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BEATSTEAKS – KRAFTKLUB

Ort: Hannover – AWD-Hall

Datum: 16.03.2011

Es war mal wieder soweit, die BEATSTEAKS reisten aus der Bundes- in die Landeshauptstadt nach Hannover, um dort richtig Party zu machen. Ein solches Ereignis wollte sich natürlich keiner entgehen lassen und so war die AWD-Hall mit fast 6000 Besuchern selbstverständlich restlos ausverkauft. Ohne Übertreibung kann man sicher sagen, dass das Quintett derzeit zu den angesagtesten Acts aus bzw. in Deutschland zählt. Hatten die beiden Vorgängeralben „Limboh Messiah“ und „Kanonen auf Spatzen“ die Plätze 3 bzw. 5 der Deutschen Albumcharts erreicht, rangiert die aktuelle Langrille auf der Pole Position. Doch nicht nur bei den Plattenverkäufen sind die fünf Berliner top. Berühmt-berüchtigt sind vor allem ihre energiegeladenen Live-Shows, die schon zweimal mit der 1LIVE Krone „Bester LiveAct“ honoriert wurden.

Doch bevor es mit der Megaparty losging, durften die Chemnitzer bzw. Karl-Marx-Städter Kraftklub auf die Bühne und die Stimmung anheizen. Eigentlich waren TURBOSTAAT als Support angekündigt, doch aus gesundheitlichen Gründen standen diese nicht zur Verfügung und KRAFTKLUB sind sprangen ein. Um es vorweg zu nehmen: Die fünf Jungs aus Chemnitz haben ihre Sache richtig gut gemacht. Auch wenn die Halle beim pünktlichen Start um 200 Uhr noch nicht voll war, lag die Stimmung doch direkt von Beginn an bei 100%. Dass die Band live was drauf hat, hatte sie bereits im letzten Jahr bewiesen, als sie den „New Music Award“ gewann und dabei Fans und Jury im Finale überzeugen konnte. Ihre Musik ist eine kurzweilige Mischung aus IndieRock (THE HIVES lassen grüßen) und DeutschRap. Dieser Sound wurde mit solcher Energie und Bewegung vorgetragen, dass sich das Publikum gerne davon anstecken ließ und selbst schon sehr gut in Wallung kam. Die 30 Minuten waren sehr unterhaltsam und zeigten, dass KRAFTKLUB ein absolut würdiger Ersatz für TURBOSTAAT waren. Wenn nur jede Supportband so gut und passend wäre.

Setlist KRAFTKLUB
Intro
Ich hau rein
Zu jung
Liebe
Melancholie
Karl-Marx-Stadt
(Ich will nicht nach) Berlin
Schlagerstars
Scheissindiedisko
Lieblingsband

Beim Ende des Sets von KRAFTKLUB schien die Halle bereits voll, doch in den knapp 30 Minuten Umbaupause strömten immer noch mehr erwartungsvolle Fans der BEATSTEAKS in die Halle. Und sie sollten alle nach 120 Minuten Konzertwahnsinn restlos begeistert, ausgepowert und schweißgebadet sein. Pünktlich um 21 Uhr wurde ein Hintergrund mit einer riesigen Vinylplatte darauf gehisst. Die Band betrat die Bühne und schon kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Los ging es mit dem Opener „Atomic Love“ vom 2004er Durchbruchalbum „Smack Smash“. Und bereits da wurde klar, dass sowohl Band als auch Fans in Höchstform waren und sich gegenseitig pushen würden. Die nächsten beiden Songs „Beahviour“ und „Milk & Honey“ waren dem aktuellen Album „Boombox“ entnommen. Letzteres wurde mit sechs Titeln relativ wenig in die Setlist integriert, was aber Platz für einen ganze Menge Klassiker schuf und von den Fans sehr dankbar angenommen wurde. Aber auch bei den neuen Songs erwiesen sich die Fans als sehr textsicher und begeistert.

Arnims Aufforderung zum „Schwingen des Tanzbeins“ bei „Monster“ verfehlte seine Wirkung nicht, wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen. Im vorderen Bereich des Innenraums wurde bereits gepogt, was die Kondition hergab und auch der Rest der Halle war in Bewegung. Auch wenn TURBOSTAAT nicht anwesend sein konnten, wurde mit „Frieda und die Bomben“ ein Song von ihnen durch Bernd Kurtzke bretthart und in bester Punkrockmanier performt. Arnim – ansonsten wie ein Derwisch auf der Bühne von einem Ende zum anderen unterweg s- fand hier mal kurz Zeit, um etwas zu verschnaufen, wobei man ihm sein unglaubliches Pensum zu keiner Zeit anmerkte. Dafür war aber die Freude aller fünf Berliner über die Resonanz des Publikums zu sehen und zu spüren. Diese ehrliche Dankbarkeit macht sicher zu einem nicht unerheblichen Teil auch den Erfolg der Band aus. Den Einzigen wirklichen Ruhepol während der zweistündigen Tour de force lieferte das von Peter Baumann gesungenen „Hey Du“, bei dem eine Reihe von Feuerzeugen zu sehen waren. Da soll noch mal einer sagen, Punkrocker können mit ruhigen Sachen nichts anfangen. Weiter ging es mit „Hello Joe“ und „Demons Galore“, nach dem der Hintergrund mit der Vinylplatte fiel. Dies war aber keine Panne, da ab den Zugaben ein anderer Backdrop hochgezogen wurde.

Als ob die Bühne nicht groß genug wäre, machte sich Arnim bei „Alright“ auf den Weg ins Publikum und sang den Song von der Tribüne aus. „Shiny Shoes“ vom zweiten Album „Launched“ wurde den „Sarstedtern“ gewidmet, die der Band vor vielen Jahren den ersten Auftritt außerhalb Berlins verschafften. Eine Freundschaft, die über die Jahre gepflegt wurde und bis heute anhält. Nach rund anderthalb Stunden fand das Konzert mit dem frenetisch abgefeierten „Let me in“ das Ende des regulären Sets und definitiv einen Höhepunkt, bei dem wirklich JEDER mitsang. Angespornt durch diese Wahnsinnsstimmung, machte sich Arnim wieder auf den Weg ins Publikum, diesmal aber mit einem beherzten Stagedive. Während manche Band es bei anderthalben Stunden Konzert belässt, war an diesem Abend noch lange nicht Schluss. Ganze sieben weitere Stücke wurden noch in der kommenden halben Stunde zur Begeisterung der Fans zelebriert. Dabei ging es mit dem begeistert aufgenommenen „Unminded“ zum allerersten Song des ersten Albums auf eine Zeitreise in das Jahr 1997 zurück. Weitere Highlights in diesem furiosen Finale waren „Jane Became Insane“ (inkl. Gesangswettstreit Jungs gegen Mädels), „Cut Off The Top“ und der dann wirklich allerletzte Titel “ I Don’t Care As Long As You Sing“.

Als um 23 Uhr das Konzert zu Ende war und das Hallenlicht anging, gab es überall gleichermaßen erschöpfte wie begeisterte Gesichter. Die Halle hatte sich im Laufe des Konzerts zur größten Sauna Hannovers entwickelt und jeder, wirklich jeder, sah aus wie aus dem Wasser gezogen. Doch das kümmerte niemanden, galt es doch ein grandioses Konzerterlebnis zu verarbeiten und sich schon jetzt auf den nächsten Besuch der fünf alten Herren aus Berlin zu freuen.

Setlist Beatsteaks (ohne Gewähr)
Atomic Love
Behaviour
Milk & Honey
Cheap Comments
Monster
Under A Clear Blue Sky
Frieda Und Die Bomben
Big Attack
Summer
Hey Du
Hello Joe
Demons Galore
Automatic
Alright
Hail To The Freaks
Shiny Shoes
Panic
Hand In Hand
What’s Coming Over You
Let Me In

Fix It
Unminded
Jane Became Insane
Sampler
Cut Off The Top

Mietzi’s Song
As I Please
I Don’t Care As Long As You Sing

Copyright Fotos: Holger Bücker

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