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BEASTFEST EUROPEAN TOUR 2009

Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 31.10.2009

CALIBAN – SUICIDE SILENCE – MAROON – EMMURE – AFTER THE BURIAL – BEAST WAR RETURNS

Halloween – die böse Version des „Martinsingens“. Statt fröhlicher Kinder, die singend und mit bunten, selbstgebastelten Laternen durch die Straßen wandern, um den Leuten an der Tür mit einem Liedchen Freude zu bereiten und sich so Leckereien zu verdienen, sieht man dieser Tage vermehrt Hexen, Zombies und Monster, die sich jenes versuchen zu erpressen. Zwar war manch an sich schönes Lied aus einer krächzigen Kinderkehle auch oft schon der blanke Horror, doch das immer noch stetig an Beliebtheit zulegende Fest zu Allerheiligenabend aus Irland legt es in seiner heutigen Version gewollt darauf an: keine fröhlichen Lieder, stattdessen Drohungen über angehendes Unheil – so zogen auch in diesem Jahr wieder unzählige Gruselgestalten in die Nacht hinaus. Und nicht wenige von ihnen fanden ihren Weg dabei in das Münsteraner „Skaters Palace“, in dem die Beastfest-Tour an jenem Abend gastierte und neben BEAST WAR RETURNS, AFTER THE BURIAL, EMMURE, MAROON, SUICIDE SILENCE und CALIBAN auch einige prominente Halloween-Gäste vorweisen konnte.

BEAST WAR RETURNS

Allein schon durch ihren Namen für die „Beastfest“-Tour prädestiniert, eröffneten BEAST WAR RETURNS den Abend – und auch hier war von fröhlichen (!) Liedern keinerlei Spur. Die Ruhpottler entfesselten direkt nach „Introduction“ das recht neue „Biomechanical“ und damit auch gleichzeitig den Moshwillen des Publikums; wenn gleich natürlich auch noch in einer recht verhaltenen Version. Doch das Auftauen fiel mit Songs wie dem folgendem „Five Star BLT“ selbst Ende Oktober noch sehr leicht. Schwer und rücksichtslos schlägt einem das Riffing des Saitentrios Danny, Stanni und Marc um die Ohren, während sich Sänger Dixi sich sauber die Kehle wund schreit – auch das kennt man vom Martinssingen, doch längst nicht mit so hohem Können verbunden. Mit „Greencard“ geht es weiter und Drummer David lässt amtlich die Doublebass qualmen, während seine Kollegen munter über die Bühne wüten. Der gute Stanni schien sogar teilweise etwas unterbeschäftigt und nahm sich so oft extra viel Gelegenheit, um gekonnt mit dem Publikum zu agieren. Dieses nahm auch das folgende „Tr.IPOD Blockage“ sehr positiv auf, die Komposition bot ja auch wie die Übrigen die an diesem Abend wohl hauptsächlich erwartete Deathcore-Keule, welche das sympathische Quintett auch mehr als nur gut in Schwung hielt. Kein Wunder also, dass man vor kurzem die Bühne ebenfalls mit THE DEVIL WEARS PRADA oder in naher Zukunft mit u.a. DESPISDED ICON teilt(e). Mit „Construction plan to kill“ endete ein wirklich vielversprechender (und leider kurzer) Auftritt einer live absolut überzeugenden jungen Truppe. Aber sicher ist wohl: This BEAST WAR will RETURN!

Setlist BEAST WAR RETURNS
Introduction
Five Star BLT
Greencard
Tr.IPOD Blockage
Construction plan to kill

AFTER THE BURIAL

So gut wie der vorangegangene Bandname passte der nun folgende dann allerdings nicht: Als AFTER THE BURIAL die Bühne betraten, sehen sie eher aus wie KURZ VOR der Bestattung. Blutige Gesichter, triefende Hemden und Shirts gaben ein schauriges Bild ab und warfen die Frage auf: Was mag wohl in dem Backstage Bereich auf sie gelauert haben? Potentielle Täter folgen! Doch was, wenn das gar nicht ihr eigenes Blut war? Die Vermutung liegt nahe, wenn man sich vor Augen hält, wie die Jungs aus Minnesota nach „Pi (The Mercury God of Infinity)“ ihr blutiges Werk mit „Berzeker“ begannen. Da war die Betitelung dann auch wieder Programm, mit schönen Leads und reichlich basslastig walzte man voran und umgehend ins Sperrfeuer der Drums genommen. Frontmann Anthony Notarmarso drückte seine Shouts aus den Boxen und „breeeete“ sich einen zurecht – in aller Herrlichkeit! „Cursing Akhenaten“ bot in Folge dann auch live die enorme Melodieverliebtheit der Gitarristen, welche unfassbar sauber und präzise zu Werke gingen, zumindest bis zu dem Punkt, an dem man gut und gerne in progressives Songwriting verfällt – und daraufhin das volle Skaters Palace in die Breakdowns stürzen lässt. Der Bewegungsdrang unter den Ticketzahlern nahm dann natürlich auch beim groovigen „A Steady Decline“ zusehends zu und untermalte die ansprechende Leistung des Fünfers bestens. Darum war es auch nur zu verständlich, dass wenn man derart gut angenommen wird, nicht nur ein „Happy Halloween“ herausbringt, sondern auch deinen Verweis auf den Merch-Stand: „Kauft euch Merchandise, es ist genug da. Und wenn ihr nicht versteht, was ich euch gerade sage, zählt das nicht als Ausrede“ flaxte Anthony und verkaufte auch seinen gelegentlichen Cleangesang ganz ordentlich. Die teilweise etwas sperrigen Rhythmen der Kompositionen taten der Live-Kompatibilität keinen Abbruch und zauberten „Aspiration“ einen netten Circle Pit in den Raum, welcher nach dem abschließenden „Fingers like daggers“ zu Recht frenetisch für eine wirklich ambitionierte Truppe applaudierte.

Setlist AFTER THE BURIAL
Pi (The Mercury God of Infinity)
Berzerker
Cursing Akhenaten
A Steady Decline
Aspiration
Isolation Theory
Fingers Like Daggers

EMMURE

Doch so ganz war die Frage nach der Ursache des Blutes noch nicht geklärt. Zwar wirkten die Jungs eben nicht im Geringsten angeschlagen bei ihrem Tun, doch warum sollten sie schon im Backstage-Bereich metzeln, wenn sie gleiches eben noch (musikalisch) auf der Bühne taten? Mit dem Einmarsch von EMMURE wurde der Verdacht dann auch noch auf jemand ganz anderes gelenkt. Denn statt Sänger Frankie Palmeri, der seit seiner Ankunft in der Halle angeblich nicht mehr gesehen wurde, betrat ein schnell gefundener Ersatz die Stage: mit einer blutigen Machete in der Hand stapfte Jason Voorhees einher. Der bekannteste Hockeymasken-Träger der Horrorfilmgeschichte gab sich allerdings weniger wortkarg als man es von ihm gewohnt ist, denn nach einem Intro starte er mit seinen Bandkollegen in „10 signs you should leave“ derart rein, dass er alles andere als braucht, als sich hinter Frankie zu verstecken. Drohend schritt er umher, erhob mehr als einmal seine Machete und shoutete, was das Zeug hielt, während die Instrumentenfraktion ebenfalls die Stille des Abends mit knallenden Drums und donnernden Riffs erschlug. Dabei schien der Sound allerdings sein Heil in der Flucht zu suchen, denn dieser quetschte sich ziemlich chaotisch und unstrukturiert aus den Boxen, so dass „Sound Wave Superior“, „Bars in Astoria“ und die anderen Klangwerke nicht so wirklich schön im Ohr ankamen – das hatte man an diesem Abend schon besser abgestimmt gehört. Doch auch was das Bühnenprogramm anging, war man schon mehr verwöhnt worden: die Idee mit dem Jason Gimmick, welches auch sehr authentisch vorgetragen wurde, war zwar sehr nett, doch hätte es gereicht, wenn man es bei den ersten 2 oder 3 Songs dabei belassen und statt dessen dann wieder ein wenig mehr Action/ Bewegung dargeboten hätte. Allerdings ließ sich wohl auch der Rest des Quintetts aus Connecticut von „Jasons“ Behäbigkeit anstecken. Die beiden Lionetti-Brüder sind ja bekanntlich nicht mehr Teil der Band, sondern man sich statt dessen zwei Mikes zum trommeln bzw. klampfen geholt – aber auch die zeigten ähnlich wenig Show und Bewegung wie der Rest der Truppe. Auch in Sachen Ansagen gab man sich rar und wirkte ohnehin auch bei dem folgenden Titelsong des aktuellen Albums „Felony“ oder bei „Sunday Bacon“ recht „blutleer“. Sehr schade, wurden sie doch von der tobenden und moshenden Menge mehr als würdig abgefeiert. Immerhin technisch gaben sie sich sauber, sofern man dieses bei der Soundqualität zu vernehmen wusste, und zockte ihren „Querschläger-Metalcore“ zwar trocken aber ordentlich herunter. Phasenweise erinnerte man vor allem stimmlich an frühe SLIPKNOT-Sachen, dann ballerte man wieder in schönster THE ACACIA STRAIN-Manier (bei dessen Rezension mir der Name EMMURE einfach nicht in den Sinn kommen wollte) reihenweise Trommelfälle in die Funktionslosigkeit. Zu „R2 Deepthroat“ erklang dann das Darth Vader-Theme, doch den dunklen Lord hatte es an diesem Abend nicht nach Münster verschlagen. Wäre sicher interessant gewesen zu erfahren, wie er die Macht im Pit eingesetzt hätte. Jene hätte im aber beim abschließendem Überhit „When Keeping It Real Goes Wrong“ auch nicht viel geholfen, ein Pit geriet in Schwung, in dem es völlig egal war, wer wessen Vater ist. Netter Auftritt, allerdings litt er doch deutlich unter dem unglücklichem Sound und der anfangs ganz lustigen, dann aber schnell öden Bühnenpräsenz, bei der… oh Moment, es klopft. „Ach, äh hallo Jason… neeeein, ich übe keine Kritik an deinem Auftritt mit EMMURE, wie… oh, eine Machete, ja hehe, also wie gesagt, ich fand es echt spitze…

Setlist EMMURE (ohne Machete …äh… Gewähr)
10 signs you should leave
Sound Wave Superior
Bars in Astoria
Felony
Sunday Bacon
R2 Deepthroat
When Keeping It Real Goes Wrong

MAROON

Weniger blutrünstig, dafür mindestens genau so moshbar ging es weiter mit MAROON. Die Thüringer sparten sich jegliches Halloween-Klimbim und legten direkt los mit ihrer Interpretation des Metalcore, welche neben ganz viel Metal und einer guten Portion Death- auch durch seine corigen Elemente mittlerweile eine ganz eigene Nische für die Straight Edge-Band geformt hat. Vor allem live haben die „MAROON ohne die 5 hinter dem Namen“ für mich mittlerweile endgültig auf die ja oft als deutsche Speerspitze bezeichneten HEAVEN SHALL BURN und CALIBAN aufgeschlossen, was sie dem euphorischen Publikum auch an diesem Abend wieder unter Beweis stellten. Einfach nur brachial, was der Fünfer mit Songs wie „Stay Brutal“ aus den Verstärkern bläst. Riffwände so schwer wie ein Walfangboot ließen die beiden Sebastians an den Gitarren und Tom am Bass herniederstürzen, während Toms Bruder Andre am Mikro eben solche Themen wie Walfang oder andere Eingriffe in die Rechte Tiere mit seinen imposanten Shouts zerriss. Dabei war dieser laut eigener Aussage nur zu 50% fit, da ihn ein gebrochenes Bein immer noch ein wenig einschränkte. Davon war aber bis auf diese Erwähnung nichts zu merken, wie der Rest der Band gab auch er sich in Posing-Laune und vollführte das ein oder andere Tänzchen, was einen glatt noch mehr danken ließ, dass er sich der metallischen Musik verschrieben hat und eben nicht Detlef „D“ Soost durchs deutsche Quotenfernsehe folgt. Showreif dann aber doch, wie er sein Imperial Clothing-T-Shirt gekonnt ins Publikum warf. Und während man neben Killern wie „(Reach) The Sun“ auch als Gitarrist noch die Zeit fand, sich recht entspannt neben/hinter dem Bühnenbanner kurz mit dem Personal zu unterhalten, nahmen die Rezipienten vor der Bühne die nun auch soundtechnisch wieder mehr als angenehmen Detonationen an Metal-Sprengkörpern mit reichlich Bewegung auf. „Die Welt wird unter gehen – heute Nacht! Und ich will euch dazu tanzen sehen!“ – sprach es, und stimmte „This ship is sinking!“ an. Und die Leute tanzten – sowohl zu den noch etwas mehr hardcoregeprägteren Nummern wie „The worlds havoc“ oder „Watch it all come down“ vom Zweitlingswerk „Endorsed by hate“ als auch zu den neueren, metallastigeren á la„And If I Lose, Welcome Annihilation“. Circle Pits bildeten einen Strudel der Ektase, die Leute nutzen die Gunst der Sing-Alongs bestens und bekamen auch reichlich Gelegenheit dazu. Unglaublich intensiv und ergreifend trotz aller Härte, so sind die Kompositionen der hier glanzvoll aufspielenden Nordhausener, die natürlich mit dem grandiosen „Wake up in hell“ das Skaters Palace in genau diese verwandelten. Ganz stark!

Setlist MAROON
Intro (Morin Heights)
The Worlds Havoc
And If I Lose, Welcome Annihilation
Stay Brutal
(Reach) The Sun
This Ship Is Sinking!
Watch It All Come Down
Wake Up In Hell

SUICIDE SILENCE

Als nächstes stand die wohl am sehnsüchtigsten erwartete Band des Abends an. Die lange Schlange am Merchstand machte deutlich: SUICIDE SILENCE sollten auch heute wieder was bewegen – vor allem Arme, Beine, Fäuste, Füße und Köpfe. Die Band steht mit an der Spitze des aktuellen Deathcore Hypes, und das mehr als zu recht! Welche andere Band kann bitte sonst mit so einem Allstar-Line-Up auffahren: ein teuflisches Spartiat inkl. aufgemalter Bauchmuskeln am Bass, „Jesus“ an der Gitarre und „Joey Jordison“ am Drumkit – so walzte man mit „Wake Up“ drauf los und erweckte schon zu Beginn das, was ihre Vorgänger mit „Wake up in hell“ zum Abschluss taten. Klingt die Stimme von Frontsau Mitch Lucker auf Tonträger schon mehr als krank (im positiven Sinn), untertreibt es diese Einschätzung live nochmal auf stärkste. Unfassbar was aus so einem schlaksigem Kerl für Töne herauskommen können! Vor allem die Growls sind einfach nur BÖSE und verlangen mir äußerstem Respekt ab. Diesen hat auch ohne Zweifel der Rest der Truppe aus Riverside verdient: als Szene-Band schon recht verschrienen, zeigen sie live, dass sie technisch absolut mithalten können und bei ihrem Hochgeschwindigkeitsgeballer zielsicher vorangehen wie die Schlagbolzen einer MAC-10. „Lifted“, „Smoke“ und „Unanswered“ schlagen so dermaßen ein, das von „Selbstmord“ genau so wenig die Rede sein konnte wie von „Ruhe“, dafür war die Stimmung einfach zu heiter. Auf drei schrie man wie aus einer Kehle das von Mitch geforderte „Trick or treat!!!“, was nicht die einzige Gelegenheit war, die das Fünferpack nutzte, um mit seiner für mich überraschend sympathischen Art zu punkten. Breakdown um Breakdown malmte hernieder, welche Mr. Lucker jedesmal energisch mit dem Fuß aufstampfen ließen und gönnte keinerlei Verschnaufpause. Eine enorme Energie, die „SuSi“ einforderten und gleichzeitig aber auch frei setzten. „Zeigt mir einen Raum voller Headbanger“ forderte Herr Lucker und musste nicht lange warten – schön wenn eine so im Trend steckende Band auch noch die traditionellen Gäste zu würdigen weiß und mit bestem Beispiel voran geht, vor allem die Saitenkünstler ließen die Haare wirbeln und kamen nicht nur einmal mit der Rübe dem Boden ziemlich nah – nicht um sonst heißt es auf ihren Zippern „Bringing back the headbang“. Auch dem DEFTONES-Cover „Engine No 9“ stand das Deathcore-Livegewand. „Joey Jordison“ aka. Alex Lopez blastete alles zu Staub, was „Jesus“ und „Der Teufel Spartas“ nicht zerifften – und als zum Schluss der Breakdown von „No Pity For A Coward“ startete, war eh alles zu spät: „Pull the trigger bitch!“

Setlist SUICIDE SILENCE

Wake Up
Lifted
Smoke
Unanswered
Wasted
No Time To Bleed
Bludgeoned To Death
Engine No 9
Disengage
No Pity For A Coward

CALIBAN

Ich weiß nicht, ob es an ungünstigen Zugverbindungen in Münster liegt – aber zum wiederholten Male erlebe ich im Skaters Palace CALIBAN als Headliner, und zum wiederholten Male verlassen erstaunlich viele Besucher die Halle. An der Garderobe tummeln sich mehr Leute als an diesem Abend durchschnittlich am Merchstand der Jungs aus Hattingen a.d.R, die Theke ist zu erkennen, auch wenn man nicht erst auf dem Tresen liegt… Sicher, dominiert hat an diesem Abend der Deathcore mit viel Blast hier und „Bree Bree“ da – Dinge, mit denen die groovende Metalcore-Kapelle jetzt nicht gerade aufwartet – dennoch stehen sie aber auch für genug Massenantriebsdruck und Pit-Potential und haben mit „Say Hello To Tragedy“ aktuell ein recht starkes Album in der Hinterhand, das es sich live schon zu präsentieren lohnt. Wie dem auch sei, auch wenn nicht alle die Tragödie begrüßen wollten waren noch genug Leute da, um vom „Love Song“ begrüßt zu werden. Doch was war das? Mal abgesehen davon, dass die ansonsten ja auch gerne mal „blutig“ auftretenden CALIBAN-Mannen ausgerechnet an Halloween jenes nicht taten, war noch etwas anders. Etwas stimmte nicht, und zwar mit Sänger Andy. Dieser trat mit seinen Leuten auf, sang mit seiner Stimme – aber befand sich scheinbar nicht in seinem Körper. Stattdessen zog sich Andre Moraweck, der vorher noch mit MAROON on stage wütete, die Mütze vom Kopf und präsentierte sich der überraschten Menge. Hatte eine böse Halloween-Hexe einen Körpertausch-Zauber ausgesprochen? Nein, nach kurzer Zeit brach der gute Andre aufgrund seiner „Playback-Show“ in Gelächter aus und der Original-Andy kam aus seiner Ecke hervor. Ein wirklich cooler Auftakt, welcher mit „My time has come“ musikalisch fortgesetzt wurde. Das mehr als eingängige Riffing verfehlte sein Ziel nicht, das Liedgut groovt wie Sau und entlockt den Verbliebenen die letzten Kraftreserven, so dass schon recht früh im Set die Rufe nach Wasser laut wurden. Diese tat Herr Dörner dann ziemlich harsch ab mit den Worten „Ja, Wasser sollt ihr haben. Wir können aber jetzt nicht immer so lange Pause machen.“ Man hatte scheinbar noch was vor. Und nachdem man mit „Prost ihr Säcke“ seitens Andy und „Prost du Sack!“ seitens der Ticketzahler dann doch wieder versöhnlicher wurde, ballerte man „No one is safe“, „I will never let you down“ und „Stigmata“ heraus. Der Sound kam gut und Marc und Marco an Gitarre und Bass hielten ordentlich drauf auf die wild tobende Meute, wobei besonders Marc wieder eine feine Show ablieferte. Nicht nur deshalb wollten sich einige Fans früh mit Plektren von ihm eindecken, der auch bereitwillig welche abgab, dann aber doch noch ein paar gierig-fordernde vertrösten musste: „Ich bin ja auch noch ein bisschen hier“. Wie lange das an diesem Abend dann wirklich noch sein sollte, stellte Mr. Dörner dann allerdings in Frage: „Wir machen es heute auch nicht zu lang, es ist schwer nach so einem Package hier noch zu spielen…“ Öhm, bitte?? Sollte an dieser Stelle von einem Headliner nicht etwas kommen wie „Gebt nochmal alles, wir wissen es war ein harter Abend, aber zeigt uns was ihr noch drauf habt“ oder dergleichen? Schien nicht ganz so gut drauf zu sein, der Andreas – dafür konnte er aber stimmlich absolut überzeugen und hat in dem Bereich wirklich schon einiges an positiver Entwicklung durchgemacht. Äußerlich momentan wie eine Mischung aus Bill Kaulitz kleinem Bruder und Dez Fafara, klingt seine Shouts live wirklich beachtlich und macht auch gerade bei der aktuellen Single „Caliban‘s Revenge“ eine gute Figur. Nach wie vor nicht gerade das Model unter den Stimmen ist leider Gitarrist Denis, dessen Cleangesang wohl stets der größte Kritikpunkt an seiner Band sein wird. Auf CD ja durch die Produktion noch halbwegs gerettet, live dafür umso schonungsloser und schräger, was sehr schade ist, da sie an sich immer perfekt in die Kompositionen eingegliedert werden und so songwritingtechnisch mehr als dienlich sind. An diesem Abend hatte der Sound-Mann wohl allerdings ein Nachsehen und fuhr den Klargesang in Sachen Laustärke eh nicht so hoch. Dem Pit war es egal, er tobte auch weiterhin fröhlich und geriet dann zu der traditionellen Wall Of Death selbstverständlich besonders in Begeisterung. Beim Killertrack „24 Years“ der aktuellen Scheibe wirkte dann Bassist Marco stimmlich mit, dafür entfielen aber die elektronischen Einschübe, was ein wenig schade war, dem Song an sich aber nicht nichts anhaben konnte. Man verwies noch auf den frisch gegründeten „Caliban Fanclub“, machte sich dann aber nicht so viele Freunde, als man die bei Metalkonzerten obligatorischen SLAAAYYYER-Rufe mit „Och Leute… der hat so einen Bart. Den gab es schon, als ihr noch gar nicht geboren wart“ abtat. Wahre Metal-Fans lassen sich so etwas aber nicht gefallen – und konterten kurzer Hand etwas neueren Sprachchören: „HEAVEN SHALL BURN!“, „HEAVEN SHALL BURN!“. Das dürfte gesessen haben. Trotzdem gab es mit „Between the worlds“ inklusive ordentlichem Gehüpfe und „It’s our bourden to bleed“ zwei Zugaben, mit dem CALIBAN einen ordentlichen, wenn auch bei den Ansagen recht unglücklichen und nicht voll besuchten Abschluss des Beastfestes für dieses Jahr in Münster gaben.

Setlist CALIBAN
Love Song
My Time Has Come
No one is safe
I will never let you down
Stigmata
The Revenge
Caliban’s Revenge
Nowhere to run, no place to hide
Forsaken
24 Years
Between the worlds
It’s our burden to bleed

Sechs Bands dieser Kategorie für einen Kartenpreis von knapp über 20€ – das ist wirklich mehr als fair. Mit den Halloween-Kostümen wurde an diesem Abend on mancher Band auch nochmal etwas besonderes geboten und größtenteils präsentierten sich jene auch in Bestform. Leider konnte ich aufgrund einiger einschränkenden Regeln keine besseren Bilder vorweisen, trotzdem kann ich von der Veranstaltung an sich nur Positives berichten. Man könnte zwar beim nächsten Mal den Jägermeisterstand direkt neben der Bar positionieren und nicht erst den Merchandise-Stand dazwischen quetschen, so dass sich die Durstigen und die Kaufwilligen völlig unnötig im Weg stehen – ansonsten aber kann man sich nur wünschen, dass die Beastfest-Tour sich ähnlich etabliert wie vielleicht eine Never Say Die!-Tour oder ähnliches. So geniale Packages kann es einfach nicht genug geben – gerade hier in unserem Lande.

Copyright Fotos: Alexander Vogt

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