehnlichst gewünschten Alkohol gereicht, den er insbesondere beim Geburtstagstitel für den Bandkopf Steve Ramsey so vermisst hatte. Der Herr hatte nämlich anderntags Geburtstag, ein Hereinfeiern war somit Pflicht. Ausgelassen tollten die Herren plus Dame zu fröhlichen Hymnen wie “The Parliament Of Fools”, “Another Fine Mess” oder “Earth Mother, the Sun and the furious Host” und waren eine sehr positive Überraschung des Battle of Metal 2007.

Danach durfte eine weitere alteingesessene Kapelle ihre Künste demonstrieren, leider vor recht geringem Anhang, was daran liegen könnte, dass die absolute Glanzzeit von HOLY MOSES schon ein paar Jährchen zurück liegt. Genauer gesagt dürften einige der anwesenden Fans bei Bandgründung 1980 noch nicht einmal auf der Welt gewesen sein, umso erstaunlicher, wie appetitlich Vollblutmetallerin Sabina Classen noch immer aus der Metal Wäsche schaut. 1986 moderierte sie mit „Mosh“ die wohl erste deutsche Härtner Sendung und ihre Lebenseinstellung hat sich seitdem kaum geändert. Ihr zur Seite stand u.a. Oliver Jaath, der auch bei RECKLESS TIDE in die Saiten greift. Heftige Thrash Salven in Form von “World Chaos”, “Def Con II” oder “In the Slaughterhouse” verfehlten ihre Wirkung nicht, allerdings hätte Sabina in Erdkunde besser aufpassen sollen, denn die große Anzahl Franken vor der Stage als Bayern zu bezeichnen, kam erwartungsgemäß nicht so gut an. Schwamm drüber, noch am Vortag hatte die gefärbte Dame mit heftigen Magenproblemen zu kämpfen, schuld daran wohl eine Portion Bratkartoffeln an einer Autobahnraststelle. Passend hierzu wurde dann „I feel sick“ intoniert. Alles in allem eine dynamische Show, möglicherweise aber waren HOLY MOSES an diesem Tag etwas zu hoch im Billing angesetzt, wenn man den direkten Vergleich mit HAGGARD wagt.

Abermals stand dann Gothic Metal auf dem Programm. Jetzt vorgetragen von EISHEILIG aus dem Ruhrpott, die im Begriff sind, ihr viertes Album einzuspielen. Im fränkischen Geiselwind war davon allerdings noch nichts zu hören, stattdessen wurden überwiegend Songs der letztjährigen VÖ „Elysium“ zum Besten gegeben. Mit dabei war auch der neue Bassist Markus, der bei Stücken wie dem schnellen „Der Flug der Möwen“, dem getrageneren „Fährmann“ und „Sturm“, dem leicht sperrigen „König der Planeten“ den Metal-Epen „Dein Traum“ und „Lucifer“ eine gute Figur machte. Leider spielte die Kapelle, die stilistisch irgendwo zwischen RAMMSTEIN und ZERAPHINE anzusiedeln ist, vor relativ leeren Rängen und beendete ihr Set auch erstaunlich früh um 20.00 Uhr, obwohl ihr laut Running Order noch eine halbe Stunde zugestanden hätte. Möglich, dass man den Ablauf an der Second Stage etwas straffen wollte, damit sich ENSIFERUM und PARADISE LOST später nicht in die Quere kämen.

Dazwischen waren aber noch die Schweden THE HAUNTED zur Stelle, die live vor allem von der Energie ihres Shouters Peter Dolving profitieren. Wie ein Tier im Käfig tigerte der kahlrasierte Kerl umher und sein rot anlaufender Kopf schien fast zu platzen bei den wilden Shouts, die beispielsweise „99“, „Dark Intentions“, „Bury your dead“ oder „The Medication“ (vom aktuellsten Album „Dead Eye“ stammend) veredelten. Da sich aber nicht wenige Metaller nun schon geistig auf ihre Lieblinge ENSIFERUM einstimmten, wurden THE HAUNTED ein wenig stiefmütterlich bedacht, was Peter zu einigen wilden Anfeuerungen animierte. Auch ein Joke über die Konkurrenz JOB FOR A COWBOY war dabei, die in Peters Augen wohl ein wenig zu stumpf agieren. Jedenfalls gab man sich keine spieltechnische Blöße und konnte letztendlich mit einer sehr aggressiven Show überzeugen.

Den zuschauertechnischen Höhepunkt an diesem Tag fand das BoM aber fast erwartungsgemäß bei der Show der Finnen ENSIFERUM, deren Stern ja in letzter Zeit fast kometengleich aufgestiegen ist. Auch hier wieder beachtlich der hohe Frauenanteil, gerade in den ersten Reihen. Die 3 Saitenhexer musizieren aber auch oben ohne, wobei nur Shouter Petri diesbezüglich eine wirklich gute Figur abgibt. Unterstützt vom weiblichen Keyboard bot man melodischen Viking Metal vom feinsten, es wurde mitgesungen und getanzt, was das Zeug hielt. Bei “Ahti” kann man schließlich wunderbar mitgrölen und auch bei den weiteren Tracks („One More Magic Potion“, “Victory Song”, “Tale of Revenge”, “LAI LAI HEI“ etc.) gab es diesbezüglich kaum Schwierigkeiten. Noch vor Beendigung des Sets traten wir aber bereits den Weg nach draußen in den mittlerweile nicht mehr so warmen Nachhimmel an. Denn der Quasi Headliner wollte auf gar keinen Fall verpasst werden.

Mein persönliches Highlight des Tages stand nun bevor: PARADISE LOST! Seit fast zwanzig Jahren darf man bei jeder Platte der Engländer gespannt sein, ob sich der Musikstil wohl wieder verändert haben könnte. Als Death Metal-Band gestartet, den Gothic Metal miterfunden, wurden PARADISE LOST Mitte der Neunziger deutlich elektronischer, um mit ihrem elften Studioalbum „In Requiem“, welches seit einigen Wochen bei den Plattendealern zu haben ist, wieder stärker zu ihren Metal-Ursprüngen zurückzukehren. Hier und heute durften auch wir zu so schönen Songs wie „Erased“ in (jüngeren) Erinnerungen schwelgen. Vom neuen Longplayer gefiel das erwartungsgemäß härtere „Ash & Debris“. „So Much Is Lost“ von der „Host“-Langrille gab sich hingegen ruhig-melodiös. Ganz anders das Geknüppel zu „Pity The Sadness“ oder „As I Die“, beide vom gleichen Album „Shades of God“, das 1992 das Licht der Plattenläden erblickt hatte. Bei allen stilistischen Veränderungen, die Sänger Nick Holmes als „Dark Rock“ zusammenfasste, sind die Gitarren über all die Jahre zu einem signifikanten Eckpfeiler PARADISE LOSTs geworden, die sich auch im neuen „Praise Lamented Shade“ wiederfanden. Zum Schluss wurde es mit „One Second“ (1997) und „The Last Time (1995) noch mal ein wenig nostalgisch, aber in keiner Weise kraft- oder bisslos. Nach knapp 90 Minuten beendete „Say Just Words“ eine wunderbare Reise durch zwei Jahrzehnte PARADISE LOST-Mucke. Meinetwegen hätten die Jungs ruhig noch ein wenig länger spielen dürfen, auch wenn Mr. Holmes vielleicht nicht so ein begnadeter Live-Sänger und Entertainer ist, die Songs sprechen einfach für sich und so konnten mich PARADISE LOST einmal mehr voll überzeugen.

Danach stand zwar noch der eigentliche Headliner, nämlich Zakk Wyldes BLACK LABEL SOCIETY auf dem Programm, doch wir geben freimütig zu, nicht allzu viel mit diesem Sound anfangen zu können und die zu erwartende längere Pause tat ihr übriges. So verließen wir also das Strohofer-Gelände gut gelaunt kurz vor Mitternacht und mit uns ganze Heerscharen weiterer Besucher. Die Frage der Security, ob denn schon Ende sei, spricht wohl Bände. Dennoch konnte man später sogar noch aus dem geöffneten Hotelzimmer die Amis rocken hören und die Die Hard Fans werden sicher auf ihre Kosten gekommen sein.

Genauso wie eigentlich die meisten Damen und Herren, die an diesem überraschend sonnigen Wochenende in Geiselwind aufgeschlagen waren. Sicherlich wird kaum jemand jede Band abgefeiert haben, aber durch den raschen Wechsel auf den 2 Stages ward genügend Abwechslung geboten. Die ein oder andere Kapelle zeigte sich zwar etwas enttäuscht ob der Resonanz, wenn aber 25.000 Leute nur 200 km entfernt bei MANOWAR rocken, ist ein leichter Zuschauerschwund wohl unumgänglich. Ich würde für die nächste Auflage einen richtig zugkräftigen Headliner empfehlen, dann erledigen sich derartige Probleme von ganz allein. Zu loben sei auch noch der sehr angenehme Umgang mit dem Personal und die Annehmlichkeiten, die man als Pressevertreter genießen durfte. Gerade letzteres ist heutzutage keinesfalls selbstverständlich. Wie auch immer, auch im nächsten Jahr wird es sicher wieder heißen: Geiselwind rocks!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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